Ein gutes Börsenjahr

Umverteilung, die durch die Europäische Zentralbank forciert wird: Der DAX hat gerade das sechste Jahr in Folge mit einem Gewinn abgeschlossen. Das ist ein neuer Rekord. Sparer dagegen verlieren.

© BRYAN R. SMITH/AFP/Getty Images

Man kann es eigentlich nicht oft genug sagen: Aktien sind langfristig ein gutes Investment. Der Deutsche Aktienindex hat seit seiner Gründung 1988 im Schnitt inklusive Dividenden um neun Prozent jährlich zugelegt. Gemessen daran war 2017 ein überdurchschnittlich erfolgreiches Jahr für Aktionäre.

Und noch eine Statistik: Der DAX hat gerade das sechste Jahr in Folge mit einem Gewinn abgeschlossen. Das ist ein neuer Rekord. Die alte Bestmarke lag bei fünf Kalenderjahren. Die aktuelle Rally ist vergleichsweise lang, aber nicht so dynamisch wie frühere Bullenmärkte. In den Jahren 1995 bis 1999 legte der DAX inklusive Dividenden insgesamt um 230 Prozent zu, von 2003 bis 2007 waren es 179 Prozent Plus. Im Vergleich dazu war der aktuelle, seit dem Minusjahr 2011 laufende -Aufschwung mit einem Wertzuwachs von rund 120 Prozent nicht extrem. Dazu passt, dass der €uro-Börsenindikator zum Jahreswechsel weiterhin positive Signale sendet. Drei der vier Teilindikatoren zeigen nach oben. Das entspricht einer Aktienquote von 75 Prozent. Während die technischen Indikatoren nach oben zeigen, spricht der fundamentale Indikator dafür, nicht vollständig in Aktien investiert zu sein.

Zwei zu 46 lautet das Ergebnis der diesjährigen Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zur Lage der deutschen Branchen. Demnach bezeichnet nur noch eine kleine Minderheit der 48 befragten Verbände die aktuelle Geschäftssituation schlechter als zum Jahreswechsel 2016/2017. Bei der letztjährigen Umfrage waren es noch neun Verbände. Eine derzeit schlechtere Wirtschaftslage ist nur in der Ernährungsindustrie und bei den Volks- und Raiffeisenbanken zu verzeichnen. Insgesamt geht es aber, was Produktion, Investitionen und Beschäftigung betrifft, teils kräftig nach oben. Einziger Wermuts-tropfen: Der zunehmende Mangel an Fachkräften könnte denAufschwung hierzulande etwas bremsen.

Wenn Anleger gen Osten schauen, fällt ihr Blick meist auf China. Dabei ist derzeit vor allem Indien auf der Überholspur. Beispiel Bevölkerungsentwicklung: Heute leben in China 1,37 Milliarden Menschen, in Indien sind es 1,32 Milliarden. Aber bereits in sieben Jahren wird Indien China voraussichtlich überholen. Die chinesische Bevölkerungszahl wird ihren Höhepunkt im Jahr 2030 mit rund 1,44 Milliarden erreichen — danach dürfte sie wieder abnehmen. Die Bevölkerung Indiens hingegen dürfte bis ins Jahr 2060 auf 1,68 Milliarden Menschen anwachsen. Beispiel Wirtschaftswachstum: Von derzeit Platz sieben wird Indien 2018 Großbritannien und Frankreich überholen und sich auf den fünften, bis zum Jahr 2032 sogar auf den dritten Platz hocharbeiten, erklärte das Londoner Consultingunternehmen Centre for Economics and Business Research. Beispiel Börse: Mit einem Plus von rund 28 Prozent zählte Indiens Aktienmarkt im vergangenen Jahr zu den Top-Performern unter den Schwellenländern. Die jüngsten politischen Reformen und eine wachsende zahlungskräftige Mittelschicht könnten diese positive Entwicklung weiter vorantreiben. Die fundamentale Stärke der indischen Wirtschaft und attraktive Bewertungen machten Indien zu einem lukrativen Ziel für Investoren. „Bislang wurde Indien weltweit als starker Akteur in den Bereichen Generika, Beratungsdienstleistungen und Autoteile wahrgenommen. Nach dem Reformprogramm von Ministerpräsident Modi bieten jetzt breitere Bereiche der konsumorientierten Wirtschaft attraktive Chancen“, meint Tim Love, Investment Director für Schwellenländeraktien bei GAM. Die kürzlich in Kraft getretene Waren- und Dienstleistungsteuer könnte laut IMF für einen Anstieg der indischen BIP-Wachstumsrate von derzeit 6,5 auf acht Prozent sorgen.

