Die Universität Halle schasst ihren Star-Virologen Alexander Kekulé

Die Martin-Luther-Universität trennt sich vom Virologen Alexander Kekulé. Der Streit zwischen Hochschule und Professor schwelt bereits länger. Kekulé glaubt an ein "politisches Verfahren", weil er sich gegen die Bundesregierung und das Robert-Koch-Institut gestellt hat.

IMAGO / Eventpress
Professor Alexander Kekulé bei "Anne Will" am 15. März 2020.

Die Martin-Luther-Universität Halle hat eine „vorläufige Dienstenthebung“ gegen den Virologen Alexander Kekulé ausgesprochen, der dort als Professor lehrt. Das meldet die Mitteldeutsche Zeitung (MZ). Hintergrund ist ein Disziplinarverfahren. Die Entscheidung des Rektors Christian Tietje wird vom Ärztlichen Direktor der Uniklinik, Thomas Moesta, und dem Dekan der Medizinischen Fakultät, Michael Gekle, „vollständig unterstützt“. Das geht aus einem Brief hervor, den die Mediziner an 50 Klinikdirektoren richteten. Die Hintergründe werden in dem Schreiben nicht genannt.

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Kekulé zählt seit Beginn der Corona-Pandemie zu den bekanntesten Virologen in Deutschland. Er ist ein gefragter Gast in Fernseh- und Radiosendungen. Von 2003 bis 2015 war er in der Schutzkommission beim Bundesministerium des Innern und beriet die Bundesregierung im Bereich des Seuchenschutzes. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle (Saale).

Laut MZ hatte der Rektor für das Disziplinarverfahren einen Ermittler gegen Kekulé eingesetzt. Offenbar geht es um dessen Versäumnisse bei Lehrverpflichtungen. Es bestehen Zweifel, ob die Lehrangebote „auch so stattfanden“, schriebt die MZ. Der Ermittler sei zum Schluss gekommen, dass die Vorwürfe gegen Kekulé so schwer seien, dass weitere Schritte eingeleitet werden müssten. Deswegen ordnete der Universitätsrektor die Dienstenthebung an. Bereits in der Vergangenheit hatten Kritiker Kekulé mangelnde Forschungstätigkeit vorgeworfen.

Kekulé: „Politisches Verfahren“

Dagegen bekräftigte Kekulé, dass es bei den versäumten Lehrverpflichtungen lediglich um ein Formular ginge, dass er möglicherweise nicht richtig ausgefüllt habe. Gegen ihn laufe ein „politisches Verfahren“. Er habe sich in der Vergangenheit über die schlechte Ausstattung des Lehrstuhls beklagt, die Hochschule habe ihre Zusagen nicht erfüllt. Gegenüber BILD wiederholte er den Vorwurf des „politischen Verfahrens“, es sei bekannt, dass er die Bundesregierung und das Robert-Koch-Institut immer wieder kritisiert habe. Es sei „unmöglich“, wie die Martin-Luther-Universität mit ihren Professoren umginge, die Vorwürfe seien „an den Haaren herbeigezogen“.

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Zudem konkretisierte Kekulé den Streit mit der Hochschule: „Ich habe seit Dienstantritt dafür gekämpft, die Virologie an der Universität halbwegs vernünftig ausstatten zu lassen. Denn leider hat die Universitätsleitung das Thema Infektiologie unterschätzt. Nachdem meine Briefe an den Dekan, an den ärztlichen Direktor und das Rektorat nicht gefruchtet hatten, habe ich im Sommer 2020 mit dem zuständigen Minister der Landesregierung darüber gesprochen, der zusagte, sich darum zu kümmern, dass wir die nötige Ausstattung bekommen. Ich sehe den aktuellen Schritt der Universität nun als unmittelbare Reaktion darauf.“

