„All’s Fair“ mit Kim Kardashian – ein teurer Unfall

Kim Kardashian rettet hilflose Milliardärsfrauen; Disney versucht den Spagat zwischen Powerfauen und Patriachatsopfern: Beide scheitern an sich selbst. Von Franka Haase

IMAGO / Landmark Media

„Wir machen Sie zur Multimillionärin und Partnerin in nur zwei Jahren – ich hol mal meine Handtasche“. Mit solch verheißungsvollen Dialogen startet All’s Fair. Die Serie läuft seit November 2025 bei Disney+ und kommt nicht gut an bei den Kritikern. Die Zuschauer schauen es trotzdem. Liegt das an der Starbesetzung? Die zwei Anwältinnen Allura Grant (Kim Kardashian) und Liberty Ronson (Naomi Watts) und die Ermittlerin Emerald Greene (Niecy Nash-Betts) haben das böse Patriarchat hinter sich gelassen. Ermutigt durch Topanwältin Dina Standish (Glenn Close) haben sie ihre eigene Anwaltskanzlei gegründet. Gleich darauf schaffen sie sich eine Erzfeindin in einer ehemaligen Kollegin, Carrington Lane (Sarah Paulson). Somit ist der Plot gesetzt.

Zehn Jahre später sitzen die drei Damen zusammen in ihrem teuren Büro und stoßen auf ihren Erfolg an. Ihr Spezialgebiet: Millionärs- und Milliardärsfrauen bei der Scheidung vertreten. Sie alle fahren teure Autos, tragen teure Klamotten und leben in teuren Villen. Die hilflosen Klientinnen sind reich, sexy und arm dran, denn die bösen Ehemänner wollen ihnen alles nehmen; die superreichen Ehemänner geben sich dann aber doch schnell geschlagen, wenn die Scheidungsanwälte in High Heels kommen. Ansonsten wirken die Charaktere leer. Die Serie ist woke und unwoke zugleich – Disney+ in einer neuen Findungsphase?

Es geht um Kinder, Trophy Wives und Sex

Die drei Powerfrauen Allura, Liberty und Emerald sind beruflich sehr erfolgreich und finanziell ungebunden. Sie sind eine Mischung aus emanzipierten Charakteren und typisch weiblichen Klischees. Emerald hat Drillinge mittels einer Samenspende geboren, hat sie alleine großgezogen und lebt in einer schicken Villa. Wozu braucht sie einen Mann? Sogar das Footballteam ihrer Söhne hat sie trainiert. Aus dem Trophy Wife macht die Serie einen „Trophy Husband“: Alluras Mann Chase (Matthew Noszka) ist deutlich jünger, sieht sexy aus und lebt in ihrem Haus – in dem ausschließlich männliche Bedienstete arbeiten. „Du kommst zu spät“, tadelt sie ihn bei seinem ersten Auftritt wie ein Kind. Er entschuldigt sich prompt und überrascht sie mit einem Geschenk zum Jahrestag. Er wirkt wie ein Schoßhund, ihre Freundinnen bewundern sie für ihren Traummann. Doch der perfekte Schein trügt: ihr Mann betrügt sie hinterrücks mit ihrer Sekretärin Milan (Teyana Taylor).

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Die woken Stereotype werden an anderer Stelle aufgebrochen: Wird die Quotenregelung kritisiert? Dina Standish, die erfahrene Top-Anwältin der Serie erzählt eingangs: „Ich war hier ein Jahrzehnt die Alibi-Frau“. In einer Runde von Männern war sie lange eine Einzelkämpferin. Trotzdem oder deswegen – in der Serie gilt sie allen als überragende Anwältin. Liberty fällt es schwer, sich mit ihrem Freund zu verloben, aufgrund der ganzen Ehedramen in ihrem Berufsalltag. Schließlich macht sie ihm in einem zweiten Anlauf selbst einen Antrag. Konventionell heiraten läuft gut in Filmen, für den progressiven Anstrich übernimmt die Frau den Antrag.

