Deindustrialisierung und Wirtschaftsabsturz sind nicht nur abstrakte Begriffe. Es sind real existierende Probleme mit dramatischen Auswirkungen auf viele Millionen Menschen. Ab jetzt zieht TE jeden Monat Bilanz.
picture alliance / Zoonar | Andrii Yalanskyi
Heute, am letzten Tag im Monat März, sind 4.000 Mitarbeiter der Aldi International Services (Aldi DX) in Mülheim an der Ruhr zu einer Betriebsversammlung in die Essener Gruga-Halle eingeladen. Die firmeninterne IT-Firma von ALDI-Süd bekommt einen Betriebsrat.
Hintergrund sind anhaltende Gerüchte um bevorstehende Massenentlassungen. Der Monat – wie schon viele Monate vorher – hat gezeigt, dass abertausende Menschen in Deutschland leider völlig zu recht Angst um ihren Job haben.
5. März
Kahla
Das Traditionsunternehmen Kahla-Porzellan meldet Insolvenz an. Als Gründe werden eine schlechte Auftragslage und gestiegene Energiekosten angegeben. Wie viele der 120 Mitarbeiter ihren Job verlieren, ist unklar. Der vorläufige Insolvenzverwalter plant, den Betrieb zu sanieren. Ob das gelingt, steht in den Sternen: Im März 2020 hatte Kahla schon einmal Insolvenz angemeldet und konnte die endgültige Betriebsschließung nur knapp vermeiden.
Minus 120 Jobs.
8. März
TMD Friction
Der Automobilzulieferer hat seine Zentrale in Leverkusen. Am Standort Coswig werden seit 100 Jahren Scheiben- und Trommelbremsbeläge für Pkw, Nutzfahrzeuge und Schienenfahrzeuge hergestellt. Der Finanzinvestor Aequita wird die Produktion vollständig nach China verlagern. Bis Ende 2026 wird der Standort dichtgemacht. Etwa 100 der 120 Arbeitsplätze fallen weg.
Minus 100 Jobs.
10. März
Evotec
Der Hamburger Biotech-Konzern streicht 800 Jobs. Gleichzeitig soll innerhalb von zwei Jahren die Zahl der Standorte auf nur noch zehn reduziert werden.
Minus 800 Jobs.
16. März
Schaeffler
Bei dem Automobilzulieferer sind am Standort Schweinfurt 677 Arbeitsplätze verschwunden. Die Belegschaft ist von etwa 5.800 Mitarbeitern im Jahr 2024 auf etwa 5.100 heute geschrumpft. Schweinfurt ist einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte Bayerns und seit Jahrzehnten das Zentrum der Wälzlagerindustrie.
Minus 677 Jobs.
17. März
VR Plus Altmark-Wendland
Die Genossenschaftsbank mit Sitz im Landkreis Lüchow-Dannenberg will sich von vier ihrer fünf Geschäftsfelder trennen. Etwa 600 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Als Gründe für die schlechte wirtschaftliche Lage der Volks- und Raiffeisenbank werden Auswirkungen der Corona-Pandemie und Managementfehler genannt.
Minus 600 Jobs.
Deutsche Bahn
Im traditionsreichen DB-Ausbesserungswerk in Paderborn werden etwa 100 Arbeitsplätze gestrichen. Damit verliert fast jeder fünfte Mitarbeiter seinen Job. Besonders betroffen ist ausgerechnet der Fertigungsbereich, der die industrielle Wertschöpfung sichert und das Werk überhaupt erst am Leben hält.
Minus 100 Jobs.
Küblböck
Das Traditionsunternehmen für Baukeramik und Kachelofenbau im ostbayerischen Burglengenfeld meldet Insolvenz an. Die beiden Hausbanken haben völlig überraschend die Kontokorrentlinien halbiert. Damit wurde der Kreditrahmen für das laufende Geschäft so massiv beschnitten, dass das Unternehmen nicht weiterarbeiten kann. Es ist fraglich, ob es auch nur für einen der 50 Mitarbeiter eine Zukunft gibt.
