In der Iran-Krise überschlagen sich die Ereignisse. Im Zuge der Sperrung der Straße von Hormus und der brennenden Öldeponien explodieren die Energiepreise. In dieser Krise entdeckt die deutsche Politik den Zoll, um an der Grenze Steuersünder zu jagen, die auf der Suche nach günstigem Treibstoff sind.
picture alliance/dpa | Patrick Pleul
Ein Staatsgebilde ohne funktionierenden Grenzschutz ist kein Nationalstaat im eigentlichen Sinne. Es handelt sich hierbei lediglich um eine Art Siedlungsfläche.
Im Falle Deutschlands kennen wir diesen Zustand seit der bedingungslosen Grenzöffnung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel: ein klassischer Hippie-Staat, verlacht und verspottet in internationalen Medien.
Der Kern staatlicher Souveränität liegt in der Fähigkeit, über das eigene Grenzregime zu verfügen. Dazu gehört vor allem die Entscheidung darüber, welchen Individuen das Recht zugesprochen wird, innerhalb dieser Grenzen zu leben. Diese Entscheidung ist kein nebensächlicher Verwaltungsakt, sondern der fundamentale Ausdruck nationaler Selbstbestimmung und staatlicher Souveränität.
Auf der Grundlage dieses Prinzips bestimmt ein Gemeinwesen, wer Teil seines politischen, rechtlichen und sozialen Raumes wird. Ein Staat kann schlechterdings nur durch dieses Prinzip überhaupt existieren – erst recht dann, wenn er einen Sozialstaat als national autarkes Versicherungssystem betreibt.
Aus der Politik der fatalen jüngsten Dekade kennen wir allerdings ein konträres Prinzip: Grenzen seien im Grunde unkontrollierbar, eher vergleichbar mit permeablen Membranen. Klassischer Grenzschutz, so hieß es, lohne sich nicht mehr.
Umso mehr wirkt es heute wie aus der Zeit gefallen, dass nun der deutsche Zoll genau an jenen Grenzposten seine Arbeit aufgenommen hat, an denen vor allem Berufspendler im benachbarten Ausland die Gunst der Stunde nutzen, um sich mit vergleichsweise günstigem Sprit zu versorgen.
Sie wissen schon: diese Berufspendler. Jene Gruppe von Bürgern, die sich in ihrem Leben vor allem dem Einkommenserwerb widmet, die mit ihren Steuern das Staatswesen finanziert und die durch ihr alltägliches Funktionieren gewissermaßen als Stabilisator des Gemeinwesens wirkt.
Der Zoll hat damit vorübergehend eine Aufgabe übernommen, die es eigentlich längst nicht mehr geben dürfte: stichprobenartige Kontrollen an der deutschen Außengrenze. Ein kleines Wunder also.
Wenn es darum geht, mögliche Steuersünder herauszufiltern, scheint Grenzschutz plötzlich durchaus zu funktionieren. Beim millionenfachen illegalen Grenzübertritt war von derartigen Kontrollen in den letzten Jahren nichts zu sehen. Es sei denn, es war Wahlkampf. Da wurde ein ausgewählter Grenzposten an der deutsch-französischen Grenze medienwirksam mit einigen Statisten von der Bundespolizei besetzt.
Und damit gar nicht erst der Eindruck nationaler Souveränität aufkommen konnte, schufen die staatsaffirmativen Medien das Klima der allseits bekannten Willkommenskultur. Einer Kultur, die am Ende stets dort mündete, wo in Deutschland sowieso am Ende fast alles landet: beim Sozialstaat.
Also macht der deutsche Zoll nun Jagd auf Steuersünder und konstruiert den Fall folgendermaßen: Sie dürfen im benachbarten Ausland selbstverständlich Ihr Auto volltanken. Dagegen ist nichts einzuwenden. Problematisch wird es allerdings in dem Moment, in dem Sie beginnen, sich darüber hinaus mit Treibstoff einzudecken – etwa durch Vorratshaltung in größeren Kanistern.
