Bei Illner: Die Glückskekse des Christian Lindner oder wie Sie Kühlschränke in die Arktis verkaufen

Bei Illner gehts mal wieder um die Delta-Variante und Gedöns, aber das soll uns nicht interessieren. Viel Interessanter: Warum liegt die Vergangenheit nicht in der Zukunft? Und was ist das Paarungsverhalten von Kapuzineräffchen? CL segelt mit Manuela Schwesig Richtung Usedom.

Screenshot ZDF: Maybrit Illner
Die Inzidenzen sind niedrig. Wir dürfen das erste Mal im Jahr wieder die schönen Nebensächlichkeiten im Leben genießen, statt nur von der Käsetheke zur Müsliabteilung zu flanieren. Es könnte schon fast Tage geben, an denen man Corona völlig vergisst – wenn da nicht das ZDF intervenieren würde. Denn es wird zwar die ganze Zeit von Entspannung und „Work-Life-Balance“ gesprochen, aber wenn man sich dann mal real etwas gönnen will, muss man das mit Schuldgefühlen begleiten. Mit jeder Zigarette wird dann ausgerechnet, wie viel Lebenszeit einen das jetzt gekostet hat, mit jedem Stück Kuchen muss geplant werden, wie lange man das abtrainieren muss, und auf jedem Urlaub kommt jetzt zum ökologischen Fußabdruck auch noch das Corona-Risiko dazu. Dementsprechend war das Thema der gestrigen Illner-Ausgabe: „Mit dem Virus im Gepäck – wie riskant wird der Sommer?“

Gleich zu Beginn: nein, Karl Lauterbach war nicht schon wieder dabei – der saß nämlich direkt danach bei Lanz und hat darüber gesprochen, wie es ist, wenn man so viel angefeindet wird wie er. Tja, das Leben als Talkshowkönig und gutbezahlter Bundestagsabgeordneter ist eben nicht leicht. Stattdessen ist die Parteikollegin und Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig dabei, um für Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern zu werben. Nachdem sie letzten Sommer ja teilweise nichtmal die Leute mit Zweitwohnsitz in Meck-Pom reingelassen, ja sogar rausgeschmissen hat – was für Studenten, die dort zwar studierten, aber nicht mit Hauptwohnsitz gemeldet waren, besonders verheerend war – vermisst man jetzt unerklärlicher Weise die Touristen, die bereit sind vier Euro für eine Kugel Eis zu bezahlen.

Nicht nur für ihr Bundesland macht sie Werbung, denn bei der SPD scheint man jetzt doch langsam gemerkt zu haben, dass dieses Jahr Wahlen sind und sie im Begriff sind, vollkommen unterzugehen. Deswegen leitet man jetzt gemächlich mal den Wahlkampf ein. Frau Schwesig nutzt dementsprechend die Frage von Illner, wie viele Schulen in ihrem Bundestag ganz konkret mit Belüftungsanlagen ausgestattet sind. Als Illner diese Frage gestellt hat, hat sie für die Antwort nur mit wenigen Sekunden gerechnet – oder so lange wie man eben braucht um „Keine, naja vielleicht drei“ zu sagen. Was sie stattdessen bekommen hat, ist nicht nur die gründliche Erklärung des Wesens der Belüftungssysteme und des Paarungsverhaltens von Kapuzineräffchen, sondern auch, was Tante Gerda von nebenan davon hält. Kurz: Manuela erzählt alles, außer Fakten zu nennen, nach denen sie gefragt wurde. Und das ist doch ein Musterbeispiel für den SPD-Wahlkampf.

FDP-Parteichef Christian Linder ist von dem Vorschlag, Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern zu machen, jedenfalls begeistert. Er erzählt auch gleich stolz, dass er gerade ein Treffen mit englischen Politikern in England abgesagt hat, weil es ja nicht dringend nötig war und man das ja auch virtuell erledigen könnte. Er bittet alle, es ihm gleich zu tun und nicht dringende Reisen, wie Urlaub lieber zu verschieben oder stattdessen innerhalb von Deutschland vorzunehmen. Bis wann man die allerdings verschieben sollte, verrät er leider nicht. Das wäre doch mal eine interessante Info gewesen, schließlich stehen uns ja noch zahlreiche Virusmutanten bevor und jetzt ist die Lage ja mal ausnahmsweise entspannter. Tja, aber mit diesen Fragen und Überlegungen wird der Bürger auch von der FDP alleine gelassen. Illner fragt CL an einer anderen Stelle zu einer Entscheidung der Regierung in der Vergangenheit, woraufhin er sie sofort abschmettert und ausführlich erklärt, dass er nicht gerne in der Vergangenheit hängt, weil die ja eh schon vergangen ist. Es ist doch immer wieder schön zu sehen, dass die FDP noch so gut abgesichert ist, dass sie es scheinbar nicht nötig hat, etwas Wahlkampf zu machen, selbst wenn die Regierungsparteien versagen und die Stunde der Oppositionen geschlagen hat.