Minus 50 Jobs.
18. März
Aumovio
Der Automobilzulieferer in Frankfurt am Main streicht 4.000 Jobs in Forschung und Entwicklung. Bereits 11.000 Stellen wurden in den vergangenen Jahren abgebaut. Der Absturz ist die Folge der Abspaltung von Continental. Seitdem ist der Verlust auf 655 Millionen Euro geradezu explodiert.
Minus 4.000 Jobs.
Unicredit
Die Bank streicht 400 Stellen in den deutschen IT-Abteilungen – obwohl gerade sie eigentlich das Rückgrat der Digitalisierung bilden sollten.
Minus 400 Jobs.
R-Pharm
Das Pharma-Unternehmen im bayerischen Illertissen meldet Insolvenz an.
Der 177 Jahre alte Arzneimittel-Hersteller gehört seit 2014 zu dem gleichnamigen russischen Pharma-Unternehmen. Letztlich geht die Firma wegen der Russland-Sanktionen in die Knie. Geld bei der Muttergesellschaft sei zwar da, aber aus Russland seien Überweisungen mittlerweile praktisch unmöglich. Die mehr als 300 Mitarbeiter haben schon seit Jahresbeginn kein Gehalt mehr bekommen.
Minus 300 Jobs.
Ikea
Der schwedische Möbelriese Ikea schließt sein Callcenter in Rostock. Ab Herbst sind 280 Menschen arbeitslos. Für die strukturschwache Stadt ist das eine katastrophale Nachricht – genauso wie für die Betroffenen. Der Betriebsrat erzählt: „Ich habe noch nie so viele Kollegen weinen sehen.“
Minus 280 Jobs.
19. März
Lanxess
Der Kölner Chemie-Riese will bis 2028 mindestens 550 Stellen streichen, davon rund zwei Drittel in Deutschland und vor allem in der Verwaltung. Schon im vergangenen Jahr hatte Lanxess Sparpläne in der Produktion angekündigt. Der Konzern bilanzierte da einen Verlust in Höhe von 577 Millionen Euro.
Minus 550 Jobs.
BKD
Die Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH (BKD) macht ihre beiden Werke in Gardelegen (Sachsen-Anhalt) und Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) dicht. Mehr als 430 Menschen stehen jetzt auf der Straße. Der VW-Zulieferer hatte im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet, wollte aber mithilfe eines Investors überleben. Aber es hat sich kein Investor gefunden.
Minus 430 Jobs.
Helvetia / Baloise
Der deutsche Ableger des schweizerischen Versicherers Helvetia Baloise hat mit seinem geplanten Stellenabbau begonnen. Nach der Fusion von Helvetia und Baloise im vergangenen Jahr will der neugeschaffene Konzern in den kommenden drei bis vier Jahren bis zu 2.600 Stellen abbauen – davon mindestens 300 allein in Deutschland.
Minus 300 Jobs.
Gaststätten
Die Schließungen in der Gastronomie erreichen ein Rekord-Hoch. Fast 3.000 Gaststätten haben in Deutschland im Jahr 2025 schließen müssen, so viele wie seit 2011 nicht mehr. Zum vierten Mal hintereinander nahmen die Pleiten zu – diesmal um knapp 30 Prozent. Damit trifft es die Branche deutlich härter als die Gesamtwirtschaft.
Zahl der betroffenen Mitarbeiter: unbekannt.
SowohlAlsAuch
Ein brandaktuelles Beispiel: Das wohl bekannteste Café im Berliner Kollwitz-Kiez ist zahlungsunfähig. Nach 28 Jahren macht das für seine Kuchen und Torten berühmte Kaffeehaus dicht.
Zahl der betroffenen Mitarbeiter: unbekannt.
