Beim Neujahrsempfang der IHK Halle-Dessau bezeichnete der Bundeskanzler den Atomausstieg als großen Fehler. Um das Energienetz vor dem grünen Flatterstrom abzusichern, will die Bundesregierung künftig massiv in Gaskraftwerke als Backup investieren. Reflexe aus einem Paralleluniversum.
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Ebrahim Noroozi
Am Ende ist es tatsächlich geschehen. Mit Bundeskanzler Friedrich Merz hat einer der führenden Vertreter des Energiewendekomplexes eingestanden, dass die ideologisch getriebene Zerstörung der Atomenergie ein strategischer Fehler gewesen sei. Beim Neujahrsempfang der IHK Halle-Dessau am Donnerstag fand der Bundeskanzler deutliche Worte mit Blick auf die Situation der Energiewirtschaft. Deutschland habe die teuerste Energiewende weltweit. Und, man höre und staune, eine bezahlbare und sichere Energieversorgung in unserem Land werde allein durch erneuerbare Energien, jedenfalls vorläufig, nicht gehen, so Merz.
Camouflage oder Einsicht?
Ein rhetorischer Tritt gegen das Schienbein der Proponenten der repressiven Energiepolitik, die Deutschlands Wirtschaft sprichwörtlich die Luft zum Atmen nimmt. Was die Chefideologen in Berlin, Brüssel und Paris als toxisch-regulatorischen Mix angerührt haben, hat die deutsche Industrie bislang rund 400.000 Arbeitsplätze gekostet. Die Produktion am Standort ist seit 2018 um etwa 20 Prozent gefallen. Deutschland hat im Sound der klimaapokalyptischen Weltrettung ganz ohne Zweifel seine Wettbewerbsposition verloren. Neue Geschäftsmodelle lassen sich unter diesen Rahmenbedingungen im energieintensiven – also im wertschöpfungsintensiven – Sektor nicht mehr entwickeln.
Es kam, wie es kommen musste. Energiepolitische Fehlentscheidungen wirken kaskadenartig durch die gesamte Wertschöpfungskette des Standorts und schlagen sich am Ende in steigenden Preisen nieder. Wie aufgetürmte Wellen branden sie gegen die zunehmend aufgeweichten Schutzdeiche privater Haushalte und Unternehmen. Der Dammbruch ist bereits geschehen.
Das Land verliert Jahr für Jahr zwischen 60 und 100 Milliarden Euro an direkten Investitionen. Es handelt sich dabei nicht um flüchtiges Börsenkapital, sondern um ganz reale Mittel, die andernorts in den Aufbau wirtschaftlicher Kapazitäten fließen. Wer es in Berlin noch immer nicht begriffen hat: Die sogenannte grüne Transformation ist ein politisches Zerstörungsprogramm, das Deutschland faktisch aus dem Spielfeld der großen Industrienationen katapultiert hat.
Vor den rund 800 Teilnehmern des Neujahrsempfangs gab der Bundeskanzler zugleich einen Hinweis auf die Zukunft der deutschen Energiepolitik. Man wolle eine sichere und stabile Energieversorgung gewährleisten, indem neue Gaskraftwerke in einen, wie Merz es nennt, “systemdienstlichen Technologiemix” eingebaut werden.
Teures Wendevergnügen
Übersetzen wir diese technokratische Floskel in die Realität: Steuerzahler und Verbraucher werden bis 2031 einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag aufbringen müssen, um eine parallele Energieinfrastruktur aufzubauen, die Wirtschaft und Haushalte vor dem Problem der Dunkelflauten absichert – also jenen systemischen Kollaps verhindert, der droht, wenn weder Wind weht noch die Sonne scheint. Dann werden diese Reservegaskraftwerke zugeschaltet, um die Grundlast im Netz zu sichern. Klingt es in Ihren Ohren gleichermaßen nach? Wind und Sonne schicken keine Rechnung?
