Umfrage: Junge Europäer lieben Autos mit Verbrennungsmotoren

Gute Nachrichten in tristen Zeiten für die Automobilindustrie. Laut einer internationalen Umfrage besitzen die meisten jungen Erwachsenen - und gerade die Deutschen - entweder schon ein Auto oder wollen demnächst eines kaufen. Vom Elektro-Antrieb ist nur eine Minderheit überzeugt.

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Der Umbruch ist gigantisch. Auf Jahre hinaus bleibt in der Autobranche kein Stein auf dem anderen. Vorbei sind die Zeiten, in denen alles wie von selbst lief. Die Stichworte für die Revolution sind elektrische Antriebstechnik, die Konnektivität und das autonome Fahren.

Die aktuelle Klimadebatte, die vor allem von den Anstrengungen der jüngeren Generationen getragen wird und die die Automobilindustrie belastet, verschärft diese Effekte noch. Es gibt jedoch gute Nachrichten für die Branche. Laut einer neuen Studie des New Yorker Beratungsunternehmens Duff & Phelps ist die Einstellung der jüngeren Generation zu Autos weit weniger skeptisch als dies die Darstellung in den Medien allgemein vermuten lässt. So ist die Zahl der deutschen Millenniumsjahrgänge, die ein Auto besitzen oder leasen, mit 81 Prozent (79 Prozent EU-weit) überraschend hoch, und die Hälfte aller EU-Befragten, die derzeit kein Auto haben, planen, dieses in den nächsten fünf Jahren zu erwerben (42 Prozent in Deutschland). Für die Automobilindustrie könnte dies eine willkommene Entlastung von dem rasanten Wandel sein, den die Branche derzeit durchläuft. Weitere Erkenntnisse:

• Für rund 73 Prozent der deutschen Millenniumsjahrgänge ist der Zugang zu einem Auto eine Notwendigkeit (83 Prozent EU-weit),

• die Befragten ziehen es weiterhin vor, Autos mit Verbrennungsmotor zu kaufen (Deutschland: 61 Prozent, EU-weit: 53 Prozent) statt Elektro- oder Hybridfahrzeuge (Deutschland: 32 Prozent, EU-weit 39 Prozent).

Autos bedeuten jungen Menschen Unabhängigkeit

Für den Report „Auto Trends Report“ befragte Duff & Phelps 2150 Millennials im Alter zwischen 23 und 38 Jahren aus aller Welt zu den Präferenzen beim Autokauf und den Faktoren, die diese Trends antreiben. In Europa wurden Menschen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien für die Studie befragt. Trotz der Tendenz der Befragten, in der Stadt zu wohnen und öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, scheint dies ihr Interesse am Autobesitz nicht zu schmälern. Laut der Studie haben auch allgemeine Umweltbelange keine negativen Auswirkungen auf diese Stimmung. Die Mehrheit der Millennials hält ein Auto aus Gründen der Unabhängigkeit für notwendig (70 Prozent in Deutschland, 77 Prozent EU-weit). Dabei spielen auch Komfortgründe eine Rolle (51 Prozent in Deutschland, 66 Prozent EU-weit). Eine deutliche Mehrheit der Befragten (mehr als 80 Prozent in Deutschland und auch EU-weit) gibt an, dass sie Dienste wie Carsharing oder Mitfahrgelegenheiten weniger als einmal pro Woche oder gar nicht nutzen.

METZGERS ORDNUNGSRUF 44-2019
Die „Verkehrswende“ auf den Spuren der „Energiewende“
Interessant ist auch ein weiteres Ergebnis dieser Studie: Elektroautos kommen für die weitaus meisten deshalb (noch) nicht in Frage, weil die Anschaffungskosten dafür noch viel zu hoch sind. 70 Prozent der deutschen und EU-weiten Befragten betrachten den Preis als einen entscheidenden Aspekt bei Autokaufentscheidungen, gefolgt von Sicherheit (59 Prozent in Deutschland, 30 Prozent EU-weit), Kraftstoffeffizienz (44 Prozent in Deutschland, 59 Prozent EU-weit) und Design (24 Prozent in Deutschland, 34 Prozent EU-weit). Andreas Stöcklin, Deutschland-Geschäftsführer bei Duff & Phelps, kommentiert: „Unser Auto Trends Report gibt einen Einblick in die Präferenzen der Generation, von der die meisten angenommen haben, dass sie sich für Transportalternativen zum Autobesitz entscheiden würden.“ Eine andere Studie der Marketingberatung Simon-Kucher & Partners vom Sommer dieses Jahres hatte gezeigt: Händler und Preis spielen beim Autokauf eine große Rolle, Design und Verarbeitung sind kaum relevant. Autowerbung wird kritisch gesehen, aber Rabatte erzielen einen positiven Effekt ().

