Gold-Gigant Bundesbank: Das offene Misstrauensvotum

Die deutsche Bundesbank hortet den zweitgrößten Goldschatz unter den Zentralbanken. Dabei fungiert das Edelmetall als Versicherungspolice für Staaten und Privatpersonen gleichermaßen. Sein massiver Preisanstieg zeigt, dass die Würfel bereits gefallen sind: Die Staaten werden versuchen, ihre Schulden zu inflationieren.

picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Wer in diesen Wochen Edelmetall erwirbt, fällt zugleich ein Verdikt über seine Währung. Dabei kann es sich um eine bewusste Portfoli­oentscheidung handeln oder auch um den nicht näher spezifizierten Wunsch, eine monetäre Versicherungspolice zur Hand zu haben. Man weiß ja nie, was kommt.

Auch Goldschmuck oder motivische Silbermünzen sind ästhetisch ansprechend und reizen unseren Sammlerinstinkt. Was private Käufe und das massive Horten von Goldbeständen durch Zentralbanken gemeinsam haben, ist ihr geldpolitischer Hintergrund.

In ehrlichen Momenten wissen wir mit Blick auf die grassierenden globalen Staatsschulden und sich aufschaukelnden geopolitischen Konflikte, dass unser Geldsystem vor schweren Turbulenzen steht. Vielerorts wurde der fiskalische Rubikon längst überschritten. Mit Staatsschuldenquoten von weit über 100 Prozent – wie in den USA, in China und in zahlreichen europäischen Staaten – wird nur noch die massive Ausweitung der Geldmenge die Zahlungsfähigkeit der öffentlichen Hand sicherstellen können.

Bundesbank hält massive Goldreserven

Dies geschieht auf Kosten der Kaufkraft jener, die auf Bargeld vertrauen. In diesem Kontext ist es interessant zu wissen, dass die Deutsche Bundesbank den zweitgrößten Goldschatz unter den weltweiten Zentralbanken hortet.

3.350 Tonnen Gold mit einem Marktwert von rund einer halben Billion Euro verteilen sich zur Hälfte auf die Tresore der Bundesbank in Frankfurt, zu 37 Prozent auf die New Yorker Federal Reserve und zu etwa 13 Prozent auf einen Lagerplatz in der City of London. Es ist eine Erbschaft aus dem alten Bretton-Woods-System, in dem die Goldlagerung in der Nähe der globalen Handelsplätze organisiert war.

Und die Zeit rückt näher, die im Ausland gelagerten Reserven wieder in die Heimat zu überführen. Denn in einem fragilen Währungssystem ist Vorsorge kein Alarmismus, sondern reiner Selbstschutz.

Das muss sich auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni gesagt haben. Sie arbeitet unter Hochdruck daran, die Goldreserven der italienischen Zentralbank formell auf den Staat zu übertragen – ein Schritt, der einem offenen Misstrauensvotum gegenüber der Europäischen Zentralbank gleichkommt.

Italien steht mit einem Goldbestand von 2.452 Tonnen im internationalen Ranking auf Platz drei hinter den USA und Deutschland und verfügt damit, ebenso wie die Bundesrepublik, über ein Faustpfand für den Neustart einer eigenen Währung, sollte es eines Tages zu einer schweren Euro-Krise kommen.

Im Frankfurter EZB-Tower betrachtet man diese Entwicklungen mit allergrößter Sorge. Denn nichts nagt schneller und effektiver an einem Währungssystem als Vertrauensverlust in die Tragfähigkeit des Kredits. Das Bankensystem ebenso wie Rentenversicherungen und Pensionskassen fußen auf der Stabilität von Staatsanleihen, die sich in den Bilanzen dieser Institutionen kumulieren.

Seit klar wurde, dass sich die Staaten fiskalisch nicht mehr konsolidieren können, hat der Anleihenmarkt scharf korrigiert. Milliardenverluste stehen in den Bilanzen und sind nur deshalb nicht abschreibungsfällig, weil der Gesetzgeber Sonderbewertungsregeln zugesichert hat.

