Wie Klingbeil, Hofreiter und Polenz mit Hilfe des Deutschlandfunks die Pressefreiheit retteten

Interessant, wie der „Deutschlandfunk“ am Morgen seine Hörer informiert. Oder genauer gesagt: wie die Hüter des gehobenen Wissens bestimmen, was wichtig zu sein hat. Eine Glosse eines verwunderten Radiohörers

IMAGO / Horst Galuschka
DLF Funkhaus Köln

Mit Spannung schaltete ich am Montagmorgen die Nachrichten des Deutschlandfunks ein. Ich ging fest davon aus, dass der Aufmacher der Skandal des Anlegens von Projektstudien zur Ausspähung der Bürger nach chinesischem Vorbild durch die Bundesregierung und die entsprechenden Reaktionen darauf sein würde.

Natürlich hatte ich in diesem Zusammenhang ein Statement des um unsere Verfassung so unendlich bemühten Thomas Haldenwang, Nachfolger des geschassten Hans-Georg Maaßen, als Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz erwartet. Wie man sich doch täuschen kann! Stattdessen wurde eben dieser Hans-Georg Maaßen diesmal nicht als Antisemit, sondern als Feind der Pressefreiheit und damit unserer Grundordnung enttarnt. Ich erbebte vor Betroffenheit. Hatte dieser Maaßen sich doch tatsächlich erdreistet, die Tagesschau der ARD angesichts ihrer – für jedes Kind offensichtlichen – links-tendenziösen Nachrichtengebung zu kritisieren. Doch dabei blieb es nicht. Vielmehr nahm er sich heraus zu behaupten, dass Teile der Redaktion Kontakte, ja sogar Verbindungen (!) ins linksextreme Milieu unterhielten. Staatstragende Persönlichkeiten wie der im Wahlkampf erfolgsverwöhnte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und der von manchen in seiner Partei „Räuber Hotzenplotz“ genannte Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter, und schließlich der seit ewigen Zeiten als ehemaliger CDU-Generalsekretär (von April bis November 2000) benannte Ruprecht Polenz, ließen ihrer Empörung freien Lauf und forderten ein abstrafendes Machtwort des CDU-Parteivorsitzenden Armin Laschet.

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So weit, so gut. Schön wäre es freilich auch gewesen, Maaßen hätte Ross und Reiter beim Namen genannt, bisher hat er nur etwas behauptet, aber nicht belegt. Stellen wir uns doch aber einmal vor, irgendein Vertreter der fortschrittlichen, heißt linken Seite hätte behauptet, die Redaktion von … (eine liberal-konservative Sendung gibt es in der ARD nicht mehr) hätte personelle Verbindungen zur rechtsextremen Szene. Gleich scharenweise wären die Intendanten der Anstalten inquisitorisch zur Rede gestellt worden. „Wussten Sie davon, und wenn, seit wann?“, „Haben Sie schon Beurlaubungen vorgenommen und eine Kommission eingesetzt?“ und: „Wie reagieren Sie auf die Erschütterung und Empörung der demokratischen Parteien (heißt: außer der AfD)?“ Niemand hätte den Verursacher der Nachricht angegriffen. Vielmehr hätte man ihn dank seiner „revolutionären Wachsamkeit“ gelobt und mit Verständnis auf seine Angst vor rechten Anschlägen – weswegen er keine Namen nenne – reagiert.

Doch, wie gesagt, diese Meldung von 6.00 Uhr wurde mit konsequenter Beharrlichkeit bis in den Nachmittag durchgezogen. Nur, dass Polenz, der Mann ohne jede Funktion, quasi zum Sprecher der CDU gekürt wurde.

