Habecks Ende der Debatte: Basta Atomenergie

Unternehmen, die ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen können, bekommen Kündigungsschreiben für ihre Elektrizitätsanschlüsse ins Haus geschickt, Menschen frieren in ihren Wohnungen und werden krank. Für Robert Habeck ist jedoch alles in Butter – er erklärt das Ende der Debatte um Atomenergie.

Screenprint: ZDF / Maybritt Illner

Basta Atomenergie. Die Entscheidung zum Ende der Kernkraft sei endgültig. Das brachte Bundeswirtschaftsminister Habeck in der Illner-ZDF-Sendung unter dem Motto »Energiekrise« hervor und fügte hinzu: »Die Atomdebatte ist aus meiner Sicht für diese Koalition mit der Ansage von Olaf Scholz erledigt.« Man hat nicht gesehen, ob er mit dem Fuß aufstampfte.

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In der Sendung ging es auch darum, dass die Menschen Angst um bezahlbare Energie haben. Nicht verwunderlich: Heizen ist so teuer wie nie, die neuen Preiserhöhungen flattern ins Haus (»… wie Sie den Medien entnehmen konnten, sind die Beschaffungspreise für Energie an den Großhandelsmärkten stark angestiegen«, so formuliert zum Beispiel Versorger Süwag gerade in ihrer Ankündigung, dass sich die Strompreise im kommenden Jahr fast verdoppeln werden, Verzeihung: »anpassen« schreiben sie). Unternehmen bekommen Kündigungsschreiben für ihre Elektrizitätsanschlüsse ins Haus geschickt, die ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen können, Menschen frieren in ihren Wohnungen und werden krank. Für Herrn Habeck alles in Butter – Ende der Debatte um mehr Energie.

Er versucht, den Basta-Ex-Kanzler Schröder nachzuahmen; doch das wird ihm nicht gelingen, wenn in den kommenden Wochen die Kosten auf den Tisch kommen und mögliche Einschränkungen beim Energieverbrauch. Juristisch ist alles vorbereitet: Laut »Energiesicherungsgesetz« darf er Strom, Gas und Öl abdrehen, wenn es knapp wird. Wie lange er das politisch überleben würde, ist eine andere Frage.

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Er verweist auf die LNG-Terminals, die derzeit an der Nordsee errichtet werden. Er verschweigt, dass es sich bei den Anlegestegen mit einer schwimmenden Umwandlungsstation von verflüssigtem Gas in Erdgas handelt. Diese FSRU (Floating storage and regasification unit) genannten Spezialschiffe, von denen es weltweit 48 Stück geben soll, wurden bisher vor allem zahlungsschwachen Drittweltländern temporär vermietet und wieder abgezogen, wenn die nicht mehr zahlen konnten. Dies soll Deutschlands »zentraler Baustein für die Energiesicherheit« sein, wie Habeck anführt. Es ist ein exorbitant teurer Baustein: Die Kosten dürften bei rund 200.000 Euro liegen – pro Tag. Mitte April hatte Finanzminister Lindner (FDP) drei Milliarden Euro über zehn Jahre für das Chartern der Terminals freigegeben.

Bei LNG handelt es sich um eine Energieform, die aufgrund der europäischen verzweifelten Suche nach LNG gerade extrem teuer geworden ist. Ganz begeistert schicken jetzt US-Unternehmen Flüssiggastanker nach Europa, das jeden Preis bezahlen will. Wie der Business Insider berichtete, würde eine Ladung LNG für rund 60 Millionen Dollar nach Europa transportiert und dort 275 Millionen Dollar ergeben. Es führt kein Weg daran vorbei: Es muss sichere und preiswerte Energie her anstelle von allen möglichen Preisbremsen und schwimmenden LNG-Terminals, die letztlich der Dritten Welt vor der Nase weggenommen wurden.

Doch genau das Gegenteil ist seit Jahren Ziel der Energiepolitik. Kernenergie würde der linksgrünen Ökolobby das wichtigste Argument aus der Hand nehmen, mit der sie ein gehöriges Angstpotenzial aufgebaut hat: dem Kohlenstoffdioxid. Das angeblich böseste Molekül soll für Klimaveränderung, Tod und Verderben verantwortlich sein, deshalb müsse es weg und mit ihm die angeblichen Sündenbocke Industrie, Verkehr und Heizung. Doch die Lösung in dieser Logik müsste »mehr Kernernergie« lauten, gilt die doch als CO2-frei. Deswegen zaubern Länder wie Frankreich auch so schön niedrige CO2-Werte in jene dubiosen Listen der »umweltfreundlichsten« Länder. Dort bestreiten die bösen Atomkraftwerke den Löwenanteil der Energieversorgung. Nicht so in Deutschland: Nach dem Fukushima-Tsunami und dem »Ausstieg« von Merkel stiegen die »Emissionswerte« an.

