Hamed Abdel-Samad: Was haben Muslime nach zwölf Jahren inhaltlich serviert?

Die Verbände ermutigen Muslime nicht, sich zu öffnen, sondern bestätigen viele Muslime in ihrer Lethargie durch ihren Opferdiskurs.

Dontworry [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons

Statt sich über Blutwurst auf dem Buffet zu beschweren, auf dem für alle etwas Passendes serviert wurde, sollten Muslime nach zwölf Jahren Islamkonferenz sagen, was sie inhaltlich serviert haben.

„Viele regen sich auf, weil Blutwurst auf dem Büffet der Islamkonferenz serviert wurde. Das verärgert einige Muslime (bei weitem nicht alle), die kein Schweinefleisch essen dürfen. Aber sie mussten das gar nicht essen, denn es gab auch andere Sorten von Fleisch. Außerdem waren auch viele Nichtmuslime anwesend. Warum müssen diese Halal essen, nur weil Muslime dabei sind. Diesen wird auch kein Schweinefleisch angeboten, wenn sie in einer Moschee oder bei Muslimen zuhause eingeladen werden. Eher für Vegetarier war das Angebot in der Islamkonferenz viel magerer, dennoch habe ich mich nicht beschwert, andere Vegetarier auch nicht.

Das ist aber symptomatisch für die Beziehung von Staat und dem organisierten Islam und für die Anspruchsmentalität, die sich dadurch entwickelt hat. Die Frage sollte sein, was haben Muslime auf der Islamkonferenz nach zwölf Jahren inhaltlich serviert! Was haben sie in den letzten zwölf Jahren geleistet?
Im Jahre 2006 lud der damalige Innenminister Muslime aus allen Richtungen zu der ersten Islamkonferenz ein, um den Dialog zwischen Ihnen und dem Staat, aber auch den Dialog unter Muslimen selbst zu fördern. Seitdem wurden Millionen von Steuergeldern in Projekten und Strukturförderung der unterschiedlichen Islamverbände gesteckt. Der Staat kam den Verbänden und auch anderen muslimischen Initiativen immer entgegen und bat seine Unterstützung an. Mit welchem Ergebnis? Die Anspruchsmentalität befestigte sich, die konservativen Verbände verbesserten ihre Mobilisierungskraft, nicht um die Integration zu fördern, sondern um ein Erdogan-Kult aufzubauen oder ihren Einfluss in den Parallelgesellschaften zu verstärken. Auch im Bereich Bildung haben die Verbände nun einen größeren Einfluss als damals. Die Verbände ermutigen Muslime nicht, sich zu öffnen, sondern bestätigen vielen Muslimen in ihrer Lethargie durch ihren Opferdiskurs.

Nach zwölf Jahren haben es Muslime auch nicht geschafft, den Dialog unter einander zu starten. Sunniten, Schiiten, Ahmadia, Sufis, Konservative und Liberale müssen zuerst eine Einladung des deutschen Innenminister bekommen, um mit einander an einem Tisch zu sitzen und ihre Positionen austauschen. Dann kommen sie und verlangen noch viel mehr Unterstützung vom Staat und beschweren sich über fehlendes Verständnis.

Eine der Hoffnungen, die mit der ersten Islamkonferenz gehegt wurden, war die Ausbildung von Imamen an deutschen Universitäten. Diese Hoffnung wurde nun auf der vierten Islamkonferenz begraben. Denn der Verband Ditib hat erklärt, dass er weiterhin die eigenen Imame in der Türkei ausbilden lassen wird, auch die, die in Deutschland geboren sind. Andere Verbände wollen eigene Imamseminare errichten, wo sie die eigene Theologie an sie weitergeben wollen, aber natürlich mit Steuergeldern. Andere tun das bereits. Und die Absolventen der theologischen Institute deutscher Universitäten gehen baden, denn die Moscheen werden sie nicht als Imame einstellen, weil sie für die Verbände zu verdeutscht sind. Sie wollen Imame mit Stahlgeruch haben, wie ein Professor es bei einer Diskussion in der Konferenz sagte. die an deutsche Universitäten ausgebildeten Imame würden den Standards der Verbände nicht entsprechen, wie es der Ditib-Vertreter auf der Bühne indirekt mitteilte.

