Starker Start in den August

Die deutsche Industrie sorgte nach zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten mal wieder für positive Schlagzeilen. So stand im Juni vor allem wegen der starken Binnennachfrage das größte Auftragsplus seit zehn Monaten zu Buche.

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Die Unternehmen sammelten 4,1 Prozent mehr Orders ein als im Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Das ist der größte Zuwachs seit August 2020. Die Aufträge aus dem Inland stiegen diesmal um 9,6 Prozent zum Vormonat, wozu besonders die gute Nachfrage in den Branchen EDV, Optik und sonstiger Fahrzeugbau beitrugen.

Das schlug sich auch an der Börse nieder. Der DAX schloss auch am Freitag im Plus und stieg um 0,1 Prozent höher bei 15.761 Punkten. Auf Unternehmensseite stand die Allianz im Fokus der Anleger. Der operative Gewinn dürfte in der oberen Hälfte der Zielspanne von elf bis 13 Milliarden Euro liegen, teilte das im Dax notierte Unternehmen am Freitag in München mit. Die immensen Schäden infolge der Hochwasserkatastrophe im Juli tun der Zuversicht von Allianz-Chef Bäte keinen Abbruch. Zudem will der Konzern wieder Geld in den Rückkauf eigener Aktien stecken.

Der Kunststoffkonzern Covestro will das Tempo hoch halten. Nach dem zeitweisen Nachfrageboom in den letzten Monaten sieht der Vorstandsvorsitzende Markus Steilemann gleichwohl eine „Normalisierung bei dem ein oder anderen Produkt, was aber im Ausblick berücksichtigt ist“, wie er im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX sagte. Grundsätzlich sei die Nachfrage aus der Auto- und Baubranche, aber auch aus der Elektro- und Elektronikindustrie ungebrochen.

Mit einem gestiegenen Gewinn im Rücken und einer Kampfansage an Spekulanten geht der Chef des größten deutschen Wohnungskonzerns Vonovia, Rolf Buch, in die neue Runde des Ringens um die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen. Bei einem Scheitern auch des angekündigten neuen Übernahmeangebots will Buch keinen weiteren Anlauf unternehmen. „Das ist jetzt das letzte Angebot“, sagte er am Freitag bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2021.

Der Kochboxenversender Hellofresh setzt weiter voll auf die Wachstumskarte und nimmt dafür eine geringere Profitabiltät in Kauf. Da der Dax-Kandidat mehr Geld in die Voraussetzung für weiteres Wachstum investieren will, senkte der Konzern das Ziel für die operative Marge. Die Latte für den Umsatz wurde dagegen höher gelegt, wie das Unternehmen am Donnerstagabend in Berlin mitteilte. An der Börse wurde die gesenkte Margenprognose mit deutlichen Verlusten quittiert. Die Aktie, die zu den großen Corona-Gewinnern gehört, gab in den ersten Handelsminuten deutlich nach.

Die RTL-Mediengruppe übernimmt die deutschen Magazingeschäfte und -marken des Hamburger Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr. Der Abschluss des Deals in Höhe von 230 Millionen Euro ist für den 1. Januar 2022 vorgesehen, wie die RTL Group am Freitag in Luxemburg mitteilte. Die Übernahme des Kerngeschäfts von Gruner + Jahr vereinbarten die RTL-Gruppe und der Konzern Bertelsmann, zu dem der Verlag gehört.

Ein stark ausgefallener US-Arbeitsmarktbericht bescherte am Freitag dem Dow Jones Industrial und dem S&P 500 Rekorde. Zum Handelsschluss gewann der New Yorker Leitindex 0,4 Prozent auf 35.209 Punkte und verbuchte auf Wochensicht damit ein Plus von 0,8 Prozent. Der marktbreite S&P ging mit einem Zuwachs von 0,2 Prozent auf 4.437 Punkte ins Wochenende.

Etwas unter Druck mit minus 0,5 Prozent auf 15.109 Punkte geriet nach den Jobdaten der technologielastige NASDAQ 100. Die US-Notenbank Fed macht eine Straffung ihrer Geldpolitik vor allem von Verbesserungen am Arbeitsmarkt abhängig. Steigen die Zinsen, spüren dies die wachstumsträchtigen Technologie-Unternehmen besonders, da sich dann die Wachstumsfinanzierungen verteuern. Apple gaben um 0,6 Prozent nach, Amazon schlossen 0,9 Prozent tiefer. Die US-Wirtschaft hatte im Juli mehr Arbeitsplätze als erwartet geschaffen. Zudem legten die Stundenlöhne etwas stärker als gedacht zu, während die Arbeitslosenquote überraschend deutlich auf den tiefsten Stand seit Beginn der Corona-Krise im März 2020 fiel. „Es scheint, als würde die US-Jobmaschine einen Gang höher schalten und die Erholung sich beschleunigen“, kommentierte Christian Scherrmann von der Fondsgesellschaft DWS, die Daten. „Der Arbeitsmarktbericht zeigt, dass mehr und mehr Menschen den Weg zurück in die Normalität finden, länger arbeiten und sogar etwas mehr verdienen.“ Die positive Überraschung dürfte die US-Notenbank einen Schritt näher an den Punkt bringen, an welchem sie ein Zurückfahren der Anleihekäufe in Aussicht stelle, so der Ökonom.

Weil von einer strafferen Geldpolitik mit womöglich bald steigenden Zinsen Banken besonders profitieren – etwa über höhere Einnahmen im Kreditgeschäft – verzeichneten am Freitag Finanzwerte kräftige Kursgewinne. Auf dem ersten Platz im Dow stiegen Goldman Sachs auf ein Rekordhoch, zum Handelsende gewannen sie knapp dreieinhalb Prozent. JPMorgan folgten mit plus 2,8 Prozent. Im S&P 500 gewannen Wells Fargo 3,8 Prozent und Bank of America 2,9 Prozent.

