Police 110 Magdeburg calls on International Womens Day

Kein öffentlich-rechtlicher Krimi ohne ideologische Indoktrination. Der „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg liefert zum Frauentag eine Abtreibungsärztin, Aktivistinnen und böse Fundamentalisten. Die penetrante politische Botschaft ersetzt wie immer die Spannung.

screenshot/ Tatort-MDR

Außergewöhnlich – populäre britische Krimiserie titelt auf Deutsch. Das ist natürlich eine Ente, denn tatsächlich ist umgekehrt. Der Polizeiruf 110 aus Magdeburg erhält diesmal den englischen Titel „Dein Körper, meine Entscheidung“, maßgeschneidert auf den gestrigen internationalen Frauentag und die Behauptung, es sei der Mann, der seit nun 5.000 Jahren Patriarchat „Frauen beherrschen und dazu zwingen wolle, Kinder zu gebären“(geäußert von Kriminalrat Lemp, gespielt von Uwe Vörtler).

Behandlungszimmer, dekoriert mit süßen Babyfotos

Nachdem das Thema nun gesetzt ist (Drehbuch Annika Tepelmann), schließt sich danach nur noch dessen filmische Verbreiterung an, in der zunächst die Einser-Medizinische Fachassistentin (Marwa Gula, gespielt von Melissa Gross) einer auf Abtreibungen spezialisierten Frauenärztin (Dr. Doro Schöller-Hahnfeld, gespielt von Jenny Schily) einem heimtückischen Anschlag auf ihr Fahrrad (durchtrennte Brems-Bowdenzüge) zum Opfer fällt. Ohne Helm und mit Kopfhörer hat sie keine Chance, rollt ungebremst vor ein Auto.

Dabei hatte die junge Frau das Fahrradfahren erst wenige Jahre zuvor von ihrer Chefin gelernt, war seit dem bei „jedem Wetter“ mit dem Rad zur Arbeit gekommen. Frau Dr. Schöller-Hahnfeld hatte ihre „total beliebte, beste Mitarbeiterin“ nach Kräften gefördert und sie Monate lang auf den Medizinertest und ihren großen Traum, Ärztin zu werden, vorbereitet. Dabei hatte die junge Libyerin nach ihrer Ankunft „ohne den nötigen Abschluss fürs Medizinstudium“ noch sehr unter der „Sprache, der Kälte und Einsamkeit gelitten“. Ihre Gönnerin und Arbeitgeberin, so findet Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) durch Befragung der Sprechstundenhilfe Janine (Julia Titze) heraus, hatte „ein spezielles Verhältnis zur Chefin „richtig eng, zeitweise habe sie bei ihr gewohnt.“

Die junge Muslimin wird nach Islamischem Ritus bestattet, zur Trauerfeier auf dem Neuen Sudenburger Friedhof erscheinen viele Gäste, einige orientalisch fromm verhüllt, die meisten westlich in gedeckten Farben.

Die etwas andere Touristenführerin

Amateur-Kickboxerin Lara Becker (Luna Jordan) hatte eine schlimme Kindheit, ihr Vater hat sie und ihre Schwester regelmäßig „Krankenhausreif geschlagen“. Deshalb eilt sie auch nicht an dessen Sterbebett, obwohl ihre Mutter sie darum bittet, verbrennt ein Familienfoto. Sie hat schon eine Vorstrafe wegen Körperverletzung, ist aktivistisch und als „Abortion Buddy“ (Abtreibungsbegleiterin) tätig, nimmt sich junger Polinnen an, die nach Magdeburg kommen, um hier abtreiben zu lassen. Sie holt Dania (Nicola Magdalena Lüders, mit Goldkreuzchen um den Hals) vom Bahnhof ab, bringt sie in ihrer WG unter und anschließend zur Beratungsstelle bei einem Polnisch-sprachigen Schwangerschaftsberater und zur Praxis Schöller-Hahnfeld. Die Frauenärztin: „in Polen mangelt es an Zugang zu seriösen Arztpraxen“.

