Polizei nach Falschbehauptung von Medien: kein Anlass für Ermittlungen

„Bauernverband verurteilt NS-Symbolik an Traktoren in Nürnberg“, titelte die ZEIT. "Keine NS-Symbolik" und „Unsere Fachabteilung hatte das geprüft und ist zu dem Schluss gekommen, dass es sich um keinen strafbaren Inhalt handelt“, so die Polizei Mittelfranken.

imago images / HMB-Media
Bauerrnproteste Nürnberg, 17.01.2020

Mehrere Medien berichteten nach der Bauerndemonstration „Land schafft Verbindung“ in Nürnberg am 17. Januar, dort seien „rechtsextreme Symbole“ (WELT) beziehungsweise „NS-Symbolik“ gezeigt worden. „Bauernverband verurteilt NS-Symbolik an Traktoren in Nürnberg“, titelte beispielsweise die ZEIT, und machte damit die vermeintliche NS-Unterwanderung der vor allem gegen grüne Politik gerichteten Bauernprotestbewegung zu einem großen Thema.

In Wirklichkeit ging es von vorn herein nur um Schilder an zwei von 2.500 Traktoren. Und auf denen war, wie die Polizei Mittelfranken mitteilte, keine „NS-Symbolik“ und auch sonst nichts Strafbares abgebildet. „Unsere Fachabteilung hatte das geprüft und ist zu dem Schluss gekommen, dass es sich um keinen strafbaren Inhalt handelt“, so Michael Konrad, Sprecher der Polizei Mittelfranken, gegenüber TE.

Deshalb habe es auch keine weitere Prüfung durch die Staatsanwaltschaft gegeben.
Die Erkenntnis kommt nicht überraschend. Denn auf den Plakaten war jeweils ein eisernes Kreuz zu sehen, das – in leicht anderer Form – auch als Hoheitszeichen auf Flugzeugen und Fahrzeugen der Bundeswehr dient.

Die Sätze auf den beiden Plakaten lauteten: „Klagt nicht, kämpft“ und „Die Wahrheit siegt“ – Aussagen, die man altmodisch, allzu pathetisch oder allzu martialisch für eine friedliche Demonstration unpassend finden kann, aber einen Bezug zum Rechtsextremismus oder gar zur NS-Zeit haben sie nicht. Die erste Parole wurde in der Bundeswehr von einigen Einheiten als Motto verwendet. Schon 2013 hatte das Verteidigungsministerium auf eine Anfrage der Linksfraktion geantwortet: „Für das in Rede stehende Zitat lässt sich kein historischer Bezug zur Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht nachweisen und es ist in der Bundeswehr – unabhängig von einer geschmacklichen Bewertung – nicht verboten.“

„Die Wahrheit siegt“ ist, wie eine kurze Internet-Recherche den ZEIT-Redakteuren hätte offenbaren können, erstens der Titel eines Stummfilms von 1918 und zweitens der Wahlspruch der früheren Tschechoslowakei und des amtierenden tschechischen Präsidenten.

Einen NS-Bezug meinte die Redaktion der ZEIT offenbar in der Frakturschrift der beiden Plakate zu erkennen. Für historische Bildung spricht das nicht. Die Frakturschrift entstand lange vor der NS-Zeit – wurde aber ausgerechnet in dieser Ära verboten. Am 3. Januar 1941 erging im 3. Reich ein Erlass, der die Verwendung der Frakturlettern untersagte.

Der Text mit der Falschmeldung der ZEIT findet sich trotzdem nach wie vor unkorrigiert im Netz.

Übrigens wäre es zumindest für ZEIT Online, deren Redaktion in Berlin sitzt, naheliegender, sich mit dem Eingang des Finanzamts Charlottenburg zu befassen.

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Kommentare ( 83 )

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Sani58
8 Monate her

Das ist die *Demokratie von heute. Das ist der Kampf gegen Räächts.
Das muss man verstehen. Da man nichts Anderes findet müssen halt Sprüche wie „Die Wahrheit siegt“ oder „Klagt nicht, kämpft“ her halten.
Allerdings, die Klientel, die sich von Zeit und ZDF beeinflussen lässt ist gewaltig groß. Gut, dass Diese, die Suppe später auch selbst löffeln müssen.

Wolf
8 Monate her

wo sind den die Faktenchecker von „Correktiv“ ???

