Laschets Abrechnung bei Maischberger

Bei Maischberger schält sich, wohl nicht unbeabsichtigt, das Charakterbild des Dr. Markus Söder heraus, das doch sehr dem ähnelt, was Seehofer laut eines Zitats im TV-Drama „Die Getriebenen“ dem Ehrgeizling ins Stammbuch schrieb: Markus, du bist charakterlich nicht geeignet, Bayern zu führen.

Screenprint: ARD/maischberger

Gelegentlich stolpert man doch über seine Vorurteile. Einen Schauspieler und Bodybuilder Ralf Moeller hätten wir uns ja durchaus als Bereicherung beim Thema Muskelaufbau und Fitness vorstellen können, aber als Kapazität bei Fragen aus dem politischen Bereich? Vielleicht sprach auch sein großes Herz aus dem Mann aus Recklinghausen, der es bis nach Hollywood geschafft hat, denn er brach vehement eine Lanze für Armin Laschet, den die CDU schmählich im Stich gelassen hätte. Dieser Umgang mit ihrem Chef machte die CDU für Moeller zum Verlierer schlechthin. Während die SPD geschlossen hinter „Cyborg Scholz“ gestanden wäre, hätte die Union ihrem Kandidaten permanent Stöcke zwischen die Beine geworfen.

Eine gelungene Einleitung für den Mann des Abends, der dann im blauen Slim-Fit-Anzug mit weißem Hemd ohne Schlips auf die Bühne kam. Sein Gesicht noch unentschieden zwischen den ausgeprägten Lachbäckchen und den ernsten Augen. Was mag kommen? Klar: Wie haben Sie es weggesteckt? Das Ende seiner Ministerpräsidentschaft in NRW „tut mehr weh“ als die verlorene Wahl. Schon wegen „der festlichen Ereignisse“, zu denen er da immer geladen war. Ach, der fröhliche Rheinländer. „Ich habe gegeben, was ich konnte“, dann waren da ein paar „unglückliche Momente“, und die hatte Maischberger in Form mehrerer Fotos gleich parat.

Mitgliederentscheid statt Funktionärsgekungel
Merkelianer unterliegen im Streit über Form der Laschet-Nachfolge
Das Bild mit dem schimpfenden Flutopfer– über Armin Laschet wurde gegen den Regen ein Schirm gehalten – sei verfälscht. Auch über den anderen sei ein Schirm gehalten worden, so Laschet, das war aber auf dem Foto nicht zu sehen. Desgleichen eine Aufnahme, als er wie ein begossener Pudel im Regen fotografiert wurde: „Neben mir stand Olaf Scholz auch im Regen, das wurde nicht gezeigt.“ Dass er in einer anderen Szene lachte, während vorne Frank-Walter Steinmeier, der Genosse Präsident, sprach, „ärgert mich bis heute“.

Sicherlich ist Armin Laschet als Wahlkämpfer wie als Professor gelegentlich ein Schussel, aber er lag doch meistens als Einzelkämpfer unter medialem Dauerbeschuss im Graben, nicht zu vergessen, der Heckenschütze aus München. Der führt uns zum Höhepunkt des Abends, und da wollen wir näher heranzoomen.

„Mit Söder verlieren wir die Wahl, sollen Sie ihm gesagt haben.“
„Es ist ja rein theoretisch, dass er das besser gemacht hätte“, sagte Laschet. „Herr Seehofer hat sich ja kürzlich so geäußert.“

Er, Laschet, habe gedacht, Söder gibt nach seiner Nominierung Ruhe, ja, er habe sich „gewundert, dass er überhaupt antritt, obgleich er vorher sagte, die CDU habe das erste Vorschlagsrecht“.

