Negativzins: Das geldpolitische Paralleluniversum

Die Zentralbanken und eine ihrer Anstalten, der Internationale Währungsfonds IWF, möchten den Super-Negativzins zur Enteignung der Sparer, Bürger und Investoren im großen Stil nutzen. Sie betreten ein Paralleluniversum, in dem sie sich verlaufen werden.

Kennen Sie diese Horrorfilme, wo jemand in den Spiegel greift, weil der sich gerade so schön vor ihm verflüssigt und – Schwups – in ein spiegelverkehrtes Universum gesaugt wird, wo alles auf dem Kopf steht, die Buchstaben aussehen wie kyrillische Schrift, die Gesetze der Logik pervertiert sind und aus dem er nie mehr herauskommt? Hinter dem Spiegel lauert das Grauen, aber die morbide Neugierde unseres Protagonisten, die Mutprobe pubertätsvergifteter Jugendhirne oder der Größenwahn des irrsinnigen Wissenschaftlers geben der gruseligen Handlung eine Chance auf Entfaltung.

Bis in die 90er Jahre endeten solche Filme irgendwie meistens mit irgendeiner Art Happy End, meistens musste am Ende nur der Böse im unwirtlichen Paralleluniversum zurückbleiben, die Guten (meist ein ansehnliches Pärchen) entkamen der Falle mit knapper Not. In den letzten Jahren häufen sich aber die Filme des Horror-Genres, wo das nicht gut geht, das Böse siegt, die ewige Verdammnis kriecht aus dem Badezimmerspiegel bis in die Schlafzimmer.

So ähnlich, meine verehrten Leser, läuft es jetzt mit der Zinspolitik. Die Frankensteins, die Dr. Moreaus und Dr. Strangeloves der Zentralbanken haben den kleinen Finger durch den Spiegel gesteckt und die Welt damit bekannt gemacht, dass unter der Nulllinie ein neues unbekanntes Universum liegt. Man kann sich vorstellen, wie sie sich in ihrem Geld-Genlabor auf die Schenkel geklopft haben angesichts der scheinbaren Magie, die sie damit entfesselt haben:

Mit dem Negativzins haben sie eine Währung gefunden, die ihnen jetzt schon einige Jahre Zeit gekauft hat. Aber der faustische Pakt, auf den sie sich damit eingelassen haben, entfaltet jetzt seine ganze Sogwirkung. In den Fußstapfen seines früheren Mitarbeiters Kenneth Rogoff macht sich der IWF nun daran, nach dem Zeigefinger die Hand und das Gesicht durch die Spiegeloberfläche zu schieben, der Sog in den Abgrund der Negativzinsen wird schnell stärker.

Der Nullzins verrichtet sein Zerstörungswerk. Der Negativzins ist sein Turbolader.

Die wirtschaftliche Ursache dafür liegt auf der Hand. Der Nullzins hat dafür gesorgt, dass unproduktive, ineffiziente und eigentlich vom Markt auszusortierende Unternehmen am Leben bleiben. Sie wirken, abgesehen von ihrer Zerstörung der Bankbilanzen, wie ein Mühlstein am Produktivitätsfortschritt der Volkswirtschaft. Das Wachstum wird immer anämischer, selbst in einer Aufschwungphase. Und jetzt wo wir vor dem Abschwung stehen, hat die Geldpolitik kein Pulver mehr zu verschießen. Sie kann nur weiter in das unerforschte Land unter der Nulllinie vordringen in der vagen, aber leeren Hoffnung, mit noch höheren Negativzinsen die Investitionen anzufeuern und die Staatsfinanzen zu entlasten, so dass die Politik ein letztes fiskalisches Nachfragefeuerwerk a la Keynes veranstalten kann, finanziert durch die immer schneller galoppierende Enteignung der Sparer.

Kenneth „wann-bekomme-ich-endlich-den Nobelpreis?“ Rogoff möchte das Bargeld abschaffen

Herr Roggoff, der bereits vor Jahren Negativzinsen von 5, 6 oder 7 Prozent forderte, hat sehr fein erkannt, dass er das eigentlich nur durchsetzen kann, wenn das Bargeld abgeschafft wird, denn sonst legen sich die Menschen das Geld unter die Matratze, um sich vor dem Diebstahl zu schützen. Das hindert den Internationalen Währungsfonds IWF nicht, genau das zu fordern, weil er weiß, dass die Zentralbanken am Ende ihrer Weisheit angelangt sind, insbesondere die Europäische. Wer da immer noch glaubt, in unserem Finanzsystem sei alles bester Ordnung, der sollte sich vor Augen halten, wie verzweifelt unsere geldpolitische Obrigkeit sein muss, wenn sie solche Lösungsvorschläge ernsthaft ins Auge fasst.