In den vergangenen Jahren erlebte Disney einen Reinfall nach dem anderen: Arielle, Indiana Jones 5– das Publikum kritisierte die politische Erziehung in den Produktionen. Die woken Formate waren oft ein Minusgeschäft. Schließlich entschied man sich für eine Kehrtwende: weg mit den Warnhinweisen auf älteren Filmen und Schluss mit den Diversitätsprogrammen. Die Serie All’s Fair versucht sich an einem Mittelweg. Dafür ist Reality-Star Kim Kardashian prädestiniert: Sie steht für unwoke Schönheitsoperationen, Glamour und Sexappeal. Vor wenigen Jahren trat sie der armenischen Kirche bei; zu Stiefvater Caitlyn (ehem. Bruce) Jenner, der seit 2015 als Frau lebt, hat sie ein komplexes Verhältnis. Gleichzeitig bekennt sie sich zu den Demokraten. Bekannt wurde Kim Kardashian anfangs durch ein durchgestochenes privates Sexvideo mit dem Musiker Ray J. und ihre Rolle in der Reality-TV-Serie Keeping up with the Kardashians. Sie übernimmt nicht nur die Hauptrolle, sondern ist auch als Executive Producer für die Serie mitverantwortlich.

Die Storyline ist flach

Das Drehbuch stammt von Ryan Murphy. Obwohl er in der Vergangenheit schon viele erfolgreiche TV-Serien erschaffen hat (Glee, 9-1-1, American Horror Story), fehlt ihm bei dieser offensichtlich eine Idee. Auch wenn der neue alte CEO Bob Iger von Disney dies wieder umdrehen will: Die Geschichte bleibt oberflächlich, emotionslos und wird unterbrochen von künstlich-unangenehmen Kitschmomenten.

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Man möchte meinen, das Drehbuch sei von einer KI erstellt worden: Auf den ersten Blick gut gemacht, auf den zweiten Blick inhaltsleer, widersprüchlich und schwülstig. Die Dialoge sind flach und gespickt mit abgedroschenen Phrasen. Ein Ereignis jagt das nächste: so ist schnell wieder der Moment für das nächste Gläschen Schampus oder Zeit für einen fein angerichteten Snack oder die nächste Klatschrunde. Bevor sich ein Spannungsbogen entwickeln kann, wird die Spitze schon vorweggenommen. So hilft über die Trennung von Allura (Kim Kardashian) und ihrem Ehemann Chase eine Klunkerauktion in New York hinweg, denn – „girls just wanna have fun“, bemerkt Liberty. Schmuck, Mode, Babys aus der Retorte: All’s Fair ist vor allem ein Fest des Materialismus.

Raum für Tiefe und Facetten oder eine Entwicklung innerhalb der Geschichte gibt es nicht. Die Serie beginnt wie eine Märchenerzählung, die dummen, alten weißen Männer, die drei jungen mutigen Frauen keine Karriere gönnen wollen; die wahre Widersacherin ist aber eine Kollegin, denn nichts ist so gehässig und rachsüchtig wie eine enttäuschte Frau. Wen soll der Zuschauer jetzt also ablehnen, das Patriarchat oder hysterische Frauen? Das anschließende Intro wirkt wie ein Instagram-Influencervideo. Vielleicht stammt es von Kardashian?

Kim Kardashian – Star der Serie aber keine Schauspielerin

Nachdem Allura erfahren hat, dass ihr Mann sie mit ihrer Sekretärin betrügt, fährt sie zu deren Haus, um sie zur Rede zu stellen: eine Szene, in der Kardashian in einem gelben Kleid mit einem gleichfarbigen Baseballschläger auf das Auto ihrer Konkurrentin eindrischt – es erinnert mehr an ein Musikvideo. Doch das geschieht nur in ihren Gedanken. Es steigt eine gefasste Anwältin mit eisigem Pokergesicht aus dem Auto. Ihre Sekretärin darf sich selbst die Fragen stellen und so Emotion und Mimik für beide spielen.

