Das schwere Erbe eines berühmten Vaters

Der Schauspieler Christian Quadflieg ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Seine bekannteste Rolle war die des „Landarztes“, seine beste die des Lehrers im Tatort „Reifezeugnis“.

IMAGO / United Archives
Will Quadflieg (l.) in der Rolle des Sokrates. Christian Quadflieg, sein Sohn in der Rolle eines Schülers, 01.01.1979

Es muss schwer sein, der Sohn eines berühmten Vaters zu sein – und dann noch den gleichen Berufsweg einzuschlagen. Will Quadflieg war eine deutsche Theater-Legende, spielte mehrfach den Jedermann und unter der Regie von Gustav Gründgens den Faust. Eine Bürde für seinen kurz vor Kriegsende in Schweden geborenen Sohn Christian. Der versucht es an den gleichen Bühnen wie sein Vater, entscheidet sich dann aber für einen anderen Weg.

Er wird in Deutschland zum TV-Star. Sein gutes Aussehen hilft Christian Quadflieg, ist aber auch im Weg. Oft wird er als Schönling besetzt. So wirkt er auch anfangs in der besten Rolle seines Lebens: dem Lehrer Fichte im Kult-Tatort „Reifezeugnis“. Der hat eine Affäre mit seiner von Nastassja Kinski verkörperten Schülerin. Dann geschieht ein Mord. Die Polizei ist hinter Fichte her, aber auch seine Frau (Judy Winter) – und trotzdem kann der Lehrer seine Finger nicht von seiner Schülerin lassen. Der 1977 veröffentlichte Film ist noch heute das einsame Highlight der Tatort-Reihe.

Es ist auch Quadfliegs Reifezeugnis. Er hat bewiesen, dass er eine in die Tiefe gehende Rolle spielen kann. Nur nutzt ihm das nichts. Der deutsche Filmmarkt bietet nicht viel Platz für gute Schauspieler. Doch dank den Rundfunkgebühren reicht es, um von anspruchslosen Produktionen für Zeittotschläger gut leben zu können.

Quadflieg macht reichlich davon Gebrauch: Derrick, Der Alte oder Traumschiff stehen für eine gut bezahlte, wenn auch unterforderte Karriere. Allen voran gilt das für seine Hauptrolle in „Der Landarzt“. Die 41 Folgen mit ihm bestehen daraus, dass er nett ist. Nett und gut aussehend. Fürs ZDF reicht das. Aber zum Trost gibt es ja noch das Reifezeugnis, in dem Quadflieg bewiesen hat, dass er mehr kann. Nach langer Krankheit ist er bereits am Wochenende gestorben, wie erst jetzt bekannt wurde.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 9 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

9 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Christa Born
10 Monate her

Ja, das waren gute Tatorte mit tollen Schauspielern. Ruhe in Frieden! Zur Zeit laufen irgendwo die alten „Straßen von San Francisco“ mit Michael Douglas und Karl Malden, auch in Originalsprache zu sehen. Auch das waren seinerzeit grossartige Strassenfeger.

Sonny
10 Monate her

Schade um einen wirklich guten Schauspieler. R.I.P. Christian Quadflieg! Den Tatort Reifezeugnis habe ich erst auf Video und nun mittlerweile auf DVD aufgezeichnet und in meinem kleinen Archiv aufbewahrt – eine Sternstunde des deutschen Fernsehens. Und dies immer noch nach 46 (!) Jahren! Es ist bezeichnend, dass ernsthafte und gute „Tatorte“ fast ausschließlich in der weiter zurückliegenden Vergangenheit produziert wurden. Die heute fast ausschließlich als „Erziehungsfernsehen“ getarnten und übermäßig langweiligen Filmchen sind doch in jeglicher Hinsicht völlig bedeutungslos – vielleicht mit einer Ausnahme: „Weil sie böse sind“ mit Matthias Schweighöfer und Milan Peschel, mittlerweile auch schon 13 Jahre alt. Heute… Mehr