Maischberger: „Sie haben das Störfeuer nie kommentiert.“
Laschet: „Das hätte es nicht besser gemacht.“
– „Haben Sie ihn denn mal angerufen…?“
– „Immer wieder.“
– „… und wütend gesagt…“
– „Nicht wütend. Markus, lass es. Markus, warum sagst du jetzt wieder das?“
Und Söder habe gesagt: „Nein, das ist falsch zitiert. So hab ich das gar nicht gesagt.“
Laschet dazu bei Maischberger: „Es waren immer andere.“

So schält sich, wohl nicht unbeabsichtigt, das Charakterbild des Dr. Markus Söder heraus, das doch sehr dem ähnelt, was Seehofer laut eines Zitats im TV-Drama „Die Getriebenen“ dem Ehrgeizling ins Stammbuch schrieb: Markus, du bist charakterlich nicht geeignet, Bayern zu führen.

„Was sagt uns das über Ihr Verhältnis zu Markus Söder?“
„Das war lange Zeit sehr gut, ich habe ihm wirklich viel geglaubt.“
„Warum hat er das gemacht?“
„Ich weiß es nicht. Weil es auch der CSU nichts nutzt. Ich glaube, die CSU wäre ohne das stärker geworden.“

Nun also doch Merz?
CDU-Kreisvorsitzende: Parteimitglieder sollen Laschet-Nachfolger wählen
Auch Dr. Wolfgang Schäuble hat die Journaille wohl falsch eingeschätzt. „Schäuble wollte Laschet“, behauptet Maischberger. „Falsch“, sagt der. „Schäuble ist ein Freund von Merz.“ Maischberger ist verwirrt, weil Laschet offenbar mit sich im Reinen ist. Noch mehr aber verwirrt sie, wie der Mann sein 6,8-Zoll-Handy am Ohr halten kann, ohne es mit den Händen festzuhalten, wie auf einigen Bildern zu sehen ist. „Ganz einfach“, sagt der Armin, und ist jetzt richtig vergnügt.

Ralf Moeller ist übrigens Veganer und Klimakämpfer, wie wir hier nicht vergessen wollen zu erwähnen, aber trotzdem glaubt er, es gäbe für die Regierung Wichtigeres als Klima: „die Flüchtlingswelle, die anrollt, die Pandemie, die viel Geld kostet, oder die NATO, die ein schwaches Bild“ böte. Da traut sich auch der Ex-BR-Chef Sigmund Gottlieb, auf Lebensrealitäten hinzuweisen. Leute sagten ihm: Ihr seid doch verrückt! Ich muss mit dem Auto 80 Kilometer zur Arbeit fahren. Wie soll das werden bei der „Energiewende“?

Um die ÖR-TV-Gemeinde wieder auf den richtigen Klima-Kurs zu bringen, trat doch tatsächlich Ranga Yogeshwar noch auf, der die Zuseher aufforderte, mal nachzudenken: „Wie viel CO2 muss ich ausstoßen, damit ich glücklich bin?“

Und auch bei Corona wusste der Mann Bescheid: Die Impfung schützte zweifelsfrei vor schwerer Krankheit. Da hat der Schlagersänger Tony Marshall der Bild noch was anderes erzählt. Der 83-Jährige ist doppelt geimpft und dem Tod gerade noch von der Schippe gesprungen. Im Spital lag er dennoch. Wohl nicht, wenn er keinen schweren Verlauf gehabt hätte.

Nur in einem Punkt müssen wir sogar dem Fernsehforscher Recht geben: Es fehlen Pfleger (daher auch der Intensivbettenengpass), und das ist kein Wunder: Außer großen Worten („Helden“) hat man für diese Leute wenig bis gar nichts getan.


Lesen Sie Stephan Paetow täglich auf
https://www.spaet-nachrichten.de/

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 56 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

56 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Dreiklang
22 Tage her

Laschet ist 100% Provinzpolitiker; jetzt jammert er, dass das „schöne Amt“ (das des MP) weg ist. Er hat nach der K-Kandidatur nur gegriffen, weil das Amt zu 100% sicher schien. Nie dachte er daran, dass er u.U. auch die Opposition anführen müsste; das schon disqualifizierte ihn. Er hat sich gegenüber Söder mit einem plumpen Trick durchgesetzt: Er ließ den CDU-Vorstand erklären, seine Kandidatur sei für die CDU existenznotwendig. Völlige Selbstüberschätzung/Überhöhung, und noch am Wahlabend wollte er allen klarmachen, dass die CDU immerhin als 2. Sieger („nur knapp hinter der SPD“) aus der Wahl hervorgegangen sei. Dass Söder sich in irgendeiner… Mehr

