Dax mit neuem Rekord – Anleger optimistisch, aber nicht euphorisch – Halbleiteraktien gesucht

Die Börse ist optimistisch, aber nicht euphorisch. Das ist oft die beste Voraussetzung für einen gesunden Aufwärtstrend. Anleger, die wieder genauer hinschauen, treffen am Ende meist die besseren Entscheidungen. Der Dax setzte seine Rekordjagd fort und erreichte ein Rekordhoch.

Nach einer weniger ertragreichen ersten Jahreshälfte hat das zweite Börsenhalbjahr mit einem Dax-Rekord begonnen. „Für die deutsche Nationalmannschaft ist das Turnier zwar bereits zu Ende, bei Aktien hat aber gerade erst die zweite Halbzeit begonnen“, heißt es im Wochenausblick der Helaba. Zuletzt habe der deutsche Leitindex relative Stärke entwickelt, während Tech-Werte mit Bezug zum Mega-Thema Künstliche Intelligenz (KI) ins Straucheln geraten seien.

Andere Länderbörsen haben laut der Helaba lange Zeit „reüssiert“, doch der Dax habe fast sechs Monate gebraucht, um seinen Rekord aus dem Januar zu brechen. Globale Leitindizes wie der EuroStoxx und jene aus den USA hatten großen Vorsprung: In der Zwischenzeit haben sie immer wieder Bestmarken erreicht – teils auch wegen des höheren Technologie-Gewichts.

Im Dow Jones Industrial sind mit Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet und Nvidia mittlerweile die fünf weltgrößten Tech-Giganten enthalten. Der deutsche Leitindex kann mit SAP und Infineon nur zwei klassische Technologiewerte vorweisen, wobei das Schwergewicht SAP aus dem Softwaresektor stammt, in dem frühere Euphorie der Angst gewichen ist, dass die KI zur Bedrohung wird.

Die Experten von Index-Radar zeigten sich am Freitag überrascht, wie schnell der Dax seine alte Bestmarke überwinden konnte. „Die Dynamik hat jedoch ihren Preis“, gaben sie mit Blick auf die 21-Tage-Durchschnittslinie zu bedenken, von der sich der Leitindex jetzt deutlich gelöst hat. „Eine Rückkehr unter die alte Bestmarke bei 25.500 Punkten wäre daher keine Überraschung, sondern ein gesunder Zwischenschritt.“ Sie erwarten den Dax nun eher in einer „zähen Seitwärtsphase“. Die DZ Bank hielt aber am Freitag an ihrem Jahresendziel von 27.500 Punkten fest, das noch fast sieben Prozent Potenzial verspricht.

Der Dax hat laut Index-Radar in den vergangenen Tagen von einer teilweisen Umschichtung internationaler Investoren profitiert, die insbesondere in Deutschland untergewichtet gewesen seien. Ein Argument dafür habe das verabschiedete Reformpaket der Bundesregierung geliefert, das einen gewissen Signalwert habe, aber keine kurzfristigen Wachstumsimpulse verspreche. „Ob daraus tatsächlich mehr als ein Strohfeuer wird, hängt nun vollständig an der Umsetzung.“

Es ist also fraglich, ob die Nachfrage nach Standardwerten nachhaltig bleibt. Die Ausgangslage ist, dass die Sorgen vor einer baldigen weiteren Straffung der Geldpolitik nach dem jüngsten US-Jobbericht etwas in den Hintergrund getreten sind und Gespräche über ein Ende des Kriegs im Iran andauern. Sollte es von dieser Seite keine Störfaktoren geben, könnte in der neuen Woche maßgeblich sein, wie es nach dem verlängerten Wochenende in den USA weitergeht.

Die Sorgen vor einer Tech-Blase jedenfalls hält die Helaba für aktuell noch nicht angebracht. „Das aus unserer Sicht wichtigste Indiz für eine Überhitzung, nämlich eine extrem hohe Bewertung, ist im Technologiesektor derzeit nicht zu beklagen“, schrieb der Experte Markus Reinwand. Gewinnwachstum sei aber nicht überall einfach fortzuschreiben und es wäre auch ungewöhnlich, wenn es bei einer technologischen Revolution nicht zu Überinvestitionen kommen würde.

