Wachstum auf Schuldenbasis – nur die Probleme der Wirtschaft wachsen wirklich

Die Wirtschaft wächst nächstes Jahr. Das sagen zumindest die „Wirtschaftsweisen“. Doch es gibt mehr als einen Grund, an der Aussagekraft dieser Prognose zu zweifeln.

picture alliance / dts-Agentur | -
Vorstellung des Jahresgutachtens 2025/26 – Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Berlin, 12.11.2025

Der Aufschwung kommt. Nächstes Jahr. Das sagen zumindest die „Wirtschaftsweisen“ in ihrer Prognose. Um 0,9 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Dieses Jahr werde es schon ein Wachstum von 0,2 Prozent geben, sagen die Berater der Bundesregierung. Doch wer losziehen will, um das Ende der deutschen Wirtschaftskrise zu feiern, sollte sich mit seiner Partylaune noch zügeln. Denn an der Aussagekraft dieser Prognose gibt es einige berechtigte Zweifel. Zu allererst die, dass die Realität die Prognosen aus dem Umfeld der Bundesregierung in den letzten Jahren immer deutlich nach unten korrigiert hat.

Doch selbst wenn die Prognose tatsächlich eintreffen würde und das Bruttoinlandsprodukt im nächsten Jahr um die besagten 0,9 Prozent steigen würde, wäre die Aussagekraft immer noch eingeschränkt. Das hat Kanzler Friedrich Merz (CDU) dieser Tage selbst eingeräumt. Denn dieses Produkt erfasst vereinfacht ausgedrückt jeden Euro, der in Deutschland ausgegeben wird. In den vergangenen Jahren ist es zurückgegangen, obwohl der Staat massiv mehr Geld ausgibt – etwa für Personal. Denn die privaten Investitionen sind deutlich zurückgegangen in dieser Zeit. An diesen Investitionen lässt sich aber die eigentliche Wirtschaftsstärke eines Landes ablesen. Die sind in Deutschland seit den Jahren der Kanzler Angela Merkel (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Friedrich Merz (CDU) rückläufig.

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Der entscheidende Hinweis der Wirtschaftsweisen findet sich daher im Kleingedruckten. Die Experten sagen: Die deutsche Wirtschaft verliere im internationalen Wettbewerb an Stärke, die Politik behebe die strukturellen Probleme nicht. Keine neue Analyse. Zu hohe Steuern, Lohnnebenkosten, Energiepreise, Verwaltungsauflagen – das alles ist bekannt und oft benannt. Nun halt auch wieder einmal von den Wirtschaftsweisen. Was ändern wird sich bestenfalls und frühestens, wenn die ganzen Arbeitskreise getagt haben, die von der Regierung Merz eingerichtet wurden.

Woher dann der Aufschwung um 0,9 Prozent schon im nächsten Jahr? Weil der Kanzler das Gegenteil tut von dem, was er sagt: Er weiß, dass die Staatsausgaben zurückgehen müssen, damit das private Kapital wieder fließt. Doch erreichen will er das durch mehr Staatsausgaben. Finanziert aus der Schuldenorgie von 850 Milliarden Euro. „Sondervermögen“ genannt. Fließt dieses Geld, erhöht sich das Bruttoinlandsprodukt, sagen die Weisen. Durchaus möglich, dass dieser Effekt eintrifft. Aber selbst wenn, dann wäre das eben nur eine Scheinblüte, die alsbald ins Gegenteil umschlägt – spätestens wenn der Staat dann Schulden und deren Zinsen bezahlen muss.

Die Wirtschaftsweisen kritisieren die Regierung Merz dafür, wie sie diese Schulden machen. Anders als versprochen fließe das Geld nicht in Investitionen, die im besten Fall irgendwann zu einem höheren Ertrag führen. Stattdessen schichtet Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wie ein Hütchenspieler Investitionen aus dem regulären Haushalt ins „Sondervermögen“. Damit erhält der Sozialdemokrat mehr Raum, um im regulären Haushalt einen höheren Konsum zu finanzieren. Auch dieser Vorwurf ist nicht neu, oft beschrieben. Nun bekommt es die Regierung Merz auch von ihren eigenen Beratern gesagt. Der Rat der Weisen fordert ein „konsequentes Monitoring“ der Schuldenorgie. Das ist ein freundlicher Euphemismus dafür, dass die Berater sagen, dass ihrer Regierung jemand beim Hütchenspiel auf die Finger schauen muss.

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Die Weisen sind untereinander zerstritten. Achim Truger singt in der SZ das sozialdemokratische Lied von den bösen Reichen, denen der Staat nur ihr Vermögen nehmen müsse und alle Probleme seien gelöst. Die anderen „Weisen“ unterstützen ihn und fordern ein härteres Zuschlagen des Staates in der Erbschaftssteuer. Bisher gibt es Mechanismen, die Unternehmen davor schützen sollen, dass der Tod des Inhabers zum Abzug von Kapital über die Steuer führt. Das wollen die Weisen ändern. Mit Ausnahme von Veronika Grimm.

