US-Zinsen, Gipfelhoffnungen und Ölpreisspekulationen

Deutschland und der Abschwung, diese zwei Begriffe gehören seit Kurzem wieder zusammen. Dies bestätigen neue Werte der Konjunkturindikatoren.

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Wer hat an der Zinsschraube gedreht? Es waren natürlich die US-Zentralbanker um Jerome Powell, die in diesem Jahr bereits drei Erhöhungen veranlassten. US-Präsident Trump findet das nicht gut, fallende Aktienkurse wie zuletzt sind schlecht für das Image des Präsidenten beim Wähler. Haben etwa Trumps Tiraden mit dazu geführt, dass der Fed-Chef seinen Masterplan ändert? Die aktuelle Leitzinsspanne von zwei bis 2,25 Prozent liege „knapp unter“ dem geschätzten neutralen Niveau, mit dem die Wirtschaft weder gefördert noch gebremst werde, ließ Powell verlauten. Im Dezember wird noch erhöht, der Kurs 2019 könnte aber milder ausfallen. US-Investoren klang es süß wie Glöckchen in den Ohren, sie ließen sowohl Dow als auch die Techbörse Nasdaq kräftig steigen. Gäbe es auch beim G 20-Gipfel an diesem ersten Adventswochenende zwischen Trump und Chinas Premier Xi freundliche Töne in den Handelsgesprächen, wäre das wohl die befestigende Kadenz, um die Tonart an den Börsen nachhaltig von Moll zu Dur übergehen zu lassen.

Die Anleger am US-Aktienmarkt sind am Freitag vor den Zoll-Gesprächen zwischen den USA und China jedenfalls schon einmal etwas optimistischer geworden. Der börsenseitig durchwachsene November endete nach der Talfahrt im Oktober damit doch noch recht versöhnlich. Der marktbreite S&P 500 und der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 verzeichneten die stärksten Wochengewinne seit 2011. Der Dow Jones Industrial verbuchte mit einem Plus von 5,2 Prozent immerhin sein kräftigstes Wochenplus seit zwei Jahren. Den Freitag beendete der US-Leitindex mit einem Aufschlag von 0,8 Prozent bei 25.538 Punkten. Im Monat November legte er damit um 1,7 Prozent zu, nachdem er im Oktober etwas mehr als fünf Prozent eingebüßt hatte. Der marktbreite S&P 500 stieg am Freitag um 0,8 Prozent auf 2.760 Punkte und erzielte so einen Wochengewinn von 4,9 Prozent. Der NASDAQ 100 rückte am Freitag ebenfalls um 0,8 Prozent vor, auf 6.949 Zähler. Sein Wochengewinn beläuft sich auf 6,5 Prozent.

Seitens der Unternehmen überwogen vor dem Wochenende dennoch negative Nachrichten. Im Dow büßten die Aktien der Bank Goldman Sachs am Index-Ende 2,1 Prozent ein. Im milliardenschweren Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB intensiviert die US-Notenbank Fed offenbar ihre Untersuchungen gegen den US-Branchenriesen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen schreibt, wird untersucht, ob und wie Goldman-Manager interne Regeln umgangen haben. General Electric (GE) büßten 5,5 Prozent ein, wodurch dem jüngsten, zaghaften Erholungsversuch wieder ein Ende gesetzt wurde. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, haben frühere Mitarbeiter die erst vor kurzem aus dem Dow geflogene Industrie-Ikone gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC schwer belastet. Sie hätten gesagt, dass GE Risiken im Versicherungsgeschäft ignoriert und daher zu wenige Reserven gebildet habe. Um 5,6 Prozent abwärts ging es zudem für die Anteile der Hotelkette Marriott. Infolge eines Hackerangriffs wurden der Tochter Starwood Daten von bis zu einer halben Milliarde Gäste gestohlen. AT&T gewannen dagegen 2,2 Prozent und profitierten von der Bekanntgabe der ambitionierten 2019er Ziele für den Gewinn. Auch die Papiere des PC- und Drucker-Herstellers HP fanden im Handelsverlauf ins Plus und legten um 0,6 Prozent zu. HP hatte am Vorabend Geschäftsjahreszahlen vorgelegt.

Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Freitag von seiner schwächeren Seite gezeigt. Der Dax schloss 0,5 Prozent im Minus bei 11.257 Punkten. Auf Unternehmensseite stand zum Wochenschluss erneut die Deutsche Bank im Fokus. Die Razzia wegen des Verdachts auf Geldwäsche ging auch am Freitag weiter. Bereits am Donnerstag hatten die Staatsanwaltschaft und das Bundeskriminalamt mehrere Standorte des Geldhauses durchsucht. Am Freitag fiel die Deutsche Bank-Aktie auf ein neues Rekordtief bei 7,99 Euro.

Bei den Autowerten ging es aus Unsicherheit über den Ausgang des Handelsstreits nach unten. Die Daimler-Aktie verlor zeitweise mehr als drei Prozent, fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit Sommer 2013. Ein negativer Analystenkommentar der Großbank HSBC belastete zusätzlich. Der Experte beurteilt die Aussichten für die Stuttgarter durch Gegenwind aus China, Währungseffekte und hohe Kosten als eingetrübt.

