Wer den Blick auf die eigene Tapete als zu nervenaufreibend empfindet, für den ist Hart aber Fair stets ein effizientes Gehirn-Relaxans. Gestern ganz besonders: einmal die Sinne vernebeln mit Maja Göpel und Tim Klüssendorf. Mit dabei auch Christian Lindner. Der schließt demonstrativ eine Rückkehr in die Politik aus. Vielleicht etwas zu demonstrativ. Von Brunhilde Plog
Screenprint: ARD / Hart aber Fair
Wenn Altkanzlerinnen oder Ex-Minister plötzlich unverhofft aus der Deckung springen, sollte man gewahrschaut sein. Droht da etwa die Rückkehr auf die politische Bühne? Je lauter sie es bestreiten, umso verdächtiger. Merkel bald Bundespräsidentin? Lindner bald wieder FDP-Chef? Der Auftritt des gescheiterten Ampel-Ministers bei Hart aber Fair jedenfalls macht hellhörig.
Ein Jahr Lindner-Abstinenz zeigt, was uns in diesem relativ kurzen Zeitraum bereits alles abhanden gekommen ist. Aalglatte Rhetorik etwa, die Kunst, eigenes Unvermögen und fragwürdige Konzepte zumindest in wohlfeile Worte zu kleiden, das haben wir lange nicht mehr erlebt. Ein Kanzler, der sich auf primitivste Art ständig selbst widerspricht und ein Vize, der kaum mehr kann als heiße Luft in Sprechblasen abzufüllen, sie alle haben uns semantisch demütig gemacht.
Bei Hart aber Fair darf nun Lindner, der mittlerweile als Automanager arbeitet, mal wieder vorfahren und mächtig auffahren. Welche Schuld tragen Sie am langsamen Tod der FDP?, will Moderator Louis Klamroth wissen. Und Lindner hebt an: „Ich hab’ für meine Überzeugung Ämter und Karriere verloren.“ Eine Rückkehr käme für ihn keinesfalls in Frage. Was er zum Benzinpreis – Thema der Sendung – sagt, ist kaum von Bedeutung. Dass der Staat kräftig am Sprit verdiene, etwa. Oder dass das Kartellamt die explodierenden Preise wohl nicht stoppen werde. Und ja, auch ein Lindner kann heiße Luft in Stufe Zwo: „Dass wir die individuelle Mobilität für die Menschen erreichbar halten“, ist ihm wichtig, und wegen solcher Sätze vermisst ihn am Ende dann auch keiner.
Bei Hart aber Fair hat er heute Abend trotzdem leichtes Spiel. Denn was Klamroth an Sparringspartnern auffährt, ist für einen Lindner allenfalls Regionalliga. Tim Klüssendorf etwa, Generalsekretär der abstürzenden SPD. Der verspricht, dass am Ende der Woche bei den Benzinpreisen alles wieder besser werde, denn am Donnerstag, da tage eine Kommission. Jaha, und dann werde nämlich jedem klar, „dass wir da jetzt zupacken müssen“.
Oder die „Nachhaltigkeitsexpertin“ Maja Göpel, deren Beiträge jedes Rhetorik-Aufbausseminar mit ausreichend Material versorgen würden. Ihr schönster Satz an diesem Abend: „Da müssen wir die Richtungssicherheit der Veränderung mit den Instrumenten der kurzsichtigen oder kurzfristigen Schockpufferung zusammenbringen.“ Und ja, auch sie spricht eigentlich über Benzinpreise.
Dass Lindner ausgerechnet einen chinesischen Verbrenner-Kleinwagen als Bestseller in seinem Unternehmen benennt, bezweifelt Göpel und schwingt nach Kräften die Elektro-Fahne. Sie will Förderungen und Subventionen, während Lindner kritisiert, „dass man von Menschen so spricht, als bedürfen sie permanent der Anleitung und Belehrung. Vielleicht muss man den Menschen Politik nicht nur anders erklären, sondern auch anders machen“.
