Stellantis: Katerstimmung folgt auf Transformations-Rausch

Der Automobilriese Stellantis meldet Milliardenabschreibungen für das zweite Halbjahr 2025. Zugleich verkündet die Konzernführung eine strategische Rückkehr zu klassischen Verbrennungsmotoren und stärkere Fokussierung auf Hybridantriebe. Die Mauer der grünen Transformationsillusion erhält die nächste Bresche.

picture alliance / abaca | LaPresse/ABACA
Stellantis-CEO, Antonio Filosa, Turin, Italien 25.11.2025

Schwarzer Tag für den Automobilkonzern Stellantis, dem Mutterkonzern von Marken wie Fiat, Chrysler und Opel. Am Freitag exekutierte das Unternehmen angesichts katastrophaler Geschäftsergebnisse seine E-Auto-Strategie und meldete Abschreibungen in Höhe von 22 Milliarden Euro, die sich allein während der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres kumulierten. Bilanztechnisch bedeutet dies für den zweitgrößten Automobilanbieter auf dem europäischen Markt einen Verlust von 19 bis 21 Milliarden Euro für diesen Zeitraum.

Erste Leidtragende dieses wirtschaftlichen Desasters sind die Aktionäre: Die Dividende für das laufende Jahr wurde unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen gestrichen. Und auch in den kommenden Jahren ist nicht damit zu rechnen, dass sich das Geschäft schnell erholen wird. Die Aktie verlor im Tagesverlauf bis zu 25 Prozent ihres Wertes und riss den gesamten Sektor in die Tiefe.

Blick auf den Weltmarkt
Das Märchen vom unaufhaltsamen Siegeszug des E-Autos
Stellantis-CEO Antonio Filosa nahm Stellung zu den angekündigten enormen Sonderabschreibungen. Er sprach angesichts der Krise des Unternehmens von einem „Business Reset“. Für Filosa sind die Belastungen die Folge einer überschätzten Geschwindigkeit der Energiewende, die das Unternehmen von den tatsächlichen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Wünschen vieler Autokäufer entfernt habe. Zudem spiegelten die Verluste frühere operative Fehlsteuerungen wider, die nun von einem neuen Team unter seiner Führung schrittweise bereinigt werden müssten. Eine bemerkenswerte Kehrtwende, die angesichts der wirtschaftlichen Realität und der ausbleibenden Nachfrage nach E-Autos nun vom Markt erzwungen wird.

Als Beleg für den strategischen Wandel der Firma wurde die Beteiligung an einem kanadischen Batteriewerk für symbolische 100 Dollar abgeschlossen – ein Projekt, das einst eine Milliardensumme verschlungen hatte. In den USA wird der reine Elektro-Pickup RAM 1500 REV vollständig aus dem Angebot genommen. Das Unternehmen kehrt zu klassischen Verbrennern und Hybridmodellen zurück. Gleiches gilt für eine Verzögerung der Elektropläne bei Alfa Romeo sowie für eine generelle Reduzierung des Engagements bei vollelektrischen Klein- und Mittelklassemodellen.

Politische Märkte sind Traumwelten

Stand heute können wir festhalten: Der von der Politik vollmundig angekündigte Elektroauto-Boom ist ausgeblieben. Nach Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs der Automobilindustrie, in denen die Hersteller von politischen Erzählungen der grünen Transformation verführt und Käufer mit E-Auto-Prämien gelockt wurden, setzt nach der künstlichen Euphorie nun der Kater ein.

Stellantis wird sich künftig stärker an der tatsächlichen Nachfrage orientieren und weniger von politischen Vorgaben leiten lassen. Die Entwicklung von Elektrofahrzeugen soll zwar fortgesetzt werden, künftig jedoch konsequent marktorientiert und stets mit Blick auf die Bedürfnisse der Käufer. Einmal mehr bewahrheitet sich die Lehre der klassischen Tragödie. Menschen lernen nur durch schmerzhafte Erfahrungen.

Investitionen in den USA
Stellantis flieht aus der EU
Stellantis ist dabei nur das jüngste Symptom der grassierenden Krise europäischer Autobauer. Ende des vergangenen Jahres kündigte Zulieferer Bosch an, weltweit weitere 13.000 Jobs zu streichen und seine interne Elektroautostrategie neu auszurichten. In der deutschen Presse wird derweil versucht, US-Präsident Donald Trump die Schuld an der Misere zuzuschreiben. So spricht die Tagesschau davon, dass der 180-Grad-Turn der US-Regierung, die Streichung der Elektroautoförderung sowie neue Abgasrichtlinien zu einem Nachfragekollaps im Elektrosegment beigetragen hätten.

Auf die ideologiefixierte Politik rollt nun ein Tsunami schlechter Nachrichten zu. Auch deutsche Automobilkonzerne ziehen nach und kündigen Strategiewechsel an. So verschieben beispielsweise Mercedes und der Volkswagen-Konzern große Teile ihrer Elektropläne, investieren wieder in Verbrennermodelle und rücken von einst als reine Elektroprojekte geplanten Vorhaben ab. Dem Beispiel folgt auch Porsche, das seine E-Rollouts reduziert und stärker auf Hybridvarianten setzt.