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Fast schon begeistert beschwören Heerscharen von NGOs Deutschlands angeblich zu hohe Werte, fordern laut Stopp aller industriellen Tätigkeiten und verdienen sich selbst zusätzlich dumm und dusselig an Anti-CO2-Kampagne wie die Deutsche Umwelthilfe. Keine Frage: Es geht den Trupps nicht um eine Umwelt, sondern um gesellschaftliche Kontrolle. Die Energiefrage und die Zerstörung der Energieversorgung sind der Hebel, Gesellschaften unter Druck zu setzen. Ein Land zerstört man am ehesten, indem die Energieversorgung lahmgelegt wird. Russland macht es in der Ukraine gerade vor.

Das Ziel formulierte – daran muss immer wieder erinnert werden – unter anderem bereits früh der obskure US-amerikanische Physiker und Umweltaktivist Amory Lovins: »Selbst wenn Kernenergie sauber, sicher, wirtschaftlich, mit reichlich Brennstoff versorgt und sozial unbedenklich wäre«, so Lovins im Jahr 1977, »wäre sie immer noch ungeeignet, nämlich wegen der politischen Bedeutung der Art von Energiewirtschaft, in die sie uns hinein zwingen würde.« Für ihn käme eine saubere, preiswerte und reichlich vorhandene Energiequelle einer Katastrophe gleich, so Lovins in aller Offenheit. Dann würde ein wichtiger gesellschaftspolitischer Hebel aus der Hand genommen. Sogenannter »Umweltschutz« soll als Hebel für Abschaffung des Kapitalismus dienen.

Dazu passt auch der Versuch, Kohlekraftwerke abzuschalten. Die sind meist mit moderner Filtertechnik »sauber« gemacht worden – entstaubt, entschwefelt, entstickt –, sodass praktisch kaum mehr etwas aus den Kaminen kommt. Außer – CO2. Das lässt sich bei keiner Verbrennung vermeiden. Dieser wichtige Baustein für die Photosynthese der Pflanzen konnte als Schadstoff hochstilisiert werden und dient seither als Hebel für alle möglichen irrealen Forderungen. Dazu passt auch die konsequente Weigerung, Deutschlands eigene Energievorkommen zu nutzen. Unter Norddeutschlands Tiefebene und an verschiedenen Stellen im Ruhrgebiet liegen erhebliche Gasvorkommen, die für mindestens 40 Jahre reichen.

Die Energieknappheit ist politisch gewollt, der Krieg in der Ukraine wirkt lediglich als Brandbeschleuniger. Die Strom- und Gaspreise stiegen schon vor dem Einmarsch der Russen deutlich nach oben. Einem Land, einem Industrieland zudem, die Energie abzuwürgen ist die sicherste Methode, es zu zerstören. Venezuela bietet ein anschauliches Beispiel, wohin das geführt hat. Erstaunlich schnell übrigens.

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Kommentare ( 80 )

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EinDemokrat
1 Tag her

Einem Land die Energie abgraben, ist genauso, als wenn man einem Menschen eine Plastiktüte über den Kopf zieht und am Hals zuschnürt!
Nichts anderes machen diese grünen Öko-Sozialisten!

Monostatos
6 Tage her

Es ist eben auf den Punkt gebracht, was ein kluger VoWi-Professor der RWTH in Aachen sagte: Habeck, Baerbock und die Grünen – auch die kleinen Parteigenossen und die Wähler – sind die Auftragskiller der deutschen Wirtschaft. Die Auftraggeber sitzen auf der anderen Seite des großen Teichs, insbesondere an den Küsten. Das ist einem geleakten undin einer schwedischen Zeitung veröffentlichten Dokument der Rand Corporation unmissverständlich zu entnehmen. Und die Finanzierung des Aufbaus der Grünen stammt vermutlich auch von dort. Frage: Ist das wirklich die erste zerstörerische Partei in Deutschland, die mit US-Mitteln gemästet wurde? Eine Schwächung Deutschlands und das Schüren von… Mehr

Lilie58
6 Tage her

Im Moment lese ich ‚Tödliche Torheit‘ von M. Kleine-Hartlage. Ich kann das nur jedem empfehlen, vor allem Leuten, die sich hier noch Illusionen machen, auch bzgl. des Ukrainekrieges. – Solche ausgesprochenen Söldner wie Habeck und Baerbock müssen schnellstmöglich weg. Diese Figuren sind tödlich für das Land. Aber auch eine Extremistin wie Fancy Naeser ist hochgefährlich. Im Grunde genommen gehören solche Leute vor ein Tribunal. – Es ist erstaunlich , 2 Diktaturen in einem Land in relativ kurzer Zeit und die Menschen schrecken JETZT nicht hoch , bei dem was hier sozusagen live abläuft? Vollkommen unverständlich! Gehirngewaschen?