Aber immerhin kann man beruhigt sein – wenn es mit der Karriere als Politiker nichts wird, kann Christian L. immer noch tiefsinnige Sprüche für Glückskekse schreiben, so in etwa wie „Die Vergangenheit liegt in der Vergangenheit, denn sie ist vergangen.“

Nun ist es nicht Neues, dass man von Spitzenpolitikern nichts besonderes zu hören bekommt, interessant wird es, wenn die Diskussion auf die Kinderimpfung kommt. Denn da kommt es zwischen der Pharmamanagerin Helga Rübsamen-Schaeff und der Ärztin Lisa Federle zu Reibungen. Frau Rübsamen-Schaeff vereint in ihrer Person – oder zumindest in ihrem gestrigen Auftritt – alle negativen Klischees, die man über die Branche so haben kann. Sie findet es auch überhaupt nicht fraglich, dass Kinder geimpft werden sollten. Schließlich können ja auch Kinder krank werden und sie würden damit ja auch gleich noch die Erwachsenen mit schützen.

Lisa Federle sieht das etwas anders. Sie merkt an, dass man ja erstmal die Erwachsenen impfen sollte, die das wollen oder brauchen. Und zweitens weist sie daraufhin, dass es ja doch ein Risiko gibt, dass ein Kind ja gar nicht eingehen muss. Sie betont, dass die Impfung der Kinder im Grunde nur den Zweck hat, die Erwachsen zu schützen und dass die dann doch bitte selbst geimpft werden sollen.

Die Pharmamanagerin wirft darauf wieder ein, dass ja auch Kinder krank werden können und dass sie ja auch irgendwann erwachsen werden. Das Argument von Lisa Federle, dass Kinder so gut wie gar nicht an Corona sterben, lässt sie nicht gelten. Sie ist der typische Verkäufer, der einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen will, in dem sie ihm einredet, dass es ja auch mal warme Tage geben kann und er ihn ja spätestens bei der Klimaerwärmung brauchen wird. Nur hat ein Kühlschrank nicht die gesundheitlichen Risiken, die die Impfung mit sich bringt. Aber es ist sehr geschickt eingefädelt.

Also was lernen wir aus der gestrigen Illner-Sendung? Erstens: Pharmamanagerin klingt wie Kühlschrankverkäufer und zählt nicht zu den Traumberufen. Und zweitens: Urlaub – wenn es denn sein muss – am besten in Deutschland. Also in dem Sinne: Ab in den nächsten Flieger Richtung Malle, Nizza, Neapel oder Korfu. Hauptsache Mecklenburg-Vorpommern.

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Kommentare ( 41 )

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Nibelung
10 Tage her

Das Internet hätte eigentlich genutzt werden sollen um sich die nötigen Informationen herein zu ziehen, was aber anscheinend nicht der Fall ist und nur von wenigen als allumfassendes Lexikon benutzt wird um sich in der Welt der List und Tücke, aber auch durch Wissen zurecht zu finden. Nun ist es für viele ein Lustobjekt und billige Unterhaltung zugleich, während die Alten mehrheitlich an der Glotze sitzen und sich dort von den Staatsmedien berieseln lassen und Bildung bis ins hohe Alter ein Fremdwort ist und in dieser Gemengenlage treiben die ihr Unwesen und die wenigen, die noch den Willen aufbringen um… Mehr

Dr. Rehmstack
21 Tage her

So gut die Beiträge sind, es macht keinen Sinn mehr, Willnerberger zu kommentieren, zu viel der Ehre. Wesentlich mehr läßt sich bei Lanz, den ich wirklich nicht mag, erfahren. So gestern, wo der sich selbst als überdurchschnittlich durchschnittliche bezeichnende Stefan Aust lauterbach mehrfach mit sehr simplen Fragen (er liest offensichtlich auch TE) an den Rand des Nervenzusammenbruchs und intellektuellen Offenbarungseids brachte, sogar Melanie machte sich offensichtlich große Sorgen um die kognitive Kohärenz des geduzten Professors.