Dann nämlich handelt es sich plötzlich um ein Steuerdelikt. Denn – und das wird Ihnen die Politik nur ungern offen sagen – rund 65 Prozent des Spritpreises in Deutschland entstehen durch den Fiskus. Der Staat greift hier auf vielfältige Weise zu: über die Energiesteuer, über CO₂-Abgaben und schließlich über die Mehrwertsteuer.
Diese Praxis der fiskalischen Belastung entfaltet nun in der Energiekrise, die durch die Sperre der Straße von Hormus zusätzlich verschärft wurde, eine ganz eigene Hebelwirkung. Die Nachbarländer verzichten darauf, ihre Bürger in der gleichen Höhe zu belasten, wie es Deutschland praktiziert. Entsprechend lohnt es sich für viele Autofahrer, hier und da einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen, um günstiger zu tanken.
Ein kurzer Abstecher über die polnische oder tschechische Grenze kann bei einer durchschnittlichen Tankfüllung von 50 Litern schnell schon zu einer Ersparnis von rund 25 Euro führen. Ein netter Ausflug ins Grüne ist dann ebenfalls möglich – das Gute mit dem Nützlichen verbinden. So weit klingt das vernünftig.
Doch in dem Augenblick, in dem Sie beginnen, Kanister zu füllen, machen Sie sich strafbar. Sie verwandeln sich damit quasi in eine Art Uli Hoeneß unter den Autofahrern: eine Persona non grata, die sich an dem vergreift, was nach Ansicht der deutschen Politik der Allgemeinheit gehört – sprich, dem Staatsapparat: Sie entziehen sich dem von Ihnen zu entrichtenden Staatsablass, auch Steuer genannt, eine Mehrfachabgabe auf jedes Produkt und auf jede Leistung, die Sie in Ihrem Leben in Anspruch nehmen oder selbst erzeugen.
Wäre nicht doch ein spontaner Wechsel auf ein Elektroauto die Lösung? Dies zumindest riet der lebenserfahrene Praktiker und Bundesumweltminister Carsten Schneider von der SPD, ausgestattet mit einer Kaufprämie von achtzig, nein, neunzig Prozent durch eine staatliche Fördermaßnahme, vorzugsweise natürlich für Fahrzeuge aus heimischer Produktion.
Deutschland würde dann seinem Ruf gerecht und wäre wieder der Motor einer europäischen Initiative, diesmal „Made for Europe“: wiederauferstandener Taktgeber einer emissionsfreien Kunstökonomie, wie sie sich Politiker wie Carsten Schneider und vermutlich auch der Bundeskanzler als Ideal erträumen. Eine Welt der am Reißbrett geplanten Ökonomie, gewissermaßen Habeckonomics, organisiert in den legendenhaften Fünfzehn-Minuten-Städten. Im Grunde braucht dort ohnehin niemand mehr ein Auto.
War das vielleicht auch die Botschaft der Landtagswahl in Baden-Württemberg? Man konnte jedenfalls den Eindruck gewinnen, dass auf die Kernschmelze der deutschen Energiewirtschaft nun auch eine Art intellektuelle Schmelze an der Wahlurne folgte – und genau jene Parteien gestärkt wurden, die das ökonomische Desaster, die Politik der offenen Grenzen und das alles durchdringende Lebensgefühl eines verdösten Hippie-Staates zur politischen Leitlinie erhoben.
Wie dem auch sei: Angesichts der vermutlich monatelang anhaltenden Krise im Iran dürfte eine Menge Arbeit auf den Zoll zukommen. Er jagt nun nicht mehr nur Schwarzarbeiter auf Baustellen, sondern auch jene Bürger, die mit ihren Steuern am Ende Gehälter und Pensionen des Staatsapparats finanzieren – und die in ihrem eigenen Existenzkampf hier und da versuchen, zehn oder zwanzig Euro an Abgaben zu sparen.
Es ist ein wenig wie beim Waffenrecht in Europa. Schwer bewaffnet sind im Grunde alle: der Staat selbst, seine Polizei, seine Armee, seine Geheimdienste – dazu viele der traumatisierten Zuwanderer und natürlich die organisierte Kriminalität. Die einzigen, denen man ein wirksames Recht auf Selbstverteidigung vorenthält, wie man es etwa in der Schweiz kennt, sind die steuerzahlenden Bürger.