Andreas aus E.
8 Monate her
Antworten an  Wolf

Die sind arg beschäftigt: Irgendwer der Schwefelpartei soll seinen Kindern was vom Osterhasen erzählt haben, der bald herumhoppeln solle. Der Sache gehen die Faktenchecker derzeit nach.

Sofie Lauterbach
8 Monate her

Eines der beiden Fotos war nach meiner Einschätzung ohnehin eine Fälschung aus dem Photoshop.

Andreas aus E.
8 Monate her
Antworten an  Sofie Lauterbach

Das mit dem Adler sieht in der Tat stümperhaft aus, das D hängt etwas über, aber selbst wenn das echt sein sollte: Anstößig finde ich solcherlei nicht, grober Klotz, grobes Keil eben.

Es ging da wohl wirklich nur darum, die Sache des Landvolks in Schmuddelecke zu zerren und zu „bäh“ zu machen.

Man kennt doch mittlerweile das Gekeife der Medien. Verlogen bis zum Gehtnichtmehr.
Eine Perle nachgerade vorhin im DLF, „wie Rechte Kultur behindern“ oder so ähnlich, ab 20.05 Uhr – das sollte sich jeder mal reinziehen, ein neuer Tiefpunkt linkslastigen Gebührenfunks, dagegen ist die Zeit eine Rechtsaußenpostille.

Wolfgang Wegener
9 Monate her

Na ja, diese Bauerndemos sind natürlich nicht schön für die CDU, auch nicht für die offiziellen Funktionäre. Nutzt wahrscheinlich der AfD. Aber auch die Bauern auf dem Demos haben ja verstanden, dass das Pfui-Nazis sind: Ein AfD-Redner wurde auf der Kundgebung zwar eingeladen, aber dann wieder ausgeladen, stand zu lesen. Wer seine Interessen durchsetzen will, muss dann schon mit dem entsprechenden Wahlverhalten drohen. Nur buh zu rufen bei den eingeladenen Mainstream-Politikern, die das Desaster ja zu verantworten haben, wird es wohl nicht bringen.

Juergen Schmidt
9 Monate her

Also, ich hatte mich schon gewundert, warum es sooo lange dauert bis die Land-schafft-Verbindung-Bauernproteste von unseren Qualitätsmedienschaffenden in die rechte Ecke gestellt werden. Normalerweise geschieht das doch unverzüglich und reflexhaft?
Und es war wohl auch der einschlägig vorbestrafte Antifa-Alkoholiker, der zu solchen Gelegenheiten gerne öffentlichkeitswirksam hitlergrußzeigend vor einer Kamera vorbeiläuft, gerade im Urlaub oder im klinischen Entzug?

toad
9 Monate her

Es ist eine Rufmordkampagne und etwas bleibt immer hängen. Und wer die Psychologie dieser Rufmordkampagnen in aller Dramatik sehen möchte:
Im Archipel Gulag beschreibt Alexander Solschenizyn das Misstrauen zwischen den Gulag-Häftlingen: man selbst ist natürlich unschuldig und zu Unrecht verurteilt. Aber der Nebenmann wurde verurteilt und vielleicht ist der doch ein Reaktionär und aus guten Gründen verurteilt…

Lutz Herzer
9 Monate her

Schon schlimm, was aus der Zeit geworden ist. Die Qualität auch dieses Blattes reicht gerade noch, um Räucherfisch einzuwickeln oder sich einen Joint zu drehen.

Wer sich noch wehmütig an bessere Zeiten erinnern möchte, kann sich den frei verfügbaren und leicht zu findenden Artikel von Josef Joffe aus dem Jahr 2007 über Klimatismus unter dem Titel „Ich bin dein Gore“ zu Gemüte führen. Den hätte vor allem die Unwort-Jury des Jahres 2019 einmal lesen sollen.

