Hart aber fair: Shoppingtipps für Weihnachten

Gefahren des Onlinehandels - Schnäppchenjagd und Retouren - am Black Friday. Klamroth versucht es wieder mit jung, hipp und nachhaltig; und doch muss er seinen Zuschauern das Konzept „Amazon“ erklären. Von Franka Haase

Screenprint ARD
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Im Handel locken derzeit die Geschäfte mit großen Rabatten im Rahmen der „Blackweek“. Zeit für Lous Klamroth, den Zeigefinger mahnend zu erheben – zu wenig nachhaltig sei die Online-Einkaufskultur. Renate Künast (Grüne) ist zu Gast und plädiert für weniger ist mehr, fragt aber auch mal „frech“ nach Rabatt. „Irgendwer müsse ja anfangen“, obwohl ihr das als ehemalige Ministerin manchmal auch unangenehm ist. Und Geld keineswegs fehlt. Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt, über einen längeren Zeitraum Preise zu vergleichen, schon vor dem Weihnachtsgeschäft. Für diesen originellen Vorschlag erhält sie viel Applaus aus dem Publikum. Weiterhin macht sie auf die Merkmale eines seriösen Onlineshops aufmerksam: Transparenz, klares Impressum, Verbraucherrechte. Keine Überraschungen also. Black Friday und Rabatte – ein wichtiges Thema für die Menschen in Deutschland? Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaft, dämpft den Enthusiasmus. An die Rabattaktionen glauben nur noch 13% der Bürger und auch die Rabatte selbst hätten stark abgenommen. Ihm zufolge hätten sie im vergangenen Jahr zwischen 3 bis 5 % gelegen. Wie relevant das Sendungsthema zurzeit ist, kann man so gut beantworten.

Klamroth und die ARD

Das scheint Louis Klamroth nicht zu kümmern. Schließlich wurde ihm vor wenigen Tagen eine goldene Zukunft bei der ARD angeboten. Weniger „hart aber fair“ im kommenden Jahr, dafür weitere Formate. Jung, hipp und teuer. Das Honorar solle bei 18.000 € je Sendung bleiben. Durch das Mehr an Formaten steigt sein Einkommen somit auf über eine Million in 2026/27, laut Medienberichten. Selbst ein Bundestagsabgeordneter muss „nur“ mit einem Jahresbezug von gut 200.000 Euro auskommen.

Um die jüngere Generation einzubinden, ist die transformierte Youtuberin Bianca Heinicke von „BibisBeautyPalace“, eingeladen. Sie ist eine der erfolgreichsten YouTuberinnen Deutschlands, wurde reich und bekannt mit Schminktipps, Produkttests und ihrer eigenen Kosmetikmarke. Ist sie von ihren ehemaligen Shoppingmarathons geheilt? „Ja, wenn man das so nennen möchte …“, erwidert sie Klamroth, der sie „Bibi“ nennt. Inzwischen ist sie voll dabei, wenn es um Nachhaltigkeit und Achtsamkeit geht. Nun hat sie mit Greenpeace einen Film über „Ultra Fast Fashion“ produziert. Für Trends hat sie ein Gespür.

Nachhaltig, klimafreundlich und Lieferkettengesetz

Nachhaltigkeit finden alle toll. Christian Ploß, CDU-Abgeordneter und Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft, versucht alles unter einen Hut zu bekommen. Er lobt seine CDU dafür, dass Europa nun die Zollfreigrenze für chinesische Produkte abgeschafft hat. Auch Kleinstimporte unter einem Wert von 150 Euro müssen nun versteuert werden. Das soll Konsumenten vor „giftigen Billigprodukten“ schützen. Binnenmarkt und Wirtschaft stärken, nachhaltig und klimafreundlich müssen die Produkte sein – aber auch weniger Bürokratie und wettbewerbsfähig bleiben. Gar nicht so leicht, als Abgeordneter es allen recht zu machen. In der Debatte wirkt er fehl am Platz. Onlinehandel ist nicht sein Metier. Das hat er mit Renate Künast gemein, nur das Künast immer wieder die Deutschen der Konsumlust schelten muss.

Nachhaltigkeit und die Doppelmoral: Heinemann verweist auf eine Studie, die eine Diskrepanz zwischen beteuerter Nachhaltigkeit und tatsächlichem Handeln und Kaufverhalten aufweist. Er wird unterbrochen. Das ist nicht von Relevanz, er kann es später ausführen. Dazu kommt es natürlich nicht. Klamroths Moralvorstellungen schlagen die Realität der Bürger.