Auf sie wird in jeder Hinsicht Jagd gemacht, selbst wenn sie notgedrungen versuchen, ein paar Euro zu sparen. Waidmannsheil.





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Die Spritpreiserhöhung und die Grenzkontrollen waren VOR der BaWü-Wahl bekannt. Dennoch haben ca. 2/3 die Nomenklatura wiedergewählt. Soo schlimm kann also die Verteuerung des Sprits für diese Wähler ja nicht sein.
Moment mal! In den Autos sitzt zu 75 bis 80% die Wählerklientel, die sich ganz fleißig diese Zustände herbeigewählt hat. Wer sich seit mehr als einer Dekade Gäste zu Kost und Logie einlädt, dem muss auch klar sein, dass dies finanziert werden muss. Dann schnell über die Grenze und dem Staat die größte Einnahmequelle schmälern? Womöglich sitzen da noch Rentner in den Autos, die vom Rentensystem profitieren, derweil spätere Generationen nur auf einem Berg Schulden sitzen bleiben. Nein, nein, so geht das nicht. Hiergeblieben und bezahlen! Und gerade in Brandenburg, dem Bundesland mit der längsten Grenze zu Polen – dort,… Mehr
Oh Mann , kommen Sie denen hier bloß nicht mit Ironie oder gar Sarkasmus . Den verstehen die „liberal-konservativen“ BRDlinge nämlich überhaupt nicht und werden richtig eklig . Und außerdem hagelts gleich Minuspunkte . 😉
Sehen Sie, so ist das. Ich wollte mich bei Ihnen mit einem 👍bedanken, prompt hat jemand den Zähler wieder auf Null gesetzt. Ist wahrscheinlich jemand vom Typ Meuthen – also Typ Liberal-Konservativ, vielleicht sogar ein Anhänger der Werte-Union?
Zollfreie Menge: Privatpersonen dürfen den vollen Tank des Fahrzeugs plus einen Reservekanister mit maximal 20 Litern Benzin oder Diesel steuerfrei aus einem anderen EU-Land nach Deutschland einführen.
SO weit ich weiß ist für eigenes Bedarf alles erlaubt und wer viel fährt hat großes Bedarf, oder etwa nicht? Steuer is auch bezahlt worden und zwar bei dem Kauf. Gib es da keinen der sich zu Wehr gegen diesen Hyänen setzt und den Anwalt nimmt oder ist das typisch für die Deutschen – der Staat sagt spring! und der Bürger fragt wie hoch? Ich meine nur- welchen Grund konnte Zoll erlauben, beim Durchqueren der inneren EU Grenzen in mein Auto zu schauen? Was soll dieses Theater?
Wenn das Steuergeld sinnvoll verwendet würde und es der Allgemeinheit
zugutekäme, könnte man das noch halbwegs verstehen.
Das Geld wird aber mit vollen Händen in der ganzen Welt verteilt, bevorzugt an die, mit denen wir eigentlich nichts zu tun haben.
Das Umsteigen auf ein E-Auto und E-Heizung lehne ich grundsätzlich ab. Denn beides sind Verarmung-Turbos die Arbeitsplätze, Wohlstand, Industrie und Souveränität vernichten. Ich bin keineswegs gegen technischen Fortschritt, aber ich will nicht zu denen gehören die kadavergehorsam den Motor Deutschlands zum abwürgen bringen. Ich will das es den Menschen gut geht und sie sich frei entfalten können. Das geht nicht wenn politisch-ideologischer Zwang herrscht. Wenn man an das ganze Land denkt, dann muß man sich als Einzelner gegen diese Übergriffigkeit wehren in dem man sich verweigert. So war es schon bei den Masken, den PCR Tests und der Impfung. Der… Mehr
Schon der zweite Fake-News Artikel hier. Der Zoll meint dazu: https://www.zoll.de/DE/Privatpersonen/Reisen/Reisen-innerhalb-der-EU/Steuern/Energieerzeugnisse/energieerzeugnisse_node.html KraftstoffeAls Privatperson können Sie Energieerzeugnisse, wie z.B. Benzin oder Dieselkraftstoff, in einem anderen Mitgliedstaat der EU für Ihren Eigenbedarf erwerben und grundsätzlich steuerfrei nach Deutschland mitbringen. Der Kraftstoff muss dabei von Ihnen persönlich befördert werden. Es ist erforderlich, dass der Kraftstoff in dem betreffenden Mitgliedstaat bereits versteuert und auf üblichem Wege, z.B. an einer Tankstelle, käuflich erworben wurde. Hinweis Kraftstoff dürfen Sie nur dann energiesteuerfrei aus einem EU-Mitgliedstaat einführen, wenn er sich im Tank Ihres Fahrzeugs oder in mitgeführten Reservebehältern befindet. Dabei wird eine Kraftstoffmenge von bis zu 20… Mehr
Was wollen sie uns hier nun weissmachen? Das dieser Verbrecherstaat seine Bürger nicht schikaniert? Das er die Grenzen vor Verbrechern Mördern und sonstigen Dahergelaufenen Halunken sichert??
