In was sollen wir uns integrieren, Herr Nachbar?

Den Einwanderern wird von Medien & Politik eingeimpft: Integriere dich, aber emotional bitte möglichst in Nichts!

In allen Medien ist zu hören, wie wichtig die Integration der arabischen Migranten sei. Aber wenn es festzustellen gilt, in was sich die Einwanderer eigentlich integrieren sollen, herrscht eine merkwürdige Stille. Allenfalls munkelt man Diffuses über die Rechte von Frauen & Schwulen und irgendetwas über Grundrechte im Grundgesetz. Das war es dann auch schon.

Aus einem Fundamentalismus in den anderen?

Die arabischen Migranten kommen aus Ländern mit einem starken Stammes- und Nationalbewusstsein und sie stoßen hier auf eine intellektuelle Schicht; die so wenig wie möglich deutsch sein will. Oft genug wird hier der Begriff des Deutschen als Schimpfwort begriffen. Stolz, Deutscher zu sein? Unsere Medien haben dafür gesorgt, dass dies anrüchig klingt. Wie soll Integration gelingen, wenn deutsche Meinungsführer das Deutsche ablehnen? Die Araber treffen auf „gute Menschen“, die oft einerseits einen geradezu fundamentalistisch moralischen Rigorismus pflegen, andererseits genau so oft negativ ihrer eigenen Nation gegenüber eingestellt sind. Das erstere ist den Migranten bekannt, letzteres ist einzigartig in der Welt.

Zur Integration von Einwanderern gehört die emotionale Begeisterung für das Land in das sie einwandern. Der Satz: Ich bin stolz ein Deutscher zu sein, wird aber schon einem deutschen Mittelschichtgebildeten madig gemacht. Testen sie sich einmal: Mit welchen Gefühl Sie diesen Satz sagen, der in jedem andern Land der Welt als selbstverständlich gilt und das emotionale Schmiermittel ist, auf das sich alle einigen können. Mit welchem Gefühl nageln Sie die deutsche Flagge in den Vorgarten. Hoffentlich sieht es keiner?

Wofür sollen sich die meist ungebildeten Araber denn begeistern? Für gendergerechte Sprache? Die Schwulenehe? Für den Christopher Street Day? Den Feminismus und die Mülltrennung? Sollen sie die deutsche Verbrüderung mit Israel feiern? In 1.000 kalten Wintern nicht. Wie stellt sich Habermas seinen Verfassungspatriotismus eigentlich angewandt vor? Vor Fußballspielen verteilen SPDler das Grundgesetz in arabischer Sprache. Dann werden gemessen Wortes deren Artikel vorgetragen, Beifallstürme erheben sich ,inch Állah, und vor lauter Begeisterung werden jubelnd die Grundgesetze in die Luft geworfen und Frauenbeauftragte gefeiert. In den 1.000 bald kommenden warmen Wintern auch nicht.

Den Umerziehungsfantasien der politisch korrekten Ideologen wird wie immer ein klägliches Ende beschert sein. Und wer ist schuld, wenn die Integration nicht klappt? Wir ahnen es schon, was die Medien transportieren werden. Schuld sind die Deutschen.

Oder soll die Integration, wie inzwischen oft gefordert, keine Einbahnstraße sein? Sollen wir uns auch an die arabische Kultur anpassen? Political Correctness nur noch in den USA ihr Heil anrichten lassen, die Diktatur der gendergerechten Sprache in der Öffentlichkeit in den Biomüll entsorgen, die Schwulenehe auf den Misthaufen der Geschichte werfen? Oder wenn schon Schwulenehe, dann auch Vielehe, folgt ja der gleichen Logik?

Das macht jeden wahnsinnig, diese krank machende Doppelbotschaft (double bind):

  1. integriere dich in Deutschland
  2. die emotionale Grundlage dazu vermiesen wir dir nicht nur, nein wir stellen sie unter den Verdacht des Bösen.

