Jede Zeit hat ihren Schlachtruf. Derzeit ist es das Wort von der totalen Digitalisierung bis zur Entmaterialisierung und den disruptiven Geschäftsmodellen, die herkömmliche zerstören.
Fangen wir mit der Entmaterialisierung an: Klar, sollten Sie diesen Text auf einem Smartphone lesen, dann tragen Sie gerade eine komplette Kofferraumladung von Sachen mit sich herum. Mit einem Smartphone kann man so nebenbei auch noch telefonieren.
1. Warum das Bargeld jetzt abgeschafft werden soll
Das Bargeld hat viele Feinde - aber neuerdings einen sehr Mächtigen: Die Europäische Zentralbank und Wirtschaftspolitiker, die ihren Kurs unterstützen. Der Grund: Die Europäische Zentralbank will die europäische Wirtschaft ankurbeln - obwohl dies eigentlich nicht ihre Aufgabe ist. Ursprünglich ist sie nur für die Stabilität der Währung zuständig.
2,7 Mio. € Gebührengelder dafür, dass Thomas Gottschalk NICHT sendet - das ist der jüngste Fall eines skandalösen Umgangs mit der Haushaltsabgabe. Unfassbar findet das Deutschlands größter Filmverband, die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok). Deren Vorsitzender Thomas Frickel sieht sogar einen möglichen Untreue-Tatbestand gegen die ARD-Entscheider: "Wurde dieser Fall von Leistung ohne Gegenleistung jemals rechtlich überprüft?" Wie geht es weiter mit ARD und ZDF? Diese Frage steht im Raum, seit sich immer mehr Bürger und Unternehmen über die Haushaltsabgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ärgern. Der renommierte Ökonom Prof. Justus Haucap, Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomik in Düsseldorf und von 2008 bis 2012 Vorsitzender der Monopolkommission, hat im Auftrag von "Prometheus – Das Freiheitstinstitut" ein Gutachten verfasst, das die Abschaffung des Rundfunkbeitrags und die Privatisierung von ARD und ZDF vorschlägt. Das Gutachten ist Kernbestandteil einer Kampagne, die Prometheus heute unter dem Motto „Zwangsbeitrag? Nein Danke“ startet.
Die gute Nachricht: Der 9. Bahnstreik ist beendet. Den 10. darf es erst nach dem 17. Juni geben, denn für die Dauer der Schlichtung vom 27. Mai bis zum 17. Juni 2015 gilt Friedenspflicht. Und jetzt die unvermeidliche schlechte Nachricht, die im Erleichterungsgestöhn leicht untergeht: Die GDL hat den thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow als Schlichter benannt, die Bahn den ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck. Und da beginnt man skeptisch zu werden.
Irgendwann fehlen einem ja die Worte. Nun wird die GDL wieder streiken. Ich habe das immer Geiselnahme genannt; ab sofort ist dieser Begriff falsch. Denn wer jetzt noch mit der Bahn fährt, hat selber Schuld. Gibt es eigentlich einen Begriff für selbstverschuldete Geiselnahme? Geiselsuizid? Dabei ist der Begriff berechtigt.
Eine gute Idee von Funktionären der Gewerkschaft Ver.di beim Kita-Streik in Osnabrück: Eltern sollen ebenfalls streiken, „indem sie ebenfalls die Betreuung der Kinder verweigern und sie zum Beispiel beim Bürgermeister abgeben.“ Das also ist das stabile, geregelte, vertrauensvolle Umfeld, in dem unsere Allerkleinsten gut heranwachsen können? Krabbeln zwischen Schreibtischen, Papierkorb und Gummibaum im Einwohnermeldeamt?
Die Aufregung um Pegida in Dresden ist abgeflaut - und hat doch Deutschland verändert. Erinnern wir uns an Januar: Einige Bürger demonstrieren – und die Republik steht Kopf. Selten gab es eine derartige Diskrepanz zwischen dem was ist, eine verhältnismäßig kleine Demonstration namens Pegida, und einen Proteststurm dagegen; angeführt vom Bundespräsidenten, der Kanzlerin, gefolgt von den Spitzen der Kirchen, Gewerkschaften und vor allem: von den Medien. Nicht was ist, ist wichtig, sondern was daraus politisch und medial gemacht wird – als Vorstufe zu neuen Aktionen. Wichtige Artikel dazu finden Sie hier.
In der Kritik stehen seither Medien. In diesem Zusammenhang lädt der Präsident des Sächsischen Landtags, Matthias Rößler zu einer Podiumsdiskussion - und auch Sie laden wir dazu ein.
Griechenland verarmt, hungert; Löhne, Gehälter und Sozialleistungen werden gestrichen? Ganz Griechenland ist arm? Natürlich nicht das ganze Griechenland - nur das Griechenland im Bild der deutschen Medien. Das ist auch gut so: So wird der ständige Zufluß der Hilfsgelder sichergestellt - und dann sofort in Luxusartikel investiert oder ins Ausland gebracht. Das zeigt ein Blick in die griechische Zulassungsstatistik und Kapitalverkehrsbilanz.
Nun hat das Thema auch die FAZ erreicht: "Wirtschaftsweise streiten über das Bargeld, steht heute da. Zuvor hatte Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der wirtschaftlichen Lage Am Freitag im SPIEGEL die Abschaffung gefordert - unpraktisch sei Geld; Kriminalität könnte besser bekämpft und endlich die Negativ-Zins-Politik strikt durchgesetzt werden. Das sind alles Argumente gegen das Geld, die Sie hier längst lesen konnten. Lars Feld kontert jetzt in der FAZ mit ebenfalls bekannten Argumenten - nämlich dass wir dann alle das sind, was sich der Staat wünscht: Gläserne, kontrollierbare, beherrschbare Bürger.