Also nochmal zum Mitschreiben: Die gleichen Leute, die sich beschweren, wenn man sagt, der Islam gehört nicht zu Deutschland, wollen ihre Imame selbst in der Türkei ausbilden lassen, lehnen Absolventen der deutschen Universitäten als Imame ab. Sie lassen sich von der Türkei und den Golfstaaten politisch, theologisch und finanziell lenken, haben aber auf deutsche Schulbildung, Gesundheitswesen und in den Medien immer mehr Einfluss. Selbst bei den theologischen Instituten deren Imame sie selbst ablehnen haben sie Mitspracherecht. Wer regt sich eigentlich darüber auf?“

Quelle: Hamed Abdel-Samad, Facebook

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Kommentare ( 58 )

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Ich rege mich darüber auf. Nützt allerdings nichts.

Ich bezweifle übrigens zwischenzeitlich, dass das Verhalten unserer Politiker auf Dummheit oder Unfähigkeit beruht. Wenn man Aussagen, insbesondere von Merkel heranzieht und Gesetze sowie deren Durchsetzung bzw. Nicht Durchsetzung bis hin zur Verletzung des GG und elementarer Menschenrechte in den letzten 10 Jahre betrachtet, muss man zwangläufig zum Schluss kommen, dass unserer Regierung daran gelegen ist den Islam zur Staatsreligion zu machen bzw. es als Kollateralschaden in Kauf zu nehmen. Einzig ungeklärt ist bislang die Frage warum? Hierzu gibt es die abenteuerlichsten Spekulationen aber keine wirklich stichhaltige Erklärung.

Vielen Dank für die wohltuend klare Sprache dieses Artikels.

Muslime haben Einiges erreicht in diesem Land. Ihre Glaubensführer können wahrlich stolz sein. Integration? War nie ein Ziel. Wirtschaftliche Selbstständigkeit? Das Gegenteil eines Ziels! Sie haben sich und ihren Glauben und die damit verbundene Lebensweise hier von Jahr zu Jahr fester etabliert. Meist gegen den Willen der Schonlängerhierseienden und oft gegen den Rechtsstaat. Die Islamverbände predigen einen modernen, einen unscheinbaren Dschihad ohne Waffen, und das ist nichts anderes als ein wirtschaftlicher Kreuzzug. Und der läuft gerade in Deutschland echt wie am Schnürchen.

Wir sind über „1984“ schon weit hinaus, wir sind über „Fahrenheit 541“ schon weit hinaus. Und wir sind über Houllebecqs „Unterwerfung“ schon weit hinaus. Entweder ein großer Teil Europas wird islamisch oder es wird noch sehr blutig. Dazu muss man kein Hellseher sein.

Die Islamkonferenz war von vornherein eine naive Veranstaltung mit Waldorfschulenansatz. Besonders verwerflich ist, dass die deutsche Politik den Islamvertretern deutsches Steuergeld hinterherwirft, damit die ihren Ar**h aus der Hose bekommen. Was soll das denn bitte schön? Ach ja, was anderes, also Probleme mit Steuergeld zuzuschmeißen, können deutsche Politiker ja nicht.
Zum illeberalen, unreformierten Islam an sich: Diesem sollte man deutlich dem Weg zum Ausgang aus diesem Land zeigen. Und zwar, indem man sämtliche Subventionen für Verbände etc. pp. streicht und auch Daueralimentierungen dieses hochgradig von Sozialhilfe lebenden Milieus einstellt.

