Wie schwer Covid-19 Großunternehmen trifft

Deutsche Unternehmen fürchten im internationalen Vergleich besonders um ihre Profitabilität: 64 Prozent erwarten eine starke Belastung ihrer Margen und ihrer Profitabilität. Weltweit liegt der Anteil nur bei 39 Prozent.

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Die wirtschaftlichen Folgen der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus treffen die Großunternehmen weltweit und in Deutschland schwer. Laut einer aktuellen Befragung von Ernst & Young (EY) erwarten 73 Prozent der Unternehmen weltweit und 56 Prozent der Unternehmen in Deutschland massive Auswirkungen auf die weltweite Wirtschaft. Der Rest der Unternehmen erwartet immerhin kleinere Effekte. Dass Covid-19 die Wirtschaft nicht berührt, glaubt inzwischen keines der Unternehmen mehr. Auch die heimische Wirtschaft wird nach Einschätzung der deutschen befragten Unternehmen unter schwerwiegenden Folgen leiden. 40 Prozent erwarten massive, 59 Prozent geringere Auswirkungen auf den Standort Deutschland.

Insbesondere die hiesigen Unternehmen fürchten um ihre Profitabilität: 64 Prozent erwarten eine starke Belastung ihrer Margen und ihrer Profitabilität. Weltweit liegt der Anteil nur bei 39 Prozent.

Obwohl die Profitabilität in Gefahr ist, erkennen die deutschen Unternehmen derzeit aber auch Chancen für günstige Zukäufe: 26 Prozent sehen die Gelegenheit, ihren Marktanteil durch Fusionen und Übernahmen auszubauen, 40 Prozent hoffen jetzt auf sinkende Bewertungen möglicher Übernahmekandidaten. Weltweit beträgt der Anteil 23 beziehungsweise 39 Prozent.

Das sind Ergebnisse des aktuellen „Capital Confidence Barometer“. Basis der Studie ist eine Umfrage unter mehr als 2 900 Managern in Großunternehmen weltweit, davon 145 in Deutschland.

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Constantin M. Gall, Partner und Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz: „Die Unternehmen weltweit beobachten den M&A-Markt nun mit besonders wachem Blick. In der akuten Phase der Corona-Krise werden sich interessierte Käufer zwar zunächst zurückhalten. Wir rechnen aber damit, dass es anschließend angesichts sinkender Bewertungen von Übernahmekandidaten zu einem deutlichen Anstieg der M&A-Aktivitäten kommen wird. Das ist ein Lerneffekt aus der Finanzkrise, nach der sich viele aus Vorsicht zunächst nicht an Fusionen und Übernahmen herangetraut hatten. Insbesondere jetzt zeigt sich auch, welcher Konzern sich schon frühzeitig als Portfolio-Unternehmen aufgestellt hat und damit besser durch die Krise kommt.“ In diesen Wochen kommt zunächst alles auf den Prüfstand: So arbeiten 47 Prozent der Unternehmen in Deutschland bereits daran, die Automatisierung in ihrem Betrieb zu beschleunigen. 38 Prozent nehmen Anpassungen an der Belegschaft vor. In vielen Fällen dürfte es sich um Stellenstreichungen oder einen Einstellungsstopp handeln. 36 Prozent optimieren ihre weltweiten Lieferketten und 34 Prozent verstärken die digitale Transformation.

Auch wenn es in vielen Unternehmen zu schmerzhaften Einschnitten beim Personal kommen wird, will immerhin ein knappes Drittel der Unternehmen ihre Belegschaften unberührt lassen. Mehr als 90 Prozent der Betriebe fassen dagegen Änderungen an den Lieferketten, eine verstärkte Automatisierung und eine beschleunigte digitale Transformation ins Auge oder arbeiten schon konkret daran. „Etliche Unternehmen haben schon vor der Corona-Krise einen harten Sparkurs gefahren – der wird jetzt noch deutlich an Intensität gewinnen“, erwartet Gall. „Ein weiteres Ergebnis der aktuellen Krise wird die Erkenntnis sein, dass die digitale Transformation noch viel zügiger umgesetzt werden muss. Ohne ein funktionierendes digitales Geschäftsmodell wird es zukünftig nicht mehr gehen. Schonungslos wurden in den vergangenen Wochen auch die Schwachstellen in den Lieferketten aufgedeckt. Auch hier werden viele Unternehmen schnell nachbessern.“

Die Auswirkungen auf die Beschäftigung werden sich aller Voraussicht nach zumindest bei den deutschen Konzernen in Grenzen halten, meint Gall. Denn: „Beim Personal haben die Unternehmen ebenfalls aus der Finanzkrise gelernt: Die Unternehmen, die damals an ihren Mitarbeitern festgehalten haben, konnten vom anschließenden Aufschwung profitieren und sind verhältnismäßig gut aus der Krise gekommen. Die umsichtige Nutzung des Kurzarbeitergeldes half damals bei der Planung der Unternehmen und könnte auch jetzt vielen von ihnen helfen.“ Allerdings sind die Branchen nach Einschätzung der Unternehmen derzeit unterschiedlich betroffen. 27 Prozent der Befragten weltweit erwarten, dass die Autoindustrie besonders schwer betroffen sein wird. 23 Prozent erwarten starke Auswirkungen auf den Maschinenbau. Auch der Handel wird aus Sicht von 15 Prozent der Befragten im Zentrum der Corona-Krise stehen.