20. März
AC Schnitzer
Die Tuning- Traditionsmarke AC Schnitzer wird eingestellt, bevor sie im kommenden Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum hätte feiern können. Schuld sind nach Angaben der Eigentümer Wettbewerbsnachteile in Deutschland durch „stetig steigende Kosten in der Entwicklung und Herstellung von Teilen“ sowie die extrem lange Dauer der Zulassung von Teilen im deutschen Markt.
Zahl der betroffenen Mitarbeiter: unbekannt.
21. März
Neue Arbeit
Das Stuttgarter Sozialunternehmen, eines der größten in Deutschland, ist insolvent. Wie viele der etwa 500 Arbeitsplätze gerettet werden können, ist unklar.
Minus 500 Jobs.
23. März
Deutsches Zigarettenwerk
Das Reemtsma-Werk in Langenhagen bei Hannover schließt für immer. Der Tabakkonzern Imperial Brands wird die Produktion bis 2027 komplett einstellen. Mehr als 600 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. Generell ist die Tabakbranche auf dem Rückzug: Im vergangenen Jahr hatte bereits der Tabak-Riese Philip Morris sein letztes deutsches Werk in Dresden dichtgemacht.
Minus 600 Jobs.
24. März
Kelheim Fibres
Nach 90 Jahren rollt im bayerischen Kehlheim der letzte Zellstoff-Ballen vom Band: Folge der Insolvenz und der gescheiterten Versuche, einen Käufer für den Hersteller von Spezial-Viskosefasern zu finden. Allen 460 Mitarbeitern wurden gekündigt.
Minus 460 Jobs.
Kik
Der Textil- und Haushaltswaren-Discounter schließt in diesem Jahr mehrere hundert Filialen. Die Zahl der Geschäfte sinkt bis Ende 2026 in Europa um etwa 225 auf gut 4.000, davon in Deutschland um 135 auf rund 2.200. Die Zahl der Insolvenzen in der Branche liegt nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. 2025 wurden 2.571 Fälle verzeichnet.
Zahl der betroffenen Mitarbeiter: unbekannt.
Einzelhandel
Der stationäre Einzelhandel in Deutschland dünnt immer weiter aus. Die Zahl der Geschäfte dürfte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken. Das zeigt eine Schätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE). Für 2026 wird ein Rückgang um weitere 4.900 auf dann noch 296.600 erwartet. Schließungen und Neueröffnungen sind darin bereits berücksichtigt.
Zahl der betroffenen Mitarbeiter: unbekannt.
26. März
Fritz Winter Eisengießerei
Das traditionsreiche Stahlunternehmen im hessischen Stadtallendorf streicht 320 Stellen und verlängert zugleich die Arbeitszeiten. Betroffen sind nicht nur produktionsnahe Bereiche, sondern auch IT und Verwaltung. Als Gründe werden schwacher Absatz, hohe Energiekosten und wachsender Wettbewerbsdruck angegeben.
Minus 320 Jobs.
Krankenhaus Neuenbürg
Die Klinik im baden-württembergischen Enzkreis macht Ende September 2026 dicht. Wie viele der 210 Mitarbeiter in anderen medizinischen Einrichtungen unterkommen, ist völlig unklar. Für viele Menschen im westlichen Enzkreis war die Klinik eine unersetzliche Anlaufstelle. Seit Jahren schreibt der Standort rote Zahlen, für 2026 liegt die Defizitprognose bei rund elf Millionen Euro.
Minus 210 Jobs.
Varta
Der Batteriehersteller hat bei seiner Tochter Micro Production im bayerischen Nördlingen 150 Stellen gestrichen. Der Absatz ist eingebrochen. Betroffen ist ausgerechnet ein Bereich, der kleine Lithium-Ionen-Zellen für moderne sogenannte Wearables fertigt.
Minus 150 Jobs.
27. März
Enpal
Der Solar-Dienstleister streicht überraschend 97 Stellen. Der Kundenservice für Photovoltaikanlagen wird komplett aufgelöst. Offenbar wurde der Schritt seit einem Jahr vorbereitet, doch bis zuletzt vor den Mitarbeitern geheim gehalten.
Minus 97 Jobs.
