Deutsche Umwelthilfe läuft zur Hochform auf

In der Stunde der Krise zeigt sich die Resilienz einer Gesellschaft. Sämtliche Tabus gehören nun auf den Tisch: Rückkehr zum russischen Gas, eigene Öl- und Gasförderung. Doch Deutschland verheddert sich im Kampf mit sich selbst. Die Speerspitze des staatlich organisierten Suizids ist dabei die Deutsche Umwelthilfe.

picture alliance/dpa | Uli Deck
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), 02.03.2026

Vor der Dithmarscher Küste, etwa sieben Kilometer westlich der Insel Neuwerk, befindet sich Deutschlands größte Ölplattform: Mittelplate. Sie ist auf einer Sandbank im Wattenmeer, einem UNESCO-Weltnaturerbe, errichtet und fördert seit 1988 kontinuierlich Erdöl. Die Bohrinsel ist als standfestes Bauwerk mit einer Stahlbetonwanne zum Hochwasserschutz konzipiert.

Bis zu einhundert Personen arbeiten hier im Schichtbetrieb; über 1.000 weitere Arbeitsplätze hängen indirekt vom Wohl und Wehe der Plattform ab. Die Plattform wird paritätisch von Wintershall Dea und Harbour Energy betrieben und liefert jährlich etwa ein Prozent des deutschen Erdölbedarfs – rund 1,3 Millionen Tonnen des „schwarzen Goldes“. Gerade dieser bescheidene, technologisch anspruchsvolle und angesichts der akuten Energiekrise nicht unwichtige Beitrag Deutschlands bzw. seines Bodens zur Sicherung der Energieversorgung wird von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ins Kreuzfeuer genommen.

Ende 2025 begann der Feldzug der DUH gegen die Ölplattform. Das Argument: Es fehle eine EU-unionsrechtlich vorgeschriebene FFH-Verträglichkeitsprüfung für den Betrieb im geschützten Wattenmeer. Am 25. Februar 2026 erklärte das Verwaltungsgericht Schleswig die Fördererlaubnis vorläufig für unwirksam und gab der Klage aufschiebende Wirkung. Es drohte ein vorläufiger Förderstopp.

Doch Betreiber und das Land Schleswig-Holstein legten Beschwerde ein. Am 5. März hob das Oberverwaltungsgericht Schleswig den Stopp per Hängebeschluss auf, sodass die Förderung bis zur Klärung des Streitfalls zunächst fortgesetzt werden kann. Im Herbst 2026 ist mit einer endgültigen Entscheidung zu rechnen.

Die präzisen Angriffe und Interventionen der Deutschen Umwelthilfe wie seinerzeit gegen Volkswagen oder jetzt im Falle von Mittelplate zeigen, wie robust die politische und finanzielle Unterstützung für diesen Teil des NGO-Komplexes geworden ist. Es verdeutlicht zudem, welche gesellschaftlichen Kräfte mobilisiert werden müssten, um endlich in deutsches Fracking einzusteigen und die dringend benötigten Gasvorkommen im Norden zu erschließen.

Die energiepolitische Debatte in Deutschland zeigt, dass die Gesellschaft noch weit davon entfernt ist, ihre eigenen politischen und ökonomischen Fehlentwicklungen ehrlich zu erkennen. Es ist auffällig – und gesellschaftspolitisch ein Offenbarungseid –, dass die europäische Politik derzeit nicht in der Lage ist, die Tiefe der Energiekrise zu erfassen.

So lässt sich an der Krise in der Straße von Hormus exemplarisch ablesen, wie ideologische Verhärtung und geopolitische Konzeptlosigkeit sich zu einer generellen Handlungsohnmacht vereinen. Weder der deutsche Außenminister Johann Wadephul noch Verteidigungsminister Boris Pistorius oder Bundeskanzler Friedrich Merz ziehen eine mögliche Beteiligung der Bundeswehr an der Sicherung eines Geleits für Energietanker durch den geopolitisch wichtigsten Flaschenhals unserer Zeit ernsthaft in Erwägung.

Aus Brüssel vernimmt man derweil das Übliche: EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas spricht von „diplomatischen Lösungen“ – also von jener bekannten, wohlklingenden, aber letztlich folgenarmen Rhetorik einer Organisation, die sich allzu oft in einer Art virtueller Selbstinszenierung zur Stabilisierung ihrer inneren Machtverhältnisse erschöpft. Über militärische Kompetenzen verfügt sie – man möchte fast sagen: glücklicherweise – nicht.

Es ist aufschlussreich, den Kontrast der europäischen Politik in Hormus im Vergleich zur Ukrainekrise zu beobachten. In diesem Abnutzungskrieg konnte man über Jahre hinweg studieren, dass innerhalb der EU jene Kräfte den Ton angeben, die als europäisches Pendant zu den amerikanischen Neocons gelten können. Weder Mühen noch Kosten oder Materialeinsatz werden gescheut, um diesen längst verlorenen Konflikt über die Zeit zu managen. Mit welchem strategischen Ziel, das dürfte man in Brüssel wie auch in den europäischen Hauptstädten inzwischen selbst kaum noch eindeutig beantworten können.

Auch die Erzählung eines unmittelbar invasionsbereiten Russlands, das binnen weniger Tage vor Berlin stehen könnte, wird wohl selbst in besonders russlandkritischen Kreisen – auch im Umfeld von EU-Außenbeauftragter Kaja Kallas – kaum noch für bare Münze genommen.

