Kursverluste

Erster Monatsverlust in diesem Jahr, Zolldrohungen der USA gegen Mexiko, China droht mit Exportstop bei Seltenen Erden, Dell, GAP, Über, GM, Ford, VW, BMW, Bayer, Vonovia, Wirecard, Zinsstrukturkurve.

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Neue Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Mexiko haben den Dow Jones Industrial Index am Freitag auf das tiefste Niveau seit Ende Januar geschickt. Der US-Leitindex knüpfte an seinen jüngsten Abwärtstrend an und fiel um 1,4 Prozent auf 24.815 Punkte. Damit erwies sich die zaghafte Erholung vom Donnerstag als Strohfeuer.

Im Mai büßte der Dow knapp sieben Prozent ein und verzeichnete so den ersten Monatsverlust in diesem Jahr. Auf Wochensicht ergab sich ein Minus von rund drei Prozent – der größte Verlust seit Dezember.

Der breit gefasste S&P 500 büßte am Freitag 1,3 Prozent auf 2.752 Zähler ein. Für den technologielastigen NASDAQ 100 ging es um 1,6 Prozent auf 7.128 Punkte nach unten.

Trump will den südlichen Nachbarn mit Strafzöllen auf alle Warenimporte dazu zwingen, die illegale Migration in das Land in die Vereinigten Staaten zu stoppen. Vom 10. Juni an würden Zölle in Höhe von fünf Prozent auf sämtliche Einfuhren aus Mexiko erhoben, hieß es.

Die Trumpschen Zoll-Drohungen gegen Mexiko hatten in Asien und Europa bereits besonders die Aktien von Automobilkonzernen auf Talfahrt geschickt, denn viele haben in dem mittelamerikanischen Land eigene Werke. Dies trifft auch auf die US-Hersteller General Motors und Ford zu, deren Aktien gut vier Prozent beziehungsweise mehr als zwei Prozent einbüßten.

Zudem standen mit dem Computer-Spezialisten Dell Technologies und dem Fahrdienstvermittler Uber zwei Konzerne im Blick, die am Vorabend nach Börsenschluss ihre Quartalszahlen vorgelegt hatten.

Dell hatte höheres Wachstum mit Diensten für seine Kunden verzeichnet, während die Geräte-Erlöse stagnierten. Damit blieb das Unternehmen beim Umsatz insgesamt hinter den Erwartungen zurück und die Papiere knickten um mehr als zehn Prozent ein. Dell ist seit Ende 2018 wieder an der Börse.

Investitionen in das Fracht- und Essensliefergeschäft und Kosten für den Börsengang haben dem Fahrdienstvermittler Uber im ersten Quartal wie erwartet einen Verlust von einer Milliarde Dollar beschert. Der Umsatz kletterte um 20 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar und lag am oberen Ende der Prognosen des Konzerns. Die Anteilscheine legten um 1,5 Prozent zu. Uber ist erst seit gut drei Wochen an der Börse. Für die Aktien lief es bislang wenig rund.

Die Papiere des bereits seit längerem kriselnden Modeunternehmens Gap schließlich rutschten um mehr als neun Prozent ab. Die Firma hatte enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt und ihre Gewinnprognose für dieses Jahr gesenkt, da nun auch die bis dato gut gelaufene Marke Old Navy hinter den Erwartungen zurückgeblieben war.

Der deutsche Aktienmarkt verabschiedete sich mit markanten Verlusten ins Wochenende. Zum Handelsschluss verlor der Leitindex DAX 1,5 Prozent und schloss auf 11.727 Zählern.

Besonders starke Kursverluste gab es wie in den USA unter den Autobauern zu beklagen. Am stärksten gerieten im Freitagshandel die Aktien von VW (-2,6 Prozent) unter die Räder, gefolgt von Daimler (-1,8 Prozent) und BMW (-1,6 Prozent). Auch Bayer-Aktien rutschten mit einem Tagesverlust von 2,7 Prozent stark bergab und markierten den tiefsten Stand seit Sommer 2012. Neben den anhängigen Gerichtsverfahren wegen Krebsrisiken von Unkrautvernichtern mit dem Wirkstoff Glyphosat sorgt nun eine weitere Klage gegen die US-Tochter Monsanto wegen angeblich vor Jahrzehnten entstandener Umweltschäden für zusätzliche Verunsicherung. Der Landkreis Los Angeles will den Konzern an den Kosten für die Säuberung verunreinigter Gewässer beteiligen.

Lediglich ein DAX-Wert beendete den Freitagshandel mit einem markanten Plus: der Immobilienwert Vonovia. Die Aussicht auf sinkende Zinsen und die Tatsache, dass der Handelskrieg bei den Geschäften des Immobilienkonzerns keine Rolle spielt, dürfte für das Tagesplus in Höhe von 1,5 Prozent verantwortlich gewesen sein.