Darüberhinaus gibt der Iman in der Moschee zu verstehen, dass die deutsche Kultur sittenverkommen sei, wie man ja jeden Tag auf der Straße sieht.

Ganz ähnlich urteilt auch der deutsche Intellektuelle die deutsche Kultur ab, wenn sie vom einfachen Mann, vom Stammtisch kommt. Das ist dann dumpf oder gleich rechtspopulistisch. Links- und Öko-Populismus von Parteien und Medien scheint es gar nicht zu geben.

Das wird den Einwanderern einheitlich von Medien & Politik eingeimpft: Integriere dich, aber emotional bitte möglichst in Nichts! Alte Denk- und Gefühlsmuster mitgebracht aus fremden Kulturen, halten sich dann meist für Generationen.

Integrieren in eine umstrittene Kultur?

Wie soll eigentlich eine emotionale Integration in die Deutsche Kultur gelingen, wenn erhebliche Teile der intellektuellen Schickeria bezweifeln, dass es überhaupt eine deutsche Kultur gibt, und falls es sie doch gäbe, diese eine böse dunkeldeutsche sei.

Seit Merkel gibt es unter den deutschen Intellektuellen wieder einen deutschen Nationalismus, der aber die Worte deutsch und Nationalismus scheut wie der Teufel das Weihwasser. Diesmal soll am politisch korrekten Ökowesen die Welt genesen. Doch die Bilanz ist katastrophal. Nur zwei Stichworte: Nachdem Merkel mit Unterstützung der Einheitsmedien den Atomausstieg und die Energiewende durchgepeitscht hatte, ging die Medienlandschaft in hemmungsloser Selbstüberschätzung davon aus, dass bald die ganze Welt folge. Zu ihrer Verblüffung war dies nicht der Fall. Mit fassungslosem Staunen verfolgen deutsche Medien & Politik, dass die wichtigsten Länder die Kernenergie weiter ausbauen, um den CO2 Ausstoß zu verringern. Deutschland dagegen pumpt irrwitzige Summen von Steuergeldern in Sonne & Wind und – steigerte den CO2 Ausstoß.

Mit fassungslosem Staunen verfolgen auch europäische Medien die Merkel’sche Einladung, ohne Kontrolle & Begrenzung Millionen arabischer Migranten aufzunehmen. Damit steht Merkel europaweit alleine da, allerdings hymnisch gefeiert von der deutschen Presse. Merkel & die Medien drohen durch ihren moralischen Fundamentalismus Europa zu spalten, obwohl sie mit scheinheiligem Heiligenschein dessen Einigung propagieren.

Und was soll an diesem deutschen Flüchtlingsdschihad attraktiv für die Migranten sein? Im arabischen Stammes- und Clandenken spielt das staatliche Gemeinwohl keine Rolle. Es genügt, wenn der eigene Clan versorgt ist. Deshalb ist für die Araber Merkel auch nicht Bundeskanzlerin, sondern Mama Merkel. Allerdings sind ihre eigenen Kinder inzwischen etwas irritiert darüber, dass sie die Zeche für Mama´s Einladung bezahlen müssen. Anstatt mit dem erwarteten Dank sehen sich die zwangsverpflichteten Spender dann noch oft genug mit dem Anspruchsdenken der Findelkinder konfrontiert.

Beim Rückgrat der deutschen Kultur, den Volkshochschulen, den Musikschulen, den Stadt- und Schützenfesten, dem bürgerschaftlichen Engagement außerhalb des Clans sind die bisherigen Einwanderergenerationen nur selten anzutreffen. Wo ist hier das WIR, um dem es bei der Integration geht. Den meisten türkischen Einwanderern geht noch nach 50 Jahre Deutschland kein WIR über die Lippen. Warum? Welche muselmanischen Kulturbremsen gibt es hier? Und wie soll das bei den jungen Arabern einen Deut besser werden? Fragen über Fragen, Fragen, die das Leben in Deutschland stellt.

Gastautor Klaus-Jürgen Gadamer ist ehemaliger Lehrer und lebt in Baden Württemberg.

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