Nur der Vollständigkeit halber erwähne ich, dass weder die Pläne der Bundesregierung zur Bespitzelung der Bürger nach chinesischem Vorbild erwähnt wurden, noch die auf Seite 1 der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ verkündete Meinung eines Professors, dass die Inhaber von Häusern einen größeren ökologischen Fußabdruck als andere verursachten, was nach bereits erfolgter Ankündigung von Baerbock und Habeck auch eine höhere Umweltabgabe zur Folge haben müsse. Vielleicht hätte das die Hörer des Deutschlandfunks, die ja zum großen Teil zu den verbeamteten Besserverdienern gehören, persönlich mehr interessiert, als Maaßens’ Anschlag auf das Grundgesetz, den er übrigens gar nicht unternommen hatte. Bei aller Abscheu dem Mann gegenüber gebietet die Redlichkeit, dass er nicht – wie behauptet – gefordert hatte, die Pressefreiheit einzuschränken oder gar abzuschaffen.

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Kommentare ( 24 )

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Stefan Z
3 Monate her

Deutschlandfunk? Das klingt doch sehr national und konservativ. Der Toni überrascht mich immer wieder! Den Polenz und den Klingebeil, hatte ich ja schon im Verdacht aber der Toni. Wahrscheinlich hat er sogar ein TE-Abo. Die Diskussion verstehe ich aber nicht. Die Pressefreiheit im ÖR haben die Herren doch schon selbst abgeschafft. Die politische Demenz, kann nur von dem bösen Corona-Virus ausgelöst worden sein. Warum hat uns der Karl nicht davor gewarnt? Wohl vergessen? Karl ich mach mir echt Sorgen um dich und deine Kollegen. Ihr müsst sofort in Quarantäne!

Gerhart
3 Monate her

Stellen wir uns doch aber einmal vor, irgendein Vertreter der fortschrittlichen, heißt linken Seite hätte behauptet, die Redaktion von … (eine liberal-konservative Sendung gibt es in der ARD nicht mehr)
–> Das wäre sicherlich interessant geworden. Den Herrn Schmiese haben sie indes ja, vielleicht auch ob seines traditionellen Kleidungsstils und Haarschnitts, aus dem Talksofa in die Programmleitung verfrachtet. Dieser wurde sogar von seinen Kollegen von der „Heute Show“ wegen seiner Art in den Kakao getunkt.

Gerhart
3 Monate her

Auch seltsam. Ein grün-sozialistischer Sender, in dem Arbeiterinnen- und Arbeiter, Hausfrauen:männer und andere Geknechtete nicht den hauch einer Rolle spielen und die Sendungsbeschreibung mit 5 deutschen Wörtern auskommt. Ein Beispiel :
Corso – Kunst & Pop
Fotograf Sven Jacobsen im Corsogespräch mit Azadê Peşmen über seinen Bildband „Like Birds“
Neue Filme ( —> hier ist keine Kopie von der BBC reingerutscht ) :
„Bad Luck Banging or Loony Porn“
„The Nest“
„Black Widow“

Neuer Sound „Alté“ –
Löst das Genre Afrobeats ab?
Lilly Amankwah im Kollegengespräch mit Azadê Peşmen

Am Mikrofon: Azadê Peşmen
https://www.deutschlandfunk.de/corso.806.de.html

imapact
3 Monate her

Die Linken aller Couleur (also auch diejenigen, die offiziell immer noch der Union angehören) hassen Maaßen abgrundtief… ein sicheres Zeichen dafür, daß sie in ihm eine echte Gefahr für ihre weitere Vorherrschaft fürchten. Bis heute wird ja seitens der einschlägigen Medien an der Lüge von den „Hetzjagden von Chemnitz“ festgehalten, ohne daß es je gerichtsverwertbare Beweise gegeben hätte und das, wo Hunderte von Handycameras zur Stelle waren. Und wie sonst soll man Leute wie Eskens, die offen Sympathien für die Antifa hegen, einordnen als linksextrem? Gleichwohl bleibt zu hoffen, daß Maaßen im Fall der ARD seinen Äußerungen noch substantielle Fakten… Mehr

Protestwaehler
3 Monate her

Wie diese drei wohl selbst reagieren würden wäre der Staatsfunk tendenziös rechts gepolt. Mit Forderung nach dessen Abschaffung allein wäre es da sicher nicht getan.