Dass am Ende die realen Kosten die schöngerechnete Kalkulation der Berliner Energieexperten wahrscheinlich um den Faktor zwei bis drei übersteigen werden, ist nach den Erfahrungen mit staatlicher Inkompetenz wohl ausgemachte Sache.
Finanziert werden soll das Vorhaben über staatliche Fördermittel aus dem Bundeshaushalt und der Strompreisumlage. Zwar bedarf der neue Subventionsmoloch noch der Genehmigung durch die EU-Kommission im Rahmen eines Beihilfeverfahrens, allerdings gilt dies als Formsache. Wer wollte schon einen einstigen Industriegiganten wie Deutschland als Failed State in unmittelbarer Nachbarschaft erleben?
Ein teures, ein groteskes Schauspiel, das der deutschen Konkurrenz im Ausland wohl die Tränen vor Lachen in die Augen treiben dürfte. Die Bundesrepublik ist damit politisch an einem Punkt angelangt, an dem einerseits die katastrophale ideologische Fehlsteuerung eingestanden wird, auf der anderen Seite aber alles dafür getan wird, genau diesen Kurs fortzusetzen.
Deutsche Unternehmen operieren inzwischen mit Energiekosten, die etwa dreimal so hoch liegen wie bei der amerikanischen Konkurrenz. Und je nach Tagespreis mindestens doppelt so hoch wie beispielsweise in Frankreich, das bekanntermaßen im Wesentlichen auf Atomstrom als Energiequelle setzt.
Berliner Paralleluniversum
Dass der Bundeskanzler mit seinem indirekten Bekenntnis zur Kernkraft die über Jahrzehnte wie eine empfindliche Pflanze gehegte Anti-AKW-Bewegung mit leichter Hand abräumte, wirkt wie eine zynische Parenthese aus dem Berliner Paralleluniversum. Jetzt, da der Hase längst im Pfeffer liegt, erscheint Merz’ rhetorische Intervention wie billiger Gratismut – eine Feststellung, die landauf, landab von jedem vernünftigen Bürger seit Jahren geteilt wird.
Die Republik steht also wieder einmal vor vollendeten Tatsachen. Was das im Detail bedeutet, lässt sich aus der Vergangenheit klar ableiten. Berlin und Brüssel werden die bereits bestehenden Kanäle – Förder- und Subventionsströme der grünen Maschine – mit frischem Kredit fluten und das Land immer tiefer in die Schuldenkrise treiben.
Mit diesem energiepolitischen Schritt wandert zugleich enorme Macht in den Berliner Regierungsapparat. Denn wer die Energiepolitik bestimmt, dominiert die gesamte Ökonomie. Dies gilt zumindest für den Zeitraum, in dem sich ein derart zentral geplantes Regime am Kapitalmarkt mit frischem Kredit und beim Steuerzahler über höhere Abgaben bedienen kann. Steigende CO₂-Abgaben, die Ausweitung der Erbschaftssteuer auf Betriebsvermögen und höhere Gewerbesteuerhebesätze unterstreichen, dass man diese Politik nun im Abwehrkampf mit harter Hand durchsetzen wird.




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Keine Sorge. Diese 12 Gigawatt Gaskraftwerke bis 2031 sind reine Hirngespinste. Denn erstens sind die Kapazitäten der Turbinenhersteller auf Jahre hinaus völlig ausgebucht. Und zweitens wird sich überhaupt kein Betreiber für diese „Backup“-Kraftwerke finden, denn jeder weiß, dass solche Kraftwerke unmöglich rentabel arbeiten könnten, wenn sie immer nur zeitweise als Lückenbüßer einspringen dürften. Fritzchens Träume bleiben deshalb doch nur Schäume.
Das in meinen Augen allerschlimmste ist, dass dieser Lüg..kanzler auf dem Neujahrsempfang einer „IHK“ (!) für diesen seinen Vortrag auch noch Applaus bekommen hat!