Dabei läge gerade in einem veränderten Verhältnis zu Russland, wie es der belgische Premierminister Bart De Wever fordert, ein möglicher Schlüssel, um Zeit für eine Neuausrichtung der europäischen Energiepolitik zu gewinnen. Dies böte die Gelegenheit, den Turnaround hin zu einer groß angelegten Offensive im Bereich der Kernkraft einzuleiten. Ein solches Vorhaben käme einem Generationenprojekt gleich und müsste zwangsläufig auch den Rückbau bestehender Überkapazitäten im Bereich wenig effizienter erneuerbarer Energien umfassen.

Denn eine Frage wird bislang nur selten gestellt: Wer wird – und vor allem mit welchen Mitteln – künftig den anfallenden Elektroschrott sowie die massiven Überkapazitäten ausgedienter Windkraftanlagen entsorgen, wenn ein grundlegender energiepolitischer Wandel tatsächlich vollzogen wird? Die Vereinigten Staaten lagern entsprechende Altlasten bereits heute in Wüstenregionen wie der Mojave-Wüste. Vielleicht werden sich künftig andere Akteure dieser Problematik annehmen – etwa durch großflächige Recyclinginitiativen. Ob und wie dies geschieht, bleibt abzuwarten. Es ist kaum vorstellbar, dass diese Lasten ohne immensen Aufwand umweltfreundlich und ökonomisch bewältigt werden können.

Die energiepolitische Debatte in Deutschland zeigt, dass die Gesellschaft noch ein Stück weit von einer ehrlichen Diagnose ihrer eigenen politischen und ökonomischen ideologischen Erkrankung entfernt ist. Zur korrekten Diagnose gehört auch die angemessene Einordnung von NGOs wie der Deutschen Umwelthilfe als Systemagenten – als Teil eines staatlich installierten Mechanismus, der systematisch ökonomisches Potenzial vom produktiven Sektor in die von der Politik bevorzugten Kanäle umlenkt.

Solange diese Zusammenhänge nicht korrekt verstanden und eingeordnet werden, werden die DUH und ihre Mitstreiter innerhalb einer politisch ideologisierten Handlungsmatrix florieren und so nolens volens ihren Beitrag dazu leisten, die Probleme, die der Ökosozialismus strukturell geschaffen hat, offen zu legen.

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Kommentare ( 7 )

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Schmidtrotluff
20 Minuten her

Der Herr Resch versteht nicht, dass man in einer totalitäten Organisation obsolet wird, wenn man seine Schuldigkeit getan hat. Berija, Sinowjew, Jeschow werden ihm das bestätigen, wenn sie sich dereinst an einem warmen Ort treffen werden.

Dr. Rehmstack
29 Minuten her

„Zur korrekten Diagnose gehört auch die angemessene Einordnung von NGOs wie der Deutschen Umwelthilfe.“…. als zentraler und notwendiger Baustein zur Zerstörung Deutschlands, eingefügt von der Trittin Mafia. So müßte der Text weiter gehen, die DUH ist ein Kernelement der grünen Beherrschung der gesamten Energiepolitik, von Merz, mindestens, geduldet. Glaube doch keiner, dass der Herr Resch mit seinem 90 Mann Verein ein Club Umwelt bewegter Spinner ist: nur für ihn, beziehungsweise für diese Zwecke, haben die Grünen sprich Trittin das Verbandsklagerecht durchgesetzt.

Dr. Meersteiner
32 Minuten her

Wenn Deutschland komplett abgewickelt ist und viele Existenzen vernichtet sind, ist das schöne Leben des selbstgerechten Herrn auf dem Bild auch zu Ende.

Logiker
48 Minuten her

Weg mit dem Verbandsklagerecht – erschaffen und durchgesetzt von den Grünen.

Cubus
55 Minuten her

Wir analysieren immer den Moment, verkennen aber, dass diese Strukturen, über Jahrzehnte gewachsen sind und einem Plan folgen. Ziel ist die Neue Weltordnung. Corona war ein Baustein, Kriege sind Bausteine. NGoS haben die Aufgabe, von fleißig zu Reich umzuverteilen, zu spalten und im Sinne ihrer Geldgeber zu lenken. Zurück bleiben verarmte und verblödete Untertanen, die keine Fragen mehr stellen und Nationalstaaten, die nur noch bloße Verwaltungshüllen sind für eine kleine Clique von Superreichen, deren gigantische Firmenkonglomerate jetzt das Sagen haben. Es gibt zwar noch Präsidenten, Premierminister, Kanzler, die Macht liegt jedoch bei den CEOs dieser Unternehmen, die für das meist… Mehr

Thomas
59 Minuten her

Mit Greenpeace begann der Ökoterror.

BKF
1 Stunde her

„Dabei läge gerade in einem veränderten Verhältnis zu Russland, wie es der belgische Premierminister Bart De Wever fordert, ein möglicher Schlüssel, um Zeit für eine Neuausrichtung der europäischen Energiepolitik zu gewinnen.“ Das geht aber für Vasallen der USA nicht, denn es gilt weiterhin für NATO-Mitglieder und ganz besonders Deutschland: „to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down“. Das müßte sich auch so langsam zu TE-Autoren rumgesprochen haben, auch wenn die meisten die reeducation in der Trizone ‚genießen‘ durften. Oder, wie Bismarck schon feststellte: „Wenn Preußen und Rußland in einem Bündnis zusammenstanden, ging es den Ländern gut… Mehr

Last edited 1 Stunde her by BKF