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Eine schaupielerische Leistung ist bei Kim Kardashian nicht feststellbar. Egal, ob ihr Mann sie mit ihrer Sekretärin betrügt oder die Mandantin gerade vom Balkon gesprungen ist – ihr Gesicht bleibt wie paralysiert. Dafür wechselt ihre Frisur häufig. Ist das wirklich die berühmteste TV-Persönlichkeit der Welt? Zwischen den Erfahrenen Profischauspielern, die den Rest der Besetzung ausmachen, wirkt ihre Leistung lächerlich. In ihrem echten Leben hat Kim Kardashian übrigens in den letzten Jahren Jura studiert; das Bar Exam (vgl. Zweites Staatsexamen) jedoch bisher nicht bestanden. Und auch daran, den Anwalt zu mimen, scheitert sie.

Ihr die Schauspielerei verbieten zu wollen, wie Carolin Gasteiger von der Süddeutschen Zeitung überlegt, geht wohl doch zu weit. All’s Fair ist ein opulentes Fest für das Auge und bietet reichlich Raum für Amüsement; man darf nur keine realistischen Handlungen, tiefgründigen Charaktere oder juristische Genauigkeit erwarten. Dass Disney, verantwortlich für dieses Desaster, sich nicht entscheiden kann, ob die Serie eine progressive Tour de Force oder reaktionäres Stutenbeißen darstellen soll, macht die Situation nur noch schlimmer. Doch obwohl Kritiker die Serie im Feuilleton zerfetzen, ist die zweite Staffel schon in Auftrag gegeben. Bei Disney setzt man wohl darauf, dass auch schlechte Presse den Zuschauerzahlen zuträglich ist.

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Kommentare ( 5 )

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A-Tom
1 Stunde her

Sie waren alt und brauchten das Geld.

U.S.
2 Stunden her

Die Sendungen in Privat TV sind die am meisten von der Werbe relevanten Zielgruppe 14 – 49 Jahre angeschauten, die am plattesten und geistig extrem dümmlich sind (Jungle Camp und ähnliches). (Siehe Artikel in focus Magazin).

Privat TV baut um diese Sendungen drum herum und in diese Sendungen hinein die teuren Werbe commercials.

Sendungen wie in o.g. Artikel beinhalten alles, was man als geistigen Flachsinn an Werbe relevante Zielgruppe 14- 49 Jahre senden kann. ( Wenn es wider Erwarten doch nicht beim Publikum ankommt, dann halt absetzen).

U.S.
2 Stunden her

Die Sendungen in Privat TV sind die am meisten von der Werbe relevanten Zielgruppe 14 – 49 Jahre angeschauten, die am plattesten und geistig extrem dümmlich sind (Jungle Camp und ähnliches). (Siehe Artikel in focus Magazin).

Privat TV baut um diese Sendungen drum herum und in diese Sendungen hinein die teuren Werbe commercials.

Sendungen wie in o.g. Artikel beinhalten alles, was man als geistigen Flachsinn an Werbe relevante Zielgruppe 14- 49 Jahre senden kann. ( Wenn es wider Erwarten doch nicht beim Publikum ankommt, dann halt absetzen).

Mausi
2 Stunden her

Währenddessen werden in D Menschenrechte gewahrt: Pflegestationen in Gefängnissen. Weil es bei uns nicht zur Menschlichkeit gehört, alte Menschen oder Pflegebedürftige aus dem Gefängnis zu entlassen.
https://www.n-tv.de/panorama/Gefaengnisse-brauchen-zunehmend-Pflegestationen-id30298869.html
Andere dagegen werden aus Menschlichkeit gar nicht erst in Haft genommen.

U.S.
2 Stunden her

Die Sendungen in Privat TV sind die am meisten von der Werbe relevanten Zielgruppe 14 – 49 Jahre angeschauten, die am plattesten und geistig extrem dümmlich sind (Jungle Camp und ähnliches). (Siehe Artikel in focus Magazin).

Privat TV baut um diese Sendungen drum herum und in diese Sendungen hinein die teuren Werbe commercials.

Sendungen wie in o.g. Artikel beinhalten alles, was man als geistigen Flachsinn an Werbe relevante Zielgruppe 14- 49 Jahre senden kann. ( Wenn es wider Erwarten doch nicht beim Publikum ankommt, dann halt absetzen).