Aus Sicht der EZB enthüllen sich angesichts der nationalen Goldhortung gefährliche Sezessionstendenzen. Sie selbst hält noch rund 500 Tonnen Gold aus den ersten Tagen der Währungsunion, als die Teilnehmerstaaten proportional zu ihrem Bruttoinlandsprodukt Goldbestände zur Deckung des Euro einbrachten. Das genügt beileibe nicht, um dem Euro nach jahrzehntelangem Geldmengenwachstum eine stabile, Edelmetall-basierte Verankerung zu geben.

Der immer wieder von EZB-Präsidentin Christine Lagarde geäußerte Wunsch der Zentralisierung der nationalen Goldreserven im Hort der EZB wird nahezu unisono von allen Eurozonen-Mitgliedern zurückgewiesen. So viel zur immer wieder beschworenen Integration des Euro-Währungssystems.

Gold als globaler Vertrauensanker

Auch andernorts ist Gold ins Zentrum der Vertrauensstabilisierung gerückt. Seit Jahren arbeiten die BRICS-Staaten an der Einführung eines vom SWIFT-System unabhängigen Geldsystems, scheiterten bislang an der Tatsache, dass niemand dem asiatischen Hegemon China Vertrauen schenkt.

Die Lösung, die Ankerung des wechselseitigen Transfersystems an Gold, traf China bereits in den Wochen der großen Finanzkrise vor anderthalb Jahrzehnten, als man auf die Käuferseite am Edelmetallmarkt wechselte. Mit derzeit rund 2.300 Tonnen hält das Land den viertgrößten Goldschatz der Welt und gilt seither als der größte Käufer am Edelmetallmarkt.

Neben China waren es vor allem Russland, die Türkei, Indien und Polen, aber auch Staaten wie Ägypten und Thailand, die seit 2008 ihre Goldbestände deutlich erhöht haben. Der Preisanstieg ist also wohlbegründet und dürfte sich langfristig – wenn auch bei wachsender Volatilität – fortsetzen.

Der positive Nebeneffekt dieser Neubewertung des Edelmetalls ist eine Art Bilanzreparatur. Die tiefen Lücken, die die Krise am Anleihenmarkt in die Bilanzen gerissen hat, werden durch die Aufwertung des Goldes bei jenen geschlossen, die die heraufziehende Gefahr einer Staatsschuldenkrise frühzeitig erkannt haben.

Im Falle der Deutschen Bundesbank macht die Goldreserve inzwischen rund 80 Prozent der gesamten Bilanz aus. Es besteht also vielerorts ein Motiv, den Goldpreis weiter aufwerten zu lassen. Es ist eine elegante Art, einerseits das Währungssystem zu stabilisieren und andererseits die Schäden der Vergangenheit auf unterschiedlichen institutionellen Ebenen durch eine schlichte Neubepreisung zu beseitigen.

Staaten streben nach Goldmonopol

Es ist beinahe ein Treppenwitz der Geschichte. Als US-Präsident Richard Nixon im Jahr 1971 angesichts der Schuldensituation der Vereinigten Staaten und der massiven Inflationierung der Verbindlichkeiten die Konvertibilität des Dollars in Gold aufkündigte, setzte das sogenannte Fiat-Kreditgeldsystem ein. Schulden explodierten, Staaten konnten sich beinahe unbegrenzt verschulden.

Ungedeckter Kredit bei immer weiter sinkenden Mindestreserveanforderungen schuf ein perfektes Ponzi-System, das sich inzwischen in sein Krisenstadium hineingewunden hat.

Die deutsche Politik versuchte, der sich abzeichnenden Schuldenspirale zu entgehen, indem vor einigen Jahren die sogenannte Schuldenbremse verankert wurde. Die zernagende Erosionsarbeit an diesem fiskalischen Begrenzungspfahl setzte jedoch unmittelbar nach seiner gesetzlichen Verankerung ein und wurde letztlich im vergangenen Jahr durch Bundeskanzler Friedrich Merz und sein Hasardeurs-Spiel um das Sondervermögen endgültig zu Grabe getragen.

