Spuren im Gesicht

Wie sich Mimik und Physis der Politiker verändern - und mit ihnen auch die Gesellschaft.

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Selbstzufrieden und übergewichtig wurde die schwarzgelbe Regierung 1998 mit Helmut Kohl zu Recht abgewählt. Mehltau hatte sich über das Land gelegt, für die anliegende Zeitenwende waren neue, frischere Männer und Frauen gefragt, die anpackend und modern wirken sollten. Am Schnellsten begriff dies der damalige Grünen-Chef und politische Autodidakt Joschka Fischer.

Auch Joschka Fischer, der im Anschluss in der neuen Regierung gemeinsam mit der SPD den Vize-Kanzler und Außenminister gab, war in der Opposition und im Establishment der Politik zu dick und zu selbstgefällig geworden. Allein, sein Denk- und Mundwerk funktionierten noch einwandfrei. Fischer merkte schnell: um nicht zu sehr an Kohl zu erinnern, müsse auch er – entschlacken. Wer dem Volke viel abverlangen würde, könne nicht bräsig und maßlos rüberkommen. Fischer wählte das andere Extrem – der Grüne wurde zum „Marathonmann“, zum Asketen. Sage und schreibe 40 Kilo nahm Fischer innerhalb eines Jahres ab. Dass auch Persönliches hineinspielte in diese Art von „Häutung“, war klar: 1999 wurde Fischer von seiner dritten Ehefrau geschieden, heiratete im gleichen Jahr zum vierten Mal und stellte fest, „dass regelmäßiger Sport auch gegen den Dauerstress als Politprominenter resistenter macht.“

Gesellschaft mit beschränkter Wahrheit
Merkel-Dämmerung: Verdrängte Wirklichkeit
Wasser statt Wein also, und nach 18 Uhr kein Dinner mehr. Protokollarisch wurde gar ein eigener Diätplan auf Reisen geschickt. Joggen zwischendurch, egal wo, und sein Buch „Mein langer Lauf zu mir selbst“ sagte viel über Joschka Fischer und seinen Regierungsstil aus. Eine neue Zeit war angebrochen, politischer Wandel wurde versprochen. Die Bürgerschaft freute sich gerade noch über Kohls Ablösung, die Mitdreißiger bis -vierziger feierten und schnauften gerade durch, unwissend, dass ausgerechnet Rot-Grün mit Gerhard Schröder der breiten Mittelschicht noch mehr abverlangen würde. Gerade einmal sieben Jahre hielten die zwei Regierungen und Kabinette Schröder. Hier der Kanzler Schröder, der Zigarrenliebhaber, mit Sinn für den feinen Zwirn („Brioni-Kanzler“), einer Vorliebe für edle Weine – dort der Asket Joschka, der zeigen wollte: auch Grüne können Disziplin und Maß halten. Wobei, je länger die Regierung andauerte, desto unglücklicher und miesepetriger schaute Fischer drein, am Ende kamen auch die verlorenen Pfunde wieder zurück.

Schröder und Fischer, beides Alphatiere ihrer Parteien und der deutschen Politik, haben ihren Frieden gefunden, und sind immer noch als „elder statesman“ gefragt. Gesichter von Falten durchzogen? Kein Problem. Schröder, auch mit über 70 für die nächste, nunmehr fünfte Ehefrau noch immer interessant. Hier steht es bei beiden Männern pari. Manchen wirkten sie „zu“ modern; konservative Kreise waren immer der Meinung: wie kann man solchen Männern das Land anvertrauen. Dass die Regierung Schröder bis heute als die wirtschaftsfreundliche gilt, zeigt sich daran, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und die CDU möglichst nichts an der Agenda2010, von „Sozen und Grünen“ implementiert, verändern wollte und will. Alles der Wirtschaft, dem Motor Deutschlands unterordnen, und die Bürger der arbeitenden Mitte knapp halten. Fischers Askese wurde auf die Bevölkerung übertragen, nur Joschka Fischer war nicht mehr.

Die Regierung um und mit Angela Merkel, die den um sich giftenden und leicht ins arrogant abdriftende Schröder nun ablöste, wirkte 2005 noch ausgeglichen und gelassen. In einer Zeit, in der zahlreiche Krisen anstanden. Man kann sagen, Rot-Grün verabschiedete sich, weil sich die Eliten, nicht nur Politiker, aber auch Unternehmensbosse und Personaler (Hartz) sowie Betriebsräte (VW) von den Arbeitnehmern, die bei etlichen befristeten Verträgen nur prekär die Zukunft planen konnten, total entfernten.

