EU warnt vor Energie-Krise: Weniger Reisen und Sparmaßnahmen

In einem Schreiben an die Energieminister der Länder fordert Energiekommissar Dan Jørgensen, den Verbrauch von Öl und Gas deutlich zu reduzieren – insbesondere im Verkehrssektor. Der Geruch von Corona-Politik steigt in die Nase.

picture alliance / SNS | Steven Mohr

Jeder weitere Tag Krieg mit dem Iran lässt nicht nur die Energiepreise weiter steigen, sondern macht eine Versorgungskrise wahrscheinlicher. Damit drohen weitreichende wirtschaftliche Folgen, die über Europa hinaus die gesamte Weltwirtschaft betreffen könnten.

Im Zentrum der Überlegungen der EU-Spitze is der Transportsektor, der besonders stark von Importen abhängig ist: Nach Angaben der EU bezog Europa zuletzt mehr als 40 Prozent seines Flugkraftstoffs und Diesels aus dem Persischen Golf. Durch die zunehmenden Unsicherheiten in der Region geraten diese Lieferketten nun unter Druck.

Die EU-Kommission wird deshalb nach ersten Informationen von Politico sogenannte freiwillige Einsparmaßnahmen vorschlagen: Konkret könnte das bedeuten, dass die Bürger dazu aufgefordert werden, weniger Flugreisen zu buchen oder ihr Auto seltener zu nutzen. Ziel wäre es, den Verbrauch zu senken und vorhandene Ressourcen für essenzielle Bereiche zu sichern.

Einige asiatische Länder haben bereits ähnliche Schritte eingeleitet. Auch in Europa könnten entsprechende Maßnahmen bald Realität werden, sollte sich die Lage weiter zuspitzen.

Notfall-Videokonferenz der EU

Die Energieminister der EU besprechen heute bei einer Krisen-Videokonferenz mögliche Gegenmaßnahmen. Dabei dürfte es nicht nur um kurzfristige Einsparungen gehen, sondern auch um strukturelle Anpassungen, um die Abhängigkeit von einzelnen Lieferregionen zu verringern.

In seinem Schreiben warnt EU-Energiekommissar Dan Jørgensen zudem vor zusätzlichen Belastungen durch begrenzte Alternativen: Es gebe aktuell nur wenige andere Lieferanten, die kurzfristig einspringen könnten. Gleichzeitig seien die Raffineriekapazitäten innerhalb der EU für bestimmte Produkte eingeschränkt, was die Situation weiter verschärfe.

Koordination statt Alleingänge

Die Kommission will nationale Alleingänge vermieden wissen. Maßnahmen einzelner Staaten könnten unbeabsichtigte Auswirkungen auf andere EU-Länder haben und den Binnenmarkt destabilisieren. Stattdessen fordert Brüssel ein abgestimmtes Vorgehen, um die Energieversorgung europaweit zu sichern. Dazu gehört auch, den freien Fluss von Erdölprodukten innerhalb der EU nicht zu behindern und keine Maßnahmen zu ergreifen, die den Verbrauch zusätzlich erhöhen könnten.

Die aktuellen Überlegungen erinnern an die Energiekrisen der 1970er-Jahre, als viele Länder drastische Maßnahmen wie Benzinrationierungen oder autofreie Tage einführten. Noch sind solche Schritte in Europa nicht beschlossen, doch diese Maßnahmen gelten nicht mehr als ausgeschlossen.

Auch die International Energy Agency hat bereits Vorschläge zur Reduzierung des Energieverbrauchs vorgelegt. Dazu zählen unter anderem mehr Homeoffice, geringere Tempolimits auf Autobahnen sowie eine stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Vorbereitung auf eine längere Krise

Ein entscheidender Punkt im Schreiben der Kommission ist die Einschätzung, der Konflikt im Nahen Osten dürfte nicht kurzfristig gelöst werden. Die Mitgliedstaaten sollten sich daher früh auf eine länger andauernde Störung der Energieversorgung einstellen.

Neben Einsparmaßnahmen empfiehlt die EU, Wartungsarbeiten an Raffinerien – sofern möglich – zu verschieben, um die Produktionskapazitäten aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig solle die Nutzung alternativer Energieträger wie Biokraftstoffe verstärkt werden, um fossile Brennstoffe teilweise zu ersetzen.