28. März
Borgwarner Akasol
Der Batteriehersteller streicht in der Produktion an den hessischen Standorten Darmstadt und Langen 120 Stellen. Erst 2021 war in Darmstadt die Gigafactory eröffnet worden.
Minus 120 Jobs.
29. März
Walter AG
Das Metallunternehmen will die Fertigung von Rohlingen vom Standort Münsingen in Baden-Württemberg ins schwedische Gimo verlagern. Dort sitzt die Konzernmutter. Wie viele der bisher 500 Arbeitsplätze wegfallen, ist noch unklar. Klar ist: Ein bedeutender Teil der Wertschöpfung wird aus Deutschland abgezogen.
Zahl der betroffenen Mitarbeiter: unbekannt, aber dreistellig.
30. März
Domo Chemicals
Der belgische Kunststoff- und Düngemittelproduzent hatte für seine deutschen Werke in Leuna (Sachsen-Anhalt) und Premnitz (Brandenburg) schon Ende Dezember 2025 Insolvenz angemeldet. Jetzt, Ende März, endet der Betrieb, der „zur Gefahrenabwehr“ auf Landeskosten weiterlief. Ab 1. April bekommen die Mitarbeiter kein Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit mehr. In den drei betroffenen GmbHs arbeiten 585 Menschen. Doch im gesamten Chemiepark Leuna geht jetzt die Angst um. Hier arbeiten etwa 100 Unternehmen mit insgesamt 10.000 Mitarbeitern Tür an Tür. Viele Betriebe sind eng verzahnt, einer liefert dem anderen zu. Fällt ein Glied aus der Kette, wackelt das ganze System.
Minus 585 Jobs.
Bosch
Der Konzern macht bei seiner Tochter, dem Haushaltsgeräte-Hersteller BSH, die Fabrik in Nauen bei Berlin dicht. 450 Mitarbeiter müssen gehen. Damit schließt eines der letzten Waschmaschinenwerke in ganz Deutschland.
Minus 450 Jobs.

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Es macht einem Angst wenn die Unternehmen gar nicht erst in die Kurzarbeit gehen sondern lieber gleich aufgeben oder ins Ausland gehen.
Und ich denke das sind noch nicht die Horrorzahlen die noch kommen werden bzw. die man gar nicht erfährt ,auf jedem Fall beweist der Sozialismus dass er funktioniert wie geplant ,diesmal in grün.
Herzlichen Dank für diese betrübliche Statistik, die eigentlich Spezialmedien wie Handelsblatt, Wirtschaftswoche oder Capital führen müssten, die jedoch inzwischen so regierungskonform sind, dass dort nur noch gesundgebetet wird.
Eine bitter nötige Statistik, die solange weiterbetrieben werden sollte, bis dieses Land zur Besinnung kommt!
DEPRIMIEREND
Aber Pinocchio wird uns schon sagen, dass wir noch mehr arbeiten sollen. Ist nur irgendwie schwierig wenn jemand seinen Arbeitsplatz verloren hat.
Dafür dürfen dann die noch Arbeitenden durch noch höhere Steuern die Zeche der unfähigen politischen Protagonisten begleichen.
Wann spricht Merkel Merz endlich das Vertrauen aus?…
Ich habe einen Änderungsvorschlag für die Überschrift:
„Pleiten-Monitor Merz für den Monat März“
Das sind alles erst die zarten Anfänge!
Wir können uns auf den absoluten Niedergang vorbereiten!
Aber das hat auch was Gutes: erst wenn alles ganz unten ist, dann gehts auch wieder aufwärts!
„erst wenn alles ganz unten ist, dann gehts auch wieder aufwärts!“ Das dachte ich zuerst bei Merkel, spätestens bei Scholz auch. Dann kam Fritze…
Genauso sehe ich das auch. Erst dann kann Deutschland von der AfD wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden!
Ja das stimmt
Wird aber noch viel Blut und Tränen kosten.
Rette sich wer kann
Ende März und der Merz bleibt uns erhalten.