Wir wiederholen daher unsere Analyse und die Einladung zu einer Tagung über die Zukunft des Geldes an diesem Donnerstag.
Es klunckert wieder. Aber wer erinnert sich noch an Heinz Kluncker? Dabei war er ein so mächtiger Mann, dass viele in ihm sogar den Mann sahen, der Bundeskanzler Willy Brandt stürzte.
Eine Wahlbeteiligung von nur noch 50 Prozent - der Frust ist groß über die Politik. Zwar versuchen jetzt die etablierten Parteien, dem faulen Bürger die Verantwortung für seine mangelnde Demokratie-Begeisterung in die Schuhe zu schieben. Aber vielleicht muss der Wurm dem Fisch schmecken, und nicht dem Angler? Das Ergebnis hat ja auch ein paar Signale für Deutschland:
Manchmal stelle ich mir vor, dass viele meiner durchaus geschätzten Journalistenkollegen sich am Sonntag Abend hinknien und beten: „Lieber Gott, lass morgen wieder einen Montag werden und zwar so einen, an dem das Internet verschwunden ist“
Leider erhört der liebe Gott ja solche Wünsche so selten, und deshalb wird das Internet bleiben und die Krise der Medien sich weiter verschlimmern. Denn wer still betet, der handelt nicht. Und so wird ein weiterer grausiger Internet-Montag heraufzuziehen, der auch ein Montag der verpassten Chancen ist. Zum 10-jährigen Jubiläum der Huffington Post eine Analyse gängiger Irrtümer.
Im letzten Jahr schlug der bekannte amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff die Abschaffung des Bargeldes vor und pries die Vorteile einer bargeldlosen Wirtschaft an. Bargeld, so Rogoff, würde die Kriminalität begünstigen. Jetzt beschäftigen sich der Datenschutzbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz und Verbraucherschützer mit diesem Thema; ich darf dazu den Eingangsvortrag halten. Mitdiskutieren wird u.a. Eveline Lemke, stellvertretende Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Ministerin für Wirtschaft. Auch Sie sind dazu eingeladen.
Der Bahnstreik der GDL ist schon längst ein Streik pervers: Längst geht es nicht mehr um höhere Löhne. Im Gegenteil. GDL-Oligarch Weselsky erklärte mit erfrischender Frechheit, dass die Bahn doch tatsächlich die Lokführer mit Geld zuschütten wolle. Aha. Klar. Es geht ihm nicht um Geld. Es geht ihm darum, auch für Rangierlokführer und Bistro-Kassierer im Zug Tarifverträge abschließen zu wollen. Zu wollen. Denn wieviele Betroffene dahinter stehen - das verrät er nicht. Es geht ihm ums Prinzip.
Nicht alles ist schwarz - auch morgen früh geht die Sonne wieder auf. Wenn man sich dieser bahnbrechenden Erkenntnis hingibt, verlieren viele Dinge ihre Schrecken. Auch der Bahnstreik. Es gibt viele alternative Verkehrsmöglichkeiten; was man auf Fernstrecken dem Kranich der Lufthansa opfert, spart man auf mittleren Strecken mit dem preiswerten und erstaunlich flotten Bus wieder ein. Das Streikgetöse steht in einem merkwürdigen Widerspruch zur technischen Entwicklung.
Süß, nun haben wir also den Tag der Pressefreiheit. Nicht, dass mir das nicht gefiele. Aber er wird doch sehr gestrig gefeiert. Schauen wir uns einmal an, was da passiert an so einem Tag: Wer begrenzt denn Journalisten? Was sind die größten Gefahren für die Pressefreiheit? Wie ist es um Meinungsfreiheit bestellt in Deutschland? Wie geht das Spiel weiter?
Sieben sehr persönliche Thesen zu meinem Lieblingsberuf.
Ein Gespenst geht um in Europa. Es ist kein böser Mann, aber ein System: Der Kapitalismus, der böse K. „Der K. hat mir die Jungfräulichkeit geklaut“, singt eine schwedische Band und die Süddeutsche Zeitung macht daraus ein Dossier: „Macht uns der Kapitalismus kaputt“. Angeblich macht der böse K. sogar Burn-Out und Depressionen. Wie böse ist das denn? Kein Wunder: Die Deutschen mögen den K. nicht mehr, in Umfragen kriegt er schlechte Noten wie sonst nur Masern-Impfung. Deshalb einige Überlegungen zum Kampftag der Arbeiterklasse.
Und die Union, die hat Zähne, und die liegen im Wasserglas auf dem Nachttisch. Mit einem Gebiss kann man eben nicht zubeissen, nur nuscheln und nörgeln. Zu diesem Ergebnis kommt, wer die Ergebnisse des Koalitionsgipfels zu Mindestlöhnen anschaut.
Günter Verheugen wird es als Ehrentitel nehmen, wenn ich ihn als „Berufs-Europäer“ betrachte. Glaubt er wirklich noch an diese Form des Teuro-Europa?
Die jüngste Flüchtlingskatastrophe vor der libyschen Küste hat eine heftige Debatte ausgelöst. Kann Europa tatenlos zusehen, wie Menschen vor unseren Augen ertrinken, nur weil sie Krieg und Elend zu entfliehen versuchen oder für sich und ihre Familien schlichtweg ein besseres Leben anstreben? Die ebenso brisante Frage lautet: Macht Europa sich durch seine als „Abschottung“ gebrandmarkte Politik nicht mitschuldig am Tod von Menschen? Aber ist eine Massenflucht nach Europa die Lösung und was wären die Konsequenzen? Darauf gibt es viele emotionale Reaktionen - und kaum Analyse. Deshalb einige Fragen über den Tag und die Betroffenheit hinaus.