Die möglichen Folgen einer anhaltenden Energiekrise sind erheblich. Steigende Energiepreise dürften die Inflation weiter anheizen, Unternehmen belasten und das Wirtschaftswachstum bremsen. Besonders betroffen wären energieintensive Industrien sowie der Transport- und Logistiksektor.

Auch JP Morgan warnt

Natasha Kaneva, Leiterin der Global Commodities Strategy bei JP Morgan, lieferte dazu eine auf Social-Media-Plattformen bereits viel geteilte aktuelle Prognose: Es drohen physische Engpässe bei Rohöl, Diesel, Jet Fuel, LPG und Naphtha – ausgelöst durch den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten und die faktische Blockade der Straße von Hormuz.

Konkret  beschreibt JP Morgan einen „rollierenden Supply Shock“, dessen Auswirkungen sich je nach Schifffahrtszeiten staffeln: In der Region Asien-Pazifik seien bereits Engpässe spürbar, in Afrika beginne diese Krisensituation Anfang April, in Europa dann Mitte April und an der US-Westküste (Kalifornien) Ende April bis Mai – hier droht der Übergang vom Preisschock zum echten physischen Mangel, da die Region stark auf Importe angewiesen ist. Besonders raffinierte Produkte wie Diesel und Kerosin seien schon jetzt knapp.

JP Morgan rechnet mit einer Nachfragedrosselung als einzigem Ausweg, bei LNG drohen langfristig höhere Preise und Lieferengpässe, vor allem in Asien und Europa.

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Kommentare ( 49 )

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49 Comments
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Verzeihtnix
13 Tage her

Wie immer werden unsere Politikerinnen und Umweltaktivistinnen mit gutem Beispiel voran fliegen.

Privat
13 Tage her

Nach offiziellen Berechnungen sind die deutschen Benzin und Dieselvorräte um den 10.April 2026 erschöpft.
Dann gibt es an den deutschen Tankstellen nichts mehr, kein Benzin und kein Diesel.
Es wird noch sehr interessant.

Britsch
13 Tage her
Antworten an  Privat

im 2. Weltkrieg wurde Treibstoff aus Kohle hergestellt. Würde sich das bei den Preisen heutzutage sogar finanziell rentieren?

Lepanto
13 Tage her

Da hat „Operation Warp Speed“ Trump ja wieder mal hervorragend vorgelegt.

„Said the reptile with a grin… you knew I was a snake when you took me in.“

Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.

LetzterEuropaer
13 Tage her
Antworten an  Lepanto

Ja genau Trump hat vorgelegt, damit eben keine iranische Atombombe in einer westlichen Großstadt gezündet oder Israel gleich komplett ausgelöscht wird. Aber wenigstens können Sie Trump für die Feigheit der europäischen Regierungen verantwortlich machen. Die hätten noch nach dem Supergau immer noch auf den völlig nutzlosen Atomdeal gepocht und sich weiter in ihrer Hyper-Moral gesonnt.

Lepanto
13 Tage her
Antworten an  LetzterEuropaer

Iranische Atombomben. In europäischen Großstädten.

Genau.

Glauben Sie eigentlich auch noch an die Brutkastenlüge, oder dass der Irakkrieg wegen Massenvernichtungswaffen geführt wurde, oder sind Sie da inzwischen in der Realität angekommen?

BKF
13 Tage her

Na zum Glück ist die EU ja kein Staat und hat deshalb keine Regierung, welche den souveränen Nationalstaaten in Europa irgendwelche Vorachriften machen kann. Ich hoffe nur, unseren Politikern ist dad auch so bewußt. 😉

Britsch
13 Tage her
Antworten an  BKF

Die Deutschen Politiker an der Macht wollen im Grunde doch aber genau das.
und unterstützen die EU bei solchem Bestreben

Franz Schroeder
14 Tage her

Jeder der sich einigermaßen in den üblichen „neuen Medien“ tummelt wusste, dass nach dem Corona Lockdown der Energie Lockdown kommen wird.
Nun ist es soweit und alle sind so überrascht, wie jedes Jahr, wenn der erste Schnee im Dezember fällt.

Mikmi
14 Tage her

Polen prüft höheren Spritpreis für Deutsche“,
Deutschland prüft eine Straßenbenutzungsgebühr und denkt über die Aussetzung der EU Gelder nach, Rosinenpicken hatten wir schon einmal, liebe Polen.
Wollt ihr aus der EU austreten?

Ohanse
14 Tage her
Antworten an  Mikmi

Das geht schon in Ordnung. Das hält das Erregungspotential hoch.

