Den Anlegern machte der Angriff der USA und Israels auf den Iran einen Strich durch die Rechnung. Die Hauptfrage, die sich private und institutionelle Anleger derzeit stellt, ist, wie sie sich angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten positionieren sollen. Ein Blick in die Geschichtsbücher hilft.
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Vor einer Woche hatte der Dax sich noch seinem Rekord von 25.507 Zählern aus dem Januar bis auf rund 100 Punkte genähert, dann aber machte der Angriff der USA und Israels auf den Iran den Anlegern einen Strich durch die Rechnung. Konjunktur- und Inflationssorgen wegen des Iran-Krieges bescherten dem Dax die schwächste Woche seit dem Zollgewitter im April 2025. Hinzu kamen triste US-Arbeitsmarktdaten, die ebenfalls für Konjunkturunsicherheiten sorgten. Der deutsche Leitindex fiel am Freitag um fast ein Prozent auf 23.591 Punkte. Für die Woche ergibt sich damit ein Kursverlust von 6,7 Prozent. Der MDax der mittelgroßen Werte schloss mit einem Tagesverlust von 0,7 Prozent auf 29.488 Punkte.
„Die Investoren haben nach enttäuschenden Arbeitsmarktdaten aus den USA und vor einem potenziell ereignisreichen Wochenende kalte Füße bekommen und sich aus Aktien weiter zurückgezogen“, sagte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets: Die Situation im Nahen Osten verbessere sich nicht, und es sehe derzeit nicht nach einem schnellen Ende des Krieges aus. Mittlerweile forderte US-Präsident Donald Trump eine „bedingungslose Kapitulation“ des Iran. Die Kampfkraft des Landes ist nach US-Einschätzung infolge der Attacken zwar erheblich geschwächt, dennoch versucht die iranische Führung, den Krieg auf den gesamten Nahen Osten auszuweiten und nahm Öl- und Gasinfrastruktur auch der umliegenden Golfstaaten ins Visier; der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus – einem Nadelöhr des globalen Öl- und Gashandels – ist dem Joint Maritime Information Center mittlerweile nahezu vollständig zum Erliegen gekommen.
Die daher stark gestiegenen Öl- und Gaspreise bringen Inflationsgefahren mit sich. Je länger der Krieg andauert, desto größer werden diese. Allerdings bleiben Experten vorerst zuversichtlich, dass die Situation beherrschbar bleibe. So geht Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, in seinem Basisszenario von einem eher kurzen, höchstens dreimonatigen Krieg aus. „Ein viel schnelleres Kriegsende erscheint uns weniger realistisch, eine viel längere Dauer mit etwa einer monatelangen Schließung der Straße von Hormus Stand heute ebenfalls“, erklärt Greil.
Gefragt waren angesichts der geopolitischen Unsicherheiten einmal mehr Rüstungsaktien. An der Dax-Spitze legten Rheinmetall um knapp drei Prozent zu. Im MDax lagen die Anteilsscheine des Panzergetriebe-Herstellers Renk mit einem Kursplus von gut sieben Prozent vorn. Die Papiere des U-Boot-Bauers TKMS und des Rüstungselektronik-Spezialisten Hensoldt waren auch weit vorn dabei.
Als klares Schlusslicht im MDax brachen die Anteilsscheine von Lanxess um mehr als 17 Prozent ein. Das vorläufige Scheitern des Verkaufs der restlichen Anteile am Gemeinschaftsunternehmen Envalior hatte bei den Aktionären einmal mehr Sorgen mit Blick auf die Finanzierung des Spezialchemiekonzerns geweckt. Im Sog von Lanxess sackte der Kurs von Wacker Chemie um 7,7 Prozent ab. Die Entscheidung des Finanzinvestors Advent, die restlichen Anteile an Envalior zumindest jetzt noch nicht von Lanxess zu kaufen, sei auch ein negatives Signal für Wacker Chemie, erklärte Branchenexperte Chetan Udeshi von JPMorgan. Es unterstreiche, in welch schwierigem Umfeld zyklische Chemieunternehmen derzeit operierten.
Im Dax rutschten die Aktien von Infineon mit einem Minus von fast sieben Prozent auf den letzten Platz, nachdem die Analysten der Schweizer Großbank UBS ihre Kaufempfehlung gestrichen hatten. Die Kurskorrektur des Chipkonzerns seit dem Mehrjahreshoch gegen Ende Februar ging damit erst einmal weiter. Analyst Francois-Xavier Bouvignies bleibt mittelfristig zwar optimistisch, sieht zunächst aber Risiken, die das Kurspotenzial einschränken sollten. So lasse das KI-Umsatzziel bis 2027 nur wenig Luft nach oben.
Dank gleich mehrerer positiver Analystenkommentare stabilisierten sich die Papiere von DHL nach ihren deutlichen Vortagesverlusten. Sie stiegen um gut ein halbes Prozent. Die Verwerfungen in den Frachtmärkten durch den Iran-Krieg kämen dem Logistik-Konzern mit seinem großen, flexiblen Netz zupass, schrieb Analystin Muneeba Kayani von der Bank of America. Am Vortag hatte der von geopolitischer Unsicherheit geprägte Ausblick Anleger noch verschreckt.