Stattdessen: Deutschland ist Europameister bei den Retouren, 17 Millionen Artikel pro Jahr verrät die Sendung. Gero Furheim besänftigt, die meisten Onlinehändler gehen verantwortungsvoll und ökonomisch vor. Ungefähr 95% der retournierten Ware geht wieder in den Handel oder wird über Restpostenhändler weiterverkauft. Der Vorstand des europäischen Ecommerce wirbt für Anerkennung seiner Branche. Es seien viele kleine und mittelständische Unternehmen, die davon stark profitieren. Die Ablehnung der „Verbraucherschützerin“ und auch von Künast trieft geradezu aus dem Fernseher. Sie wollen jetzt die deutsche Produktüberwachung auf die ganze Welt ausweiten und so die Produktflut der chinesischen Billighändler Shein und Temu eindämmen. Für jedes Produkt, das nach Deutschland eingeführt wird, muss seit einigen Jahren ein haftbarer Produktverantwortlicher angegeben werden. Eine Regelung, über die Shein lacht. Und Künast ist überrascht, dass Chinas Wirtschaft sich nicht an deutsche Regulierung hält.

Um die Abstimmung im EU-Parlament zum Lieferkettengesetz entbrennt ein softer Streit zwischen Künast und Ploß. Künast: niemals mit Rechtsextremen gemeinsame Sache machen! Auch nicht, um unnötige Bürokratie abzuschaffen, so Künast weiter. Und Renate Künast hat noch nie eine bürokratische Regelung gefunden, die sie nicht noch viel bürokratischer, viel langsamer und viel komplexer gestallten möchte.

Schließlich leitet Klamroth in gewohnt legerer Art zu seiner Kollegin bei der Tagesschau über: „Moin“. Das bindet sicherlich junge Zuschauer.

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Kommentare ( 67 )

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67 Comments
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Haba Orwell
2 Monate her

Sicherlich im ÖRR so nie angesprochen – „Deutschland stagniert – Von der wirtschaftlichen Kehrtwende keine Spur“ Heute im Bösen Medium. > „… Die deutsche Wirtschaft stagniert. Konsum und Export schwächeln, die Wirtschaftskrise ist anhaltend und strukturell. Die versprochenen Investitionen lassen auf sich warten. Doch statt sich um die Probleme zu Hause zu kümmern, sabotiert Merz Friedensverhandlungen. …“ So spielt kaum noch eine Rolle, wo genau man kaufen möchte – oder eher gar nicht kaufen. > „… Das Geschäft mit Deutschlands wichtigsten außereuropäischen Handelspartnern läuft schlecht. Die USA haben Importe aus der EU mit hohen Zöllen belegt, China verzichtet zunehmend auf… Mehr

Michael W.
2 Monate her

Das „China Export“ CE ist ein Märchen, gibt es so nicht. Das CE-Zeichen muss nicht absolut identisch aussehen. Und ist ohnehin nie echt. Denn mit diesem Zeichen symbolisiert der Hersteller, dass er sich an die Vorschriften hält. Geprüft wird das nie. Das ist wie ISO 900x. Einfach dokumentieren, dass an alles geprüft hat. Viel Spaß, das in China nachzuprüfen!

Konservativer2
2 Monate her

Temu interessiert mich nicht, in der Schrottklitsche kaufe ich nichts. Und gegen offensichtlich gefährlichen Elektroschrott sollte durchaus ein Schutzmechanismus eingerichtet werden. Aber was die Importabgaben angeht: es gibt etliche Artikel in Nischenmärkten (z.B. Modellbau), die in Deutschland einfach nicht erhältlich sind und deshalb mit einem Riesen-Brimbamborium, auch wenn sie nur ein paar Euro kosten, aus dem Ausland (z.B. GB) bezogen werden, nachdem die Bagatellgrenzen gefallen sind. DAS ist in meinen Augen verbraucherfeindlich.

Last edited 2 Monate her by Konservativer2
Michael W.
2 Monate her
Antworten an  Konservativer2

Aber: Ich habe bei einem chinesischen Hersteller über Ali-Express einen Mini-PC gekauft. Meine Verwunderung war groß, dass ich schon wenige Stunden nach der Bestellung eine Trackingnummer bekam. Zwei Tage später war der Mini-PC da. Nicht aus China, sondern aus Tschechien. Rechnung inkl. deutsche MWSt. 30% billiger als Amazon. Mehr RAM und schnellere SSD rein und immer noch billiger als Amazon.

