Die SPD eröffnet den Kampf gegen die Wirtschaft – und die CDU schaut zu

Die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas hat bereits öffentlich erklärt, dass ihr Kampf gegen die deutschen Unternehmer geht. Mit Vorschlägen zur Erhöhung der Erbschaftssteuer hat die SPD jetzt diesen Kampf eröffnet - und die CDU schaut mit gespitzten Lippen zu.

picture alliance/dpa | Britta Pedersen

Jede Idee der SPD enthält drei Aspekte: Sie kostet den Bürger Geld in Form von höheren Steuern oder Abgaben. Sie erhöht den bürokratischen Aufwand und sie dient dem Umverteilungsstaat. So hat TE am Montagmittag die inhaltliche Aufstellung der SPD analysiert. Am Montagabend überreichte der SPD-Fraktionsvorstand befreundeten Journalisten die sozialdemokratischen Pläne zur einer Änderung der Erbschaftssteuer: Sie kosten den Bürger mehr Geld, erhöhen den bürokratischen Aufwand und dienen dem Umverteilungsstaat. Die genaue Summen lassen sich in diesem Stadium der Planung nur vermuten.

Vor Weihnachten erklärte Arbeitsministerin und SPD-Vorsitzende Bärbel Bas noch dem Parteinachwuchs, dass der Gegner im Kampf der Sozialdemokraten die Wirtschaft sei. Deren Vertreter hatten es gewagt, die Ministerin auf offener Bühne ausgelacht zu haben, nachdem sie habeckte, die Pläne der Regierung zum Rentenpaket würden die Unternehmer ja nichts kosten, weil sie von Steuern bezahlt würden. Das war die Kriegserklärung. Mit den Vorschlägen zur Erbschaftssteuer hat die SPD nun den Kampf eröffnet.

Nachfolgeprobleme im Mittelstand
Wer will noch Unternehmer in Deutschland sein?
Die Wirtschaftsverbände haben diesen Angriff registriert. „Die von der SPD vorgelegten Vorschläge zur Reform der Erbschaftssteuer würden zu einer erheblich höheren Belastung bei der Übertragung von Betriebsvermögen führen“, sagt Volker Treier, Chefanalyst der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Die SPD-Pläne seien „Gift für den Investitionsstandort Deutschland“. Zwar sehe die Bas-Partei einen Freibetrag von fünf Millionen Euro für Betriebe vor. Doch seien darin auch Gebäude, Fuhrpark und Maschinen enthalten, die zusammen meist mehr als fünf Millionen Euro wert seien.

Ebenfalls kurz vor Weihnachten hatte Marie-Christine Ostermann noch einen Bückling vor der „Brandmauer“ gemacht und auf Druck der regierenden Parteien die AfD wieder von Veranstaltungen der Familienunternehmer ausgeladen, deren Präsidentin sie ist. Nun sieht Ostermann sich mit den Ergebnissen der regierenden Parteien konfrontiert: „Mit ihrem Konzeptpapier zu einer Erbschaftssteuerreform zeigt die SPD, wie weit sie sich von den Realitäten der Unternehmen und der wirtschaftlichen Herausforderungen entfernt hat – und damit auch von den Sorgen vieler Bürger in diesem Land.“ Ob der Kult um die „Brandmauer“ zu diesen Sorgen gehörte, ließ Ostermann offen.

Für Private sehen die SPD-Pläne einen „Lebensfreibetrag“ von einer Million Euro vor. Das klingt nobel und großzügig. So als ob die Sozialdemokraten nur den Palästen den Kampf erklären würden, aber die Hütten verschonten. So wie früher. Hach. Doch angesichts steigender Immobilienpreise kostet in und um Städte wie Berlin, München, Frankfurt, Köln, Stuttgart oder Hamburg auch schnell mal eine Hütte eine Million Euro. Zumindest in der Theorie. Fehlt dem Erben dann das Kleingeld, muss er der Oma ihr klein Häuschen verkaufen, um die SPD-Steuer bezahlen zu können. Sein Erbe versickert dann im Umverteilungsstaat von CDU und SPD.