Später schlossen auch die US-Börsen mit teils deutlichen Verlusten. Der Dow Jones Industrial fiel angesichts der Forderung des US-Präsidenten nach einer „bedingungslosen Kapitulation“ des Iran zeitweise auf den tiefsten Stand seit Ende November. Der überwiegend mit Technologie-Aktien bestückte Nasdaq 100, der sich von seinem verlustreichen Start rasch spürbar erholt hatte, wurde zum Handelsende von neuen Sorgen rund um KI-Aktien erfasst. Schwache Arbeitsmarktdaten stützen unterdessen Hoffnungen auf Leitzinssenkungen.
Der Dow, der vor fast einem Monat noch auf über 50.500 Punkte geklettert war, hatte sich im frühen Handel kurzzeitig der Marke von 47.000 Zählern genähert. Letztlich erholte sich der bekannteste Wall-Street-Index spürbar mit knapp minus ein Prozent auf 47.501 Punkte. Im Wochenverlauf bedeutet das ein Minus von drei Prozent. Sogar um 1,3 Prozent auf 6.740 Punkte ging es am Freitag für den breiter gefassten S&P 500 abwärts. Der Nasdaq 100, der die Inflationssorgen bisher deutlich besser wegsteckt hatte, sank um 1,5 Prozent auf 24.643 Zähler. Ihn belasteten letztlich vor allem Neuigkeiten zu Oracle und OpenAI, die ihre Pläne zur Erweiterung eines Vorzeige-Rechenzentrums für Künstliche Intelligenz aufgegeben haben. Auf Wochensicht steht für den Tech-Index ein Minus von 1,3 Prozent zu Buche.
Allgemein sorgen sich die Anleger nach einer knappen Woche Krieg im Iran zunehmend um dessen Dauer. Die Hisbollah im Libanon betonte unterdessen inmitten stetiger Angriffe Israels erneut ihre Kampfbereitschaft. Das sorgte dafür, dass die Ölpreise ihren Höhenflug erneut beschleunigten und so Inflations- und Konjunktursorgen befeuern. Der US-Arbeitsmarkt sendete durchwachsene Signale – die Beschäftigung sank überraschend, während das Lohnwachstum robust blieb. Dennoch sehen zahlreiche Experten angesichts der schwachen Daten verstärkt Chancen, dass die Fed eher zu einer Zinssenkung bereit sein könnte.
In den Fokus rückten vor allem Aktien von Oracle und zahlreiche weitere Papiere mit KI-Bezug. Nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet hatte, dass der Softwarekonzern und der KI-Chatbot-Entwickler OpenAI ihre gemeinsamen Pläne zur Erweiterung eines Vorzeige-Rechenzentrums für Künstliche Intelligenz (KI) aufgegeben haben, flammten erneut Ängste unter den Anlegern auf. Denn begründet wurde das Aus damit, dass sich die Verhandlungen über die Finanzierung und die Anforderungsänderungen von OpenAI zu sehr in die Länge gezogen hätten. Nun dürfte die Komplexität in den Vordergrund rücken, die die Errichtung der viele Milliarden von Dollar kostenden KI-Rechenzentren mit sich bringt. Und auch, dass zahlreiche Partner dabei zusammenarbeiten müssen.
Oracle, die im Tagesverlauf zeitweise um fast drei Prozent gestiegen waren, gaben nach dem Bloomberg-Bericht um 1,2 Prozent nach. Meta verloren 2,4 Prozent und Nvidia drei Prozent. Zu diesen beiden hieß es laut Bloomberg aus Kreisen, dass nun Meta die Möglichkeit zum Einstieg habe und KI-Chiphersteller Nvidia die Gespräche zwischen der Facebook-Mutter und dem Bauträger unterstütze.
Boeing rückten angesichts eines möglichen Mega-Auftrags aus China in den Blick und legten um 4,1 Prozent zu. Wie Bloomberg hierzu unter Berufung auf informierte Personen berichtete, winkt dem angeschlagenen Flugzeugbauer einer der größten Deals seiner Geschichte. Eine Bestellung von 500 Flugzeugen des Typs 737 Max solle bekannt gegeben werden, wenn US-Präsident Trump zu seinem ersten Staatsbesuch in dieser Amtszeit nach Peking reise.
Jefferies-Analystin Sheila Kahyaoglu schrieb, dass auf diesen Auftrag bereits „seit Langem spekuliert“ werde und sprach von einer möglichen Ablenkung vom Nahost-Konflikt. Zugleich sieht sie aber auch potenzielle langfristige Auswirkungen auf Boeings Auftragslage.
