Lanz versucht sich mal wieder an einem weltumspannenden Themen-Potpourri. Iran-Krieg, Putin, Energiepreise, Trump-Attentatsversuch, König Charles, Reformstau – alles auf einmal, alles ohne Tiefgang. Höhepunkt: Norbert Röttgen stellt die Regierung als Macher-Truppe dar. Von Brunhilde Plog
Screenprint: ZDF / Markus Lanz
Bevor Lanz in die übliche routinierte Betroffenheit über Deutschland, die Welt und den ganzen Rest abgleitet, gibt es tatsächlich ein paar ganz interessante Einblicke: Helge Fuhst, ehemaliger Tagesthemen-Leiter und nun Chefredakteur bei Springers Welt-Gruppe (auch Politico, Business-Insider), war beim „White House Correspondents’ Dinner“ zu Gast, bei dem es zwei Tage zuvor zu dem Attentatsversuch auf Donald Trump gekommen ist. Er berichtet über die offenbar laxen Sicherheitsvorkehrungen. Die Metalldetektoren im Foyer etwa seien ein Witz gewesen. Fuhst: „Ich kenne ein paar, die einen Weg drumherum gefunden haben und gar nicht da durchgegangen sind.“
Derweil ist der umstrittene ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen aus Washington zugeschaltet. Doch unser Mann am Nabel der Welt kann nichts zu dem Vorfall sagen, denn – Überraschung: Er selbst war gar nicht dabei.
Seitdem backt Theveßen verbal kleinere Brötchen. Auch heute hat er die Finger in der Kreide und bemüht sich nach Kräften um Schönsprech. Trump habe nach dem Attentat zwar zur Versöhnung aufgerufen, aber auch gleich wieder Vorwürfe an die Demokraten gerichtet. „Er trägt durch die Rhetorik zur aufgepeitschten Stimmung bei“, sagt Theveßen, nur um sofort hinterherzuschicken, dass es aber auch im extrem linken Lager eine Rhetorik gebe, die die Menschen aufstachele. So eindeutig uneindeutig kennt man ihn gar nicht. Was ist nur aus unserem Elmar – „Joe Biden ist geistig topfit“ – Theveßen geworden?
75 Minuten können lang und ermüdend sein, das weiß jeder Lanz-Zuschauer. Heute aber sind sie ermüdend und viel zu kurz für all das, was Lanz alles auf dem Zettel hat. Die Sendung wirkt wie eine überforderte Bestandsaufnahme: viel Lagebeschreibung, wenig Tiefe oder Antworten auf unbequeme Fragen. Norbert Röttgen (CDU-Fraktionsvize) etwa darf seine gefestigten Erkenntnisse über den Iran zum Besten geben. Die Entwicklung des Konflikts ist für ihn „nicht überraschend“, denn „was jetzt stattfindet, ist der Übergang in einen Wirtschaftskrieg“. Über das Land weiß Röttgen offenbar sehr gut Bescheid: „Iran hat im Grunde nichts mehr. Sie sind militärisch entwaffnet, zerstört, sie haben noch Raketen, aber sie können sich nicht mehr verteidigen, die Wirtschaft liegt am Boden. Die alte Führung ist ausgeschaltet. Die haben auch keine konsistente Führung mehr.“
Auch bei Trump kennt sich Röttgen bestens aus. Die im November anstehenden Zwischenwahlen seien zweitrangig, weil längst verloren. Und Trump wisse das ganz genau. Röttgen: „Ich glaube, die Midterms sind gelaufen. Die kann er abschreiben.“ Und beim Iran denke Trump wie folgt: „Er weiß, ich muss mit mehr da rauskommen, wenn ich zum Krieg gegriffen habe, als Obama mit seinem Abkommen rausgeholt hat.“ Deshalb überlege Trump nun: „Wenn das Ende ist, dass nach diesem Krieg die Iraner Kontrolle über die Straße von Hormus haben, 20 Prozent der Weltwirtschaft im Griff haben, dann bin ich der große Loser in der Geschichte der amerikanischen Präsidenten.“
Mariam Lau (Die Zeit) hakt ein: „Für uns ist doch das, was in der Ukraine geschieht, viel, viel relevanter.“ Ihre Kritik an westlicher (vor allem amerikanischer) Politik fällt wie üblich harscher und moralisierender aus als die Auseinandersetzung mit den Taten des iranischen Regimes. „Der Iran hat die USA nicht angegriffen“, sagt die in Teheran geborene Journalistin. Auch Fuhst hat eine wichtige Einschätzung der Lage, in der sich die Kriegsparteien befinden: „Für beide ist der größte Gegner Zeit“, sagt er. Und einig sind sich alle Sofa-Experten an diesem Abend über eines. Der Iran könne nicht so bleiben wie er ist: „Am Ende muss der Regime-Change stehen.“
Endlich, 20 Minuten vor Schluss der Sendung, geht es schließlich um die Probleme Deutschlands und „das Überleben der deutschen Regierung“, wie Lanz es nennt. Dabei wird schnell klar, dass ein Norbert Röttgen in politischen Notlagen kein guter Ersthelfer ist. Er stammelt und stottert, reagiert auf konkrete Fragen mit ausweichenden Antworten und Allgemeinplätzen, versucht die Regierung allen Ernstes als ein Macher-Team zu verkaufen, das die Dinge anpackt und sich im Grunde über alles einig sei.