Gegen den E-Schrott hülfe, wenn der gewerbliche Importeur dessen Ungefährlichkeit nachweisen bzw. voll haften müsste. Bei Privatimporten ist man ohnehin selbst voll verantwortlich.

Dr. Rehmstack
2 Monate her

Also, dass diesem Menschen immer noch und jetzt offensichtlich sogar noch erweitert, ein Platz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gegeben wird und das auch noch zu gerade zu unanständigen Gehältern, zeigt mit nicht zu überbietenden Klarheit, dass es den Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks offensichtlich an jedem wirtschaftlichen Verstand mangelt. Wer entscheidet und genehmigt sowas, welche Form von Leistungskontrolle gibt es dort überhaupt? Es ist doch offensichtlich, dass es keinen Brain Drain von den öffentlich-rechtlichen zu den privaten gibt, bis auf 1,2 Ausnahmen; warum ist das wohl so? Zwei Möglichkeiten: entweder sie sind keine Quotenbringer im free tv oder die öffentlich-rechtlichen zahlen zu… Mehr

Michael W.
2 Monate her
Antworten an  Dr. Rehmstack

Und wer bei den Privaten (meist mangels Quote) rausfliegt, landet fast immer bei den ÖRR und wird dort lebenslang überdurchschnittlich alimentiert.

Enrico
2 Monate her

„Durch das Mehr an Formaten steigt sein Einkommen somit auf über eine Million in 2026/27, laut Medienberichten.“
Das geschieht den deutschen Haushalten recht, daß sie den Klamroth-Mist (und den anderen Schrott) zwangsweise finanzieren müssen. Die meisten Haushaltsmanager (m/w) sind im Kontext des erzwungenen ÖRR-Rundfunkbeitrags dickfellig, hartleibig, schulterzuckend, apathisch, indolent, abgestumpft, bräsig, interesselos oder bereits unheilbar verpeilt, teilnahmslos und obrigkeitsüberhörig unterwegs.
Also weiter blechen bis der Arzt (aus der Schwarzwaldklinik) kommt.
Ich reg mich nicht mehr darüber auf (ein Vorsatz für 2026).

Haba Orwell
2 Monate her

Das Imperium steht kurz vor der Gedankenpolizei: https://tkp.at/2025/11/25/chatkontrolle-soll-durchgewunken-werden/

Könnte Trump die US-Konzerne verpflichten, in Westeuropa Datenschutz zu wahren? Ihn müsste freuen, den Euro-Woken zeigen zu können, wo der Hammer hängt.

Im ÖRR gibt es sicherlich keine ergebnisoffenen Diskussionen zum Thema?

Kontra
3 Monate her

Das Land „brennt“ an allen Ecken und Enden und Luisas Lover versendet mal eben zig Tausend Euro für absolute Nonsens Themen. So weit weg von den Leuten, wie nur eben geht!

Gerhart
3 Monate her

Seit Ewigkeiten liegen die “ Billigimporte “ in Baumärkten, 1-Euro Läden und auch in „normalen“ Geschäften. Teilweise zu Unpreisen.
Und nun, wo sich der Bürger mal was direkt beim asiatischen Amazon kauft, besteht die Gefahr, daß er daneben greifen könnte.
Und da müssen ARD und ZDF in konzertierter Aktion natürlich warnen ( bei ZDF Info gibt es auch eine ziemlich dünne Temu Dokumentation ) …
Und natürlich soll jetzt auch Kleinware verzollt werden. Zzgl. Bearbeitungsgebühr, damit es sich nur nicht lohnt.

Peter Gramm
3 Monate her

immer wieder dieses leere Gerede. Nachdem der Staat dem Bürger immer mehr Geld wegnimmt und damit das verfügbare Einkommen permanent reduziert wird der Bürger sich immer wieder an Plattformen wie TEMU u.a.m. wenden. Klammroth, Künast u.a. leben entweder auf Zwangsgebührenbeglückten odert dem Steuerzahler und wären die letzten die solche Diskussionen führen sollten. Die Betroffenen werden sie niemals überzeugen. Schlicht lächerlich.

Guzzi_Cali_2
3 Monate her

Wenn ich meine persönliche Vorgehensweise zum Besten geben darf: Was immer mir staatliche, staatsnahe, öffentlich-rechtliche oder sonstige Medien oder Politiker nahelegen oder empfehlen – dann tue ich das glatte Gegenteil. Meistens liegt man damit goldrichtig. Wie schon Markus Krall so richtig sagte: Man muß ihnen Geld, Macht und Einfluß wegnehmen, wo immer man kann.