Wir sind tatsächlich verloren; Schluss-Aus-Finito !
So von aussen gesehen und im Rückblick muss man feststellen: wenn Merz den Mund aufmacht, kommt eine Lüge raus.
Es wundert nur, dass seine Zuschauer/Zuhörer da noch klatschen – die machen sich selbst damit nur noch lächerlich.
Nun, mal sehen, was aus diesen Plänen wird, wenn Trump dann mal die LNG-Lieferung sperrt – sei es wegen Eigenbedarf, sei es wegen Unbotmässigkeit der Unterhunde.
Zur Erinnerung an 2022. Robert Habeck will Strom aus der Ukraine: Übersicht mit KI „Ja, Robert Habeck hat sich für eine engere Energiepartnerschaft mit der Ukraine eingesetzt, um die europäische, insbesondere deutsche Energieversorgung zu stärken, auch im Kontext des Krieges mit Russland, wobei die Ukraine bereits 2022 eine Ausweitung der Stromexporte in die EU angeboten hatte, um zu helfen, wie MDR berichtet. Sein Ziel ist es, die Abhängigkeit von russischen Energieträgern zu verringern und die Energiewende zu beschleunigen, wobei er die Ukraine als potenziellen Partner für den Wiederaufbau und die Klimaneutralität sieht.“ 2026: Übersicht mit KI „Nein, Deutschland bekommt aktuell keinen regelmäßigen Strom… Mehr
Die sogenannte „grüne Transformation“ ist ein politisches Zerstörungsprogramm für Deutschland!
Wo bleibt die politische und juristische Abrechnung dieses Zerstörungswerks?
Super
Lasst uns doch eine 3 fache Infrastruktur unterhalten.
Dann wird Energie sicher spottbillig
Den unsinnigen Wasserstoff nicht vergessen, damit man unbezahlbare eFools herstellen kann.
Man was wurde da geklatscht !
Beifall wie weiland in Ostberlin auf einem SED-Parteitag.
Soll mir keiner erzählen, dass auch nur ein einziger von den 800 Teilnehmern da in Dessau , von dem Desaster, welches die Politclowns in den letzten 20 Jahren wirklich betroffen ist. Das es auch nur irgendeinen stört.
Wenn es denn einen gäbe, er hätte statt zu jubeln, einem Bundeskanzler, der sich bisher durch nichts als Lügen ausgezeichnet hat, Paroli geboten.
Allein , es gab keinen unter den Klatschhasen.
Diese Gaskraftwerke sollen schon seit Jahren gebaut werden. Passieren tut aber nichts. Turbinen sind eh ausverkauft. Wieder einmal was von einem Zettel vorgelesen der anschließend in den Papierkorb fliegt.
Durch Zufall bin ich an einen Auftrag zur Review eines internen Berichts über die Energieversorgung Deutschlands geraten, das war noch vor Fukushima (’09 oder ’10). Eigentlich nicht ganz mein Thema, aber wer lehnt schon Geld dafür ab, mit Markierstift und Randbemerkungen nebst Schlußbericht, zwei gutbezahlte Wochen zu verbringen? Wie auch immer, schon damals gab es große Bedenken wegen der „Erneuerbaren“, was die allgemeine Verfügbarkeit und die Verteilung von Energie (Netzausbau) anbelangte. Daß sich nach 2011alles derart extrem gestalten würde, konnte keiner ahnen, der von einer gewissen technischen Ratio ausging. Als Marker würde ich die Redispatch- Maßnahmen, also Notfall- Management im… Mehr
Wurde der „Spähtrupp“ aus Grönland hastig abgezogen, damit wir angesichts leerer Gasspeicher auch weiterhin LNG Lieferungen aus USA bekommen? Soviel Weitblick hätte ich unserem politischen Spitzenpersonal garnicht zugetraut.(Satire off)