Ein Korridor für syrische Flüchtlinge von Ungarn nach Deutschland?

Vom Treffen der Visegrad-Gruppe kommt der Vorschlag, syrische Flüchtlinge aus Ungarn durch Slowakien und Tschechien direkt und ohne jede Kontrolle nach Deutschland zu bringen.

Eintausend, die es bis Budapest geschafft haben, marschieren auf der Autobahn Richtung Österreich. Vom Treffen der Visegrad-Gruppe (V4) kommt der Vorschlag, syrische Flüchtlinge aus Ungarn in einem Korridor durch Slowakien und Tschechien direkt und ohne jede Kontrolle nach Deutschland zu bringen. Akzeptiert Berlin diesen Vorschlag, ist der nächste logische Schritt, die syrischen Flüchtlinge an der syrischen Grenze abzuholen und mit Flugzeugen nach Deutschland zu bringen, anstatt sie weiter der bisherigen Odyssee auszusetzen.

Der Vorschlag aus Prag und Bratislava fußt auf der deutschen Entscheidung, syrische Asylbewerber nicht mehr in die Ankunftsländer zurückzuschicken. Setzt nicht gleichzeitig eine Politik der Errichtung von Flüchtlingsstädten mit Industrie- und Gewerbeansiedlung in der grenznahen Türkei ein, wird Deutschland das in Deutschland tun müssen.

Das offizielle Ergebnis der V4: Sie fordern eine bessere Bewachung der EU-Außengrenzen und die Einrichtung von Registrierungszentren in besonders betroffenen EU-Staaten sowie die Stabilisierung der Krisenstaaten Syrien und Libyen.

Das viel zu lange Nichthandeln der Politik zwingt sie nun in die Knie. Wer wird sich nach den Bildern des ertrunkenen syrischen Jungen nun den Bildern des Marsches über die Autobahn entziehen können? Wenn das Dreieck Merkel-Hollande-Juncker noch immer glaubt, es könnte mit Business As Usual, mit Gipfelchen in ein paar Tagen und Gipfeln in ein paar Wochen, weiter machen, haben sie sich offensichtlich geirrt. Wer immer hier die Fäden zieht, die Wirkung des Autobahn-Marsches kann jeder ahnen, der ein wenig von Massenmedien-Demokratien versteht.

Aus einem Aufnahmelager in der ungarischen Provinz sollen einige Hundert ausgebrochen sein und sich ebenfalls auf den Weg gemacht haben. Die Smartphone-Vernetzung wird dafür sorgen, dass Ähnliches in allen Ländern auf der Balkan-Route geschieht, wo die dortigen Behörden noch versuchen sollten, das zu tun, was die Dublin-Regel sagt: Im ersten EU-Land registrieren.

Heute wird dieser Teil EU-Recht außer Kraft gesetzt, ob die EU das will oder nicht. Der Zustand, der sich hier anbahnt, heißt Anomie: ein Zustand ohne Recht und ohne Ordnung.

Es ist fünf nach zwölf.

Nachtrag, Samstag 5. September: „Die Regierungen Österreichs und Deutschlands hatten sich darauf verständigt, die Migranten einreisen zu lassen.“

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