Dann sitzt da noch der EU-Abgeordnete Dennis Radtke, ewiger Nörgler im eigenen CDU-Lager. Der wird heute gern mal laut, lässt sich nur unter Gezeter unterbrechen und bezeichnet die AfD trotz des aktuellen höchstrichterlichen Urteils weiterhin pauschal als „die Nazis“. Wobei – seien wir ehrlich – so wie er es sagt, ist nicht ganz klar, ob er vielleicht doch die Grünen gemeint haben könnte. In dubio pro pöbelo…
Radtke feuert mit Inbrunst gegen Lindner, der sich „ja sehr heroisch, um nicht zu sagen selbstgerecht“ darstelle. Im Gegensatz zu den Liberalen habe die Union beim Verbrenner-Aus „geschlossen dagegen gestimmt“. Deutschland hingegen habe sich dem EU-Beschluss nicht einmal entgegengestellt – „eine Bundesregierung, der sie selbst angehört haben“. Lindner widerspricht: „Da erinnern Sie sich falsch.“ – „Ja?“ – „Ja!“ – „Wirklich? Wollen Sie mir jetzt Scholzing unterstellen?“ Radtkes Versuch eines Schenkelklopfers zündet nicht. Er setzt später nochmal neu an, und wieder geht es in Richtung des armen kleinen Ex-Kanzlers Scholz: „Andere haben in der Jugend Fensterscheiben eingeschmissen, ich war mal Mitglied in der SPD.“ Höhö, zumindest Klüssendorf entgleisen jetzt die Gesichtszüge.
Das Niveau an diesem lauen Montag Abend pendelt zwischen Wählerverhöhnung und Wählerverachtung. Wie ein Spagat für Hüftkranke. Ständig werden „die Bürgerinnen und Bürger“ angesprochen – nein, Verzeihung, sie werden „adressiert“ –, doch außer rhetorischen Dampfnudeln kommt am Ende nichts bei rum. Klamroth hilft in einem Einspieler auf einer Tankstelle im Osten (sic!) aus, er assistiert den armen Menschen da draußen beim Autowaschen und beim Tanken. Befragt den gebeutelten Besitzer von vier (!) Tankstellen, der diesen Monat pro Standort sicher 50.000 Liter weniger verkaufen wird, weil alles so teuer geworden ist.
Klüssendorf, in der Wolle gefärbter Sozialist, ruft sofort nach mehr Regulierung, denn „wir sind am Ende zu marktgläubig. Wir haben nicht verstanden, dass in bestimmten Bereichen unseres öffentlichen Lebens der Markt nicht funktioniert, und deswegen müssen wir da einschreiten“. Göpel will eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne und hat dazu bei Greenpeace eine „spannende Studie“ gefunden – Erinnerungen werden wach an „Spritzen-Karl“ Lauterbach, der in seinen übelsten Corona-Zeiten auch ständig „spannende“ und „gut gemachte“ Studien irgendwo entdeckte.
Nicht zu vergessen die Deutschlandfunk-Redakteurin Katharina Hamberger, die im Vorstand des Vereins „Bundespressekonferenz e.V.“ regelmäßig versucht, unliebsame Kollegen aus ebendieser Veranstaltung auszuschießen. Auch ihre Redebeiträge sind eher als kurios zu bezeichnen. So spricht sie etwa der AfD pauschal ab, auch nur irgendwie attraktiv für den einfachen Bürger zu sein, denn die Partei sei schließlich gegen die EU und leugne den Klimawandel. Nein, nein, deshalb sei die AfD keineswegs „die neue Arbeiterpartei“.
Etwas nüchternen Realismus bringt die Unternehmerin Katharina Welsh-Schied in die Runde. Sie selbst hat sich weiland einmal vergeblich für das Oberbürgermeisteramt in Karlsruhe beworben. Früher war sie in der CDU, heute ist sie parteilos. Sie sagt, was die Menschen angesichts der Preisexplosion fühlen: „Es ist nicht so, dass die Leute Angst haben. Die haben Panik, weil: Die haben kein Geld mehr.“ Für die aktuelle Situation an den Tankstellen hat sie eine einfache Lösung: „Haut die Steuer runter.“ Überhaupt seien die Belastungen zu hoch, für Unternehmer wie für einfache Bürger. Welsh-Schied: „Wichtig ist, dass die Leute mehr netto brauchen, nicht brutto, weil die können alle rechnen, die sind ja nicht blöd.“
Auch Radtke hat den Ernst der Lage erkannt: „Wir müssen insgesamt schauen: Was rollt da auf uns zu.“ In den nächsten Wochen würden die durch den Iran-Krieg gestiegenen Energiepreise „auch im Supermarkt anlanden.“
Ob Welsh-Schied denn irgendeine Hoffnung habe, will Klamroth wissen. Die Unternehmerin erinnert daran, dass AfD-Wähler in der Regel früher einmal „eingefleischte CDUler und SPDler“ waren. Die Altparteien hätten es jetzt in der Hand, sie wieder für sich zu gewinnen. Aber nein, wirkliche Hoffnung hat sie nicht, denn „diese Diskussion geht einfach immer weiter“.
