Nordkorea-Krise belastet auch die Börse – Gewinnmitnahmen

Starke Rohstoffe, Reputationswerte der Autohersteller im Sinkflug.

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Das dominierende Thema an den internationalen Börsen war in den vergangenen Tagen der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea. Er dürfte auch in den kommenden Tagen ganz oben auf der Agenda der Investoren stehen. In Deutschland bleibt der erstarkte Euro ein weiteres Problem.

Nach dem Kursrutsch der vergangenen Woche lohnt es sich, einen Blick auf die Charts zu werfen. Die 200-Tage-Linie des DAX beispielsweise ist beliebt, weil sie die Tagesschwankungen des Index glättet und dadurch ein besseres Bild vom aktuellen Trend liefert. Spannend wird es, wenn der Chart seine 200-Tage-Linie schneidet. Ein Durchbruch nach unten gilt als Verkaufssignal. Derzeit liegt die kritische Marke für den DAX bei etwa 11 900 Punkten. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass der DAX oft nur kurz unter die 200-Tage-Linie rutscht und sich dann erholt.​

Auch wenn Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un lange belächelt wurde, sorgt er derzeit mit seinen Angriffsdrohungen gegen die USA doch für nervöse Reaktionen an den Finanzmärkten. Erste größere Absatzbewegungen raus aus risikoreicheren Anlageklassen wie Aktien hin zu den Sicherheitsinvestments wie Gold, Staatsanleihen und Schweizer Franken sind festzustellen. Da helfen gute Konjunkturindikatoren und durchaus ordentliche Unternehmensgewinne nur bedingt. Die mögliche Ausweitung des Konflikts im Pazifik drückt schwer auf die Stimmung, aber auch Gewinnmitnahmen nach dem Kursaufschwung der vergangenen Monate belasten den Aktienmarkt. Ein großer Ausbruch nach oben dürfte in diesem Umfeld daher kurzfristig schwerfallen.

Bergbau legt zu

An sich ist es ein gutes Zeichen, wenn die Preise für Aluminium, Kupfer und Eisenerz wie zuletzt kräftig steigen. Schließlich sind Industriemetalle ein hervorragender Indikator für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Wird global fleißig investiert, gebaut und die Infrastruktur auf Vordermann gebracht, steigt die Nachfrage nach Metallen, und deren Notierungen ziehen an. Manchmal sorgen auch Sonderfaktoren wie die aktuelle Überschätzung der E-Mobility für Fantasie. Doch es gibt auch warnende Stimmen. So sei ein Teil der Rally rein spekulativen Investoren geschuldet. Und bei Aluminium, das mit mehr als 20 Prozent Plus 2017 den größten Preissprung der wichtigsten Metalle hingelegt hat, ist ein Teil des Booms auf mögliche und tatsächliche Förderkürzungen in China zurückzuführen. Nur ist bisher wenig geschehen und Experten erwarten über kurz oder lang sogar steigende Produktionsmengen, die einen Preiseinbruch provozieren könnten. Bis dahin sind die Bergbaukonzerne die größten Profiteure des breiten Aufschwungs. Die Kurse von BHP Billiton, Rio Tinto und Vale haben allein im vergangenen Monat um bis zu zehn Prozent zugelegt.

Automobilindustrie Reputationsverlust

Die Automobilindustrie steckt in einer schweren Vertrauenskrise. Was als „Dieselskandal“ zunächst vor allem mit dem Volkswagenkonzern verbunden wurde, hat nicht nur das Ansehen der Dieseltechnologie ruiniert und zu sinkenden Marktanteilen dieser Technik geführt. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die zuletzt aufgetürmte Flut an Negativnachrichten auch den Markenabsatz beschädigt. Im Juli war das Medienbild von BMW und Daimler nach einer Analyse von Media Tenor International nur noch graduell besser als das von Volkswagen. Mit einem Negativsaldo von mehr als 40 Prozentpunkten lag der Reputationswert dabei dramatisch unter der Benchmark von plus zehn, der für eine gute Reputation Voraussetzung ist. Nach einer kürzlich vorgelegten Studie von Dewenter, Heimeshoff, Thomas lässt sich der Langzeiteffekt positiver und negativer Berichterstattung auf den Absatz klar belegen. „Aktionäre müssen daher auf der Hut sein: Außer dem Aufwand für mögliche Nachrüstungen, Strafzahlungen und Rückrufe droht ein weiterer Finanzschaden durch Reputationsverluste“, so Matthias Vollbracht, Leiter Unternehmensresearch bei Media Tenor International.

Die Woche war an der Börse in der Rückschau also ziemlich durchzogen. Die schwelende Nordkorea-Krise brockte dem Dow Jones Index den größten Wochenverlust seit März ein. Der US-Leitindex fiel im Wochenvergleich um 1,06 Prozent. Allerdings hatte das Börsenbarometer erst am Dienstag noch zum zehnten Mal in Folge ein Allzeithoch erklommen.

Am Freitag nun erholte sich der Dow minimal von seinen jüngsten Verlusten und legte um 0,07 Prozent auf 21 858 Punkte zu. Für den breiter aufgestellten S&P 500 ging es um 0,13 Prozent auf 2441 Punkte nach oben, und der NASDAQ 100 stieg um 0,75 Prozent auf 5831Punkte. Er war am Donnerstag noch um mehr als zwei Prozent eingeknickt.

Auf Unternehmensseite war unter anderem der Kursrutsch bei den Aktien von Snap um rund 14 Prozent Gesprächsthema, nachdem das Unternehmen hinter der populären Fotoapp Snapchat mit einem verhaltenen Wachstum im vergangenen Quartal erneut enttäuscht hatte. Zudem schwoll der Verlust im Jahresvergleich deutlich an, während der Umsatzanstieg je Nutzer hinter den Erwartungen blieb.

Die Aktien von Pfizer reagierten mit einem Minus von rund 0,5 Prozent auf die Nachricht, dass die Wettbewerbshüter das Generika-Geschäft des Pharmakonzerns untersuchen.


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Kommentare

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  • Amelie Borkhoff

    Nord Korea ist keine Krise sondern ein Fakt. China hat sich eindeutig positioniert: Schießt ihr auf Nordkorea, dann Gnade euch Gott, Schießt Nordkorea, dann sind wir neutral.
    Das Ganze ist so was von Abartig aber man kann die Machenschaften einiger Milliardäre nicht korrigieren. Insofern bin ich froh, dass Kim Jong irgendwas Atomwaffen hat. Die,die sie nicht hatten und auf die Europäer vertraut haben, sind leider schon am Strang aufgeknüpft worden. Kim Jung irgendwas scheint da klüger zu sein.