Deutschlands Gasspeicher sind bei 29 Prozent. Unter 20 Prozent droht der Leistungs-Knick. Versorgung mit Pipelinegas ist unsicher. LNG braucht 18 Tage und die Exporte steigen. Die Bundesnetzagentur beruhigt – bis zur nächsten Frostwelle. Dann trifft es die Industrie.
picture alliance/dpa | Stefan Sauer
Der durchschnittliche Gasverbrauch im Winter beträgt in Deutschland 4 TWh Erdgas pro Tag, an kalten Tagen unter -5 °C ca. 5 TWh, an milderen Tagen sinkt er auf 3 TWh.
Der Verbrauch wird gedeckt durch
- Pipelinegas
- LNG-Gas
- Entnahme aus den im letzten Jahr gefüllten Gasspeichern
1. Die Pipeline-Importe belaufen sich zurzeit bei 2,7 TWh. 44 Prozent davon kommen aus Norwegen, 24 Prozent aus den Niederlanden und 21 Prozent aus Belgien/Frankreich. Die letzteren beiden Importe sind LNG-Gas, da sowohl die Niederlande, Belgien als auch Frankreich keine eigenen Erdgasquellen für den Export zur Verfügung haben. Das macht diese Quellen verletzlich, wenn in diesen Ländern eine eigene Knappheit vorliegt. Der Speicherstand in den Niederlanden (5. Februar) liegt bei 22,4 Prozent, in Frankreich bei 28,5 Prozent.
2. Die aktuellen LNG-Importe in Deutschland belaufen sich auf etwa 0,4-0,6 TWh pro Tag über die Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran. Sie können zwar auf bis zu 1 TWh hochgefahren werden. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass eine zusätzliche Menge an LNG-Gas in Deutschland mit erheblicher Verzögerung ankommt. Die Belade- und Transportzeit eines LNG-Tankers vom Golf von Amerika nach Brunsbüttel dauert 18 Tage.
3. Die Entnahme von Erdgas aus den deutschen Speichern betrug im Januar etwa 0,4 bis 1 TWh je nach Kältesituation. Diese Batterie für den Winter läuft langsam aber sicher leer. Der aktuelle Füllgrad der Speicher liegt bei 29 Prozent.
Diese Menge ist im Prinzip auch entnehmbar. Das entscheidende Problem ist aber, dass mit sinkendem Füllstandsgrad auch der Druck sinkt und somit die Entnahmeleistung des Speichers abnimmt, wie der sehr gute Übersichtsartikel zur Versorgungssicherheit von Markus Schall beschreibt.
Schon unterhalb eines Füllstandsgrades von 50 Prozent geht die Entnahmerate (Gas pro Stunde) auf Grund des geringeren Druckes zurück. Bei 35 Prozent Füllstandsgrad ist die Entnahmerate bereits um 22 Prozent gesunken. Darunter sinkt sie dann stärker als linear ab. Unterhalb von 20 Prozent ist die Entnahmerate so stark gesunken, dass die Speicher keine Nachfragespitzen mehr abdecken können, was zu einem Risiko von Versorgungsengpässen in einer Kaltwetterlage führen kann.
Die meteorologische Situation in den nächsten 14 Tagen wird zunächst von leicht ansteigenden Temperaturen bis zum 12. Februar gekennzeichnet, um danach möglicherweise erneut in eine deutliche, bundesweite Frostperiode zurückzufallen. Kommt es zu dieser Entwicklung wird Ende Februar die 20-Prozent-Marke des Füllstands deutscher Gasspeicher unterschritten.
Nach der Gasnotfallverordnung von Minister Habeck sind folgende Kriterien für die Beurteilung einer Gasnotfalllage heranzuziehen:
- „Als kritisch wird die Lage eingestuft, wenn die prognostizierte Durchschnittstemperatur der kommenden sieben Tage min. zwei Grad Celsius unter dem Durchschnitt der vorherigen vier Jahre liegt“
„Als kritisch wird die Lage eingestuft, wenn der Füllstand unter den Speicherpfad fällt, der auf das 40%-Niveau am 01. Februar des jeweiligen Jahres führt.“
Beide Kriterien sind seit dem 1. Februar erfüllt. Es ist schon erstaunlich, dass die Bundesnetzagentur bei einem Speicherstand von unterhalb 30 Prozent immer noch abwiegelt und erklärt : „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein.“
Aber man versucht sich durchzumogeln und hofft auf eine Erwärmung in den nächsten 4 bis 6 Wochen. Und wieder einmal stehen Landtagswahlen in Baden-Württemberg vor der Tür.
Nach Ausrufung einer Notfallstufe muss die Bundesnetzagentur Maßnahmen ergreifen, um die Versorgung von Haushalten und öffentlichen Einrichtungen zu gewährleisten. Das kann dann nur noch durch Abschalten von Industrie-und Gewerbebetrieben erfolgen. Sollte es dazu kommen, wäre das ein Alptraum für die deutsche Energiepolitik: ein Resultat des Versagens. Der schon angeschlagene Investitionsstandort Deutschland würde nachhaltig beschädigt.
Warum sind wir in eine solche Situation geraten?
Zum einen haben Gaseinkäufer und die Politik wohl die vier letzten milden Winter in die Zukunft fortgeschrieben. In einer allgemeinen Wahrnehmung einer Klimakatastrophe kommen sehr kalte Winter offenbar nicht mehr vor.
Zusätzlich ist aber seit dem 1. Januar 2025 die Versorgung Osteuropas mit russischem Erdgas reduziert worden, da die Ukraine den Transit des Gases zu diesem Datum gestoppt hat. Die Versorgung über die einzig noch verbliebene, über die Türkei verlaufende Turkstream-Pipeline reicht aber nicht aus, sodass das deutsche Gasnetz auch die Nachbarn Österreich, Tschechien und indirekt die Slowakei versorgt. Über die Slowakei und Polen erhält die Ukraine Gas in Umkehrung der bisherigen Fließrichtung (reverse Flow). Die gesamte Exportmenge ist mit 1 TWh täglich erheblich und liegt in der Höhe der täglichen Entnahme aus den deutschen Gasspeichern. Die Grafik zeigt den Anstieg der Exporte aus Deutschland seit der Schließung der Transgas-Pipeline aus der Ukraine.