Peterson82
13 Tage her
Antworten an  Mikmi

Da brauchen die gar nicht prüfen, es hätte gereicht sie hätten irgendeine Ki gefragt, denn es verstößt bereits auf den ersten Blick gegen zwei elementare Gesetze (erinnert mich an unsere damalige Maut Debatte)
Art. 18 AEUV verbietet jede Diskriminierung „aus Gründen der Staatsangehörigkeit“ im Anwendungsbereich des Unionsrechts.
Verstoß gegen die Warenverkehrsfreiheit – Art. 34 ff. AEUV

  • Kraftstoff ist eine Ware im Sinne des EU‑Rechts.
  • Unterschiedliche Preise je nach Staatsangehörigkeit / Wohnsitz können den freien Warenverkehr behindern 
Don Didi
3 Tage her
Antworten an  Peterson82

Ja, das ist in der Theorie richtig. Wird aber über andere Regelungen ausgehebelt. Alles, was Steuereinnahmen bringt, ist über Umwege vom freien Handel ausgeschlossen. Versuch doch mal, einen Stromliefervertrag mit einem französischen Atomkraftwerksbetreier abzuschließen. Versuch doch mal, 5000l Heizöl oder 500l Diesel aus Polen oder Tschechien zu beziehen. Versuch doch mal, einen Karton (100-200 Stangen) Zigaretten aus Bulgarien zu bestellen.

BKF
13 Tage her
Antworten an  Mikmi

Dann zahlen Polen halt eine Straßenbenutzungsgebühr in Deutschland und die Einnahmen gehen in eine Preisenkung nur für Deutsche. Oder ähnlich und der Spuk ist ganz schnell vorbei.

Dundee
14 Tage her

„Jeder weitere Tag Krieg mit dem Iran lässt nicht nur die Energiepreise weiter steigen, sondern macht eine Versorgungskrise wahrscheinlicher.“ Das Gegenteil ist der Fall. Jeder, der an den steigenden Preisen auf der Einnahmenseite beteiligt ist, wird alles daran setzten zu diesen schönen Preisen weiterhin verkaufen zu können. Allen voran die Regierungen. Denn eine Versorgungskrise bedeutet Totalausfall der Einnahmen. Das wird nicht passieren. Was passiert, ist die Panikwelle anzutreiben, um durch Hamsterkäufe zu diesen hohen Preisen noch mehr abzuzocken. Jeder, der noch Erspartes hat investiert das nun in Öl, Gas oder Benzin. Das ist der Zweck der Panikmache. Es gibt nicht… Mehr

Last edited 14 Tage her by Dundee
Don Didi
3 Tage her
Antworten an  Dundee

Eine typisch deutsche Eigenschaft ist, daß solche koordinierten Proteste hier nicht funktionieren. Haben sie noch nie. Über die Ursachen kann man streiten, der Fakt bleibt aber bestehen.Selbst ohne echten Verzicht, also Tanken bei Aral nur an geraden Tagen, Tanken bei Esso nur an ungeraden Tagen funktioniert nicht mal ansatzweise, das haben schon so viele in so vielen Branchen versucht, sowas geht in D einfach nicht und die Wirtschaft und die Politik wissen das.

Fatmah
14 Tage her

Der Laden fliegt dieser dilletantischen Regierung jetzt so richtig um die Ohren und ich freue mich drauf.

Ohanse
14 Tage her
Antworten an  Fatmah

Es wird mir Aufgabe und Verpflichtung sein, wieder das Gegenteil von dem zu tun, was diese Kasper von mir verlangen.

Jerry
14 Tage her
Antworten an  Ohanse

Als ewig gestriger Querulant kann ich ihnen Beiden nur zustimmen. Ich mach sowieso was ich will 🙂

Fatmah
14 Tage her

CO2 Ziele erreicht, Frau Baerbock hat doch tatsächlich mal Kenia als Vorbild genannt..Dort sterben zwar 20x soviele Babys wie bei uns, eine Krankenversicherung gibt es nicht und die Leute leben in Lehmhütten aber sie haben ein prima Klima !

Jan Usko
14 Tage her

Habe ich die letzten Jahre hindurch nicht pausenlos gehört, nur Verschwörungspraktiker würden die Bevölkerung unaufhörlich in Angst versetzen und vor einer fortgesetzten Verschlechterung der Lage warnen? Und dadurch die Demokratie gefährden? Und nu…?

Last edited 14 Tage her by Jan Usko