Gerhard Schröder zeigte 2005 in der Elefantenrunde noch einmal sein bekanntes „Haifischlächeln“, und machte sich um ein Haar als Macho total lächerlich – immerhin zeigte er später dann doch noch „Grandezza“, indem er Merkel in der Regierung mit seiner SPD Erfolg und Glück wünschte.

Unverbraucht und zurückhaltend wirkte Angela Merkel, die mit CSU und SPD den Koalitionsvertrag „Gemeinsam für Deutschland. Mit Mut und Menschlichkeit“ aufsetzte. Davor hatte sie als CDU-Frau aus dem Osten mit viel Machtinstinkt Helmut Kohl nach der Spendenaffäre klar ins Abseits befördert sowie zahlreiche andere männliche Kritiker aus konservativen Zirkeln abserviert. CSU-Chef Edmund Stoiber ließ sie den Vorzug, gegen Gerhard Schröder bei der Bundestagswahl 2002 als Kanzlerkandidat anzutreten, und der verlor knapp. Aber verloren, bleibt verloren.

Merkels Erscheinungsbild war schon damals klein, langsam und ein wenig gedrungen, das Gesicht wirkte stets freundlich. Der Bürgerschaft wurde signalisiert, ich (Merkel) passe auf euch auf, ich habe alles im Griff. Wahrscheinlich gab ihr der CSU-Minister Michael Glos zu Recht den Spitznamen „Mutti“. Wirkte sie doch in der Tat wie eine ausgleichende Mutter innerhalb der Regierungskoalition. Echte Reformen blieben zwar aus, aber Bürger wie Unternehmer lobten ihre stille Art, auch im Ausland erfuhr sie große Zustimmung.

Merkels Wirken und Auftritte sind bis heute stets unprätentiös, es scheint immer so, als würde sie auf exklusive Kleidung wenig Wert legen, sie wird immer konzentriert wahrgenommen, und die Körperspannung halte sie, bei gleichzeitiger „Entspannung“, dank ihrer Raute, die sie mit ihren Finderkuppen bilde, bekannt als „Merkel-Raute“.

Wie wir, der aufmerksame Bürger aber auch, beobachten können, mit jedem neuen Kabinett veränderte sich auch Merkels Physis. Klar, an allen nagt der Zahn der Zeit – und in der Politik geht es vielleicht noch schneller, einhergehend mit Macht und Verantwortung. Das eine geht nicht ohne das andere, wohl dem, der zu delegieren weiß.

Das Ende einer Ära – nicht das Ende der Welt
Angela Merkel unterwegs zum Ausgang – unterm Arm ihre EU-Vision
Schon immer waren Angela Merkels Mundwinkel das Thema breiter Analysen. Und man gewinnt den Eindruck, je schwieriger die Lage wurde, je mehr die Bürger aufbegehrten, hingen die Mundwinkeln, die Unterlippe überhaupt um Millimeter tiefer. Tiefe Furchen auch in ihrem Gesicht, und die Augen, die anfangs glänzten, wirken jetzt immer müder. Das Lächeln der Kanzlerin blitzt zwar immer noch oft spontan und sympathisch auf, besonders wenn sie sich bei Versprechern selbst aufs Korn nimmt (welcher männliche Politiker konnte das schon?), aber seit rund fünf Jahre baut Merkel ab. An Gewicht zugelegt, so scheint es, möchte sie gern gerade dastehen, aber auch der Rücken wölbt sich unter ihrem Blazer. Kurz wirken plötzlich ihre Arme, und steigt sie aus der Limousine ihres Fahrdienstes, wirkt sie, mit Verlaub, gar nicht mehr weiblich „staatsmännisch“, sondern wie jede normale Sekretärin kurz vor der Rente, die auch mal schnell zwischendurch die Toilette aufsuchen muss. Als studierte Physikerin weiß sie, wie Kräfte wirken. Es drückt unbequem seit 2015, mit dem Beginn der Flüchtlingskrise und ihrem Mantra, „Wir schaffen das…“, von dem sie selbst peu á peu abrücken musste. Kritik trifft jeden, und berechtigte noch mehr.

Das Lächeln, auch wegen ihrer Mundwinkel, wirkt jetzt irgendwie anders.