Wie lange wird es in diesem Umfeld wohl dauern, bis das Experiment des politisch erzwungenen Verbots der Verbrennertechnologie als klassischer politischer Kniefall vor der Realität endet? Mittelfristig werden Hybridantriebe und effiziente klassische Verbrennungsmotoren wohl das Rennen machen, denn niemand kann sich vom amerikanischen Binnenmarkt abkoppeln. Wer heute konkurrenzfähig sein will, insbesondere gegenüber der chinesischen Konkurrenz, muss dies berücksichtigen.

Hauptaugenmerk: US-Markt

Der toxische Mix aus selbst verursachter Energiekrise, restriktiven Regulierungsvorgaben der grünen Transformation und dem scharfen Wettbewerb aus Übersee hat die deutsche Automobilindustrie besonders hart getroffen. Das zeigt der Rückgang der Produktion seit dem Jahr vor den Corona-Lockdowns 2019: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nur noch rund 4,15 Millionen Autos gefertigt – ein Minus von etwa 18 Prozent gegenüber dem Vor-Corona-Niveau.

Die Hersteller weichen zunehmend auf andere, auch europäische Standorte wie Ungarn, Polen oder die Tschechische Republik aus. Nach Angaben des Branchenverbands VDA wurden im Zuge der Produktionskürzungen allein in den vergangenen beiden Jahren rund 55.000 Arbeitsplätze in diesem nach wie vor fundamentalen Industriebereich der deutschen Wirtschaft gestrichen.

Kollaps der Automobilwirtschaft
Gewerkschaften wollen den Status quo einfrieren
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Stellantis sein Hauptaugenmerk nun auf den amerikanischen Markt richtet. Dort betreibt das Unternehmen 34 Produktionswerke und beschäftigt 48.000 Mitarbeiter. Für die kommenden Jahre sind Investitionen in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar geplant, um wieder in den Wachstumsmodus zu gelangen. Dies lässt den Schluss zu, dass Europa bei den strategischen Überlegungen der Chefetage an relativer Bedeutung verliert.

Losgelöst vom traurigen Schicksal derer, die im Zuge der Stellantis-Krise aller Wahrscheinlichkeit nach ihre Existenz verlieren, gewährt der Fall einen tiefen Einblick in die Verheerungen, die politisch-ideologische Systeme auslösen. Je weiter der Graben zwischen dem politischen Wunschergebnis emissionsfreier Mobilität und der tatsächlichen Marktwirklichkeit aufreißt, desto teurer wird dieses wirtschaftliche Experiment. Die klassische Interventionsspirale gewinnt an Schwung.

Dass die Bundesregierung nun angesichts des fußlahmen E-Automarktes das bereits gescheiterte Instrument der Kaufprämie reaktiviert und mit Milliarden an Steuergeldern versucht, diesen Markt zu beleben, bestätigt diese These.

Man darf gespannt sein, zu welchen Ergebnissen der Strategiewechsel der europäischen Autobauer führen wird, wenn in politischen Kreisen die Erkenntnis reift, dass die Branche nicht länger der vorgegebenen Transformationslogik folgt.

Manchmal hilft es, Fakten zu schaffen und sich nicht länger auf medienwirksame Schauspiele wie Krisengipfel und Subventionsversprechen zu verlassen. Das dürften inzwischen selbst die vom Transformationstheater bezauberten Funktionäre der deutschen Automobilwirtschaft eingesehen haben.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 58 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

58 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
IOMHK
1 Monat her

Firmen wie Stellantis haben ICE- Autos als veraltet und e-Autos als die Zukunft vermarketet. Auf einmal wollen sie den Leuten wieder ‘veraltete’ Technik anbieten. Und solchen Firmen soll man noch vertrauen?

Will Hunting
1 Monat her

In unserer hiesigen Gegend gab es zwei Brände im Zusammenhang mit PV.
Sogleich wurde das Risiko marginalisiert.
Trotzdem blöd wenn einem die Hütte abbrennt weil man auf andere gehört hat.
Leider begreifen die Menschen es nicht.
Manipulation führt zu nichts Gutem.

jwe
1 Monat her
Antworten an  Will Hunting

Ich kenne Leute, denen ist schon 2 mal das Dach wegen Solar abgebrannt. Und jedes Mal wurden neu Panele aufgenagelt, weil die „neuen“ ja so viel sicherer sind. Der Deutsche ist Politik-hörig!