„Im Januar wurde mir das molekularbiologische Labor weggenommen. Das Labor, das unter anderem die Corona-Tests durchführt und erhebliche Einnahmen für das Klinikum generiert. Seitdem läuft dazu ein Gerichtsverfahren“, führte Kekulé aus. Er kündigte weitere rechtliche Schritte an. Laut dpa erklärte Kekulé, es ginge bei der versäumten Unterrichtspflicht um ein Praktikum im vergangenen Jahr, das er unter Verstoß der Corona-Auflagen hätte stattfinden lassen sollen. Die Universität kommentierte dagegen keine Personalentscheidungen, wie eine Sprecherin erklärte. Kekulé droht nach einem Disziplinarverfahren die Entfernung aus dem Beamtenverhältnis.

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Kommentare ( 132 )

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Old-Man
24 Tage her

Wenn sich die Intelligenz nicht ganz Systemkonform verhält, das heißt, nicht deren Meinung abnickt, und sei sie noch so bescheuert, dann „schlägt“ die Macht des Systems gnadenlos zu. Man kann es auch anders ausdrücken, nicht so hübsch, ändert aber nichts am Wahrheitsgehalt : Wenn sich intelligente Menschen auf ein Scharmützel mit blöden einlassen, dann siegt meist die Blödheit, denn kaum ein intelligenter wagt es sich auf die Seite des angegriffenen zu stellen, denn leider gibt es zu viele Blöde an den Stellschrauben der Macht. Es sagte schon ein gewisser Georg Nader in den 80ziger Jahren zu seinem Präsidenten: Mr. Präsident,… Mehr

Monostatos
25 Tage her

Sönnichsen, Kekulé und demnächst gewiss Streeck: der vom WEF installierte Gesundheits-Stalinismus versucht mit Säuberungen – bereitwillig von der Scholzschen Hampelkoalition unterstützt – den Great Reset durchzuziehen. Es ist sehr zu hoffen, dass nun die schweigende Mehrheit begreift, was geschieht und sich endlich vehement wehrt.

Sani58
25 Tage her

Deutschland hat fertig.
Statt massiv in Forschung, Ingenieurwesen, Universität- u. Gesundheitswesen, Wissenschaft und Infrastruktur zu investieren,. wird das Steuergeld für Weltenrettung, soziale Wohltat für noch nie Beiträge geleistet Habende , für Südeuropa, für Afrika…. rausgehauen.
Im wenigen Jahren wissen auch die Jungen wie es in der DDR aussah, und zuging.

bkkopp
25 Tage her

Wenn Herr Kekule ein Star-Virologe ist ( oder wäre), dann stehen andere Universitäten und die Industrie Schlange um ihn für sich zu gewinnen. Es könnte aber sein, dass der wissenschaftlich-professionelle Stern nicht hell genug leuchtet, und sehr weitgehend nur ein Anschein ist. Als Aussenstehender kann man das kaum beruteilen. Man kann auch den internen Streit an der Universität, der in Teilen seit Jahren bestehen soll, auch nicht ohne Detailkenntnisse beurteilen.

Anti-Merkel
25 Tage her
Antworten an  bkkopp

Kekulé ist ein Star-Virologe, aber die anderen Universitäten stehen genauso Schlange, wie sie vor 80 Jahren Schlange gestanden haben, um Professoren anzuwerben, die sich gegen Hitlers Rassenlehre ausgesprochen haben.
Und aus den gleichen Gründen.

bkkopp
25 Tage her
Antworten an  Anti-Merkel

Virologie ist weder Ideologie noch Diskussionswissenschaft. Es ist Naturwissenschaft. Deshalb können akademische Star-Virologen jederzeit in der Industrie doppelt und dreimal so viel verdienen wie an einer popeligen Uni in Halle an der Saale. Auf eine andere, deutsche, Universität sind Star-Virologen auch ganz bestimmt nicht angewiesen, weil die wissenschaftlichen Stars der Disziplin in mehreren Ländern offene Türen haben. Ich kann die wissenschaftlichen Star-Qualitäten von Herrn Kekule nicht beurteilen.