Berlindiesel
21 Tage her

Elisa Davids Beiträge gehören mit ihrer hintergründigen Ironie zum Besten, was es auf TE gibt. Weiter so.

dill
21 Tage her

„Es könnte schon fast Tage geben, an denen man Corona völlig vergisst“ – Davon kann hier in Westfalen jedenfalls keine Rede sein. Auf dem Flohmarkt unter freiem Himmel: Maskenpflicht. Im Freibad: Erhebung von Kontaktdaten zur Nachverfolgung durch das Gesundheitsamt. In der Gemeindebibliothek: Beides. Wenn Du eine Kulturveranstaltung besuchen willst, musst Du zusätzlich nachweisen, genesen, geimpft oder negativ getestet zu sein. Nein danke.
Der Vergleich mit mit den Kühlschränken für Arktisbewohner ist sehr treffend!

Urbanus
21 Tage her

Helga Rübsamen-Schaeff, ist eine lupenreine Pharmalobbyistin. Respekt, diese Frau ist 72. Sie macht ihren Job perfekt. Ungeheuerlich.

https://de.wikipedia.org/wiki/Helga_R%C3%BCbsamen-Schaeff?wprov=sfla1

M. Stoll
21 Tage her

Die Corona-Viren wurden vor ca. 60 Jahren erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, sie existieren aber schon wesentlich länger. Corona-Viren zählen zu den klassischen Erkältungsviren und traten schon immer saisonal auf. Wie viele andere Virenstämme, sind sie sehr mutationsfreudig und verändern sich ständig. Das war schon immer so und das griechische Alphabet wird nicht ausreichen, um alle zukünftigen Mutationen zu benennen. Corona-Viren nutzen nicht nur den Menschen, sondern auch mehrere Tierarten als Wirt, das bedeutet, man wird Corona niemals „ausrotten“, egal wieviele Beschränkungen auferlegt werden. Ich habe Christian Lindner, im Gegensatz zu Schwesig oder Lauterbach, bislang für einen vernünftigen Politiker, ausgestattet mit wirtschaftlichem… Mehr

Gerd Sommer
21 Tage her

4 € für ne Kugel Eis? Jetzt fange ich wohl das erste Mal in meinem Leben über einen Urlaub in der Türkei nachzudenken…

Dazu auch auf mehrfache Nachfrage kein Konzept für die Schulkinder, es lohnt sich wohl ROT/GRÜN zu wählen, fragt sich nur für wen???!!??

Grenz Gaenger
21 Tage her
Antworten an  Gerd Sommer

„Jetzt fange ich wohl das erste Mal in meinem Leben über einen Urlaub in der Türkei nachzudenken“
Dazu könnte mich kein Wucherpreis dieser Erde für eine Eiskugel bringen, mit meinem Urlaubsgeld auch dieses Erdowahn-Regime zu unterstützen. Wenn der endlich weg ist, stellt sich die Frage u. U. neu.

Lucia Verde
21 Tage her

F A B E L H A F T !

Einfach fabelhaft, weil blitzgescheit, schelmisch & pointiert.

Sehr erfrischende Mischung über das tagtägliche unzumutbare PolitSumpfGedöns!

D A N K E : E L I S A D A V I D :

Mausi
21 Tage her

Merkwürdig national, wenn es um Urlaub geht. Noch nichtmal EU-europäisch. Und im Zweifelsfall noch kleiner als national. So kleinteilig wie zu Bismarcks Zeiten. Aber wer Mobilität durch Verbrenner abschaffen will, muss so handeln. Und Spiele (=Game) entwicklung nach D holen. Damit wir anders verreisen können. Realität war halt gestern. In jeder Beziehung.

Stolz
21 Tage her

Nichts gegen Urlaub in Deutschland. Doch wer hält es schon ein Jahr lang aus, permanent von Gutmenschen umzingelt sein. Ich finde es schon spannend, wie die mediale Realität und das Leben in unserem Land auseinander triften. In den Talkshows immer die gleichen langweiligen Typen, die ihre stereotypen Antworten auf die dümmlichen Fragen geben. Wer Gespräche, Diskussionen oder gar Kontroverse haben will, der darf sich solche Machwerke nicht ansehen.
Was sind Talkshows wie Anne Will oder Maybrit Illner. Opium fürs Volk? Dann doch lieber richtige Drogen.