Last edited 10 Monate her by Sonny
Karsten Maltinger
10 Monate her

Zitat aus dem Artikel: „Der 1977 veröffentlichte Film ist noch heute das einsame Highlight der Tatort-Reihe“
Ich nehme dies zum Anlaß, alle Tatortfolgen mit dem wunderbaren, zu früh verstorbenen Klaus Schwarzkopf als Kommissar Finke in Kiel mit vergleichbarem Etikett zu versehen.
Die da waren:
„Blechschaden“ 1971
„Standgut“ 1972
„Jagdrevier“ 1973
„Nachfrost“ 1974
„Kurzschluß“ 1975
„Reifezeugnis“ 1977
„Himmelfahrt“ 1978

(Habe Kommentar zum zweiten Mal eingestellt; Freischaltung wurde mir bereits mitgeteilt; ist aber nicht erfolgt. Danke)

Johann Thiel
10 Monate her

War noch vor ungefähr vier Jahren in dem Haus am Plöner See, dass für den Tatort als Film-Location diente. Stand zum Verkauf. Da war sogar noch die selbe Küche drin. Alles noch original (futuristische) Siebziger, mit wunderbarer Aussicht auf den See. Wie eine kleine Zeitreise, als ob die Ruhe und die Zeit seit damals dort stehengeblieben wären. Leider wurde das Haus kürzlich abgerissen – wie der Rest einer Zeit, die es schon lange nicht mehr gibt.

Philokteta
10 Monate her

So nach und nach gehen sie alle aus dieser Welt, die guten Schauspieler aus einer Zeit, in der es sich gut leben ließ. Was kommt nach?

Nibelung
10 Monate her
Antworten an  Philokteta

So ist sie, die Zeit, jeweils gesehen aus dem Blickwinkel des Betrachters, davor war nichts, danach kommt dann die neue Sicht, bis sie ebsnso verschwindet und jede Generation unterliegt dem grandiosen Irrtum der Mittelpunkt der Welt zu sein und wird von der Natur geschoben, mit einem kurzen Blick auf die Realität, wo manche ja sogar glauben, das auch in Zweifel ziehen zu können, wobei alles Laute am Ende stumm wird, weil es gut sortiert erfolgt und unauffällig geschieht, bis es uns als Spezies nicht mehr gibt, das Schicksal aller, wenn die Zeit gekommen ist.

Bernd Simonis
10 Monate her

Da ich kein Theatergänger bin kenne ich Quadflieg nur aus den Serien. Er ist mir immer positiv aufgefallen. Die heutige junge Generation kennt ihn nicht mehr, die schauen keine Serien, in denen aus Telefonzellen telefoniert wird. Mir wird er im Gedächtnis bleiben bis zu meinem eigenen Ende.

Konradin
10 Monate her

Die dichte Atmosphäre dieser berühmten Tatortfolge wirkt wie ein Brennglas der konservativen Schmidt-Jahre in der guten, alten Bundesrepublik in der die Welt, trotz der auch damals vorhandenen sozialen Probleme im Vergleich zum heute rotierenden Wahnsinn noch überwiegend in Ordnung war. In dem Kontext neben allen anderen außergewöhnlichen Schauspielern in der Folge: Kommissar Finke alias Klaus Schwarzkopf mit der Ruhe seiner Generation, die nach den Erlebnissen ihrer Jugend fast nichts mehr aus der Ruhe bringen konnte.

Angelina
10 Monate her
Antworten an  Konradin

Und man verstand die Schauspieler akustisch, weil keine nervige Musik trommelte. Deshalb gucke ich des öfteren in youtube die herrlichen alten Straßenfeger und überhaupt Filme aus den 50er bis 70er Jahren.Sehr entspannend. Da spielten auch Leute, die sonst im Theater zuhause waren, mit. Minetti, Flickenschildt, Gerd Baltus. – Und dass d as schöne alte Haus abgerissen wurde, wundert mit nicht. Wie oft bin ich schon an alten, charmanten Häusern mit großen Gärten vorbei gefahren, und Monate später stand da ein Kasten mit 8 Eigentumswohnungen. Aber wir brauchen ja Platz.