Und zwar spätestens am nächsten Montag, wetten?




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ARD + ZDF da sitzen Sie in der allerletztwn Reihe, denn es ist ganz einfach:
– Steuern auf Energie komplett streichen
– Energiewende sofort beenden
– ÖRR abschaffen
– Steuerrecht massiv vereinfachen
– Beamte: Entlassungsgründe vereinfachen
– Entwicklungshilfeministerium auflösen
– Rückführung aller Syrer, da Fluchtgrund entfallen
– Stop der Unterstützung der Ukraine
….
Erst dann geht es aufwärts – ansonsten? Schicht, wir Bürger verstehen nämlich, das wir den ganzen Müll bezahlen sollen = Arbeitsverweigerung, so wie Reiter in München mit dem gelben Schein – ein leuchtendes Beispiel 😎
Es gibt seit zwanzig Jahren zuviele Quälgeister die uns das Leben schwer machen und diese Sendung ist wie viele andere eine einzige Zumutung und darauf sollte man hinarbeiten, daß sie verschwinden, denn ohne diese Typen wären wir weiter gekommen, was sie vereitelt haben und Dummsdorf überall ist sogar noch im TV und die dann noch fälschlicherweise angeblich Gutes bieten, wo man nur noch ko.. kann, wenn man sich das noch zu Gemüte führt. Das wahre Böse sitzt in deren Innersten und dabei verdächtigen sie in schöner Regelmäßigkeit andere, sowohl innen als auch nach außen und diesen ganzen Mist soll man… Mehr
Hopeless. Die herrschende Politkaste ebenso wie die Bürger, die sie mehrheitlich immer wieder wählen. Wenn man das Wahlergebnis in Rheinland -Pfalz als Abstrafen der SPD deutet, wie interpretiert man dann eigentlich das verhältnismäßig gute Abschneiden der CDU? Ausdruck der Zustimmung für Merz, der tatenlos zusieht, wie die Bürger an der Zapfsäule ausgequetscht werden? Da auch Lkw tanken müssen, werden tatsächlich auch die Preise für alle Dinge des täglichen Bedarfs gewaltig in die Höhe schießen. Es kümmert die Wohlversorgten nicht im mindesten. Viele Bürger anscheinend auch nicht.
Hmmh? – Hat die Politologin Dr. Maja Göpel damit die Funktionsweise eines Diesel-Motors beschrieben, bei dem bekanntlich die heiße Luft soweit verdichtet wird, bis sich das Ganze selbst entzündet? 😂
Was viel zu wenig betont wird ist der Umstand, dass der Staat an einem Liter Benzin ca. 50 mal mehr verdient als die Mineralölkonzene. Rund 52% kassiert der Staat (Energiesteuer, CO2-Abgabe, MwSt), rund 45% für Rohlöl-Einkauf auf dem Weltmarkt, Raffineriekosten sowie Transport. Lediglich 3% decken Tankstellen-Betriebskosten (Pacht, Personal, Strom), Marketing, Verwaltung und am Ende den Nettogewinn der Konzerne (rund 1%). Doch aufgrund des „Sendemonopols“ von Politikern wird suggeriert, der Staat stelle sich vor die Bürger und die Ausbeutung gehe von den Mineralölkonzernen aus. Mag sein, dass diese in Krisen ein wenig mehr verdienen, was angesichts der nüchternden Bilanz beim Benzinverkauf… Mehr