Um knapp drei Prozent nach oben ging es indes für die Bayer-Aktie. Der tags zuvor angekündigte, geplante Konzernumbau – darunter die Streichung von mehr als jeder zehnten Stelle weltweit – stieß bei Analysten auf Zustimmung. Am Donnerstag hatten noch die Milliardenabschreibungen im Zuge der Neuaufstellung auf die Stimmung der Anleger gedrückt.

Der Ölmarkt sorgt derzeit aufgrund heftiger Preisbewegungen für Schlagzeilen. Zuletzt rutschte die Notierung der Sorte WTI auf knapp 50 US-Dollar das Barrel (159 Liter). Daher mehren sich die Signale, dass die OPEC (der Zusammenschluss der meisten Öl exportierender Länder) ihre Produktionsquoten bei der nächsten Sitzung am 6. Dezember in Wien reduzieren wird. Dies dürfte je nach Ausmaß der Kürzung der Produktionsziele den Ölpreis mehr oder weniger stützen. Wie viel Preismacht das Ölkartell einst besaß, zeigt ein Jubiläum. Im Herbst vor 45 Jahren sorgte die OPEC durch die Drosselung von Öllieferungen für autofreie Sonntage in Deutschland. Der Machtverlust in den vergangenen Jahren ist auch dem Aufstieg der USA als Fördernation geschuldet. So beläuft sich das jährliche Produktionsvolumen der USA inzwischen auf knapp zwölf Millionen Barrel Öl. Das ist der höchste Wert seit 98 Jahren und etwa so viel wie Saudi-Arabien per annum aus dem Wüstenboden holt. Tendenz stark steigend. So stellte die US-Ölindustrie im August über zwei Millionen Barrel Öl mehr zur Verfügung als im Vorjahresmonat. Und das entspricht dem Doppelten der Tagesproduktion des OPEC-Mitglieds Oman.

Deutschland und der Abschwung, diese zwei Begriffe gehören seit Kurzem wieder zusammen. Dies bestätigen neue Werte der Konjunkturindikatoren. So ist das Konsumklima auf ein Anderthalbjahrestief gefallen und der Ifo-Geschäftsklimaindex weiterhin auf Talfahrt. „Die deutsche Konjunktur kühlt ab“, fasst Ifo-Chef Clemens Fuest den unerfreulichen Trend zusammen. Eine Rezession ist aber unwahrscheinlich. Die Auftragsbücher in der Automobilindustrie sollten sich in den kommenden Monaten füllen, wenn die Zulassungen im Rahmen des neuen WLTP-Testzyklus vorliegen, so Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe. Darüber hinaus sprechen die gute Beschäftigungssituation und die niedrigen Zinsen für eine stabile Binnenwirtschaft. Weiteres Plus: Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft hat sich etwas erholt. Dafür sind vor allem die chemische Industrie sowie die Nahrungs- und Genussmittelhersteller verantwortlich. Auch die Textilindustrie erwartet steigende Umsätze im Ausland. Merkliche Dämpfer mussten hingegen die Unternehmen aus dem Maschinenbau und der Elektrobranche verkraften.

Manche Politiker erhalten eine Menge Vorschusslorbeeren, wenn sie die Macht übernehmen. Bei Andres Manuel Lopez Obrador, kurz AMLO, der am Samstag als neuer Präsident von Mexiko vereidigt wird, sieht das aus Investorensicht ganz anders aus. Denn nach dem Wahlsieg des Links-populisten sind der mexikanische Aktienmarkt, die Anleihen und die Währung des Lands auf Tauchstation gegangen. Anleger fürchten das Risiko, dass der Neue Präsident seine Politik mithilfe von Volksbefragungen durchzieht. So will AMLO aufgrund des negativen Votums der Mexikaner gegen den teuren Neubau des Flughafens in Mexiko-Stadt eines der wichtigsten Infrastruktur-Projekte des Landes nach seinem Amtsantritt stoppen. Auch das Verbot von Gebühren auf bestimmte Bankgeschäfte steht noch auf dem Programm von AMLO, das bei heimischen und internationalen Anlegern für Unruhe sorgt. ​


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Kommentare ( 3 )

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„So beläuft sich das jährliche Produktionsvolumen der USA inzwischen auf knapp zwölf Millionen Barrel Öl.“
Oh, oh, das wären am Tag (12 Mio. Barral / 365) so 33.000 Barrel. Das ist in etwa die gewöhnliche Verarbeitungskapazität nur EINER mittleren Raffinerie!!!
Die USA fördern jährlich jedoch etwa 550 Millionen Tonnen Erdöl.
Da ist Ihnen was mit der Dimension arg durcheinander geraten, oder?

2019 wird ein spannendes aber bestimmt kein gutes Wirtschaftsjahr. Die Automobilindustrie unter politischem Dauerfeuer, steigende Energiepreise, Karstadt/Kaufhof Fusion und diverse Mode Label mit Finanzproblemen. Entlassungen in diversen anderen Bereichen bereits hier und angekündigt, Inflation eh schon zu hoch, Instabile und planlose Regierung, Brexit etc.

Zinserhöhungen muss man den Börsen immer behutsam…in kleinen Schritten und in größeren Zeitabständen ankündigen…das will Trump auch damit Aussagen…wenn er gegen eine zu schnelle Zinserhöhung sich ausspricht. Auch Spricht Trump damit auch im Interesse der EZB..die eine Zinserhöhung im Dollar Raum fürchten muss wie der Teufel das Weihwasser…und mit der EZB auch die EU