Gerhart
3 Monate her
Antworten an  Protestwaehler

Das müssten sie gar nicht, denn die Senderstatuten könnten klarer nicht sein. Dort steht – jeweils weit oben – neben einer neutralen und unvoreingenommenen Sicht etwas von allseitiger Berichterstattung.

Andreas aus E.
3 Monate her

Leider gehöre ich nicht zu den verbeamteten Besserverdienern (schade, Leben könnte so bequem sein…), bin aber dennoch Hörer des Deutschlandfunks (feindbeobachtung!) und stellte schon gelegentlich (im Grunde täglich) ein Mißverhältnis zwischen Themensetzung und Realität fest. Immerhin, heute präsentierte sich der DLF knallhart faktenorientiert und nannte in Zusammenhang mit mutmaßlichen Mitwissern des Terrorschützen zu Wien Details zur Herkunft der Verhafteten: Tata! Wie wohl allgemein erwartet ist einer davon… Deutscher! Der hat zwar – laut anderer Quelle – einen für hiesige Breiten eher ungewöhnlichen Vornamen, aber egal, jedenfalls toll, wie der Staatsfunk über eigenen Schatten sprang und ausnahmsweise schonungslos Angaben zur Landsmannschaft des gestellten… Mehr

Simone
3 Monate her

Deutschlandfunk, läuft der noch auf Batterie? Sollte mal gewechselt werden, dann kommen die auch in der Realität an. Besser noch abstellen, spart teuren, umweltschädlich erzeugten Strom und dann noch die Funkwellen. Igitt.

welpi
3 Monate her

Und wieder hat mich das Leben beschenkt. Zwar habe ich schon mal Ansatzweise vom Deutschlandfunk gehört, aber ich wurde noch nie damit beglückt. Zum Glück!

Klaus D
3 Monate her

dass die Inhaber von Häusern einen größeren ökologischen Fußabdruck als andere verursachten…..was so pauschal aber gar nicht stimmt!…..Köln penthousewohnung 220qm bewohnt von 1 person….Bergheim haus 110qm bewohnt von 5 köpfiger familie….die meisten grundstücke von häusern auf der grünen wiese waren davor ackerland!…also „tote natur“….in den gärten der häuser blühen blumen und wachsen bäume!

Gerhart
3 Monate her
Antworten an  Klaus D

Zu den olympischen Spielen in Peking wurden ja identische Mannschaften von ARD und ZDF nebst Studioutensilien in zwei Fracht 747 verbracht, obwohl das gros der Bilder von den Chinesen selbst kam. Der Chefreporter, nennen wir ihn mal Johannes, wurde aus Peking erster Klasse nach Deutschland zurückgeflogen, um ein Fußballspiel zu kommentieren, da anscheinend alle anderen Fußballkommentatoren ( inklusive Hörfunk ) nicht eingesetzt werden sollten.
Das ist mal ein richtiger Fußabdruck !

Stefan Z
3 Monate her
Antworten an  Klaus D

Und der Jens ist auch ein eiskalter Klimakiller. Und der ist auch noch Gesundheitsapostel der Klimakanzlerin. Die heilige Greta, wird sie alle in die Hölle schicken.

Takeda
3 Monate her

Naja, Polenz ist indirekt für diese Entwicklung verantwortlich. Er ist der beste Beweis dafür, wie opportunistisch die Union unter Merkel geworden ist. Die Union hat den Gong noch nicht gehört und deutet die „guten“ Prozente falsch. Wie die Qualitätsmedien, evtl. auch eben wegen dieser, glaubt die Union ihre Politik wäre gut. Die Wahrheit lautet aber wohl eher, die meisten Wähler sind naiv und glauben was die Medien schreiben. Die meisten Unionswähler, wählen die Union aber lediglich um zu verhindern, das die Union noch weiter nach Links abdriftet. Dass das Blödsinn ist, werden auch diese Wähler irgendwann verstehen. Das die Union… Mehr