Destatis: Die höchste Inflationsrate seit fast 28 Jahren

Die Inflationsrate liegt erstmals seit 1993 bei über vier Prozent. Das ist auch, aber längst nicht nur durch die niedrigen Vorjahreswerte in der Corona-Krise zu erklären.

IMAGO / Steinach

Die Inflationsrate in Deutschland wird im September 2021 voraussichtlich +4,1 Prozent betragen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach bisher vorliegenden Ergebnissen weiter mitteilt, bleiben die Verbraucherpreise – gemessen als Veränderung des Verbraucher­preis­index (VPI) zum Vorjahresmonat – gegenüber August 2021 voraussichtlich unverändert. Einen Teuerungswert über vier Prozent hatte das Amt zuletzt im Dezember 1993 mit damals 4,3 Prozent ermittelt.

Die hohen Inflationsraten seit Juli 2021 haben eine Reihe von Gründen, darunter Basiseffekte durch niedrige Preise im Jahr 2020. Hier wirken sich insbesondere die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze und der Preisverfall der Mineralölprodukte erhöhend auf die Gesamtteuerung aus. Hinzu kommen neben den üblichen Marktentwicklungen die Einführung der CO2-Bepreisung seit Januar 2021 sowie krisenbedingte Effekte, wie die deutlichen Anstiege der Erzeugerpreise, die sich vorerst nur teilweise und abgeschwächt im Verbraucherpreisindex und in der Inflationsrate niederschlagen.

Energie war der größte Preistreiber (+14,3 Prozent), Nahrungsmittel verteuerten sich um 4,9 Prozent, Dienstleistungen um 2,5 Prozent, darunter Wohnungsmieten um 1,4 Prozent.

Der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts Timo Wollmershäuser erwartet in näherer Zukunft noch höhere Inflationsraten: „Sie wird vielleicht in Richtung fünf Prozent gehen“, kommentierte er die heutige Destatis-Meldung.

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Kommentare ( 4 )

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Dirk Bender
22 Tage her

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte haben im Juli den höchsten Anstieg seit Januar 1975 verzeichnet. Die Preise lagen 10,4 Prozent über dem Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. Hauptverantwortlich war die Preisentwicklung bei den Vorleistungsgütern und bei Energie. Vorleistungsgüterwaren waren 15,6 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Gegenüber Juni stiegen diese Preise um 2,3 Prozent. Besonders hoch waren die Preisanstiege gegenüber dem Vorjahr bei Nadelschnittholz (+111 Prozent) und bei metallischen Sekundärrohstoffen aus Eisen-, Stahl- und Aluminiumschrott (+100 Prozent), aber auch bei Betonstahl in Stäben (+82 Prozent). Metalle waren im Durchschnitt insgesamt 32,2 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Die Preise für… Mehr

Britsch
22 Tage her

Nach meinen Feststellungen zumindest in meinem Umfeld ist das in letzer Zeit wesentlich mehr als offiziell angegeben wird. Würde mich interessieren wie dies Zahlen / Prozentwerte konkret zusammen kommen. Um nicht zu sagen „konstruiert“ werden. Das weg lassen, das die Werte zu sehr in die Höhe treiben würden? Man muß ja vom Ergebnis her denken und rechnen, daß das noch vertretbatre raus kommt? In meinem Umfeld sind z.B. die Preise von Immobilien in den letzten ca 3 jahrenauf das Doppelte eher sogar mehr, gestiegen. Manche wissen vielleicht was Holz, z.B. eine Latte im Baumarkt gekostet hat, kostet das doppelte oder… Mehr

Iso
22 Tage her

Ich weiß gar nicht, wie man denn auf so niedrige Inflationsraten kommt. Wenn ich sehe, was das Leben heute wirklich kostet, dann fehlt mir da jede Fantasie. Es sei denn, man frisst Brot, Margarine und Nudeln. Das hat man schon im Osten subventioniert, um die Leute billig satt zu machen.

W aus der Diaspora
24 Tage her

Bei Lebensmitteln, Dienstleistungen und Energie beträgt die Erhöhung durch die unterschiedliche Mehrwertsteuerhöhe ca. 2%. Bleiben somit bei Energie gute 12%, Mieten mit 1,4% und Lebensmittel mit ca. 3%.

Allerdings, wenn dann ab Januar die Preise richtig anziehen, dann kann der Staat verkünden, dass die Inflation gesunken sei – von 4,1% auf dann nur 4% – und alle freuen sich …