F. Hoffmann
6 Tage her

Hallo Herr Douglas, Sie möchten unsere AKWs weiterbetreiben? Anbei ein möglicher Weg, nämlich die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht, im Eilverfahren, und am besten durch Jugendliche (Hallo Apollo News, Tichy Youngsters), weil: Das BVerfG hat per Urteil am 24.03.2021 die damalige Bundesregierung verpflichtet, die „aufgegebene Treibhausgasminderungslast“ nicht zu Lasten künftiger Generationen einseitig in die Zukunft zu verlagern (siehe unten). Anders formuliert, das CO²-Budget Deutschlands nicht zulasten künftiger Generationen jetzt schon aufzubrauchen und den Nachkommen „radikale Enthaltsamkeit“ aufzwingen (siehe unten). Durch die gegenwärtige Inbetriebnahme Treibhausgas produzierender Kohlekraftwerke verstößt die Bundesregierung gegen dieses Urteil derzeit aber in hohem Maß! Man kann derzeit pro… Mehr

Klaus Kabel
6 Tage her

Vielleicht greife ich da etwas weit nach vorne, aber ich bin gespannt, wie sich Habeck den Kopf aus der Schlinge ziehen will, wenn die Agenda von WEF und Schwab scheitert, deren Marionette Habeck ist. Schon in Kanada hat Frau Smith in der Provinz Alberta die Schwab Leute rausgeschmissen. In den USA steht DeSantis gegen Schwab. Sollte er Präsident der USA werden, wird sich manches ändern, bis hin zum Scheitern dieser Agenda. Etwas am Thema vorbei, aber trotzdem ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Zukunft.

thinkSelf
7 Tage her

So ist es weiterhin von der überwältigenden Mehrheit gewollt. Der gemeine Deutsche möchte halt unbedingt wieder ins Mittelalter.

FranzJosef
7 Tage her

Kurz und prägnant auf den Punkt gebracht, was hier derzeit abgeht.

Thomas S62
7 Tage her

Wenn alle linksgrünen Kommunisten, alle „NGO“-Mitarbeiter und alle sonstigen, die sich hier unermeßlich bereichern, das Atmen sofort einstellen würden, würde der CO2-Ausstoß gigantisch sinken.

Biskaborn
7 Tage her

Aber alle machen auf diesem verhängnisvollen Weg eifernd mit, ganz vorn dabei: die Wirtschaft. Insofern sind solche auf den Punkt gebrachten Artikel Schall und Rauch, Habeck kann sein Werk unwidersprochen vollenden! Das sollte dann auch entsprechend angemerkt werden!

Lotus
7 Tage her

„Mitte April hatte Finanzminister Lindner (FDP) drei Milliarden Euro über zehn Jahre für das Chartern der Terminals freigegeben.“

Aktuelle Meldung in den heutigen Frühnachrichten: Die Kosten haben sich schon jetzt auf über 6 Mrd. verdoppelt.

Deutschland wird früher oder später zur Kernkraft zurückkehren. Weil der Begriff „alternativlos“ hier tatsächlich mal zutrifft. Sogar Greta hat das schon erkannt.

Wolfbert
6 Tage her
Antworten an  Lotus

Da sind dann solche Leute wie Kretschmann vor, die Kühltürme sprengen lassen und feixend danebenstehen, weil sie damit Fakten geschaffen haben – und weitere Projekte, die man dringend zur Wiederherstellung der Versorgung bräuchte, mit Verwaltungskram wunderbar verzögern bis komplett verhindern können.

Kassandra
6 Tage her
Antworten an  Wolfbert

Wohin sie die wohl diesmal bringen – danach?
Die DDR gibt es nicht mehr, die Russen wollen sie nicht wegen der Ukraine – und Kuba?
Ich glaube nicht, dass es gut für die wäre, die das gerade anrichten, sich „unters Volk“ zu mischen! Ist es ja jetzt vielfach schon nicht. Von Lang hört man momentan wenig – in Ellwangen wie in Göttingen skandierten sie „Hau ab“ als Grüne auftraten!

Karlo der Echte
6 Tage her
Antworten an  Lotus

Greta hatte das schon anfang 2019 ‚ausgeplaudert‘ und wurde scharf zurückgepfiffen. Verschwand sogar kurz in der versenkung – genauso wie bei ihrer ‚alle an die wand stellen‘ aussage.
Wurde alles relativiert, heute so – morgen anders – regierungstypisch: kein sinn, kein plan, hauptsache kleben, frieren, hungern und zerstören. Krieg heil!