Der IWF baut kreativ ein neues Hütchenschema.

Um das Bargeldproblem auszuhebeln, haben sich die keynesianischen Zauberlehrlinge was ganz Feines ausgedacht: Anstatt das Bargeld abzuschaffen, führen sie zwei Währungen ein: Bargeld und Sichteinlagen. Die Sichteinlagen kann man mit einem beliebigen Negativzins belegen und zwischen Bargeld und Sichteinlagen wird ein Wechselkurs eingeführt, den die Zentralbank willkürlich bestimmen kann. Bei einem Negativzins von 5% werden Ihnen dann am Ende des Jahres nur noch 95 Euro gutgeschrieben, wenn sie 100 Euro in Bar auf ihr Konto einzahlen wollen. Das ist nicht weniger als eine Währungsreform, ein Währungsschnitt, bei dem das Maß der willkürlichen Enteignung nur noch von der Laune der Bürokratie abhängt.

Sie sehen, verehrte Leser, hinter dem Spiegel betreten Sie wahrhaftig ein Land des Absurden, eine Sphäre des Surrealen, wie es sich Dali und Kafka nicht besser hätten ausdenken können.

Wir basteln an der Bombe, mit der wir uns selbst in die Luft sprengen.

Das bedeutet natürlich, dass die Bürger ihr Vertrauen in diese Währung endgültig verlieren werden. Die einsetzende Kapitalflucht wird den Euro auf ungeahnte Tiefen stürzen und einen sofortigen Inflationsimport zur Folge haben, der die Bürger noch schneller enteignet.

Die zweite Folge wird sein, dass die Banken nicht nur Anreize erhalten, sondern nachgerade gezwungen sein werden, Kredite an nicht kreditwürdige Schuldner zu vergeben, weil sie sich die Negativzinsen auf Einlagen bei der Zentralbank gar nicht mehr leisten können. Immer größere Summen an Geld und damit volkswirtschaftlichen Ressourcen werden so in Fehlinvestitionen gigantischen Ausmaßes fließen. Gleichzeitig werden Ertragslage und Qualität der Kreditportfolien der Banken beschleunigt erodieren und so die Zerstörung des Kreditsektors unumkehrbar machen.

Es ist nicht einmal wahrscheinlich, dass dies den Zentralbanken in dem sich jetzt anbahnenden Abschwung Zeit kaufen wird. Im Gegenteil: Die erodierenden Bankerträge sind der Zünder an der Bombe und die Beschleunigung dieser Erosion wird Zeit kosten und den großen Knall nach vorne ziehen.

Gleichzeitig wird die Enteignung der Sparer neue, gewaltige Ausmaße annehmen, denn ein Negativzins von 5% oder mehr wird dann die Substanz der Ersparnisse besteuern. Es gibt bereits Schätzungen, dass 40% der Deutschen durch die aktuelle Politik in die Altersarmut rutschen werden. Ihre geraubten Ersparnisse haben Konsum und Umverteilung nach Südeuropa finanziert, aber auch die Verschwendungssucht einer jedem Verantwortungsgefühl für die Zukunft des Volkes enthobenen großen Koalition und der sie stützenden politischen Einheitsklasse der „lieben Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen“ (Kramp-Karrenbauer) genährt. Der Super-Negativzins wird diese Zahl wohl auf 50% aller Deutschen erhöhen, im Laufe der Zeit auf noch sehr viel mehr. Der Geldsozialismus wird das Volk dann in die Massenarmut führen und kein Sozialprogramm kann daran noch etwas ändern. Da kann der SPD Vorstand Klausurtagungen abhalten, bis er schwarz ist und Gießkannen ausverkauft sind.

Ökonomie ist die Wissenschaft der Anreize, nicht der Töpfe.

Die Anreize für Sparen und Investieren werden dann endgültig umgewandelt in Anreize zum Konsum, zur Verschwendung, zur verzweifelten Spekulation. Die Früchte der Arbeit werden immer weniger geeignet sein, Lebensunterhalt und Vorsorge zu finanzieren, weil die Arbeitsproduktivität mit der Zombifizierung der Wirtschaft immer weiter fallen wird.

