Wirtschaftswissenschaftler Gerrit Heinemann, Professor an der Hochschule Niederrhein, sagt deutlich, was die Bundesregierung so noch nicht kommunizieren will: Bleibt die Lage in Nahost angespannt, drohen noch höhere Sprit-Kosten – ein Liter Diesel könnte sich sogar auf bis zu 3,30 Euro verteuern.
picture alliance / Rene Traut Fotografie | Rene Traut
Bereits vor wenigen Wochen hatte Heinemann konkret die steigenden Kraftstoffpreise prognostiziert: Im März sprach er von Benzinpreisen jenseits der 2,30 Euro sowie von deutlich anziehenden Dieselpreisen. Was zu dem damaligen Zeitpunkt noch für manche als überzogene Angstmache galt, ist inzwischen Realität geworden. Nun geht der Ökonom noch einen Schritt weiter und zeichnet ein Szenario, das für viele Verbraucher schockierend sein dürfte.
Trotz möglicher Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran und Spekulationen über eine mögliche Entspannung in der strategisch wichtigen Straße von Hormus bleibt Heinemann skeptisch. „Eine kurzfristige Entlastung an den Zapfsäulen ist möglich, aber keinesfalls gesichert“, erklärt er gegenüber der BILD. Vielmehr rechnet er in den kommenden Wochen weiterhin mit hohen Preisen: Super E10 könnte sich stabil über der Marke von 2,30 Euro pro Liter halten, während Diesel auf bis zu 2,60 Euro steigen dürfte.
Für Heinemann und andere Wirtschaftsexperten ist für die Prognose entscheidend, wie sich die geopolitische Lage entwickelt: „Diese Preise gelten nur, solange es keine nachhaltige politische Lösung gibt“, betont er. Besonders deutlich formuliert er seine Einschätzung: „Erst wenn ein Friedensabkommen tatsächlich unterzeichnet und umgesetzt ist, kann sich die Lage spürbar entspannen.“
Doch das eigentliche Risiko liegt laut dem Experten in einer möglichen erneuten Eskalation. Sollte die fragile Situation im Nahen Osten kippen, droht nach seiner Einschätzung ein massiver Preissprung. „Wenn die Waffenruhe scheitert, werden wir Preise über drei Euro sehen – das halte ich für unausweichlich“, sagt Heinemann. In einem solchen Szenario könnten die Preise für Super E10 deutlich über die Drei-Euro-Marke hinausgehen.
Der Iran feuert trotz dieses Waffenstillstands weiter Raketen ab, Israel setzt seine Luftangriffe auf die Hisbollah im Libanon fort – und durch die Meerenge von Hormus kommt nach wie vor kein Mega-Tanker nach Europa durch.
Noch gravierender sei die Entwicklung beim Diesel: Hier hält Heinemann sogar Preise von über 3,30 Euro pro Liter für möglich. Besonders betroffen wären dabei Autobahn-Tankstellen, die traditionell ohnehin höhere Preise verlangen. Auch Premiumkraftstoffe wie hochoktanige Spezialsorten könnten drastisch teurer werden – da wären Preise von bis zu 3,50 Euro pro Liter denkbar.
Neben den steigenden Kosten rückt ein weiteres Problem in den Fokus: die Versorgungssicherheit. Die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln warnt vor möglichen Engpässen. „Im Falle einer erneuten Eskalation könnten nicht nur die Preise weiter steigen, sondern es besteht auch die Gefahr von Benzinknappheit“, erklärt sie. Dies würde die Situation für Verbraucher und Wirtschaft zusätzlich verschärfen.
Analysten verweisen darauf, dass der globale Ölmarkt derzeit besonders sensibel auf politische Entwicklungen reagiert. Die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports läuft, gilt dabei als neuralgischer Punkt. Eine Fortsetzung der Blockade durch den Iran wird erhebliche Auswirkungen auf die Preise haben. Für alle Autofahrer in Europa bedeutet das: Während kurzfristige Preisschwankungen möglich sind, deutet viel auf weitere massive Preissteigerungen hin.


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