Um etwas mehr als 18 Prozent sprangen Marvell Technology nach einem starken Ausblick hoch und nahmen damit die Spitze im Nasdaq 100 ein. Analyst Vivek Arya von der Bank of America hob die Aktie von „Neutral“ auf „Buy“. Die Telefonkonferenz nach dem Geschäftsbericht habe das Vertrauen darin bestärkt, dass Marvell stark von der KI-bedingten Nachfrage nach optischen Halbleitern profitieren wird, schrieb er. Zudem sei der Erfolg des Partners Microsoft mit kundenspezifischen Chips für die Cloud-Infrastruktur klarer absehbar.
Die Hauptfrage, die sich private und institutionelle Anleger derzeit stellt, ist allerdings seit einer Woche, wie sie sich angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten positionieren sollen. Ein Blick in die Geschichtsbücher hilft. Der Russland-Angriff auf die Ukraine 2022, der Irak-Krieg 2003, die Golfkrise 1990, die Rückschau lehrt, welche Assets wohl auch in der Iran-Krise gut performen werden. Praktisch alle Anlageklassen mussten seit Beginn des koordinierten Angriffs von Israel und den USA auf den Iran Kursverluste hinnehmen, die sich bislang aber alle noch im mittleren einstelligen Prozentbereich bewegen. Unerwartet schwach schnitt Gold ab. Nach einer Rallye bis am Montagabend, ging es mit den Notierungen des gelben Metalls wieder bergab. Im Vergleich zum letzten Freitag resultiert ein bescheidenes Plus von 0,5 Prozent. Der Silberpreis gab um sieben Prozent sogar deutlich nach. Der industrielle Charakter des Metalls rückte in den Vordergrund, da Kunden wegen höherer Energiepreise weniger Silber nachfragen dürften.
Angebotsschocks auf dem Ölmarkt, wie wir sie jetzt erleben, gab es in der Vergangenheit immer wieder. Dazu zählen der Russland-Ukraine-Krieg 2022, der Irak-Krieg 2003, die Golfkrise 1990, die Iranische Revolution 1979 und der Jom-Kippur-Krieg 1973. Entsprechend hat die französische Investmentbank Société Générale nachgerechnet und aus den historischen Datensätzen mögliche Gewinner und Verlierer herausgefiltert: Erdöl schnitt über die nächsten drei respektive sechs Monate nach einem historischen Event im Durchschnitt mit einem Plus von rund einem Drittel am besten ab, gefolgt von Gold mit einem Plus von 5,2 respektive 22,6 Prozent. Sprich, die große Goldpreis-Rallye könnte noch anstehen. Weniger rosig lief es in solchen Phasen auf den Aktienmärkten. Über drei Monate gaben die globalen Aktienindizes meist nach, so der S&P 500 im Durchschnitt um 2,7 Prozent, europäischen Aktien um 2,5 Prozent und Emerging Markets mit 6,7 Prozent. Auf sechs Monate konnten globale Aktien, der S&P 500 und die Emerging Markets die Verluste auf rund ein Prozent eingrenzen.
„An den Aktienmärkten dürften eine steigende Volatilität und höhere Ölpreise die Risikobereitschaft vorübergehend belasten und für kurzfristige Abwärtsrisiken sorgen“, äußerte sich Luca Bindellli, Leiter Anlagestrategie bei Lombard Odier, gegenüber der Finanzplattform cash.ch. Der „stagflationäre“ Charakter des Ölpreisschocks – also höhere Inflation bei tieferem Wachstum – führe zu einer leichten Risikoaversion an den Märkten. Entsprechend dürfte sich Gold „in unserem Basisszenario als Absicherung gegen Inflationsrisiken überdurchschnittlich entwickeln“, so der Experte von Lombard Odier weiter. US-Aktien könnten in diesem Umfeld besser abschneiden, gestützt durch die Rolle der USA als bedeutender Ölproduzent und der Exponierung des Marktes auf Qualitätstitel in den Bereichen Technologie, Kommunikationsdienste, Gesundheitswesen und Energie.

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Edelmetalle sind (zumindest für mich) keine Spekulationsobjekte, sondern Langzeit-Anlagen zur Vermögenssicherung. Daß ein Markus Krall natürlich „pro domo“ spricht, ist klar, aber seine Argumente pro Edelmetalle stechen einfach. So sind die ganzen weltweiten Parameter in Bezug auf die Finanzwelt ja unverändert – es werden Schulden gemacht, als gäb’s kein Morgen. Das wiederum läßt die Edelmetalle über kurz oder lang zwangsläufig steigen. Insofern mache ich mir über meine Investments keine Sorgen und bevor ich anfange, Rüstungsaktien zu kaufen, bleibe ich lieber bei der Friedenswährung Gold.
Die Auswirkungen auf den DAX dürften eher begrenzt sein, im Vergleich zu den Auswirkungen der langfristigen ökosozialistischen Transformation in der EU.
„Ein Blick in die Geschichtsbücher hilft. Der Russland-Angriff auf die Ukraine 2022, der Irak-Krieg 2003, die Golfkrise 1990, die Rückschau lehrt, welche Assets wohl auch in der Iran-Krise gut performen werden.“
Jaaaaa, und? Jetzt weiß ich nach der Lektüre des Artikels noch immer nicht, was uns der Blick in die Geschichtsbücher lehrt!?