Kinder als Produkt, Frauen als Brutkasten

Das neue Buch der Beststellerautorin Birgit Kelle „Ich kauf mir ein Kind“ warnt vor einer Gesellschaft, die unter der Oberfläche ihrer Fortschritts-Propaganda eine globalisierte Form von Menschenhandel einführt. Unter dem Etikett „Leihmutterschaft“ werden Frauen zur Gebärmaschine und Kinder zum Produkt. Von Giuseppe Gracia

Oberflächlich betrachtet scheinen die Fortschritte der Reproduktionsmedizin vereinbar mit den Prinzipien des Humanismus und der Menschenrechte. Man könnte sagen: Die Hightech-Medizin hat das körperliche Wohl des Menschen und seine Fähigkeit der Lebensoptimierung auf ein nie dagewesenes Niveau gehoben.

Warum soll die unantastbare Würde des Menschen bedroht sein, wenn eine Frau, die keine Kinder bekommen kann, vor der diskriminierenden Natur nicht länger kapituliert und auf künstliche Befruchtung setzt? Warum soll es für Kinder schlecht sein, wenn zwei fürsorgliche Homosexuelle bei einer Frau anfragen, ob sie ihre Leihmutter werden möchte? Und warum soll die Leihmutter dagegen sein, wenn die Papis liebevoll sind und dem Kind ein schönes Leben bieten?

Auf solche Fragen antwortet das Buch von Birgit Kelle, das dem geneigten Leser einiges zumutet – anders als viele Zeitgeist-Surfer, die derzeit durch die Buchläden fegen und unser Gewissen beruhigen, indem sie rechtfertigen, was die Forschung so alles möglich macht, um unsere Wünsche zu befriedigen. Demgegenüber legt sich Kelles Buch mit der Milliardenindustrie der Reproduktionsmedizin frontal an und enthüllt die Abgründe, auf die eine Gesellschaft zusteuert, wenn sie das technisch Machbare gutheißt, nur weil es eben machbar ist.

It’s the biology, stupid!
Geschlecht als willkürliche Selbstdefinition
Im Grunde ist es bereits ein Krisensymptom, wenn es wieder ein Buch braucht, das uns daran erinnert, warum wir keine Kinder und Frauen kaufen sollen, und zwar auch dann nicht, wenn die Frauen sich freiwillig hergeben und die Kinder aus dem Kühlschrank heiß erwünscht sind. Birgit Kelle warnt vor dieser Entwicklung und erinnert daran, dass Feministinnen sonst gern die katholische Kirche für das Patriarchat und reaktionäre Familienvorstellungen kritisieren, für die vermeintliche Reduzierung der Frau auf einen Brutkasten in der Ehe, während sie blind für die Tatsache sind, dass das von der Reproduktionsmedizin überhaupt erst umgesetzt wird. „Unter freundlichem Applaus befreiungsrhetorischer Feministinnen,“ so Kelle, „verkauft als Frauenrecht oder Geschlechtergerechtigkeit für jenen Teil der LGBT-Gemeinde, der sich untereinander nicht befruchten kann. Aber die bittere Realität könnte frauenfeindlicher nicht sein: Die Frau soll brüten, werfen und dann die Klappe halten.“

Heute werden viele Feministinnen als mutig gefeiert, die kein Problem mit der Leihmutterschaft haben und sich noch nie mit dem politisch-medialen Mainstream angelegt haben. Frauen, die opportunistisch mitschwimmen im linksgrünen Strom gegen den bösen, alten, weißen Mann. Im Vergleich dazu hat Kelle tatsächlich den Mut, sich mit den Mächten der Zeit anzulegen. Und nimmt es hin, dass man ihr hässliche Etiketten an die Stirn klebt: reaktionär, transfeindlich, volksverhetzend.

Es ist nicht nur so, dass Birgit Kelle gegen die PR-Maschine der Identitäts-Politik kämpft, sondern sie ist auch eine Feministin im eigentlichen Wortsinn, ganzheitlich und auf der Höhe der Zeit. Sie durchschaut das Fortschrittspathos von Leihmutterschaft und Reproduktionsmedizin und zeigt auf, warum diese Techniken zur Abwertung des Frauenkörpers führen, zur Abwertung der Mutterschaft und der Kindheit als Teil einer Natur, deren Früchte man ernten, aber nicht erzwingen kann.

Einige Jahre vor seinem Tod hat Papst Benedikt XVI. diagnostiziert, die technischen Möglichkeiten unserer Zeit stellten uns vor die grundsätzliche Wahl, den Menschen weiterhin als Geschöpf und Kind Gottes zu betrachten, oder aber als technisch machbares Produkt. Kelles Buch ist eine Warnung vor einer Kultur, die sich falsch entscheidet und die Logik von Angebot und Nachfrage in den Raum der Familie eindringen lässt, in den Körper der Frau und ins Kinderzimmer. Eine Warnung vor einer Gesellschaft, die das werdende Leben nicht als Geschenk betrachtet, sondern als Objekt eines Kaufvertrages.

Birgit Kelle, Ich kauf mir ein Kind. Das unwürdige Geschäft mit der Leihmutterschaft. FBV, Klappenbroschur, 256 Seiten, 18,00 €.


Mit Ihrem Einkauf im TE-Shop unterstützen Sie den unabhängigen Journalismus von Tichys Einblick! Dafür unseren herzlichen Dank!!>>>

Unterstützung
oder

Kommentare ( 3 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

3 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Salue
26 Tage her

Wer problemlos gesunde Kinder in die Welt setzen konnte, der kann aus diesem Standpunkt her gut so ein Buch schreiben, um Betroffene aus dieser privilegierten Position heraus offenbar generell zu verurteilen. „Kinder aus dem Kühlschrank“… ein Stickstoff eingefrorener Mehrzeller ist kein Kind. Das Leben beginnt, wenn dieser es schafft, sich in der Gebärmutterschleimhaut einzunisten und durch den Körper der Mutter versorgt wird. Auch nicht jede nach Geschlechtsverkehr befruchtete Eizelle schafft dies.

Waehler 21
27 Tage her

Zunächst sollte man fragen, wem schadet es! Wenn man niemanden findet der Schaden leidet wird , muss man zum Grünen werden und die eine gebrochene Moral zum Maß der Dinge machen.
Die Diskussion ist zu kurz gedacht.

Einar Mussja
27 Tage her

In der FAZ las ich heute Vormittag, was dort offenbar unverändert vom Sport-Informations-Dienst übernommen worden ist: „Seit Herbst ist (Svenja) Huth neben dem Vollzeitjob als Fußballprofi auch Mama: Im vergangenen September brachte ihre Ehefrau Laura den gemeinsamen Sohn Emil zur Welt.“
Wunder gibt es immer wieder.
.