Die Wirecard-Aktien gingen dagegen nach einem erneuten kritischen Zeitungsbericht auf besonders steile Talfahrt. Die Aktien des Online-Zahlungsabwicklers verloren am Freitagmorgen zehn Prozent und waren damit Schlusslicht im Dax. Börsianer verwiesen auf einen „Handelsblatt“-Bericht, wonach Wirecard im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen betrügerische Online-Börsenhändler ins Visier der Behörden geraten sei.

Die Konsumlaune der Deutschen hat sich im vergangenen Monat kaum verändert, berichtet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Während sich die Konjunkturerwartung und die Anschaffungsneigung in dem Monat weiter verschlechterten, schätzten die Befragten ihre eigene Einkommenserwartung sogar noch etwas optimistischer als im Vormonat ein. Dagegen hätten die globale Abkühlung der Konjunktur, die Endlos-Diskussionen um den Brexit und die Gefahr einer Ausweitung des Handelskonflikts mit den USA den Konjunkturaussichten der Verbraucher einen spürbaren Dämpfer verpasst, erklärt der GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Entscheidend für die Stimmung dürfte in den kommenden Monaten sein, wie sich der deutsche Arbeitsmarkt entwickele, der langsam an Schwung verliere. „Es ist unübersehbar, dass die Unternehmen ihre Beschäftigung anpassen“, meint Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe. So sei die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vormonat überraschend gestiegen. Die Arbeitslosenquote sei zwar unverändert bei 4,9 Prozent geblieben, doch bereinigt um die saisonalen Einflüsse werde diesmal eine deutliche Zunahme um 60 000 Arbeitslose im Vergleich zum Vormonat errechnet.

Ein Unternehmen des Hedgefonds-Managers und Starinvestors George Soros steigt beim Schweizer Vermögensverwalter und Fondsanbieter GAM ein. Zuletzt machte Soros eher durch seine gesellschaftspolitischen Aktivitäten Schlagzeilen. Die einen schätzen ihn als philanthropischen Milliardär, der sich über seine Stiftungen für Humanismus und eine liberale Gesellschaft einsetzt. Andere sehen in ihm einen undurchsichtigen Strippenzieher, der durch die Finanzierung von NGOs in großem Stil Politik macht, ohne demokratisch legitimiert zu sein. In seiner ungarischen Heimat gilt Soros als Intimfeind von Ministerpräsident Viktor Orbán. Die dreiprozentige Beteiligung an GAM erfolgte über die SFM UK Management, eine Tochter der Soros Fund Management. Sowohl die SFM UK Management als auch GAM hielten sich zu Details über die Beteiligung bedeckt. Klar ist: Soros nützt mit dem Kauf die Gunst der Stunde, zu niedrigen Kursen einsteigen zu können. In den vergangenen Monaten musste die GAM-Aktie nach einem Skandal um den einstigen Top-Fondsmanager Tim Haywood und Mittelabflüssen deutlich Federn lassen. Auf Jahressicht belief sich der Kursrückgang auf über 70 Prozent.

China legt im Handelsstreit mit den USA nach. So drohten chinesische Staatsmedien vergangene Woche, dass die USA ihre Versorgung mit seltenen Erden verlieren könnten, sollte es keine Einigung im Streit um Zölle auf chinesische Exportgüter geben. Die USA sind bei diesen 17 raren Rohstoffen, die zur Herstellung elektronischer Produkte wie Handys oder Batterien benötigt werden, zu rund 80 Prozent von Importen aus der Volksrepublik abhängig. Daraufhin waren die Aktienkurse von Seltene-Erden-Unternehmen wie dem australischen Konzern Lynas Corp. um über 20 Prozent in die Höhe geschossen.

Gewöhnlich bringen Anleihen mit längerer Laufzeit höhere Rendite als kurz laufende. Ist es umgekehrt, ist oft etwas faul mit der Wirtschaft — inverse Zinsstrukturkurve nennt man das. Derzeit rentieren die Zehnjährigen in den USA sehr niedrig, was an der hohen Nachfrage nach langfristiger Sicherheit liegt.


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dass die Automobilbranche mit all ihren Zulieferern hier abschmiert ist ein hausgemachtes Thema und nicht der „Verdients“ von Trump. Immerhin sind Autos inzwischen zu Staatsfeinden Nr.1 von der DUH und den fff Kids erklärt worden. Die Chemieindustrie ist bereits nahezu abgeschafft, die Banken zerlegten sich selbst, die Telko Branche ächzt unter Kosten für Lizenzversteigerungen, Regulierungen und Auflagen, die Energiebranche wird von Umweltaktivisten drangsaliert, erlebt ein Hin & Her in der Politik und wird von einem peruanischen Bauern mit Hilfe der NGOs wegen Klimaschädigung verklagt (RWE), aber Hauptsache Hambi ist gerettet, die Robotertechnik wurde an China ausverkauft, die Tourismusbranche ist im… Mehr