egal1966
24 Tage her
Antworten an  bkkopp

Nun, Virologie ist in diesen Zeiten schon lange keine Wissenschaft mehr, wo es noch um These und Gegenthese geht und darüber offen diskutiert wird. Dieses sollte eigentlich auch den Blindesten langsam aufgefallen sein. Ja und wo eine Ideologie herrscht, die keine Gegenthese mehr zulässt, egal ob sie sich nun in Endeffekt als richtig oder falsch herausstellt, wird auch die Industrie, die ja quasi ins selbe Horn bläst, einen Teufel darauf geben, einen Mann wie Kekule eine Stellung anzubieten. Es wäre in etwa so, als ob vor gut 80 Jahren eine Uni oder auch die damaligen Unternehmen einen jüdischen Wissenschaftler angestellt… Mehr

Hoffnungslos
25 Tage her
Antworten an  bkkopp

Der interne Streit an Universitäten ist eine Sache, einen renommierten Hochschullehrer zu suspendieren beweist die mangelnde Diskussionsfähigkeit einer Universität. Wissenschaftlicher Diskurs ist offensichtlich in Halle nicht mehr möglich. Universitas war früher, heute wohl eher Kaderschmiede des einheitlichen, genehmigten Denkens. Shame on you!

Nibelung
25 Tage her

Säuberung auf allen Ebenen und das vom Feinsten nach Sozialistenart. Wer da noch lange zusieht, wird in einer neuen sozialistschen Welt erwachen und man muß nur nach Nord-Korea und China schauen und die Deppen hierzulande meinen, es gäbe den humanen und freiheitlichen Sozialismus, was die größte Selbsttäuschung darstellt, seit es diese Brüder und nachgereichten Schwestern gibt. Die sind in der Aufklärung erwacht und seiher treiben sie ihr Unwesen in recht unterschiedlichen Formen aber immer mit dem gleichen Ziel, dei eigene Weltanschauung allen anderen überzustülpen und von Ausgewogenheit wollen die nichts wissen, weil damit ihre Träume nicht realisiert werden können um… Mehr

Ananda
25 Tage her

Wehe denen, die den Staatsdoktrinen widersprechen. Wobei heutzutage „Staat“ eher relativ zu verstehen ist (bittere Satire). Dunkle Zeiten.

JamesBond
26 Tage her

Wer versteht wie dieser Staat tickt der weiß, wie nah wir auch im Westen an der DDR dran waren und noch immer sind. Jeder der zur Zeit offen die Wahrheit über Corona verbreitet, der ist Rechts oder wird beruflich vernichtet: https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/saalekreis/polizeirevier-merseburg-leiter-suspendiert-corona-demo-100.html
Da hilft die altbekannte Methode “Maulwurf” und natürlich Rente – damit haben diese Stasi’s immer ein Problem ….

Anti-Merkel
26 Tage her

Sogar Streeck, der ja immer ein Impfpropagandist war, wird gerade gemobbt, weil er weniger extrem ist als Lauterbach.

Sterling Heights
26 Tage her

Der Lehrstuhl sollte aufgelöst werden. Mit den Geldern kann man Projekte für Gender- und Rassismusforschung fördern. Wir haben in der Politik kompetente Epidemiologen/Virologen m/w/d -Interpretierer*innen 😉. Es soll eine Professur gegeben haben, dessen Inhaber sich nie um Lehrverpflichtungen gekümmert hatte: Professor Justus Frantz, genannt: „Franzdampf“. Aber Herr Frantz ist ein „begnadeter“ Künstler. HALLELUJA..

lauterbachleugner
26 Tage her

Eigenständiges Denken mit gelegentlicher Kritik am Regime ist schon zu viel. Dann kommen die ‚Ermittler‘.