Gall fasst zusammen: „Die Menschen verlassen kaum das Haus und konsumieren weniger. Firmen und Mitarbeiter wissen nicht, wie es weitergeht und halten sich mit Investitionen zurück. In vielen Bereichen stockt die Produktion – auch weil infolge unterbrochener Lieferketten Teile fehlen. Das führt gerade in der Autoindustrie, aber auch im Maschinenbau zu Umsatzeinbußen. Der Handel bietet dagegen ein geteiltes Bild: Während Unternehmen mit Produkten des täglichen Bedarfes und einem guten Onlinehandel ausgelastet sind, ist der Absatz bei anderen praktisch zum Erliegen gekommen.“


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Kommentare ( 10 )

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Ego Mio
6 Monate her

Die Erwartung an einen ähnlich schnellen Aufschwung wie nach der Lehman-Krise teile ich nicht, denn aus China wird es diesesmal keine neuen Impulse/Aufträge mehr geben. Nein, China ist jetzt der große Konkurrent um Aufträge. Ich tippe auf einen harten Preiskampf + Handelskrieg und eine ganz lange Phase der Rezession. Vielen Unternehmen in den Industrieländern (inkl.China) bricht nach Corona das Businessmodell weg. Weil man relativ ratlos ist, plappert man das Mantra von der „Digitalsierung“ nach. An den Börsen gehen die Aktien der wenigen „Zukunftsunternehmen“ schon durch die Decke. Dabei können diese Unternehmen ihren neuen Aktionären meist nicht einmal 1 Prozent Dividende… Mehr

Coco Perdido
6 Monate her

Sind die deutschen Unternehmen mit ihren verlautbarten Zahlen (ob und wie sie gerechnet sind, weiß ja keiner) mal wieder ängstlicher? Was ist mit dem zu erwartenden, überdurchschnittlichen Profit aufgrund des Nachholbedarfs nach der Krise?

humerd
6 Monate her

Die Deindustrialisierung Deutschlands fing lange vor Corona an. Corona gibt jetzt nur noch Schwung. Es fehlen ja nicht nur Teile, es fehlen vor allen Dingen billigste Arbeitskräfte, die nur durch Transferleistungen wie z.B. Hartz IV Aufstockung und Kindergeld für zu Hause gebliebene Kinder und viele weitere Leistungen überhaupt so billig sein können. Das wiederum nagt an der Profitabilität der Unternehmen. Bei der Arbeitsverdichtung ist nicht mehr viel möglich. Die Digitalisierung haben viele Firmen schlichtweg verpennt. Nicht ganz unschuldig ist da unsere Regierung. Seit Jahren sind wir das Land der Subventionitis. Das nimmt den Firmen den Anreiz zu investieren, digitalisieren und… Mehr

Hans Brasselfingen
6 Monate her

Verstehe die Überschrift nicht. Kein Virus greift Unternehmen an. Es ist die Regierung allein, und zwar ganz allein, die die Menschen bekämpft und die Unternehmen ruiniert.

Tizian
6 Monate her

Eines dürfte klar sein, deutsche Unternehmen jammern nur deshalb so stark, weil sie wissen, daß sie dann vom Staat Milliardensubventionen, Steuerermäßigungen oder andere Vorteile bekommen. Das ist in den anderen Staaten eben nicht so. Deshalb wird dort auch nicht gejammert, nach Auswegen gesucht und daher auch die deutsche Wirtschaft weiter geschwächt. Wenn ein Uterhmen wie Adidas Milliarden bekommen kann, nur weil man angeblich die Mieten nicht mehr bezahlen kann, wem will man verdenken, dann nicht auch oder noch mehr zu jammern und abzusahnen. Das wir Bürger diesen Wahnsinn und Betrug bezahlen interessiert weder Politik und Regierung und den Bürger offensichtlich… Mehr

giesemann
6 Monate her

Man erkennt erneut: Wirtschaftskrise heiß Absatzkrise – vulgo: Wer soll den ganzen Bettel eigentlich kaufen? Folge: Insolvenzkrise bei einigen, die zu hart auf Kante verkauft haben.

Coco Perdido
6 Monate her
Antworten an  giesemann

Die deutschen Unternehmen waren schon immer die größten Jammerer, die schnell nach dem Staat rufen. Worum geht es wohl, nachdem der Staat versprach, den Geldhahn zu öffenen?

giesemann
6 Monate her
Antworten an  giesemann

… insbesondere, wenn man weiß: Die Deutschen bezahlen ihre Exporte selbst via „Target 2“.

giesemann
5 Monate her
Antworten an  giesemann

Neueste Entwicklung: Man kriegt noch Geld dazu, wenn man’s nimmt, das WTI-Öl … . Irgendwas läuft da wohl über, das Zeugs muss offenbar weg.

Boudicca
6 Monate her

Bleibt nur zu Hoffen, dass die deutsche Wirtschaft vor dem Zugriff von Angela Merkel, ihrem Minijobber Altmaier und ihrem gruseligen Corona-Kabinett bewahrt bleibt.
Das gewährte Kurzarbeitergeld wird aus dem Arbeitslosenbeitrag bestritten, den jeder Arbeitnehmer und Arbeitgeber anteilig bezahlt und ist keine mildtätige Gabe der „Regierung“, sonder unter anderem für solche Fälle vorgesehen.