Wie und wo informieren sich Endkonsumenten, wenn sie einen Autokauf planen? Erste Anlaufstelle sind noch knapp die Händler eines Herstellers (56 Prozent), jedoch dicht gefolgt von Online-Portalen wie mobile.de (55 Prozent). Beim Fahrzeugkauf selbst würden sich allerdings immer noch 76 Prozent der Autonutzer für den Händler eines Herstellers entscheiden. Das sind Ergebnisse der Automobilstudie 2019 von Simon-Kucher & Partners.

Antoine Weill, Partner bei Simon-Kucher, betont: „Der Preis ist bedeutend wichtiger als der Wiederverkaufswert sowie Wartungs- und Reparaturkosten, obwohl diese im Laufe des Lebenszyklus vergleichsweise mehr Kosten verursachen. Abgesehen von den preisbezogenen Kaufkriterien, sind Sicherheit und Verbrauch besonders relevant, auf Design und Verarbeitung wird hingegen deutlich weniger wert gelegt.“ Und wie bei der Befragung von Duff & Phelps zeigt sich auch bei der Studie von Simon-Kucher & Partner, dass sich 70 Prozent der Befragten beim Autokauf für einen Benziner entscheiden würden, wenngleich aber alternative Antriebe wie Hybrid (40 Prozent) und Elektro (24 Prozent) stark im Kommen sind. Ein weiteres Ergebnis: 41 Prozent der Endkonsumenten halten die Preisangaben in der Autowerbung für nicht transparent und verständlich. 42 Prozent wissen auch bereits im Voraus, welchen Preis sie für ein neues Auto bezahlen wollen, wenn sie den Händler aufsuchen. Den höchsten Kaufdruck erzeugen Rabattaktionen mit 41 Prozent und Abwrackpämien mit 36 Prozent. „Rabatte werden von den Endkonsumenten grundsätzlich positiv aufgenommen, wobei nichtmonetäre Rabatte häufig ebenso beliebt sind“, sagt Matthias Riemer, Director bei Simon-Kucher. 84 Prozent der Befragten halten eine Garantieverlängerung für attraktiv, gefolgt von der Mobilitätsgarantie (76 Prozent), einem Geld-Rabatt (68 Prozent) und einer Gratis-Sonderausstattung (54 Prozent).

Dieser Beitrag erschien zuerst bei „dossierB“

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Kommentare ( 14 )

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14 Kommentare auf "Umfrage: Junge Europäer lieben Autos mit Verbrennungsmotoren"

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Hm schade, dass diese Zahle nicht nach Länder dargestellt werden, denn zmd in meinem persönlichen Umfeld kann ich das nicht bestätigen. Da finden alle Greta toll und mutig und ich bin der einzige mit rääääächte Ansichten :/

Oh je, erst wählt die hier befragte Altersgruppe in Thüringen mehrheitlich AfD und nun will diese Altersgruppe auch noch Autos, schlimmer noch mit Verbrennungsmotor, kaufen. Jetzt müssen sicher die Anstrengungen, in der Schule beginnend, die jungen Menschen auf den richtigen Weg zu bringen deutlich verstärkt werden. Die Bemühungen laufen bereits wie unlängst aus einer Schule in Sachsen-Anhalt vom MDR berichtet wurde. Demokratie lernen auch außerhalb des Unterrichts wurde da beispielhaft berichtet. Die Krönung, als erstes darf auch eine Politikerin bei den Jugendlichen auftreten. Es ist Frau Kipping auf die sich die Schüler freuen dürfen.