Eine Neiddebatte würde dem Land nicht helfen, mahnt Grimm. Und wenn der Staat in das Kapital der Unternehmen stärker eingreifen würde, nähme er diesen weiteren finanziellen Spielraum. Sprich: Die strukturellen Probleme der Wirtschaft würden unter der Regierung Merz zunehmen, statt abgebaut zu werden. Um dann weiter 0,9 Prozent Wachstum zu versprechen, müsste die Regierung noch mehr Steuern erheben und Schulden aufnehmen, um den Geldfluss zu verstärken. Wenn es dann ein „Monitoring“ für diese Schulden gäbe, würde das der Wirtschaft auch nur bedingt weiterhelfen.

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Kommentare ( 23 )

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Nibelung
3 Monate her

Wo ist denn das oberste Gericht, was die Verfassung schützen sollte und das schon früher festgelegt hat wo die Grenzen der Schuldenaufnahme liegen und wollen wir hoffen, daß sie später mal eine gute Begründung dafür finden, nichts weiteres dagegen unternommen zu haben wenn das Volk über sie zunächst rein hypothetisch richtet und das könnte sich schneller in Fakten verwandeln als sie glauben, denn auch andere während unterschiedlicher Revolutionen glaubten, sie hätten alles fest im Griff, was sich als großer Irrtum herausstellte, wenn man selbst unter dem Urteil einer neuen Gerichtsbarkeit liegt.

Dellson
3 Monate her

Alle fleissigen Leistungsgelderzeuger in diesem Land haben langsam den Verdacht, diese ganzen Schuldenorgien, künstliche Gelderzeugung, fiese Steuergeldabpresserei usw. haben nur den einen Zweck.
Ihre verantwortlichen Handelnden, mit ihrem ganzen Hofstaat treibt dabei nur eine Angst um, wenn die Quellen versiegen, müssen sie alle wirklich einer richtigen Arbeit nachgehen.
Das kann doch wohl nicht wahr sein! Da soll es sogar noch Leute im Land geben, die mit ihrer Hände Arbeit sich ihr Brot verdienen müssen! Das gibt es doch nicht!

Michaelis
3 Monate her

„Sachverständigenrat“ – ABSOLUT LÄCHERLICH!!! Notwendig wäre ein ALTERNATIVER RAT!!!

Mikmi
3 Monate her

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, jeder der nur ein klein wenig rechnen kann, konnte das sagen, diese Leute sind überflüssig, wie ein Pickel a A. Das wird nichts, ein Tischler backt auch keine Brötchen. Grundlegend gehört der ganze Haufen ausgewechselt und dann richtige Fachkräfte, die was gelernt haben und Schaft die Quote ab.

Klaus Uhltzscht
3 Monate her

Immerhin steigt hier im Gagastreifen BRD die Frauenquote. Bei den Wirtschaftsweis:innen, dem Verfassungsgericht, Ethikrat, Kirche, DFB und wie diese Labervereine alle heißen.

Zhenmei Zutun
3 Monate her

Schilder in vielen Kneipen: Morgen Freibier für alle

maps
3 Monate her

Vollkommen lächerlich von 0,9% Wachstum zu reden! Wenn überhaupt ist das Staatskonsum auf Verschuldung. Diese „Wirtschaftweisen“ braucht keiner. Seit 20 Jahren geht es bergab und ausser sich die Taschen voll zu machen, haben diese Leute rein gar nichts an Leistung erbracht.

Last edited 3 Monate her by maps
Michaelis
3 Monate her

Gibt’s da neben den drei „Frauen“ noch einen weiteren „Mann“ – nur um aus der „Quote“ und anderen Errungenschaften der Zukunft und des Fortschritts noch ein ganz ganz klein wenig Hoffnung schöpfen zu können? Nein????

Last edited 3 Monate her by Michaelis
alter weisser Mann
3 Monate her

„Wirtschaftsweise“, die sich ein bisschen Klartext nur im Kleingedruckten trauen und sonst gern mal selbstverliebt krude Vorschläge machen, sollte man in die Wüste schicken.

Benedictuszweifel
3 Monate her
Antworten an  alter weisser Mann

Die Botschaft ist klar, dennoch. Die 5 oder 6 Wirtschaftsweisen sind doch kein Problem. Alles gesagt. Das Problem ist die überwältigende Mehrheit der Bürger dieses Landes, die nächsten Sonntag genau diese Regierung schon wieder wählen würde. Und das, obwohl gerade deren Existenz vernichtet wird… Zum Glück tut Dummheit nicht weh…. Man würde sein eigenes Wort nicht mehr verstehen…. Andererseits, täte Dummheit weh… okay, tut sie halt nicht…. Nur die Konsequenzen tun richtig weh… am wahrscheinlichsten: Bürgerkrieg.

Nibelung
3 Monate her
Antworten an  alter weisser Mann

Gestern habe ich einen Bericht über den Erfinder des Chips, namens Foggi gehört und der stellte das Gegenteil von der politischen Gurkentruppe und seinem weisen Anhang dar, der die Methode über kindliche Neugier, sein späteres Metier ergründet hat und nicht losgelassen hat, bis er das entwickelt hat, wo die Welt ohne seine Erfindung bei den Kondensatoren stehen geblieben wäre und ähnliches fand schon vorher und auch paralell dazu statt und das sind die eigentlichen Treiber unseres Wohlstand, während die Sozis deren Erträge einheimsen, verwalten und an die falsche Stelle verteilen. Solche Leute braucht man und keine Schwätzer, die sich als… Mehr

Ben Clirsek
3 Monate her

Könnte es sein, dass das eher Wirtschaftsdemente sind? Honecker hatte wohl recht mit Ochs und Esel.