Bedenken wegen einer hohen Bewertung macht sich Reinwand eher in der Breite, also auch bei Standardwerten, die der Dax stärker abbildet. Hier sind dem Experten zufolge kräftig zulegende Unternehmensgewinne notwendig, was aber keine ausgemachte Sache sei. Mittelfristig glaubt er aber, dass die KI-Vorteile auch in anderen Wirtschaftszweigen ankommen. Laut der Pimco-Ökonomin Tiffany Wilding könnte die KI auf lange Sicht deflationär wirken, wenn sie die Produktivität steigert, das Angebot erweitert und Lohnstückkosten senkt.

Was Konjunktursignale betrifft, hat die neue Woche kaum Höhepunkte zu bieten. Neue Impulse „vor dem Sommerloch“, wie es die Commerzbank beschrieb, könnten in den USA am Montag vom ISM-Index für den Dienstleistungssektor ausgehen. Unternehmensseitig ist die Agenda eher geprägt von Hauptversammlungen, bevor Mitte Juli dann von US-Banken die Berichtssaison eingeläutet wird.

Der Markt sucht neue Gewinner

Manchmal reicht eine einzige Unternehmensmeldung, um die Stimmung an den Börsen zu drehen. In dieser Woche kam sie von Micron. Der amerikanische Speicherchip-Hersteller lieferte starke Zahlen und vor allem eines: Zuversicht. Die Nachfrage nach Speicherchips für Künstliche Intelligenz sei ungebrochen, neue Produktionskapazitäten kämen frühestens 2027 auf den Markt. Übersetzt heißt das: Das Geschäft dürfte noch eine ganze Weile brummen. Das war eine gute Nachricht für den gesamten Chipsektor – zumindest zunächst. Denn schon wenig später zeigte sich die andere Seite der Medaille. Anleger griffen zwar bei einigen Halbleiterwerten beherzt zu, trennten sich aber gleichzeitig von anderen KI-Lieblingen. Die Euphorie ist nicht verschwunden. Sie verteilt sich nur neu.

Monatelang schien die Rechnung einfach: Wer etwas mit Künstlicher Intelligenz zu tun hat, steigt. Diese Phase scheint vorbei zu sein. Die Börse beginnt zu unterscheiden. Während Unternehmen, die direkt von der enormen Nachfrage nach Speicherchips profitieren, weiter gefragt sind, geraten andere Technologiewerte zunehmend unter Druck. Selbst Nvidia blieb von Gewinnmitnahmen nicht verschont. Analysten sehen darin allerdings weniger das Ende des KI-Booms als vielmehr eine gesunde Konsolidierung nach der spektakulären Rally der vergangenen Monate.

Der Gewinner der Woche heißt Micron. Der Speicherchip-Hersteller hat eindrucksvoll gezeigt, dass der KI-Boom weit mehr umfasst als die bekannten Namen Nvidia oder Microsoft. Speicher sind das neue Nadelöhr der Branche. Ohne Hochleistungsspeicher laufen weder Rechenzentren noch Sprachmodelle. Interessant ist dabei weniger der kurzfristige Kurssprung als die Botschaft dahinter: Die Engpässe bei Speicherchips dürften nach Einschätzung des Unternehmens noch Jahre anhalten. Das spricht dafür, dass die Investitionswelle in KI-Infrastruktur noch lange nicht abgeschlossen ist.

Zu den schwächeren Werten gehörte in dieser Woche Microsoft. Nicht weil sich am Unternehmen etwas Grundlegendes geändert hätte. Sondern weil Anleger zunehmend fragen, wann sich die gewaltigen Milliardeninvestitionen in Rechenzentren und KI tatsächlich in höheren Gewinnen niederschlagen. Die Börse verlangt inzwischen mehr als Visionen. Sie möchte Ergebnisse sehen. Das dürfte in den kommenden Quartalen für viele große Technologiekonzerne gelten.