Lieber Hamed Abdel-Samad, einfach Danke dafür, dass Sie die Dinge richtig einordnen & wie immer auf den Punkt bringen. Danke für Ihren Mut, Ihr Eintreten für die europäische Aufklärung & Ihr Engagement für unser Land, mit dem Sie uns alle beschämen. Danke, dass Sie Ihre Erfahrungen mit der Glaubenswelt des Islam mit uns teilen und uns diese Weltreligion so näher bringen wie sie ist (nicht wie viel hoffen, dass sie sein sollte oder könnte) und dafür um Ihr Leben fürchten müssen. Danke, dass Menschen wie Sie, Imad Karim, Ahmad Mansour, Seyran Ates oder Necla Kelek die Werte der Freiheit hochhalten… Mehr
Die Muslime sind sich doch selbst spinnefeind, beginnend bei den Sunniten, gefolgt von den Schiiten und den Hardcore-Muslimen der Wahabiten und weiteren Untergruppen innerhalb der muslimischen Glaubensgemeinschaft, die zwar alle an ihren ehemaligen Stammesgott Allah glauben, aber in der Nachfolgefrage und der Ausrichtung ihrer Religion schon seit hunderten von Jahren total zerstritten sind und in dieser Gemengenlage kann es hierzulande gar keinen glaubwürdigen muslimischen Vertreter geben, der ihre Interessen vertritt, denn die sind selbst aus ihrer Sicht nur legitim, wenn sie die beiden großen Strömungen des persischen Islams oder des Islams des Mutterlandes von Mekka und Medina ausgehend befolgen und… Mehr

Uns hier nochmal eine Bitte an die Leserschaft. Melden Sie sich bitte unter ihrem Namen an und verstecken Sie sich nicht hinter der Anonymität. **

Woher soll denn jemand wissen, dass für einen Namen, der hier als Forumsnutzer angegeben wird, auch tatsächlich die echte Person, die diesen Namen trägt, schreibt? Und was ist mit Namen, die in der realen Welt – wie häufig – mehrfach vorkommen? Woher wissen also die anderen Formusnutzer, dass hinter BerhardPesch tatsächlich Bernhard Pesch als Schreiber steckt. Und wenn es mehrere Bernhard Pesch gibt, welcher schreibt dann? Wollen Sie dann noch den Wohnort im User-Namen als Angabe verlangen? Ihre Forderung ist nicht wirklich sinnig.

Stefan, Wenn Sie noch einmal lesen, was ich geschrieben habe, werden Sie feststellen, dass ich weder etwas verlangt noch etwas gefordert habe. Zwischen bitten und fordern oder verlangen ist ein grosser Unterschied. Ich habe mich bewusst so ausgedrückt. Denken Sie vielleicht einmal an Hamed Abdel-Samad oder Ayaan Hirsi Ali oder Salman Rushdie, and die ermordeten Charlie Hebdo Redakteure, an Theo van Gogh und andere Kritiker des orthodoxen Islam. Denken Sie daran mit welchem Risiko diese Menschen schreiben, kommentieren und sich öffentlich und unter ihrem Namen exponieren. Denken Sie an den Preis, den diese Menschen bereit sind zu zahlen für ihre… Mehr

Gerhart ist mein Name.

Warum denn? Die Abgeordneten verabschieden doch auch Gesetze in geheimer Abstimmung und kein Mensch weiß warum und weshalb und deshalb, was dem einen sein Uhl ist dem anderen sein Nachtigall, jedem wie es beliebt und sollte er aus unterschiedlichen Gründen ins Fettnäpfchen treten wird sein Kommentar erst garnicht veröffentlicht oder er muß schlimmstenfalls mit Verfolgung rechnen, obwohl das Grundgesezt die Meinungsfreiheit garantiert und weil die Leute das wissen, melden sie sich inkongnito und recht haben sie.Ihr Kommentar…

Es sollte heissen: Lieber Herr Abdel-Samad.

Lieber Herr Adel-Samad, Ich habe ihre Bücher gelesen und bewundere ihr Engagement fuer eine Reform des Islam. Sie machen das unter großen persönlichen Opfern dafür gebührt Ihnen Respekt. Warum Sie aber immer noch an die Reformierbarkeit des Islams glauben und hier schere ich mich wenig um die ewig leidige Bemerkung das es DEN Islam nicht gibt, ist mir ein Rätsel. Je eher der Westen erkennt, dass der Islam nicht reformierungsfähig und was viel wichtiger ist nicht reformierungswillig ist, um so besser werden wir die grösste Bedrohung, die das aufgeklärte, liberale Europa zu zersetzen droht in die Schranken weisen können. Nur… Mehr