Last edited 22 Tage her by Dreiklang
Alfred Werner
22 Tage her

Zu den Äußerungen eines Herrn Seehofers zum Charakter Söders sage ich nur: Wer permanent wie ein Löwe brüllt und dann stets auf der Schleimspur seiner Herrin ausrutscht und als Bettvorleger landet, der möge umgehend die Klappe halten. Was nicht heißen soll, dass Söder nicht gerne „schmutzelt“

GG-Sympathisant
22 Tage her

Laschet halte ich von allen Kandidaten (inkl. derjenigen, die parteiintern nicht zum Zuge kamen) für den Integersten. Aber er hat wirklich einige Patzer gemacht. Der zweitgrößte war das Krisenmanagement an der Ahr. Da hätte er einfach Schröder nachahmen müssen und so auch die maßlos überschätzte Malu Dreyer sowie den Achse vergesslichen Scholz samt SPD richtig blöde aussehen lassen können. Der KARDINALFEHLER war aber, sich nicht in aller Entschiedenheit von Merkel und ihrem System INHALTLICH zu distanzieren. Dann hätte diese ihn nämlich aktiv und für jedermann sichtbar abschießen müssen und damit diese Niederlage ganz alleine vor Deutschland und vor der Union… Mehr

H. Priess
22 Tage her

Im Juni wurde das Corona Notfallkrankenhaus in Berlin? Hier aus RBB24: Das Land Berlin hat dem landeseigenen Klinikkonzern Vivantes bisher rund 13,4 Millionen Euro für die Corona-Klinik gezahlt. Das Geld decke die medizinische Ausstattung und den Betrieb ab, heißt es in einer Antwort der Gesundheitsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe (Freie Wähler). Darüber hinaus zahlt das Land der ebenfalls landeseigenen Messe Berlin GmbH seit Mitte März 2020 monatlich rund 1,2 Millionen Euro für die Nutzung der Flächen, sagte ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung. Diese mietet die Flächen, Vivantes betreibt das Krankenhaus. Die Miete mindere die Einnahmeausfälle der Messe.… Mehr

jopa
23 Tage her

Zum letzten Absatz: Darüber, dem Personalmangel in Krankenhäusern, wird seit Jahrzehnten gejammert, aber nichts getan. Aber so was hatten wir schon mal Jahrzehnte vorher. Da hat man aber was getan und in Asien Krankenschwestern angeheuert und das Problem gelöst.(?). Nur in diesem Fall kam Kassandra Lauterbach und wollte Krankenhäuser schließen. Auch ne Methode gegen den Personalmangel. Aber solche Könner werden das Land regieren…

Sani58
22 Tage her
Antworten an  jopa

Nicht nur im Krankenhaus und Pflegeheim. Schauen sie sich mal den Rettungsdienst an. ….aber, is ja nicht soo wichtig. Die Meisten (denken) brauchen den nicht, die Anderen krauchen selbst zum Klinikum und die Unfälle und Bewustlosen müssen halt nehmen, was da kommt.

Hans Wurst
22 Tage her
Antworten an  jopa

Naja für Deutschland mag das Anwerben von Fachpersonal im Gesundheitswesen aus dem Ausland eine temporäre Lösung bieten, aber was ist mit dem Rest Europas? in Ungarn, Rumänien und auf dem Restbalkan wächst dadurch ein Fachkräftemangel, der über Jahrzehnte nicht kompensiert werden kann (wenn überhaupt). Die Gesundheitswesen der reicheren Länder, insbesondere der Supersozialstaat Deutschland saugen diese Länder förmlich leer. Bald wird auch da nichts mehr zu holen sein. Denn der demografische Wandel ist dort nicht weniger ausgeprägt als hier, sondern eher strärker. Nur die Türkei, Albanien, Kosovo und Montenegrohaben eine deutlich höhere Geburtenrate als Deutschland. Und woran das liegen mag, kann… Mehr