SvenFischer
1 Monat her

Erst wenn die ganzen Klimajünger verstanden haben, dass Transformation evolutionär unter Einbindung der Zustimmung der Bevölkerung erfolgen muss, könnte man sich auf den Weg machen. Das eine tun ohne das andere zu lassen. Bestehende Infrastruktur nicht zerstören, sondern bis zum wirtschaftlichen Ende laufen lassen und gleichzeitig in private PV Anlagen mit eigenen Stromspeicher investieren, ist der Weg. Grüner Wasserstoff ist genauso realistisch, als wenn die Erde eine Scheibe wäre. Vollkommen sinnbefreit. Windräder, werden bis auf aktuell eine Ausnahme, wahrscheinlich nie ohne Subventionen, gewinnbringend arbeiten können. Moderne Verbrennermotoren mit Hybrid verbrauchen weniger als 4 Liter. Also liebe Politiker, wacht endlich auf… Mehr

Don Didi
1 Monat her
Antworten an  SvenFischer

Die Evolution auf diesem Gebiet hat bereits vor über 100 Jahren stattgefunden, dabei ist die E-Mobilität ausgestorben.
Diese veraltete, evolutionär überholte Technologie wiederzubeleben, ist bisher jedes Mal kläglich gescheitert (MAN E-Busse in den 70ern, VW CitySTROMer in den 80ern, CitySTROMer II in den 90ern, sämtliche Versuche in den 2000/2010ern)..

gewitter
1 Monat her

Meine Pflanzen wünschen sich Co², zukünftig problematisch wird wahrscheinlich die Zufuhr von Wasser sein. Doch eine nachhaltige, positiv Wetter-fördernde Wasserwirtschaft haben die grünen Phantasten nicht auf ihrer Agenda, holzen lieber den Urwald ab um eine Autobahn zum Beweihräucherungstreffen zu bauen. Aber klar, mit Wasserwirtschaft ist ja kein Geld zu verdienen wie mit von den Bürgern subventionierten Windrädern, Photovoltaik-Anlagen oder diesen E-Karren, deren aller ökologische Fußabdruck bei der Herstellung in keinem Verhältnis zum Gewinn für den Bürger bei der Benutzung steht. Gewinner sind wie immer skrupellose Geschäftemacher, denen die nachhaltige Entsorgung dieser Errungenschaften völlig egal ist.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
1 Monat her

Verstehe ich nicht. Ein Fiat 500 La Prima mit 42 kWh-Batteriekapazität hat doch nur einen Listenpreis von knapp 35.000 Euro. Dafür bekommt man immerhin einen Kleinstwagen mit zwar mäßiger Qualität, aber immerhin schnuckeligem Aussehen. Und das will keiner haben?

Evero
1 Monat her

Wer hat’s gemacht?
Die schwarz-rot-grünen sozialistischen Klimaplanwirtschafter.

Bedankt euch bei dieser Sekte, der ihr auch begeistert gefolgt seid. Klimaprediger haben vollmundig eine neue Zeit eines Ökoparadieses versprochen, wo Milch und Honig fließt. Da hat wohl keiner nachgerechnet. So ist es meistens mit den „einfachen Lösungen“.
Das E-Auto als Vollersatz für Diesel und Ottomotor war von Anfang an ein Irrweg. Wegen der Versorgungssicherheit, wegen der Technikprobleme, wegen der fraglichen Nachhaltigkeit des ganzen Stromproduktionskreislaufs. Keiner hat sich bisher mit Recykling von Akkus, Solarzellen und Windrädern befasst. Zumindest liest man nichts darüber.

Last edited 1 Monat her by Evero
Der Ingenieur
1 Monat her
Antworten an  Evero

Keine der bisher 15 Milliarden einzelen Batteriezellen der Tesla-Fahrzeuge enthalt auch nur ein einzigs Gramm recycelten Rohstoff.

Micci
1 Monat her

„… Die Aktie verlor im Tagesverlauf bis zu 25 Prozent ihres Wertes …“

Nun ja: man hätte auch Edelmetalle kaufen können. Aber dann wäre man ja „rechts“ gewesen, anstatt grüne Superideen zu fördern.

Irgendwie kommt es mir so vor, als holten sich hier genau die Richtigen ihre blutigen Nasen …

Biskaborn
1 Monat her

Bislang liest man auch aus diesem Konzern in den Autozeitungen fast ausschließlich von neuen Elektromodellen , insofern darf man auf die Trendwende gespannt sein. Was die deutschen Autobauer anbelangt, die werden sklavisch, vielleicht mit minimalen Korrekturen , bis zum eigenen Untergang, zumindest hierzulande, der Politik folgen!

Donostia
1 Monat her

Für die kommenden Jahre sind Investitionen in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar geplant, um wieder in den Wachstumsmodus zu gelangen. Dies lässt den Schluss zu, dass Europa bei den strategischen Überlegungen der Chefetage an relativer Bedeutung verliert. Diese Strategie ist die einzige logische Konsequenz. Man ist nicht wettbewerbsfähig gegenüber chinesischen E-Autos, viele Verbraucher wollen auch kein E-Auto, und wenn dann das E-Auto auch noch vorgeschrieben wird und Verbrenner verboten, dann ist die logische Konsequenz in diesen Markt und diesen durch den Klimawahn überzogenen Energiepreisen und Umweltauflagen keinen müden € zu investieren. Die EU zerstört somit die europäische Autoindustrie, die dann… Mehr

GR
1 Monat her

Die Idee war gut. Sie wurde nur schlecht ausgeführt. Aber beim nächsten Mal klappt es bestimmt. Der Sozialismus siecht immer!