Die FDP präsentiert im Bundestag bei der EU-Abstimmung ihren Abschied von Liberal

Über die FDP habe ich schon lange nichts mehr geschrieben. Aber das Abstimmungsverhalten ihrer Abgeordneten im Bundestag hat mich daran erinnert, dass ich es ausnahmsweise mal tun sollte.

IMAGO / Metodi Popow

Bei Freiheit und Recht und daher auch Markt und Wettbewerb hat die FDP sich im nationalen und globalen Kulturkampf schon seit langem auf die falsche Seite geschlichen, nun erinnert sie alle, die das vergessen oder übersehen haben, in einer Abstimmung im Bundestag daran.

Alle, die von einer „bürgerlichen“ Koalition träumen, mache ich darauf aufmerksam, Union plus AfD plus FDP wäre keine solche, abgesehen davon, dass so etwas aus den bekannten Gründen sowieso nicht zustande kommt – nicht heute, nicht morgen, nicht übermorgen. (Warum so etwas auch gar nicht „bürgerlich“ wäre, davon ein anderes Mal.)

Für Freiheit und Recht und daher auch Markt und Wettbewerb gab es in der Union noch nie eine Mehrheit, in der FDP nur in kurzen Zeitabschnitten – und nie für das komplette Paket von Freiheit und Recht und daher auch Markt und Wettbewerb, sondern immer nur für Teile.

In der AfD (nicht zuletzt ein Fluchtpunkt von Ehemaligen aus Union und FDP) sind bloß die Gewichte anders verteilt. Es flohen ja nicht Rechtsstaatsliberale und Marktradikale von Union und FDP zur AfD.

In einem irrt die FDP im Koalitionsspiel jetzt wie schon früher. Union und SPD wussten sehr gut, dass sie sich auf die FDP nicht verlassen konnten. Die damals noch Volksparteien sind der FDP – nicht nur, aber auch deshalb – nie auf Augenhöhe begegnet – mit einer Ausnahme: Brandt und Scheel. Aber das dauerte nur zwei Jahre.

Das einer einzigen Partei schon recht nahe Gebilde Grünrotdunkelrot (GrüRoDuRo) wird nicht zögern, die FDP ins Boot zu nehmen, wenn sie für die Kanzlermehrheit gebraucht wird. Dass auf die FDP kein Verlass ist, weiß natürlich auch GrüRoDuRo und würde mit der FDP so umgehen wie die Grünen mit der Union. Nützliche Idioten sind immer gefragt – und verachtet. Braucht man sie nicht mehr, wirft man sie weg.


Autor Fritz Goergen war von 1968 bis 2003 Mitglied der FDP.

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Kommentare ( 115 )

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19 Tage her

Vor 2014 wählte ich FDP, nun ist diese Partei für mich untragbar.

miscellaneous
19 Tage her

Die FDP wird noch gebraucht.

Ob im Deutschlandfunk morgens oder einer politischen Talkrunde abends, damit man bloß keinen AfD-Politiker einladen muss, aber so tun kann, als käme „die Opposition“ auch zu Wort.

Hat auch was Gutes, denn noch mehr öffentliches Gelaber von der Linken, im öffentlichen Rundfunk, wäre ebenfalls unerträglich.

Und wenn der Lambsdorff mal wieder früh aufstehen musste, um im DLF aufzutreten, denk ich mir im Stillen, hoffentlich hat er wenigstens schlecht geschlafen .

F.Peter
19 Tage her

Diese FDP braucht kein Mensch mehr.
Am Donnerstag wurde im Bundestag auch das Gesetz „Bundestag beschließt verschärftes Gesetz gegen sexuellen Kindesmissbrauch“ beschlossen. Allerdings haben sich Grüne, FDP und Linke bei der Abstimmung enthalten. Bei den Grünen wundert mich das nicht, deren pädophile Neigungen sind bis heute nicht wirlich aufgearbeitet, und bei den Linken ist eh jedes vernünftgie Argument obsolet. Was jedoch die FDP dazu treibt, sich für die Rechte von Kindern, und zwar der persönlichste Grundrechte einzusetzen, bleibt mir schleierhaft!Oder gibt es irgendein nachvollziehbares Argument, die sexuelle Übergriffigkeit von Erwachsen gegen Kinder nicht mit den härtesten Strafen zu sanktionieren?

Juergen P. Schneider
20 Tage her

Von den „Umfallern“ habe ich nichts anderes erwartet.

andreask90
20 Tage her

Nett wäre es gewesen, das jetzt auch mit Argumenten zu unterlegen.
Aber mal abgesehen davon stimmt die Kritik nur für DIESE CDU, DIESE CSU, DIESE AfD.
Mit neuer Führung, mit neuen Entscheidungsträgern könnte alles ganz anders aussehen. Nehmen wir als Beispiel die Republikaner und Trump. Ohne Trump ist das ein ganz anderer Verein (weswegen man ihn auch loswerden wollte).

Fabian S.
20 Tage her

Naja, die FDP kann man seit 2009 als Bettvorleger und Witzpartei betrachten! Was hat die FDP nicht alles versprochen im Wahlkampf 2009. Es wurde ein devotes Kabinett mit der Domina Angela. Vollkommenen lächerliche Politik die die FDP seit dem abliefert.

Solbakken
20 Tage her

Sehr geehrter Herr Goergen, warum müssen Sie der AfD in einem Artikel über das Versagen der FDP eins in die Fr…. hauen? Die AfD hat vorbildlich gegen die EU-Kreditaufnahme gestimmt. Wäre das anders, wären der AfD heute und in den nächsten Tagen die Mitglieder in Scharen davongelaufen. Die AfD ist im Bundestag die einzige Fraktion, die geschlossen für das Königsrecht des Parlamentes eintritt: die Hoheit über den Haushalt.

fanky
20 Tage her

Die FDP Bundestagsabgeordneten fallen mir momentan nur durch Hass und Hetze gegen Andersdenkende auf, fast immer gegen die AFD. Statt menschenverachtende Reden zu schwingen , sollten sie endlich zur Marktwirtschaft zurückfinden. Die AFD macht es ihnen vor.

199 Luftballon
20 Tage her

Mit Schulden kennt sich der Schuldenkönig von Moomaax und Königsmacher Lindner ja bestens aus.
Außerdem ist die FDP ein Fall für den Verfassungsschutz da sie Deutschland abschaffen will und für einen Zentralstaat in Brüssel eintritt.

Eberhard
20 Tage her

Liberal gibt es nicht mehr. Genau so wie es Links, Rechts, Liberal, mit Schwarz, Rot, Grün, Dunkelrot, Gelb und nun noch Blau auch nicht mehr Farben echt gibt. Alles nur noch ein undefinierbarer Farbbrei, bei dem der Wähler nie sicher sein kann, dass das was er eigentlich gewählt hat, auch nach der Wahl noch da. Fast alle Parteien haben sich inzwischen zu einem eigentlich unverdaulichem Mischgericht entwickelt. Welches in steter Anlehnung an jeweiligen Zeitgeist, nur eigenes Vorteilsdenken und oft dazu noch die Erfüllung persönlichem Wunschdenkens als Zielstellung kennt. Dafür wird verschämt und unterschwellig auch alle unvereinbare Ideologie, wenn es sein… Mehr