Menschen wie sie sind der Grund für den Untergang dieses Landes!!
Er hat nur die geltende Rechtslage wiedergegeben. Und wenn Sie ein Gewerbe haben und sich eine DKV-Tankkarte zulegen, dann können Sie sich sogar die ausländische Umsatzsteuer erstatten lassen. Völlig legal.
Schon erstaunlich wie sehr manche Leute in ihrem Dauerleid durch die Fakten getriggert werden.
Es sind keine Fakenews. Der Artikel spricht klar und deutlich von Jagd auf Leute die mehr als die 20L extra mitnehmen. Da wir hier vermutlich nicht von Bürgern sprechen, die mit einem Tanklastwagen die Grenze passieren, sondern eher von solchen die halt zwei bis drei 20L Kanister transportieren (mehr geht in einem normalen Auto eh nicht in den Kofferraum), sind das Lappalien. D.h. wir reden hier von „Zollhinterziehern“ im Bereich von vielleicht 15-20€ „Schaden“ für den Staat. Deswegen Grenzkontrollen durchzuführen, die ja bei der illegalen Immigration, die pro Nase den Steuerzahler zigtausend Euro pro Jahr kostet, angeblich nicht möglich sind,… Mehr
Es geht nicht um die Einfuhr von Benzin, sondern um den Verdacht des gewerblichen Schmuggels. Man darf das Zeug, das man aus dem EU-Ausland unverzollt mitgebracht hat, nämlich nicht weiterverkaufen. Wer mehr als einen Reservekanister bzw. mehr als 20 Liter Benzin/Diesel außerhalb des festeingebauten Tanks dabei hat, begeht und beging schon immer Steuerhinterziehung! Und genau diese Leute werden jetzt gesucht. Mehr als 20 Liter Benzin darf man außerhalb des fest eingebauten Tanks ohnehin nicht transportieren! Dazu bräuchte man nämlich einen ADR-Schein und ein speziell gebautes Fahrzeuch, bei dem der Laderaum luftdicht vom Fahrerraum getrennt ist. Das ist bei PKW nie… Mehr
Danke für die ausführlichen Erklärungen.
Jetzt müsste nur noch plausibel erklärt werden, warum auf harmlose Sparfüchse an der Grenze die Jagd eröffnet wurde, derweil Kostgänger aus der Fremde unbehelligt bleiben. Das war nämlich der Tenor des Artikels. Aber die Erklärung dazu darf man besser nicht nicht abgeben.
Das ändert aber nichts dran, dass die Fakten Fakten bleiben.
Und da ist der größere Kanister (20 l) eben noch kein Steuerdelikt.
Ja, da muss man schnellsten den Digitaleneuro einführen, da könnte man sich den Grenzschutz, der eigenlich nicht geht, sparen. Dann kan man auch gleich die Menschen bestrafen, in dem man denen die Konten spert. Ist das nicht eigenlich der Grund dahinter? Wenn du nicht willst, wie du sollst, dann ……
Früher nannte man es sehr unschön „Wegelagerei“
Alle negativen Vokabeln erhalten heute sehr schön klingende Namen, z. B. GEZ (Gebühreneinzugszentrale) heißt heute Beitragsservice, wie nett.
Inhalte haben sich natürlich nicht verändert ❗