Pleitewelle wie 2008
Deutschlands struktureller Kollaps: Für 2026 bis zu 30.000 Insolvenzen befürchtet
Zudem würde der „Lebensfreibetrag“ das nächste Bürokratiemonster gebärden. SPD-Vorschläge lassen sich in der Theorie immer so wunderschön einfach aussprechen: Wir gewähren einen „Lebensfreibetrag“. Wir bauen die Bürokratie ab. Nur in der Theorie erweist sich das dann als verheerend. Wenn auf das Ziel eine konkrete Umsetzung folgt. Praktische Folgen kann sich die Akademiker-Fraktion im Bundestag nicht mehr vorstellen:

Wenn ein Enkel etwa von seinem Opa die goldene Uhr erbt, müsste er das angeben und in seinem Lebensfreibetragsregister erfassen. Sterben dann später die Eltern und hinterlassen ein Haus, müsste die Uhr verrechnet werden, um zu sehen, was der Trauernde dann an Steuern abführen muss. Für Trauernde bedeutet das, Atteste über Wertsachen zusammentragen und einbringen zu müssen – für den Staat, dass er das Lebensfreibetragsregister verwaltet. Es dauert nicht lange, bis eine Wanne voll mit Ideen der SPD ist – aber ewig, um diese Wanne auszubaden.

Die CDU spielt jetzt wieder mal ihre Lieblingsrolle: die des Entsetzten, der dieses Mal auf gar keinen Fall nachgeben musste. Also dieses Mal echt nicht. Etwa Christian von Stetten. Der Chef der Mittelständler in der Unionsfraktion hat schon vor dem Rentenpaket in der Bild den harten Mann gemimt, um dem dann doch im Bundestag namentlich zuzustimmen. Aber das sei ein letztes Mal, schwor er. Seinerzeit.

Druck erzeugt Gegendruck
Der Mittelstand im Widerstand
Die Bild mag von Stetten. Vielleicht, weil er ihnen exklusive Informationen zusteckt. Manchmal reicht es Journalisten aber auch, sogar den größten, um jemandem in einem anderen Licht zu sehen, als es der Rest der Welt tut – wenn es ein Kumpel aus dem eigenen Kumpelkreis ist. Jedenfalls lässt die Bild von Stetten jetzt wieder den harten Mann spielen, ohne ihn an seine letzte peinliche Niederlage zu erinnern. Der Mittelständler brüllt: „Die Steuererhöhungspläne der SPD sind ein Frontalangriff auf die deutschen Familienunternehmen und das Ende des letzten Jahres ausgerufenen Koalitionsfriedens.“

Ein Ende des Koalitionsfriedens? Zieht die Union jetzt an der Seite der Wirtschaft in den Kampf? Gegen die SPD? Geben von Stetten und Konsorten eigene Privilegien auf, um endlich bürgerliche Politik durchzusetzen? Ist der Papst buddhistisch? Christdemokraten unter ihrem Vorsitzenden Friedrich Merz erkennt man an dem Mund, der zum Pfeifen gespitzt ist wie die Lippen einer 21-jährigen Influencerien. Und an der Luft, die danach so dünn rauskommt wie aus dem Brustkorb eines 111-jährigen Asthmatikers.

Friedrich Merz und Carsten Linnemann werden sagen, dass sie den Plänen der SPD nicht zustimmen. Dann werden Bas und Lars Klingbeil das CDU-Duo wie gehabt so rücksichtslos über den Tisch ziehen wie einen Küchenschamm. In der Bild wird von Stetten erklären, dass er widersteht – bis er dann wieder einknickt. Zum allerletzten Mal und dann zum wirklich allerletzten Mal und zum jetzt wirklich echt allerallerallerletzten Mal – kurzum: halt eben so lang, wie sich CDU-Wähler das noch antun.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 31 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

31 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Ernst K.
9 Minuten her

Friedrich der Große wird auch hier einknicken.

yeager
36 Minuten her

Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Steuerumgehungsmechanismen der wirklich großen Konzerne von all diesen Steueränderungen unangetastet bleiben.
Ausgeplündert werden die Arbeitnehmer und der Mittelstand. Die können sich halt von denen bei denen noch was zu holen ist am wenigsten wehren.