In der kommenden Woche dürfte sich der Blick vieler Anleger auch auf Nike richten. Der Sportartikelhersteller legt Geschäftszahlen vor – und die könnten weit über das Unternehmen hinaus Bedeutung haben. Nike gilt als Gradmesser für die Konsumlaune der Amerikaner. Kaufen Verbraucher wieder mehr Turnschuhe, spricht das oft für einen robusten Konsum insgesamt. Bleiben die Zahlen hinter den Erwartungen zurück, könnte das neue Zweifel an der Stärke der US-Wirtschaft wecken. Auch scheint Nike mit dem Ausrüstungsvertrag für die deutsche Männer-Fußball-Nationalmannschaft einen Missgriff getan zu haben. Nach der WM wird das US-Unternehmen die Mannschaft mit Trikots und Schuhen ausrüsten. Man kann nur hoffen, dass das Siechtum des deutschen Fußballs nicht mit Abwärtstrend des Nike-Aktienkurses korrespondiert, der sich seit der letzten WM in Katar gedrittelt hat.

Zinsentwicklung hält Anleger in Atem

Nach den geopolitischen Schlagzeilen der vergangenen Wochen rücken nun wieder Wirtschaftsdaten in den Mittelpunkt. Besonders gespannt warten Anleger auf den amerikanischen Arbeitsmarktbericht sowie neue Inflationsdaten aus Europa. Sie könnten darüber entscheiden, wann die großen Notenbanken den nächsten Zinsschritt wagen. Der Ölpreis spielt dabei weiter eine Schlüsselrolle. Nach seinem deutlichen Rückgang hat sich die Sorge vor einer neuen Inflationswelle etwas gelegt. Das verschafft der US-Notenbank ebenso wie der Europäischen Zentralbank etwas Luft. Eine Entwarnung ist das allerdings noch nicht. Zu viele Unsicherheiten bleiben – von der Weltpolitik bis zur Frage, wie stark die Weltwirtschaft tatsächlich wächst. Bundesbankpräsident Joachim Nagel warnte bereits: „Die Inflationsrate ist immer noch zu hoch.“

Von dem am Donnerstag vom Koalitionsausschuss vorgelegten Reformpaket werden in der kommenden Woche allenfalls geringe Impulse ausgehen. Das Steuerpaket ist eher eine Mogelpackung, weil von den zehn Milliarden Entlastung allein acht für die Kompensation der Effekte der kalten Progression aufgebraucht werden. Gute Gefühle stellen sich auch nicht ein, wenn man die Worte des Kanzlers gehört hat, der den Anspruch formulierte, dass die beschlossenen Reformen ein „großer Sprung nach vorn in der Modernisierung unseres Landes“ werden sollten. Merz knüpfte damit an den Slogan von Mao Zedong an, der China statt nach vorn seinerzeit direkt in eine für Millionen tödliche Hungerkatastrophe führte.

Am Ende bleibt deshalb ein Eindruck: Die Börse ist optimistisch, aber nicht euphorisch. Das ist oft die beste Voraussetzung für einen gesunden Aufwärtstrend. Denn Märkte, die wieder genauer hinschauen, treffen am Ende meist die besseren Entscheidungen. Der Dax setzte am Freitag seine Rekordjagd erst einmal fort und erreichte nach sechsmonatiger Durststrecke bei knapp 25.827 Punkten ein Rekordhoch. Am Ende gewann der Dax 0,8 Prozent auf 25.779 Zähler. Er geht damit verheißungsvoll in die zweite Jahreshälfte: Binnen drei Tagen hat er im Juli schon mehr Prozente gewonnen als in der gesamten ersten Jahreshälfte. Seine Wochenbilanz ist mit plus 4,5 Prozent die stärkste seit April 2025. Marktbeobachter sehen die nächste Hürde bei 26.000 Zählern. Laut CMC-Markets-Experte Andreas Lipkow ist der jüngste Ausbruch für diese Marke noch kein Freifahrtschein.

In der zweiten deutschen Börsenreihe hat der MDax zu seinem fünf Jahre alten Rekord noch ein paar Schritte vor sich. Auf dem Weg dahin legte der Index mit den mittelgroßen Börsenwerten am Freitag aber noch etwas deutlicher als der Dax um 1,4 Prozent auf 32.994 Zähler zu.

Die Energieversorger-Branche nahm weiter Fahrt auf, wobei der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Utlities das höchste Niveau seit April erreichte. Die Aktien von Eon führten den Dax mit einem Kurssprung um 4,4 Prozent an. Dem kapitalintensiven und zinssensiblen Sektor gab vor allem die nachlassende Angst vor US-Zinserhöhungen Rückendeckung.

