Siemens-Chef fordert Maschinensteuer

Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, plädiert für einen Spitzensteuersatz von 70 Prozent und für eine Maschinensteuer.

© Christof Stache/AFP/Getty Images

In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ plädiert der Siemens-Chef für eine drastische Erhöhung des Spitzensteuersatzes. „Gegen 70 Prozent Steuern auf Spekulationsgeschäfte hätte ich nichts einzuwenden“, sagte Kaeser. „Spekulation, Computer- und Hochfrequenzhandel sollten Sklaven der Gesellschaft sein, und nicht umgekehrt. Wir müssen die Art von Geschäften deutlich höher besteuern.“

Die Maschinensteuer

Kaeser bringt dafür eine grundlegende Reform des Steuersystems ins Spiel. Die Steuern auf den Gewinn sollten sich nach den Vorstellungen des Siemens-Chefs danach richten, wie viel Menschen ein Unternehmen braucht, um diesen zu erwirtschaften. „Der Steuersatz sollte den gesellschaftlichen Nutzen von Unternehmen abbilden“, begründet er seinen Vorstoß. „Bei Siemens arbeiten 372.000 Menschen, um sechs Milliarden Gewinn zu erwirtschaften. Wenn ein Spekulant mit 20 Angestellten auch sechs Milliarden Gewinn macht, dann sollte sein Gewinn höher besteuert werden.“

Faktisch bedeutet dies die Einführung einer Maschinensteuer. Denn bestraft würden hoch produktive Unternehmen, wenn sie neue Technologien einführen, die häufig dazu führen, dass weniger Arbeitskräfte gebraucht werden, um einen höheren Gewinn zu erwirtschaften. Wenn der „gesellschaftliche Nutzen“ des Unternehmens, wie Kaeser ihn definiert, davon abhängig gemacht wird, mit wie vielen Arbeitskräften bestimmte Leistungen erbracht werden, dann würden Produktivitätszuwächse und technischer Fortschritt künftig steuerlich bestraft – eine absurde Folge. Unternehmen, die vor der Wahl stünden, in Deutschland neue Technologien einzuführen oder im Ausland mit vielen gering bezahlten Arbeitern zu produzieren, müssten sich dann aus steuerlichen Gründen für letztere Variante entscheiden und Arbeitsplätze noch stärker in Niedriglohnländer verlagern.

Ein moderner Maschinenstürmer

Absurd ist, dass solche technikfeindlichen Vorschläge, die faktisch eine Strafsteuer für Maschinen bedeuten, ausgerechnet von dem Chef eines Technologiekonzerns gemacht werden. Die Steuervorschläge von Kaeser sind eine moderne Form der Technikfeindlichkeit, wie sie Anfang des 19. Jahrhunderts verbreitet war. Die Maschinenstürmer wandten sich damals mit der gleichen Begründung wie Kaeser gegen den industriellen Fortschritt, weil die Einführung von Maschinen Arbeitsplätze vernichte. Sie zerstörten Maschinen, um die von Unternehmen beabsichtigte Ersetzung qualifizierter Arbeiter durch Ungelernte zu verhindern. Schwerpunkt der Maschinenstürmer war England, aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz kam es zu ähnlichen Protesten. Kaeser will das Gleiche, was die Maschinenstürmer wollten, nämlich Unternehmen bestrafen, die mit weniger Arbeitskräfte eine höhere Produktivität erzielen, nun mit den Mitteln des Steuerrechtes erreichen. Damit fällt der Siemens-Chef sogar hinter Karl Marx und Friedrich Engels zurück, die die Maschinenstürmer wegen ihrer Technikfeindlichkeit scharf kritisierten. Sie hatten verstanden, dass die Erhöhung der Produktivität der gesamten Gesellschaft nutzt.

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Kommentare ( 173 )

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Lieber Herr Zitelmann,die „Maschinensteuer“ ist ein ganz alter Hut,der 1978 von Prof.Friedhelm Fahrtmann SPD,Minister für Arbeit und Soziales in NRW propagiert wurde,um dem damaligen Wegfall von Arbeitsplätzen durch vermehrten Einsatz der damals neuen CN-Technik gesteuerten Maschinen entgegen zu wirken.Herr Fahrtmann wollte mit dem Geld neue Arbeitsplätze schaffen,oder die Arbeitslosen Versicherung stützen,da er mit einer stark steigenden Arbeitslosen Zahl rechnete.Des weiteren wollte er so den Ausfall in der Kranken und Rentenversicherung kompensieren.Nach dem er verbale Prügel von allen Seiten bezogen hatte,war dieser Vorstoß auch sehr schnell wieder gestorben! Wer sich gegen neue Technik stellt und 70% Steuern fordert,der ist also nicht… Mehr

„Unternehmen, die vor der Wahl stünden, in Deutschland neue Technologien einzuführen oder im Ausland mit vielen gering bezahlten Arbeitern zu produzieren, müssten sich dann aus steuerlichen Gründen für letztere Variante entscheiden und Arbeitsplätze noch stärker in Niedriglohnländer verlagern.“

Gefällt mir besser als die Idee, die Arbeiter aus den Niedrigstlohnländern nach Deutschland zu resettlen.