Halt, noch eins: das Kreuzworträtsel ist ein schönes Relikt und immer wieder wert, gelöst zu werden. Gibt’s sogar kostenlos im Netz.

toad
9 Monate her
Antworten an  Lutz Herzer

Ein guter Artikel aus der ZEIT aus dem Jahr 2007. Um die Zeit herum habe ich für die ZEIT auch tatsächlich noch gezahlt. Lange ist es her…

Nibelung
9 Monate her

Das ganze Problem für die Politik und die Medien ist erst so richtig aufgetaucht, nachdem sich das Internet als neue Plattform präsentiert hat und somit wird die Politik immer gläserner und die Nachrichten schneller und die Medien verlieren ihren Hoheitsanspruch der Deutung und deswegen finden beide keinen Gefallen an dieser Entwicklung und man kann dem nur noch begegnen durch Falschmeldung, durch Verschweigen und durch Irreführung und da sind sie ja zwischenzeitlich große Meister geworden und in der Gesellschaft gibt es eben noch zuviele die sich ungeprüft bedienen lassen und meinen, die werden es schon richten und das ist der große… Mehr

Ruhrler
9 Monate her

Ich hätte es besser gefunden auch mal Fotos der besagten Banner zu veröffentlichen, übrigens auch auf Tichy´s Einblick. Persönlich finde ich die Banner schon sehr grenzwertig, vor allem das Ding mit dem Reichsadler.
https://twitter.com/dudusvw/status/1218190196652552192?ref_src=twsrc%5Etfw

Andreas aus E.
9 Monate her
Antworten an  Ruhrler

Wenn bei so viel Teilnehmern zwei (von 2.000) solche Symbolik an ihren Treckern anbringen, ist das nichts als ganz gewöhnliches Abbild der Gesellschaft. Eher sogar unterdurchschnittlich.
Die „Zeit“ wäre natürlich glücklicher, hätten die geschlossen Rote Fahne gehisst und gemeinsam „Fritz der Traktorist“ gesungen.

Ruhrler
9 Monate her
Antworten an  Andreas aus E.

Darum geht es mir gar nicht, aber weder die Zeit noch dieser Blog haben „den Stein des Anstosses“ mal bildlich dargestellt. Stattdessen wird sofort die Nazikeule ausgepackt (von der ZEIT und anderen MSM) oder versucht diese Symbole zu verharmlosen. Beides ist falsch. Ich bilde mir gerne selber meine Meinung und verlasse mich nicht auf blosses Hörensagen. Das es nur 2 Banner an über 2500 Treckern waren ist eine andere Geschichte, das linke Blätter das sofort zum Skandal aufplustern ist doch sonnenklar, fehlt nur noch der Hinweis auf die AFD.

Andreas aus E.
8 Monate her
Antworten an  Ruhrler

Gut, da bin ich ganz bei Ihnen.

Kassandra
8 Monate her
Antworten an  Ruhrler

Sie wissen aber schon, dass auch Fotos „gefälscht“ werden? Und seit „Forrest Gump“ kann man wissen, dass nicht nur Menschen in Szenen eingefügt werden können, die mitnichten anwesend waren? Zudem geht es doch darum, dass von einer Riesendemonstration der Fokus der Aufmerksamkeit der Leser genau auf 2 Fälle gelenkt wird, statt sich darauf zu konzentrieren, was Grund des Protestes ist und was die Bauern zu sagen haben. Es geht darum, dass „sie“ das aufspießen, was „ihnen“ dienlich sein kann und entsprechend zu dem AgitProp in das Hirn der indoktrinierten Masse passt. Sie haben die Fotos im Netz ja gefunden –… Mehr

Lutz Herzer
8 Monate her
Antworten an  Ruhrler

Der Reichsadler prangte noch bis vor wenigen Jahren an jeder Flasche der Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach.

https://www.weinspion.de/2009/09/2008-riesling-classic-kloster-eberbach/

H. Priess
9 Monate her

Natürlich muß man die bauern in die Rechte Ecke stellen denn sie wagen Widerspruch und das ist Rechts, Nazi oder sogar schon AfD. Das mit dem Verbot der Frakturschrift war mir neu aber bei TE lernt man immer was dazu. Die Zeit ist eine Gazette für linksverdrehte halbintellektuelle Studienabbrecher. Ich schaue ab und zu rein, einfach so zum Spaß, irgend ein Thema wo es um Rechts oder Flüchtlinge/Migranten/Einwanderer geht. In Zeiten wo keiner mehr Spaß versteht darf man seinen Humor nicht verlieren. Ich lese dann die Kommentare und freue mit wie Rumpelstilzchen wie geistig unterbemittelt viele meiner Mitbürger sind. Dazu… Mehr

nomsm
9 Monate her
Antworten an  H. Priess

Die Frakturschrift ist aufgegeben worden zugunsten der romanischen Schriftzeichenk