Dr. Rehmstack
23 Tage her

In einem kurzen Moment kam das ganze Elend des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und speziell die journalistischen Unabhängigkeit von Frau Maischberger an die Öffentlichkeit: als Siegmund Gottlieb Angela Merkel kritisierte, Sie haben niemals eine eigene Politik vertreten, sondern nur auf Stimmungen ohne Rücksicht auf das Land reagiert. Da entgleisten Frau Maischberger im Hintergrund die Gesichtszüge und das Thema war wieder vom Tisch als ob Gottlieb überhaupt nichts gesagt hätte. Alles andere in der Sendung hatte die investigative Qualität der „Frau im Spiegel“.

Last edited 23 Tage her by Dr. Rehmstack
H. Krueger
23 Tage her

Für die Staatsmedien fungierte Laschet nur als nützlicher Idiot, um zunächst einmal Merz vom Parteivorsitz fernzuhalten. Während dieser Zeit kam er in der Einheits-Journaille gar nicht mal so schlecht weg. Als dies gelungen war, wurde begonnen ihn gnadenlos zu demontieren, um gleichsam Scholz an die Spitze zu jubeln, nachdem klar wurde, dass mit „Juristin“ Baerbock als Kandidatin das Kanzleramt in immer weitere Ferne rücken wird. Eigentlich kann Söder froh sein, dass er nicht der Kandidat der Union geworden ist, denn in diesem Fall wäre es ihm garantiert nicht anders ergangen als Laschet.

Carlos
23 Tage her

Wer ist da nicht ganz dicht? Die CDU-Mitglieder wollten Laschet nicht als Kanzlerkandidat. Das haben einzig die Merkelianer im Hinterzimmer ausgekungelt. Mit Laschet hofften sie, alles weiter wie bisher machen zu können und niemand würde seinen Platz ab Fressnapf verlieren. Merkel hat alles getan, um Merz zu verhindern, und das schon bei der Wahl von AKK durch den „gekauften“ Ziemiak.
Als Laschet Kandidat wurde, wusste die SPD, dass sie gewinnen würde, trotz der zuvor miesen Umfragewerte.

Fritz Wunderlich
23 Tage her

Ich brauch nicht Laschets Aussagen. Ich kenne so Typen wie Söder. Da er oft genug zu hören war, war mit sein Charakterbild klar. Klarer kann es nicht mehr werden. Ein dümmlicher und feiger Intrigant, der in der Coronakrise maßlos überfordert war, Sein katastrophales Management in der Coronakrise lobte er in völliger Verblendung und Selbstüberschätzung, detto was den Grenzschutz betrifft, den ich ständig als nichtexistent konstatierte. Mehr gibt es über den nicht zu sagen.

elly
23 Tage her

„: Außer großen Worten („Helden“) hat man für diese Leute wenig bis gar nichts getan.“ Nein, das stimmt so nicht. Der Personalschlüssel wurde 2021 noch einmal verbessert https://www.gesetze-im-internet.de/ppugv_2021/BJNR235700020.html „In der Pflege beträgt die Steigerung 8,7 Prozent und in der Spitze für Intensivkräfte rund zehn Prozent. Für die Pflegekräfte wurden gesonderte Gehaltssteigerungen vereinbart. Ab März 2021 wird eine Pflegezulage von 70 Euro gezahlt. die ein Jahr später auf 120 Euro erhöht wird.“ https://oeffentlicher-dienst-news.de/tvoed-entgelttabelle-pflege-2018-gehalt-krankenschwestern-altenpfleger/ Der Personalschlüssel gilt auch für privatisierte Kliniken. Gehalt: ja da müssen sich die Leute halt organisieren. 2020 gilt als goldenes Jahr für die Klinikfinanzen, auch und gerade wegen der Bonuszahlungen,… Mehr