Wir brauchen keine Maschinensteuer. Wir müssen stattdessen einvernehmlich regeln, wie bei fortschreitenden Digitalisierung unserer Arbeitswelt die für die Arbeitnehmer verbleibende Arbeit möglichst gerecht verteilt wird.

Wenn Verteilungskämpfe vermieden werden, kann die Lebensqualität aller Arbeitnehmer steigen!

Deutsche Industrie ist dabei sich zu isolieren und auf eigene Leistungen und Innovation zu verzichten. Die ausbleibenden Gewinne sollen durch Staat und Ideologie kompensiert werden. Wer sind diese Industriekapitäne in Wirklichkeit, nur Leichtmatrosen?

In China wird man das ablehnen. Damit ist das Thema dann hier auch erledigt, denn die Skaleneffekte durch erhöhte Automatisierung erlauben chinesischen Unternehmen eine noch bessere Konkurrenz zu sein auf Märkten u.a. deutscher Unternehmen. Die Idee verschwindet wieder so schnell in der Mottenkiste der marxisistischen und links-grünen Ideen für eine bessere Industriegesellschaft, wie sie gekommen ist. Im Silicon Valley lässt sich leicht eine Steuer fordern, die lokal kaum Widerspruch erfährt. Da sollte man hier etwas direkter widersprechen! In einem Jahr redet keiner mehr davon im positiven Sinn außer der Jubelpresse, die jede Ankündigung über erste „erfolgreich“ erprobte Energiespeicher als Fortschritt… Mehr
Allmählich frage ich mich, was eigentlich mit Siemens los ist. Soll diese aus der Hüfte geschossene Diskussion vom Desaster in mitteldeutschen Standorten ablenken ? Versucht man jetzt, für alle Eventualitäten eigenen Versagens Sündenböcke auszumachen ? Das Unternehmen wäre mächtig genug, bei den Akteuren in Berlin auf den Busch zu klopfen, verzichtet aber darauf, es bleibt in dieser Hinsicht merkwürdig still in der Vorstandsetage. Dabei gäbe es gute Gründe, den wirtschaft- und finanzpolitischen Kurs der Berliner in den Boden zu rammen. Stattdessen abstruses Gemaule und Gewinsel. Wo bleibt die kühle und strategisch vorausdenkende Führungsqualität dieses Konzerns? Ein Fanal für den Weg… Mehr

Auf mich wirkt Joe Kaeser, als ständiger Begleiter von Angela Merkel auf Auslandsreisen und Lieblingsmanager, eher opportunistisch angepasst. Nachdem seine Strategien im Energiesektor offensichtlich keinen Erfolg haben und jetzt Personalabbau und Standortschließungen drohen, nimmt er wieder eher linke Positionen ein, um sein öffentliches Ansehen zu verbessern.

Famose Idee. Und die Maschinen dürfen dann auch wählen und heiraten.

Das entscheidende Zitat aus diesem Artikel ist jenes: „Absurd ist, dass solche technikfeindlichen Vorschläge, die faktisch eine Strafsteuer für Maschinen bedeuten, ausgerechnet von dem Chef eines Technologiekonzerns gemacht werden“ Siemens hat jahrelang in der IT mitgewirkt. Auch jetzt noch spielen sie einige Rollen darin. Es gibt eine Platform bzw. Produkt von Siemens, ( Mindsphere ). https://www.siemens.com/global/de/home/produkte/software/mindsphere.html Wenn man sich das mal zu Gemüte führt und berücksichtigt, wie IoT (Internet of Things) sich weiter entwickeln wird, APIs ( Application Programming Interface ) die verschiedenen Applikationen verbinden und Prozesse steuern wird, frage ich mich, was Josef Käser da versucht zu sagen und… Mehr

Josef Käser, Dieter Zetsche, Matthias Müller…
… für Maschinensteuer, für Sitzensteuersätze, für Tempolimit und Abbau von „Subventionen“ (sic!) für Dieselkraftstoffe.
Und was wollen sie mit dem Geld machen? Es kassieren für Windräder und E-Autos, welche dem dummen, zurückgebliebnen Volk Ewiggestriger in bester paternalistischer Manier aufgezwungen werden sollen.
Cui Bono?

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