MartinKienzle
40 Minuten her

Auch jener SPD-Plan folgt dem Ziel, das lautet: Vorsätzliche Vernichtung des Deutschen Volkes, das keine Überraschung zeitigt, wenn man bedenkt, dass die alliierte BRD seit deren Gründung 1949 eine antideutsche Konstruktion darstellt (erster BRD-Bundeskanzler Adenauer: „Wir sind keine Mandanten des deutschen Volkes,wir haben den Auftrag von den Alliierten.“), sodass aus jener Tatsache speisend wir Deutschen zwingend danach streben müssen, sie aufzulösen; stets über deren Handeln gegen unser Volk zu lamentieren, mag zwar mit temporärem Wohlgefühl verbunden sein, das jedoch die beschriebene Problematik keiner Lösung zuführen wird!

Last edited 38 Minuten her by MartinKienzle
jansobieski
1 Stunde her

Zur Kenntnis nehmen und zumindest das Geringste tun, was man leicht kann: Die richtige Wahlentscheidung bei den anstehenden Landtagswahlen treffen.

Enrico
1 Stunde her

„Unsere“ SPD und ihr eingetragenes Muster(mit Copyright) in chronologischer Reihenfolge (fast) seit Tutanchamun…

Verkündung von ReformvorhabenBegründung: GerechtigkeitResultat: Steuer-/Abgaben-/Gebührenerhöhungen für den Mittelstandweiter mit 1.Keine weiteren Bemerkungen, ausser: Selbst schuld, Deutschland!

Last edited 1 Stunde her by Enrico
twsan
1 Stunde her

Bei der Linkspartei hieß es „Reiche erschießen“ –

bei der SPD wird über Marie-Antoinette eine Guillotine ins Spiel gebracht:
https://www.nius.de/politik/news/spd-erben-hunde-gekoepft

Im „besten Deutschland, das wir je hatten“ natürlich alles legal und im Rahmen des Grundgesetzes…
Der Mob wird systematisch hochfanatisiert…

Last edited 1 Stunde her by twsan
rainer erich
1 Stunde her

Artikel, in denen sich die Totalitären von der anderen Seite nicht an Trump abarbeiten können , erfreuen sich einer nur beschränkten Aufmerksamkeit, obwohl sie bzw ihre Inhalte durchaus relevant sind. Offenbar aber nicht für alle, die sich inzwischen etwas auffällig auch auf TE tummeln. Da gehören wohl einige nicht zu den vom hiesigen Regime negativ Betroffenen. Der Totalitarismus scheint für die einschlägig Verdächtigen, im Unterschied zu Trump, genausowenig ein Problem zu sein wie die “ Wirtschaftspolitik“ oder “ der Islam“. Vielleicht, weil sie im und vom System profitieren. Wobei nicht die absurden Kommentare das eigentliche Problem sind, sondern das, was… Mehr

tiptoppinguin
1 Stunde her

Willkommen im sozialistischen Paradies. Ihr werdet nichts besitzen und ihr werdet glücklich sein. Nach 50-60 Arbeitsjahren geht es dann auf die Insel und in den Läden gibt es Solyent Green.
Schöne
Neue
Welt

Endlich Frei
1 Stunde her

WELT-Online titelt zur aktuellen SPD-Parole „Wer Steuern zahlen kann, muss Steuern zahlen“.
Da kann man nur sagen, Verena Feldbusch hat alles richtig gemacht, als sie dieses Jahr nach Dubai umgezogen ist.

Derweil hat sich der Ausländeranteil bei den Langzeitarbeitslosen sich seit 2014 nahezu verdoppelt. Dazu kommen jene Ausländer mit deutschen Pass und geteilten Loyalitäten. Also jene, die ‚keine Steuern zahlen ̶w̶̶o̶̶l̶̶l̶̶e̶̶n̶ können‘.

Fulbert
1 Stunde her

Viel wichtiger als bürokratischer Aufwand beim Lebensfreibetrag ist die Frage, ob die Entwicklung nicht analog zum Freibetrag auf Kapitalerträge verläuft: zunächst relativ großzügig wirkende Beträge, die im Laufe der Zeit immer weiter reduziert werden. Wobei schon die genannte eine Million eine beträchtliche Kürzung im Vergleich zu den alle zehn Jahre möglichen Freibeträgen wäre.