Wall Street weiter auf Rekordkurs

DAX mit starker Woche und Favoritenwechsel, Italien vor Budget-Showdown, Coca Cola mit Marihuana-Experiment.

Bryan R. Smith/AFP/Getty Images

Ziemlich lässig wirken die Weltbörsen angesichts der Zuspitzung im internationalen Handelsstreit. An der Wall Street sind jedenfalls auch am Freitag die Rekorde gepurzelt. Sowohl der US-Leitindex Dow Jones Industrial als auch der marktbreite S&P 500 erklommen Bestmarken. Der Dow rückte um 0,3 Prozent auf 26.744 Punkte vor. Auf Wochensicht bedeutet dies ein Plus von 2,25 Prozent – der größte Wochengewinn seit Juli. Der S&P 500 schloss nach dem Hoch bei 2.930 Punkten. Der technologiewertelastige NASDAQ 100 gab um 0,5 Prozent auf 7.531 Punkte nach. Die jüngste Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China scheine anders als in den Wochen zuvor niemanden wirklich zu beunruhigen, sagte Volkswirtin Claudia Windt von der Landesbank Helaba. Geholfen hätten dagegen gute Konjunkturdaten, die einmal mehr belegten, dass sich die US-Wirtschaft auf einem äußerst robusten Wachstumspfad befinde.

Spitzenreiter im Dow waren die Aktien von McDonalds mit einem Gewinn von 2,8 Prozent. Die Schnellrestaurantkette hatte die Quartalsdividende überraschend deutlich von 1,01 auf 1,16 US-Dollar je Aktie erhöht.

Unter den Technologiewerten schnellten die Aktien des Medizintechnik-Herstellers Mazor Robotics um gut zehn Prozent nach oben. Mit Medtronic will eine Branchengröße Mazor Robotics für rund 1,6 Milliarden US-Dollar übernehmen. Die Analysten von Cantor hielten es für unwahrscheinlich, dass noch ein anderes Unternehmen für Mazor Robotics bieten könnte. Die Medtronic-Anteilsscheine legten moderat zu.

Von Allzeithochs ist der DAX zwar weit entfernt, der Leitindex zog aber ebenfalls spürbar an. Auch der Blick auf die Liste seiner Wochengewinner überrascht: Die Angst der Börsianer vor einer Entwicklung in Richtung harter Protektionismus scheint der Hoffnung auf eine halbwegs einvernehmliche Lösung zu weichen — gemäß dem Motto: China und die USA müssen eine Lösung finden, also wird das noch was. Autoaktien wie VW, Titel von Anlagenbauern wie Linde und Thyssenkrupp haben kräftig angezogen, Konzerne, deren Gewinne stark vom Exporterfolg getrieben werden. Aktien aus weniger exportabhängigen Sektoren wie dem Immobilien- oder Versorgerbereich verlieren. Titel wie Vonovia, Eon oder RWE dominierten die Gewinnerlisten in den vergangenen Wochen. Es wird spannend zu sehen, ob der kurzfristige Favoritenwechsel von Dauer ist. Dafür spricht: Die Konjunktur läuft. Treiber ist die US-Wirtschaft, die Wall Street profitiert unmittelbar, auch wenn die Zinsen bereits steigen. Und so wird auch der DAX zum Querulanten gegen das saisonale Muster, das eigentlich einen schlechten September vermuten lässt.

So pessimistisch wie seit sieben Jahren nicht mehr zeigt sich die globale Fondselite in Sachen Weltwirtschaftswachstum. Das ist das Ergebnis der monatlichen Umfrage der Bank of America Merrill Lynch unter Geldmanagern, die weltweit fast 742 Milliarden US-Dollar verwalten. Dabei ist es vor allem die Angst vor einem Handelskrieg, die die Anleger vorsichtig macht und ihre Erwartungen nach unten drückt. Entsprechend zurückhaltend sind auch die globalen Gewinnprognosen für die Unternehmen. Einzig den USA wird zugetraut, sich dem Abwärtstrend zu entziehen. Dementsprechend sind die Vereinigten Staaten bei Aktienanlegern auch die weitaus beliebteste Anlageregion, Schwellenländer dagegen verlieren zunehmend an Attraktivität. Bei den Branchen werden Aktien aus dem Technologiesektor weiter stark favorisiert.

Langsam wird es spannend: Bis zum 27. September muss Italiens Regierung dem Parlament einen Haushaltsentwurf vorlegen. Strittig sind zwischen Finanzminister Tria und Fünf-Sterne-Chef Di Maio, ob die Neuverschuldung im Rahmen der Maastricht-Kriterien ausfallen soll. Immerhin: Seit Anfang September sind die Renditeaufschläge (Spreads) gegenüber Bundesanleihen spürbar zurückgegangen. „Investoren preisen immer mehr das Risiko aus, dass die italienische Regierung mit ihrem Budgetentwurf für 2019 auf offene Konfrontation zur EU gehen könnte“, so Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie für Deutschland, die Schweiz, Österreich und Osteuropa bei Blackrock. Zudem sollten Investoren auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes nicht aus den Augen verlieren, meint Sam Bonney, Stratege bei der japanischen Invest-mentbank Nomura. Die letzten Konjunkturdaten für die viertgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union sehen alles andere als rosig aus. So deute der Einkaufsmanagerindex für die italienische Industrie auf ein Nullwachstum hin. Zudem gebe es zwei große Schwächen Italiens, die das Land sehr anfällig für Schocks machten. Demnach bestehe eine große Abhängigkeit des Wirtschaftswachstums von der Exporttätigkeit und dem Zustand des Bankensektors. Beide Bereiche könnten aber durch Handelskonflikte oder die populistische Haushaltspolitik Italiens schweren Schaden nehmen.

