Coronavirus: Very Special Agent Claus Kleber im Auftrag Ihrer Majestät

Selten wird so offensichtlich, dass es sich nicht um Journalismus handelt, sondern Propaganda, wie in diesem ZDF heute journal.

Screenprint: ZDF/heute-journal

Ein paar Noten habe ich an Claus Kleber für seinen Einsatz im gestrigen ZDF heute journal zu vergeben. Eine Eins für die gut verständliche Erklärung, warum die nicht mehr verhinderbare Ausbreitung des Coronavirus zeitlich verzögert werden sollte.

Eine Fünf gibt es für die Unverschämtheit von Kleber, dem Volk zu erklären, dass dieses neue Coronavirus eine Pandemie ist, nachdem er und seinesgleichen genau das wochenlang verschwiegen oder unterdrückt hatten.

Ebenfalls mit einer glatten Fünf bewerte ich sein Interview mit dem Frankfurter Virologen Martin Stürmer, aus dem Kleber unüberhörbar und unbeirrbar herausfragte, warum Grenzschließungen gegen das Coronavirus nichts nützen.

Kleber fragte den Experten nicht, zu welchem Zeitpunkt Grenzschließungen Deutschland vor schneller Ausbreitung des Coronavirus geholfen hätten. Er fragte ihn auch nicht, warum Abschließungen der innerdeutschen Hotspots Baden-Württemberg, Bayern und NRW nutzen würden, Grenzschließungen an nationalen Grenzen aber nicht. Gar nicht fragte Kleber, warum die Verhinderung weiteren Zuzugs von Coronavirus-Trägern durch Grenzschließung „nicht mehr sinnvoll” sein soll, weil schon so viele da wären. Und sich selbst fragte Kleber nicht, wie sich das mit seiner Lektion – siehe oben – von der Abflachung der Ausbreitungskurve vertragen soll. Kleber stellte Stürmer nur Fragen, die Klebers Auftrag dienen sollten, Grenzschließungen für nutzlos zu erklären. Den Auftrag hat Kleber nicht erfüllt, sein Gespräch mit Stürmer zu Grenzschließungen steckt voller Widersprüche, die Kleber überhörte, um seinen Auftrag nicht zu gefährden. Genau damit hat er seinen Auftrag verfehlt.

Eine Frage an den Virologen Martin Stürmer habe ich nach dessen Interview mit dem SWR am 26. Februar ganz besonders vermisst. Warum erreichte Kleber den Mann in Sölden, im Tiroler Ötztal? Stürmer hatte doch Ende Februar vor Reisen nach Oberitalien und Südtirol abgeraten. Nun ist Sölden in Nordtirol, aber Stürmer ist wohl nicht davon ausgegangen, dass aus Südtirol niemand ins Ötztal kommt. Oder?

Ich warte auf die selbstkritische Ausgabe des ZDF heute journal, in der Kleber der Frage nachgeht, warum sein Sender wie die ARD und die meisten anderen Medien Merkel und Co so lange geholfen haben, die Risiken des Coronavirus klein zu reden, bis mit dem Merkelschen „Nun ist es halt da” alles gesagt ist. Der richtige Zeitpunkt für die Abflachung des Verbreitungstempos und seine regionale Eindämmung lag ein paar Wochen vor dem Beginn der konsequenten Maßnahmen in Österreich. Die deutsche politische Führung hat zwei Monate Nichtstun zu verantworten – Kleber und Co haben mit verzögert. Nun festzustellen, es ist eh zu spät, ist mit Chuzpe zu höflich beschrieben.

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