Verschoben oder schief, oder, überheblich aus dem Wissen heraus, dass man es dennoch anders sieht wie die breite Schicht der Gesellschaft? Wie schrieb einmal Peter Sloterdijk, der Philosoph der originellsten Metaphern, in seinem Dauerbrenner aus den 80ern, „Kritik der zynischen Vernunft“? Aus schiefer Überlegenheit entsteht leicht ein schiefes Lächeln.

Der Körper und vor allem Gesichter, werden bei Menschen immer von Schicksalsschlägen und Erfahrungen allgemein verändert. Wie stecken Menschen, aber vor allem Politiker und Entscheidungsträger, Veränderungen weg, die an die Substanz gehen? Welches Stress-Coping-Modell haben sie verinnerlicht? Geht der eine oder andere überhaupt zwischendurch zu einem Personal-Coach, oder gar zu einem Therapeuten, und, bliebe dies unbemerkt? Merkels Raute scheint mehr ein Zeichen, denn echte Hilfe zu sein, momentan. Ein Machtzyniker würde nie zugeben, dass es ihm schlecht ginge. Er würde sich eher in Agonie treiben lassen. Merkel wirkt derzeit kleiner, runder, irgendwie kompakter – als habe sie einen (inneren) Panzer aufgebaut. Der Äußere, mit Volker Kauder, brach nicht eingeplant weg. Die Kanzlerin verharrt. Sie ist nicht allein damit, mit ihr haben sich auch andere Weggefährten und Politiker in der Koalition verändert.

Wirkten noch vor Jahren etliche frisch und motiviert, für wichtige Aufgaben, haben sich bei Peter Altmaier, Andrea Nahles sowie Hubertus Heil und Horst Seehofer Erlebnisse und Stress wirklich eingebrannt, in den Körper und in den Gesichtern. Horst Seehofer, ein CSU-Recke und Kempe, und ehemals Ministerpräsident Bayerns, fühlt sich, trotz seines Alters und einigen Wehwehchen, bemüßigt, Merkels Flüchtlingskurs zu korrigieren. Seehofer ist bei allem Druck, der, der authentisch rüber kommt.

Peter Altmaier(Merkels Allzweckwaffe und ergebener Diener) und Andrea Nahles (SPD), von Genosse Hubertus Heil ganz zu schweigen, machen gerade eine Phase durch, in der sie selbst nicht mehr wissen, beim Blick in den Spiegel, ob es das wirklich wert ist, an der Politik so zu kleben, im Wissen, dass man sich bereits mehrmals selbst dementiert hat. Alle drei Schwergewichte, an fleischlichem Gewicht zugelegt, politisch aber und in der Wählergunst dagegen abgenommen. Eine Sitzung jagt die andere, und überall gutes Essen. Von Fischers Askese, die immerhin kurzfristig ein Zeichen an den Wähler war, sind diese drei meilenweit entfernt. Selbstzufrieden, bräsig und überbordend selbstverliebt, vertragen sie wenig Kritik, und vermuten überall Missgünstige und „Verräter“ im Umfeld. Wie sollen Ottonormalverbraucher und „Lieschenmüller“ diesen Politikern einen Neuanfang abnehmen, wenn sie selbst schon verbraucht und ausgelaugt wirken? Meist gefangen in eigenen Konventionen?

Bei vielen Unternehmen in Indien und auch in China, werden hin und wieder „Gesichtsleser“ engagiert, man wolle einfach mehr über den Charakter und das Leben des Bewerbers erfahren. Wie sagt man so schön, Augen können nicht lügen.

Eine Expertin und Therapeutin, dazu Fachfrau der Gesichtsanalyse, bestätigt, „43 Muskeln befinden sich im menschlichen Gesicht. Viele davon können wir nicht bewusst beeinflussen.“ Und es wird immer bemerkbar, wenn zum Beispiel, wie in letzter Zeit häufiger, der Regierungssprecher wie Steffen Seibert, aber auch Politiker wie Außenminister Heiko Maas oder Katarina Barley, rund um Chemnitz ad hoch Dinge behaupteten, die sie mit übertriebenen Worten und einer irgendwie, nicht passen wollenden Mimik, unterstreichen und glaubhaft machen wollten. Aber wie so oft, nichts Genaues weiß man nicht.

Mit Hilfe des „Gesichtslesens“ können Zeichen von Experten im Gesicht in „Bezug auf Gesundheit, Persönlichkeit und Schicksal“, gedeutet werden. Stärken und Schwächen können besser kennengelernt und angenommen werden, auf einem Weg zur Selbsterkenntnis.