Eine deutliche Erholung bei KI-lastigen Technologiewerten, die am Freitag in Asien einsetzte, kam hierzulande bei Infineon mit einem Anstieg um 1,4 Prozent an. Wieder einmal entwickelte sich der auch zum Technologiebereich zählende Softwaresektor aber konträr wegen der Sorgen, dass aus dem Megatrend KI eine Bedrohung wird. Die im Dax gewichtigen Papiere von SAP verloren 1,5 Prozent.

Rheinmetall schwächelt

Die Titel von Rheinmetall kamen mit einem fast zwei Prozent hohen Abschlag von ihrer zuletzt deutlichen Kurserholung zurück. Seine Nachwehen hat der Verlust eines Großauftrags der deutschen Marine, dessen Auswirkungen der Rüstungskonzern derzeit überprüft. Sollte eine kurzfristige Kompensation nicht möglich sein, könnte dies den Erlös laut Rheinmetall im laufenden Jahr um bis zu 300 Millionen Euro drücken.

Zum Favoritenkreis im Dax zählten auch die Anteilscheine von Gea mit 2,3 Prozent Plus. Die kanadische Bank RBC hat die Titel des Maschinenbauers auf „Outperform“ hochgestuft. „Ein wenig Wachstum und jede Menge Marge – und das alles ohne Geschäft mit KI-Rechenzentren“, lautete das Argument von Analyst Sebastian Kuenne. Etwas dahinter schlossen die Continental-Aktien im Dax 1,6 Prozent höher. Der näher rückende Verkauf der Kautschuk- und Kunststofftochter Contitech bescherte dem künftig reinen Autozulieferer den höchsten Stand seit November 2021. Den Anstoß dazu gab am Nachmittag die Mitteilung, dass eine Vertragsunterzeichnung mit dem Finanzinvestor Lone Funds vor dem Abschluss steht.

Auf europäischer Bühne verbuchte der EuroStoxx mit einem Anstieg um 0,8 Prozent ebenfalls erneut einen Rekord. Einen solchen erreichte auch der schweizerische Leitindex SMI, während dem Londoner FTSE 100 ein Anstieg um knapp 0,3 Prozent dazu nicht genügte. In New York pausierte am Freitag die Börse wegen der anstehenden Feierlichkeiten zum 250-jährigen Bestehen der USA.

Ein deutlich schwächer als erwarteter Beschäftigungsaufbau in den USA hatte am Donnerstag die Zinssorgen der Anleger gedämpft und den bekanntesten Wall-Street-Index Dow Jones Industrial in Richtung 53.000 Punkte getrieben. Am letzten Tag der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche war der Dow mit 1,1 Prozent auf 52.900 Punkte geklettert. Sein Rekordhoch vom Vortag hatte der bekannteste Wall-Street-Index bereits kurz nach dem Handelsstart getoppt. Im Wochenverlauf steht ein Plus von zwei Prozent zu Buche.

Kräftige Verluste in der stark gelaufenen Halbleiterbranche hatten dagegen für ein Abschmelzen der Tagesgewinne im marktbreiten S&P 500 gesorgt und besonders den technologielastigen Nasdaq 100 belastet, dessen Wochenplus auf 0,7 Prozent zusammenschrumpfte.

Die Erwartungen an eine Zinserhöhung in den USA hätten sich mit den Arbeitsmarktdaten für Juni etwas nach hinten verschoben, sagte ein Marktbeobachter. In der US-Wirtschaft waren im vergangenen Monat nur halb so viele neue Stellen geschaffen wie prognostiziert. Das dämpft laut Analyst Tobias Basse von der NordLB „eindeutig“ den Handlungsdruck des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh. „Er kann damit einfacher auf Zeit spielen und auf freundlichere Inflationsdaten warten.“

Von der sich fortsetzenden Stabilisierung des Bitcoin-Kurses nach einem 21-Monats-Tief profitierten Aktien von Unternehmen, die maßgeblich an die Wertentwicklung der Digitalwährung gekoppelt sind. So berappelten sich etwa die Anteile von Strategy um weitere knapp acht Prozent und die von Coinbase um weitere knapp vier Prozent. Strategy ist ursprünglich ein Softwareentwickler, investiert aber schon seit Jahren massiv in den Bitcoin. Coinbase ist eine wichtige Handelsplattform für Kryptowährungen.

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