Wir werden feststellen, dass alle gesunden Anreize in der Welt hinter dem Spiegel, im Paralleluniversum Negativzins in ihr Gegenteil verkehrt werden. Schwarz wird weiß und weiß wird schwarz. Die Planwirtschaft des Geldes, das, was Roland Baader so treffend als Geldsozialismus bezeichnet hat, wird dann zu einer vollen kurzen Blüte gelangen. Wir werden dann feststellen, dass die Geschwindigkeit des wirtschaftlichen Ruins in der Spiegelwelt nur noch von der perversen Zerstörungswut des Krieges übertroffen wird. Es gilt das Wort des Kirchenlehrers Augustinus von Hippo: „Nimm vom Staat das Recht weg, was bleibt dann, als eine große Räuberbande.“

Man greift eben nicht ungestraft hinter den Spiegel, wenn man keine Ahnung hat, was sich dahinter befindet. Ein Gutes hat die Sache allerdings: Künftige Generationen werden aus diesem Desaster lernen können und es hoffentlich vermeiden. Das allerdings auch nur dann, wenn eine drastische Kehrtwende in Richtung einer freiheitlichen Ordnung es den Menschen finanziell wieder ermöglicht, Kinder zu bekommen und aufzuziehen.


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Kommentare ( 93 )

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Das einzige, was Sozialisten von Geld wissen ist, dass sie es von uns Bürgern haben wollen, um es schnell wieder auszugeben, für ihren Luxus als Salon-Sozialisten und für die angeblich „Armen“. Sozialisten könne nicht mit Geld umgehen. Wenn man ihren den Schlüssel zur Kasse überlässt, darf man sich nicht wundern, wenn anschließen alles weg ist…!

Nun, es gibt eine Währung, die im Kurs nie sinken wird und die dem, der sie ausreichend hat, dauerhaftes Oberwasser bescheren. Die Währung besteht aus Blei, das wahlweise ganz oder halb mit Tombak ummantelt ist, sie ist lange haltbar und absolut inflationssicher.

Hatten wir nicht schon genug Desaster in der Vergangenheit und haben wir etwas gelernt? Nein, es gibt immer einen, der meint er kann es besser und probiert es wieder. Politiker eignen sich hierfür besonders.

Weiß das alles auch der geneigte Wähler der Grünen aus dem Juste Milieu? Oder will er es nur nicht wissen?

Das ist nicht kafkaesk ode sonstwie besonders, das ist die mathematisch zwingende Folge aus einem Schuldgeldsystem mit nach oben offener Geldmenge. Die exakten Details des Endes sind im Grunde Nebensache, führen aber leider zu sehr realen Auswirkungen. Das ist aber alles nicht zufällig.

Wie gut, dass langsam aber stetig mein Vorrat an Goldmünzen wächst. Immer in bar, immer mal wieder woanders gekauft.
Selbst wenn ich mir langsam vorkomme wie in einem distopischen Roman …

Glaub mir, dann kommt ein Goldverbot für Privatleute. Gab es auch schon mal…

Zitat: „Es gibt bereits Schätzungen, dass 40% der Deutschen durch die aktuelle Politik in die Altersarmut rutschen werden.“

Der Lateiner unter den Sozialisten würde darauf antworten: „Wenum Juktum? Alte Leute können keinen Bürgerkrieg gegen die Eliten führen!“

Das können sie sehr wohl. Die meisten zivilen Waffen befinden sich in den Schränken von Menschen jenseits der 60. Man kann sich auch sicher sein, dass es mehr Munition in ziviler Hand gibt als in staatlicher.

Wenn der/die erste hungernde Rentner(in) den Sohn bittet ihn mit dem Leo 2A7 einmal zur Bank zu fahren damit er/sie Geld abzuheben kann wird es spannend.

Herr Krall,
Was wir sehen ist das Ergebnis einer völlig abgehobenen Pseudoelite, die in ihrer Überheblichkeit tatsächlich glaubt, die Naturgesetze ausser Kraft setzen zu können. Die Materialisierung des Wahnsinns beginnt nun langsam. Die Einfältigkeit der ökosozialistischen Gesinnungstäter kennt keine Grenzen und geht davon aus, dass es Wasserhähne gibt, aus denen der Wohlstand einfach so sprudelt. Es gibt diese Kaste im übrigen nicht nur in Europa, weite Bevölkerungsschichten aller westlichen Industrienationen sind mit dem Virus infiziert. Das wird ein böses Erwachen der Wohlstandsbourgeoisie.

Lernen können? Das glauben Sie doch selbst nicht!

Der Autor des Artikels hat ja, wenn ich mich recht entsinne, für das Jahr 2020, spätestens aber 2021 den Crash des Finanzsystems vorausgesagt, weil die Ertragsgrundlage der Banken durch die das Gebaren der EZB ausgelöscht wird. Aber mit den nun skizzierten Methoden lassen sich wieder Erträge generieren: Die Bank „verdient“ an der Annahme des Bargeldes mit Diskont, und auch beim Negativzins könnte man sie teilhaben lassen. Dass der Euro damit zu halten sein wird, ist natürlich eine Illusion. Aber vllt. ist genau das das Ziel. „Der Euro musste zu seiner Rettung vernichtet werden….“. Als Zwischenwährung, mit und parallel zu einem… Mehr