Zu beachten sei immer auch die Gesundheit, denn nur in einem gesunden Körper lebt bekanntlich auch ein gesunder Geist. Man kann durch die Gesichtsanalyse lesen, wie geht es unseren Politikern, auch unter der Fassade. Eine „Färbung der Haut, sowie Schatten, Falten und Hautveränderungen“, sagen viel aus, zum Beispiel ließe sich leicht feststellen, welche „Vitamine und Mineralstoffe dem Körper fehlen.“

Licht, oft eine Quelle der Heilung, besonders für eine Gesellschaft, ist immer wichtig, um Dunkles erhellen. Die Bürger brauchen derzeit in der Tat wieder mehr helle Leute, erst Recht in Zeiten des ansteigenden Extremismus und Terrors von Islamisten, sowie von rechts und links.

Wie meinte einst der Zyniker Diogenes von Sinope, zu Alexander dem Großen, der ihn aufsuchte und sich vor ihm aufbaute? „Geh mir nur ein wenig aus der Sonne…“


Giovanni Deriu, Dipl. Sozialpädagoge, Freier Journalist. Seit 20 Jahren in der (interkulturellen) Erwachsenenbildung tätig.

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Kommentare ( 31 )

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Wichtig ist es hier auf das Bild zu achten, der auffällige rote Punkt zeigt das Merkel nun abgelöst werden soll, nicht wahr?

ob Edmund Stoiber die Bundestagswahl verloren hat ist doch höchst fraglich, war sie aufgrund der illegal abgegebenen min. 200.000 Stimmen von Doppelpaßtürken schlicht ungültig, zumal diese sicher nicht mehrheitlich CDU/CSU gewählt hatten….

Allein Herr Glos traute sich dazu eine öffentliche Wortmeldung abzugeben und wurde prompt abserviert, heia Banana.

Lieber Autor, mit Ihrem Artikel erweisen Sie AM aber einen Dienst, den sie nun wirklich nicht verdient hat. Auf mich wirkte sie stets verhuscht und alles andere als sympathisch, trotz des Lächelns, das ihre Augen nie erreichte. Für mich und immer mehr Bürger dieses Landes – pardon im Merkel-Sprech jene, die schon länger hier leben – ist diese Frau die inkompetenteste Führung, die diese Bundesrepublik Deutschland je hatte. Ihre spießig-kleinbürgerliche Erscheinung, ihre totale Stillosigkeit und Ungepflegtheit, zu der auch ihre bis auf das Nagelbett blutig abgebissenen Fingernägel gehören – alles- geschenkt! Hätte sie jemals eine Politik verfolgt,die diesem Land nützt,… Mehr

Wo kann man hier unterschreiben? 🙂

Nur in diesem Theater!
„Wechseljahre einer Kaiserin“
Eine Merkel-Produktion aus den Berliner Filmstudios.

Ich könnte an Merkels Stelle nachts nicht mehr schlafen und mich wundert immer, wie sie das alles so locker wegsteckt und weglächelt. Alles prallt an ihr ab. Nimmt sie irgendwelche Mittel? Zumindest finde ich, dass sie zunehmend aufgeschwemmt aussieht, auch im Gesicht. Klar, Merkel war nie richtig schlank und mit steigendem Alter setzt der Körper zunehmend Fett an und baut Muskeln ab. Trotzdem gibt es Fotos, wo sie manchmal apathisch und aufgedunsen aussieht im Gesicht und das wirkt nicht immer unbedingt nach zu viel Essen, steigendem Alter und zu wenig Schlaf.

Die Spuren im Gesicht Angela Merkels machen mir nicht eine Millisekunde Sorgen.
Die Spuren, die die Politik dieser Frau in Deutschland hinterlässt, bringen mich auf die Palme.

Beim authentischen Seehofer hatte ich dann doch was zu schmunzeln.

LORD SAY: My cheeks are pale for watching for your good.
JACK CADE: Give him a box o‘ the ear, that will make ‚em red again.
(Shakespeare, Henry VI, part II, IV, vii)

Guckt man sich die schiere Menge der Eheschließungen bei unseren ‚progressiven‘ an, so wundert die Liebschaft mit der zivilisationszersetzenden Polygamie gleich viel weniger.

Es sind nicht die unvermeidlichen Alterserscheinungen, auch nicht hier und da einige Kilos zuviel, auch nicht Stress durch „viel Arbeit“, die man in den verhärmten Gesichtern der Politikdarsteller sieht.

Es sind Lüge, Falschheit und **, die sich tief in die Physiognomie eingebrannt haben.