Sie muss mittlerweile den Betrieb herunterfahren: Nicht nur singt und betet dort in Hörweite der Praxis eine Gruppe christlicher „Lebensschützer“ um Thilo Schubert (Mathias Max Herrmann), die Belegschaft hat sich nach dem Anschlag auf Marwa und aus Angst vor den Abtreibungsgegnern auch noch krank gemeldet. Solche, wie die christliche Gruppe, die in der Nähe der Praxis singt, betet und Plakate schwenkt, gelten seit 2024 als „Gehsteigbelästiger“. Kommissarin Brasch lässt sich gleich die Ausweise zeigen und weist auf den nicht eingehaltenen Mindestabstand von 100 Metern hin. Frau Dr. Schöller-Hahnfeld hat diese „christlichen Fundamentalisten“ eigentlich immer als harmlos abgetan, nun muss sie diese Meinung nochmal überdenken, denn „das gesellschaftliche Klima wird immer rauher, wir bewegen uns in manchen Dingen nicht vorwärts sondern rückwärts“ ist sie sich mit der Polizistin einig.

Lebensschützer auf Hetzjagd

In einer Kneipe treffen sich Bürger zur Vorbereitung eines „Marsches Magedburg fürs Leben“. Dort ergreift gleich zu Beginn Martin Zug (Tom Quaas) als „Vertrauensmann für Magdeburg“ das Wort und spricht davon, dass er und seine Partei „mehr Kinder statt Masseneinwanderung, Christliche Werte statt Islamisierung“ fordern würden. Buhrufe werden teils laut, man wolle sich nicht für Wahlkämpfe einspannen lassen. Lara Becker und einige Mitstreiterinnen stürmen die Veranstaltung unter lautem Protest, Oberkörper nur mit BH bedeckt im Stil der „Femen“-Prosteste. Es kommt zum Tumult, Lara wird von mehreren Männern gejagt und kann sich nur Dank ihrer Kickboxkünste befreien.

Braschs wichtigste Zeugin wird zum Risiko

Lara steckt Brasch, dass die Droh-Mails an die Praxis Schöller-Hahnfeld angeblich von einem Rene Metzner (Uwe Fischer), geschickt worden seien. Ihre „Hackperson“ habe den Täter schneller gefunden, als die IT-Abteilung des LKA. Brasch, die Metzner unnötigerweise (denn er war es nicht) bei einer Gartenparty mit Lagerfeuer, Billy Idol -Songs und Bier stört, glaubt der Aktivistin mehr als der eigenen Behörde. Das mag, so suggeriert es der Film, mit ihrer eigenen Lebensgeschichte zu tun haben, denn sie war selbst ungewollt schwanger und habe sich, „obwohl sie schon einen Abtreibungstermin hatte“ doch noch für das Muttersein entschieden, was sie aber „nicht so glücklich“ gemacht habe, wie es ihr der christliche Aktivist Schubert im Gespräch unterstellt. „Ich war damals absolut überfordert, mit meinen Mutterglück“ gesteht sie. Und heute habe sie keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn, „wisse nicht einmal, ob der noch am Leben sei.“

Die hässliche Fratze des Abtreibungsgegners gegen die blinde Wut der misshandelten Frau

Das Vertrauen zu Lara rächt sich, als sie sie auch noch bittet, ihr bei der Suche nach der mittlerweile verschwundenen Dania zu helfen. Die hat sich naiv von Maik Gerboth zu ihm nach Hause locken lassen, wo er vergeblich versucht, ihr die geplante Abtreibung auszureden. Auch weil sich seine Freundin sich von ihm getrennt hat und das gemeinsame Kind abtreiben ließ, hat er sich in einen psychotischen Hass auf die Abtreibung gesteigert, die ihn nach der Sabotage an Marwas Fahrrad nun zum Kidnapper werden lässt. Das beschauliche Leben in seiner Plattenbauwohnung zwischen Puzzle, Balkonblumen und belegten Stullen hat ihn nicht friedfertig werden lassen. Er überwältigt die Schwangere und entführt sie gefesselt an den Rollstuhl einer gehbehinderten Nachbarin (Frau Liebing, gespielt von Veronika Nowagk-Jones). Dank eines in dem Gefährt eingebauten GPS-Chips findet Lara Maik vor der Polizei und verletzt ihn schwer, Dania war kurz vorher die Flucht gelungen.

Obwohl ARD und ZDF in ihre Mediatheken ausreichend Material zum „International Womens Day“ eingestellt haben, scheint das noch nicht auszureichen. Bemerkenswert, dass dazu offenbar auch Themen-Krimis vorab in Auftrag gegeben werden, auch unter Hinnahme möglicher Schieflagen bei der objektiven Darstellung.

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