Das Auto bedeutet neben der Unabhängigkeit außerhalb der (grün-roten) Ballungsgebiete vor allem NOTWENDIGKEIT für das tägliche Leben wie den Weg zur Arbeit, den Weg zum Kindergarten, den Weg zur Ausbildung, zum Einkaufen usw.
Das mag den Baerbocks dieser Welt nicht klar sein, trifft aber für die meisten Menschen auf dem Lande zu.
Nicht jeder lebt auf in den kleineren Gemeinden als Bienenzüchter oder Fohlenhofbetreiber. Das mag den sog. Eliten aus den Ballungszentren noch nicht klar sein, wird aber schmerzlich gelernt werden.

Auf Europa bezogen sieht man, dass man außerhalb mancher städtischer, grün-bürgerlichen Milleus noch ganz andere Vorstellungen vorherrschend sind. Und speziell zu Deutschland muss man sich fragen, wie gerade die links-grüne Politik mit ihrem Lieblingsteckenpferd, den Migraten, kommuniziert. Denn, wenn man die Jugend in Deutschland vom E-Auto überzeugen möchte, dann muss man dies ja mindestens zur Hälfte für fremde Millieus entwerfen. Aber alles, was ich bis jetzt gesehen habe, richtet sich doch nur an angepasste Mittelschichtsdeutsche. Wie überzeugt die Politik die Neuköllner Kundschaft wohl vom E-Auto?

Von Liebe kann nicht die Rede sein. Das war mal, geschätzt zuletzt bei den Fahranfängern der Nullerjahre. Junge aber auch alte Menschen sind heute, in der schnelllebigen und zentralisierten Welt auf Individual-Mobilität schlichtweg angewiesen. Und nur Verbrenner sind für die Masse in der Kosten/Nutzen-Abwägung brauchbar.

Liebe zum Auto findet man überwiegend bei jungen Migranten.

Bei jungen Männern mit Migrationshintergrund findet man außerdem die Liebe zum sinnlosen herumcruisen mit Auto. Den ganzen Abend krachend und kreischend durchs Städtle kreisen und 30 mal an der Eisdiele vorbei ist im Sommer keine Seltenheit.

Die Debatte wird viel zu dogmatisch geführt. Alle Antriebsarten können ja durchaus Sinn machen. In Deutschland aber soll das Auto bekämpft werden, weil die Linksgrünen wissen, daß sich nur ein Teil der heutigen Autobesitzer ein E-Auto wird leisten können und daß das Autofahren durch E-Mobilität insgesamt erstmal beschwerlicher wird. Mir will angesichts einer bevorstehenden Revolution des Autos durch autonomes Fahren nicht in den Sinn, weshalb der Individualverkehr zu Grabe getragen werden soll. Hallo? Das Gegenteil wird doch der Fall sein! Jeder Mensch wird sich in 15-20 Jahren eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung mit Car-Sharing leisten können, auch ohne Führerschein. Car Sharing Modelle sind… Mehr

Ich sehe das gerade bei 13-jährigen: In sind Daimler, BMW und Range Rover. Verbrenner natürlich, der Traum vor allem der Jungs mit Migrationshintergrund in der Klasse.

Alle grünen Parteimitglieder und Grünenwähler sollten gezwungen werden, ein E-Auto zu kaufen. Führung durch Beispiel!

Alleine das zu machen oder gar machen zu müssen, was sie selbst wollen, kommt für die Linksgrünen gar nicht in die Tüte. Entweder alle, oder keiner. Oder noch besser: nur die anderen. Denn die Weltenretter sind doch die Wichtigen, die selbst das Böse in Kauf nehmen „müssen“, weil es im Kampf für das „Gute“ unerlässlich ist (z.B. Fliegen fürs Klima, demnächst nach Madrid).

Wäre der Sprit nicht so teuer, und die Steuern nicht so hoch, würde ich mir liebend gern einen Mustang oder Camaro kaufen. Die Bundesregierung sollte mal drüber nachdenken, die Mineralöl- und Kfz-Steuer abzuschaffen. Dann würden mehr dieser Fahrzeuge gekauft, und die Handelsbilanz mit den Amerikanern ausgeglichener. Diese einseitige Vorteilsmahme der EU, und besonders der deutschen Autoindustrie ist unserem Verbündeten nicht umsonst ein Dorn im Auge. Und ausserdem zahlen die Deutschen eh zu viel Steuern. Da kann man diese Posten abschaffen, und alle haben was davon.

Ein Auto ist eben mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Nichts geht ueber den Klang eines Ferrari, der auf 9.000 Umdrehungen hochzieht. Elektro-„Motor“? Nein danke!