Unternehmensnachrichten gab es vor dem Wochenende nur wenige. Der Fleischersatzhersteller Beyond Meat berichtete für das zweite Quartal zwar ein starkes Umsatzwachstum, enttäuschte aber mit dem Ausblick. Die Aktien notierten zunächst tiefer, schlossen aber im Plus mit 1,7 Prozent.

Novavax verschob Pläne zur Einreichung eines Zulassungsantrags für einen Covid-19-Impfstoff vom dritten ins vierte Quartal. Im Mai erst hatte Novavax die Pläne auf das dritte Quartal hinausgeschoben. Die Papiere brachen deshalb um fast 20 Prozent ein. Damit wurden die Gewinne der beiden Vortage wieder ausradiert. Zur Wochenmitte hatte noch die Nachricht, dass sich die EU den Zugriff auf bis zu 200 Millionen Dosen eines möglichen neuen Corona-Impfstoffs aus den USA sicherte, bei den Novavax-Papieren ein Kursfeuerwerk ausgelöst.

Der Immobilienmarkt macht seinem Ruf als Betongold alle Ehre. Denn die Wohnungsmarktpreise sind in den OECD-Staaten allein im ersten Quartal um 9,7 Prozent im Vorjahresvergleich geklettert, das ist der höchste Anstieg seit 30 Jahren. In gerade einmal drei der 40 untersuchten Immobilienmärkte weltweit gab es in diesem Zeitraum ein Minus. Auch die bisher erhobenen Daten für die folgenden Monate des Jahres versprechen ein deutliches Plus. In Deutschland etwa haben im zweiten Quartal 2021 die Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen 16,4 Prozent und bei Einfamilienhäusern 16,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr betragen. Das zeigen Daten des Immobilienexperten Value AG. Die wichtigsten Faktoren für den Immo-Boom sind die weiterhin extrem günstigen Konditionen zur Finanzierung der eigenen vier Wände aufgrund der expansiven Geldpolitik der Notenbanken. Zudem haben viele Haushalte während der Pandemie mehr Ersparnisse aufbauen können, die nun in den Wohnungserwerb fließen. Der Wunsch nach mehr Wohnraum und mehr Garten infolge der Zunahme von Home-office-Tätigkeiten treibt die Nachfrage zusätzlich an. Steigende Baukosten aufgrund von Engpässen bei Rohstoffen und Baumaterial sind ein weiterer Kostentreiber. Ob und wie stark sich auf dem Segment eine Preisblase ausgebildet hat, bleibt allerdings umstritten. Adam Slater, Volkswirt bei Oxford Economics, erklärte gegenüber der „Financial Times“, dass der globale Immobilienmarkt gegenüber dem langfristigen Trend im Schnitt um etwa zehn Prozent überbewertet sein könnte.


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Kommentare ( 5 )

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Felicitas21
1 Monat her

Ich ärgere mich noch heute, dass ich meine Aktien, die ich im März 2020 günstig gekauft habe, zu früh wieder abgestossen habe. Wenn auch mit beträchtlichem Gewinn, sind die meisten noch weiter gestiegen. Aber nach der möglichen Zinsankündigung in den USA fielen die Kurse. Nun ja, keiner macht immer alles richtig an der Börse.

Alexis de Tocqueville
1 Monat her

„Der Wunsch nach mehr Wohnraum und mehr Garten infolge der Zunahme von Home-office-Tätigkeiten treibt die Nachfrage zusätzlich an.“

Wollen denn die Leute wirklich alle ins Home-Office? Oder wollen sie sich nur nicht das Impf… spritzen, und die Sache lieber im Garten aussitzen?

StefanB
1 Monat her

Auch interessant in Sachen Finanzen: Bankkunden müssen bei Bargeldeinzahlungen von über 10 000 Euro auf ihr Bankkonto einen Herkunftsnachweis für den gesamten Einzahlungsbetrag vorlegen.*

Die Schlinge zur Enteignung zieht sich mit zunehmender Beschleunigung zu.

*https://www.boerse-online.de/nachrichten/geld-und-vorsorge/bareinzahlungen-ab-10-000-euro-ist-kuenftig-ein-nachweis-noetig-1030696536

Felicitas21
1 Monat her
Antworten an  StefanB

Die Kriminellen wissen Wege und Möglichkeiten dies zu umgehen. Viel drastischer sind die Negativzinsen, die nach und nach immer mehr Banken einführen bei höheren Beträgen auf Girokonten. Die benötigen aber sowohl kleine Selbstständige, wie Unternehmen, dito alle Sozialversicherungen, um kurzfristig Forderungen nachzukommen.

Nibelung
1 Monat her

Das mag ja für die international agierenden Unternehmen zutreffen, die Mittel -und Kleinbetriebe werden mit schwersten Schäden daraus hervorgehen oder erst garnicht überleben und steigende Wirtschaftszahlen sagen wenig, denn alles geht auf Pump weiter wie gehabt, denn das Kapital ist für die meisten knapp und die wenigsten haben es und diese Ungleichheit wird uns alle noch umbringen, weil gedrucktes Geld in Massen nur die Krankheit übertüncht, nicht aber beseitigt und das ist vielleicht am besten mit dem Schwellbrand im Moor vergleichbar, zuerst sichtbar, dann unterirdisch was alles zerfrißt. Hinzu kommt noch die kopflastige Betrachtung in der Unternehmensstruktur und und ihren… Mehr