Kokain in der Brause zählte anfangs zum Erfolgsrezept des Getränkekonzerns Coca-Cola. 120 Jahre später will der Softdrink-Hersteller Wellness-Getränke mit dem nicht psychoaktiven Inhaltsstoff von Marihuana entwickeln. Die Aktie des möglichen Coca-Cola-Partners, des kanadischen Marihuana-Produzenten Aurora Cannabis, hob vergangene Woche daraufhin um über 14 Prozent ab. Es wäre nicht die erste gewinnbringende Kooperation eines Giganten mit einem Cannabis-Unternehmen. So kletterte die Marktkapitalisierung des kanadischen Marihuana-Anbieters Canopy Growth, an dem der Getränkeproduzent Constellations Brands beteiligt ist, auf zehn Milliarden US-Dollar. Auf doppelt so viel Börsengewicht kommt der kanadische Konkurrent Tilray nach einer 800-Prozent-Rally seit Juli 2018.​


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Kommentare ( 7 )

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DAX und Allzeithoch, kann es sein? – „DIE BÖRSE LÄSST SICH NICHT TÄUSCHEN
Die 2015 durch Merkels Migrationsparty überraschten europäischen Börsen, feierten später Rekorde, weil sie von einem einmaligen Phänomen ausgingen. Schließlich sollten unter den Migranten en masse syrische Ärzte und potentielle Fachkräfte gewesen sein. Da der Mythos platzte, Europa sich spaltete und die Willkommenspartie unvermindert andauert, erkennen die Finanzmärkte langsam den schleichenden Zerfallsprozess. Sie warnen mit Kursschwächen.“ PP

„Wall Street weiter auf Rekordkurs“ Sind das etwa Fake News? Kurz nach seinem Amtsantritt schrieb das angesehenste deutsche Nachrichtenmagazin aus Hamburg, der SPIEGEL, dass schon abzusehen sei, dass Trump die US-Wirtschaft in den Abgrund reißen werde. Ich frag mich, wer verbreitet nun Fake News?
Oh Entschuldigung, ich vergas, dass das hiesige Pressekartell Fake News nur dann geißelt, wenn sie nicht dem richtigen Zweck dienen.

Cola mit Marihuana sagt doch schon alles! Und dieser Blase traut Ihr noch? Aber die grenzenlose Gier siegt heute über alles. Nun denn ich hör es schon wieder quieken wenns so richtig schön knallt und bekanntlich fällt man aus großen Höhen eben Tiefer. Viel Vergnügen beim Flug.

Achje, bitte fühlen Sie sich doch nicht allzu sehr vergackeiert…

Wieso Blase? Die Zigarettenindustrie gibt es doch auch, Bier und Wein werden gebraut, etc.pp…

Der Mensch (zumindest dieser hier) möchte halt ab und zu ein bisschen träumen, und der Übergang zum Psychedelischen ist sehr vage…

Sonst könnte uns doch nicht die Regierungspropaganda täglich neu unsere erhebend-erhabene Gesinnung einträufeln, und TE könnte uns nicht vor Augen spiegeln, dass es auch alles mal wieder besser werden könnte… 😉

was hat die Konsumgüterindustrie als Vergleich mit einer von der 0 Zinspolitik extrem aufgeblähten Asset Price Inflation zu tun und da ist natürlich die „Börse“ in vorderster Linie zu zählen inklusive überteuerter Life-Style Weinen bestimmter Hersteller. Tja das Soma für das Volk das bißchen träumen ist halt dann immer so hart wenn man auf den Boden der Tatsachen wieder aufschlägt. Mir kanns wurscht sein, denn ich habe weit weg von D in Land investiert in dem ich einfach darauf gemütlich leben und wenns sein muß auch selber versorgen kann wenn diese ganzen lächerlichen Blasen Plöpps machen. von daher sind halt… Mehr

„will der Softdrink-Hersteller Wellness-Getränke mit dem nicht psychoaktiven Inhaltsstoff von Marihuana entwickeln“

Kann mir als neugierigem potentiellem Konsumenten jemand erläutern, was das ist bzw. bedeutet? Marihuana ohne Marihuana?

Coka-Cola hat Elon Musk im Internet an einem Joint ziehen sehen.
Nachdem Pepsi letztes Jahr mit einer Kardashian sich zum Gespött machte versucht’s Coke nun anders.
Kennen wir doch von der Mixery-Koma-Saufen-Bierherstellern-Gehn-Die-Ideen-Aus Sau die durch’s Dorf getrieben wurde.