Lanz ist da völlig anderer Meinung: „Irgendwie brennt da grad der Busch“, sagt er, und Lau ergänzt, was sie auf Berliner Fluren so vernimmt: „Ich habe noch nie so oft gehört: Es geht nicht mehr.“ Das Stichwort „Minderheitsregiegung“ fällt. „Natürlich wird darüber gesprochen“, sagt Lau, aber ernsthaft wolle niemand so etwas. Vielmehr gebe es ein anderes Gedankenspiel: „Wir beschließen einen Haushalt. Dann wirft Merz die SPD-Minister raus, besetzt das Kabinett komplett mit eigenen Leuten, und dann müssen wir ja keine Beschlüsse mehr fassen.“
„Ich höre auch, dass es eigentlich nicht mehr geht“, sagt Fuhst. „Die Frage ist, wie lange reicht die Kraft.“ Das Zusammenspiel von Merz und Klingbeil sei der zentrale Punkt. „Wenn’s da dann auch nicht mehr ganz läuft, dann wird’s schwer.“
Lau beschwört die Wichtigkeit der anstehenden Reformen – und spricht plötzlich wie ein Regierungsmitglied: „Ich finde: Lassen Sie uns alle irgendwie darauf konzentrieren, dass diese Schritte gegangen werden, und jeder merkt: Alle müssen irgendwas beitragen.“
Wie dramatisch ist es denn gerade?, will Lanz wissen. Röttgen wiegelt ab, wendet sich an Lau: „Ich kann nichts von Ihrer Schilderung bestätigen.“ Niemand habe „es geht nicht mehr“ gesagt. Und das Wort Minderheitsregierung regt ihn richtig auf. „Das ist doch alles Unsinn.“ Zwischen den Fraktionen gebe es „ein auch menschlich übrigens ziemlich gutes Verhältnis“. Es sei zwar anstrengend und mühsam, aber „auch das kriegen wir hin“. Röttgen: „Ich nehme das jetzt auch mit Überraschung, dass Ihre Beobachtung mit meinem wirklich authentischen Erleben nicht übereinstimmt.“ Welch ein Satz.
Und Röttgen macht munter weiter: Man habe eine dramatische wirtschaftliche Lage und gehe die Probleme wie Krankenversicherungsreform, Pflegeversicherung, Steuerreform alle an. „Wir müssen es tun. Und wenn wir es nicht täten, würden wir zuallererst das Land ruinieren und uns nebenbei auch selber ruinieren.“
Lanz wird immer leiser. Der Strudel aus Phrasen und Parolen droht ihn in die Tiefe zu ziehen. Aber er versucht es nochmal: „Wir wollen uns jetzt nicht gegenseitig erzählen, dass es gut läuft.“ Der Kanzler sei in der Beliebtheit auf Platz 20, dem allerletzten Platz.
Lanz: „Gab es jemals einen Kanzler, der so unbeliebt war?“ Keine Antwort.
Lanz: Bärbel Bas sage, diese Regierung „hat keinen Plan“. Röttgen weicht aus.
Lanz: Der Kanzler verschrecke die Menschen damit, dass die Rente in Zukunft nicht mehr reichen werde. Röttgen blockt. Das sei ja nur ein Satz, aus dem Zusammenhang gerissen. Man müsse den Kontext beachten. Der Kanzler sage etwas und dann werde er sofort „gejagt mit dem einen Satz“.
Lanz wird still: „Es wird gerade mit keinem Satz besser“, sagt er resignierend.
Doch Röttgen redet sich in Rage: Es werde zu Einschränkungen kommen, klar, aber nur zu „einer Absenkung des Anstiegs“ der Rente. Wenn dann einmal etwas unglücklich formuliert werde, „dann skandalisiert man den einen Satz und macht gleichzeitig Angst“.
Auch Lau resigniert: „Wollen wir weiter dauernd politische Fahrstuhlmusik hören? Mir ist lieber, jemandem rutscht mal was raus.“




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All diese Talkshows“ Im ÖRR sind geistiger Sperrmüll ❗
Meister Floh? Ausgerechnet Röttgen will wissen was sich Trump denkt?
Röttgen bei Lanz, Giffey und Monika Schnitzer bei Maischberger …
Wer, außer Journalisten (die müssen ja), schaut sich das Gequassel der Bourgeoisie an?
Laut Peter Altmaier auf X ist das alles nur ein Kommunikationsproblem.
https://x.com/peteraltmaier/status/2049095427908108498?s=20
> „Der Iran hat die USA nicht angegriffen“, sagt die in Teheran geborene Journalistin.
Man kann kaum leugnen, dass die Amis zuerst geschossen haben. Bisher wurde auf dem US-Gebiet nichts getroffen.