Kupfer gilt als guter Indikator für die Verfassung der Weltwirtschaft. Schließlich wird das Industriemetall als Wärme- und Stromleiter dann besonders stark nachgefragt, wenn die Produktion und die Bautätigkeit hochgefahren werden. So gesehen ist die Rally der vergangenen sechs Monate, die den Preis auf 7300 US-Dollar pro Tonne und damit auf ein neues Dreijahreshoch getrieben hat, ein gutes Zeichen. Doch nicht nur die starke globale Nachfrage, auch Produktionskürzungen durch Schließungen von Kupferfabriken in China stützen die Preise.

Die US-Aktienmärkte haben am letzten Handelstag des insgesamt starken Börsenjahres 2017 den Rückwärtsgang eingelegt. Börsianer begründeten die Abgaben mit Gewinnmitnahmen und den zum Jahresende typischen Positionsbereinigungen. Der Dow Jones Industrial sank am Freitag letztlich um 0,48 Prozent auf 24 719 Punkte und schloss damit fast auf seinem Tagestief. Im frühen Handel hatte der US-Leitindex zugelegt und hatte sich bis auf fünf Punkte an sein vorweihnachtliches Rekordhoch von 24 876 Punkten herangerobbt. Für die abgelaufene Woche lautet die Dow-Bilanz minus 0,1 Prozent, für den Monat Dezember hingegen auf plus 1,8 Prozent.
Das von der Amtsübernahme Donald Trumps geprägte Jahr 2017 beendete das weltweit berühmteste Börsenbarometer aber mit einem satten Gewinn von gut 25 Prozent. Im internationalen Vergleich gibt es nur wenige bedeutende Indizes, die damit Schritt halten können. Lediglich der brasilianische Bovespa und der Hongkonger Hang Seng haben größere Jahresgewinne aufzuweisen.


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Kommentare ( 5 )

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„Man kann es eigentlich nicht oft genug sagen: Aktien sind langfristig ein gutes Investment. Der Deutsche Aktienindex hat seit seiner Gründung 1988 im Schnitt inklusive Dividenden um neun Prozent jährlich zugelegt.“
Ich stimme zu, und füge hinzu: In Zeiten, in denen das oft gesagt wird, stimmt es meistens gerade nicht. Aktien sind vor allem dann empfehlenswert, wenn diese Meinung eine Außenseitermeinung ist.

Was ist das hier?! Gesundbeten 2018? Für die Profiteure des korrupten und maroden Systems? Entweder wird es eine GERECHTE Neuausrichtung geben durch wirklich verantwortungsvollen Politiker oder es bleibt so eklig, wie es ist (möge sich diejenigen weiter darin suhlen, die kein Gewissen und keine Moral haben).

Ich interpretiere den Beitrag so, dass in pragmatischer Weise auf die mannigfaltigen politisch verursachten Mißstände, von denen die Nullzins-Enteignungsstrategie diejenige mit den verheerendsten Folgen für Normalverdiener und Rentner ist, reagiert werden kann. Der Blick über den EU-Tellerrand ist ebenfalls dringend geboten. Apropos Gewissen und Moral: Institutionelle Anleger werden in besonderer Weise von der Politik gegängelt und leiden ebenso wie die pöhsen Volks-und Raiffeisenbanken unter der grassierenden politischen Verantwortungslosigkeit. Die Börsen sind in dieser Situation nachrangig handelnde Akteure. Ein Investitionsstreik von Großanlegern würde in unserer prekären Lage sehr schnell die Grenzen der traumhaft schönen Inlandskonjunktur aufzeigen; wollen Sie das? Freuen wir… Mehr
Liebe TE-Redaktion, haben Sie sich schon mal Gedanken über die riesigen Schuldenberge in der Welt gemacht ? Die wachsen von Jahr zu Jahr immer schneller, aber die Aktien steigen von Rekord zu Rekord. Das paßt irgendwie nicht zusammen. Die Höchststände an den Börsen sind ausschließlich der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken (FED, EZB, etc.) geschuldet, aber nicht der realen Wirtschaftsentwicklung. Dieses ultrabillige Geld wandert in Massen in die Spekulation, vor allem in Aktien und Immobilien, aber nicht in wirtschaftliche Investitionen, die dort dringend gebraucht werden. Der Dax hat dieses Jahr fast 13% zugelegt, die Weltwirtschaft dagegen nur 3-4%. Warum nur ?… Mehr

Eine Call-Option auf den DAX, Laufzeit 6 Monate, scheint angebracht. Irgenwie muss man ja sein sauer erarbeitetes Geld vermehren, oder?

Die Kehrseite: Eine Put-Option auf den „Casus Germania“ ebenfalls. Denn diese Studentenkneipen- Diskussionen aus den siebziger Jahren, die unsere ganzjährigen Karnevalsvereine, genannt unsere Parteien, veranstalten – die sind unerträglich.
Und die Protagonisten erst – Narrenkappe ab Geburt, Pappnasen mit Gummibändchen, damit das Resthirn nicht rausfällt. Diese Leute wollen ein Land regieren. Uns!
„Herr Ober! Einen Cognac bitte, aber subito! Es ist Endzeit, verstehen Sie?“

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