Mit dieser Politik des unbegrenzten Staatskredits treibt die Politik die Bürger geradezu in sichere Häfen wie Edelmetalle und beschleunigt damit den Niedergang des Fiat-Kreditgeldsystems.

Das Verhältnis der Staaten zum Gold ist derweil ambivalent. Abgesehen von überzeugten Fiat-Regimen wie Kanada, das tatsächlich über keinerlei Goldreserven mehr verfügt, kristallisiert sich auch für die Politik immer deutlicher heraus, dass Gold entweder eine Verlängerung des Ponzi-Schemas ermöglichen oder den Neustart eines neuen Systems einleiten kann.

Dass allerdings die Bürger durch die Flucht in den sicheren Hafen der Edelmetalle zu potenziell gefährlichen Antagonisten werden, ruft unmittelbar eine politische Abwehrreaktion hervor. Goldkäufe werden vom Gesetzgeber archiviert, sie werden limitiert, und es werden Gesetze in Stellung gebracht, die glasklar darauf ausgerichtet sind, die erwartbaren Portfolioerträge zu einem späteren Zeitpunkt abzuernten.

Dass die Niederlande aller Wahrscheinlichkeit nach ab dem Jahr 2028 nicht realisierte Kapitalerträge besteuern werden, ist ein Menetekel.

Eine generelle, drastische Aufwertung der Edelmetalle wäre die Geburtsstunde zehntausender kapitalstarker und damit unabhängiger Familien, gerade in Europa. Und es ist genau diese Unabhängigkeit, die den Etatisten in Brüssel und in den Hauptstädten der Europäischen Union ein Dorn im Auge ist.

Dass dabei auch der fiskalische Effekt der unethischen Ernte von Buchgewinnen im privaten Sektor eine Rolle spielt, dürfte angesichts der aus dem Ruder gelaufenen Staatsschulden offensichtlich sein.

Die Ambivalenz des Goldes – und dies gilt für Edelmetalle ebenso wie für andere Assets ohne Drittparteienrisiko, etwa Bitcoin – muss in einem politischen Regime, das auf Kontrolle des Bürgers ausgerichtet ist, zwangsläufig zu massiven Repressionen führen.

Rechnen wir also damit, dass in Kürze auch andere europäische Staaten dem Beispiel des Testfeldes Niederlande folgen werden. Der Kampf um unsere Souveränität ist eröffnet.

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Kommentare ( 3 )

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Haba Orwell
1 Stunde her

> Und die Zeit rückt näher, die im Ausland gelagerten Reserven wieder in die Heimat zu überführen.

Es ist schon richtig, in dieser Hinsicht den Amis und den Briten nicht zu vertrauen. Die Frage, ob die das Gold freigeben werden?

Thorsten
1 Stunde her

und die Politik wird versuchen, diesen „Goldschatz zu heben“ um ihre Gaga-Agenda weiter zu finanzieren oder deren Finanzlöcher zu stopfen.

Dominik R
1 Stunde her

„Seit klar wurde, dass sich die Staaten fiskalisch nicht mehr konsolidieren können, hat der Anleihenmarkt scharf korrigiert.“
Mittelosteuropäische Staaten waren dazu in der Lage: Beispiel Ungarn. Der Sozialist Ferenc Gyurcsány hinterließ 2010 eine Staatsschuldenberg von 81% zum BIP. Die Regierung Orbán schaffte es, diese Schulden auf unter 70% zu reduzieren, bis dann allerdings die Schulden auf Grund diverser Krisen ab 2020 wieder leicht steigen.
Staaten wie Italien, Belgien oder Frankreich aber sind endgültig verloren. Konsolidierungen gingen nur mit Bürgerkrieg durch gigantische Einsparungen im unproduktiven Bereich. Deutschland versucht das Unmögliche, wenn es sie rettet.