Screenprint: Bundesnetzagentur

Screenprint: Bundesnetzagentur
Wie immer sich die Erdgasversorgung in den nächsten 3 Wochen entwickelt, es gäbe einen guten Anlass, die politische Debatte über die eigene Erdgasversorgung durch Schiefergas aus der norddeutschen Tiefebene zu eröffnen. Dort lagert ausreichend preiswertes Erdgas für die nächsten 30 Jahre. Die Förderung von Erdgas aus 1000 m tiefen Gesteinsschichten ist seit 2017 durch Bundesgesetz verboten (Fracking-Verbot).




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„Die Gasspeicher leeren sich:“ – Da macht es richtig Sinn, Feststofföfen und Heizkamine auch noch zu verbieten, um sicherzustellen, daß sich der Untertan auch ganz sicher infolge der politischen Untätigkeit in der kalten Bude „den Ar… abfriert“ und kalte Ravioli aus der Dose futtert. die Verantwortlichen düsen derweil in der Weltgeschichte rum, logieren in feinsten klimatisierten Hotelsuiten und verbraten dort bei feinsten Schnittchen und lecker Getränken unsere Steuergelder, um uns von dort medial belehren zu lassen, daß hier länger zu arbeiten ist (bei einer zunehmenden Insolvenz fraglicher Arbeitgeber), das demnächst auch noch mit unversorgtem Gebiss, da Hände und nicht Zähne… Mehr
Die komische BRD Regierung beliefert die elendige Ukraine täglich mit Gas aus deutschen Gasspeichern.
Es ist Gas, das die dämlichen deutschen sehr dringend selber benötigen.
Aber die BRD Machthaber beliefern das Ausland sehr zuverlässig und auch auch noch gratis.
Ich vermute die denken, Deutsche Bürger können frieren – die elendige Ukraine soll nicht frieren.
Ein korruptes Land, das uns einen feuchten Dr…. angeht. Das mit der Sprengung unserer Gasversorgung in Zusammenhang gebracht wird. Es ist widerlich
Es gibt in D. nichts, das nicht zu irre, wahnwitzig, saudumm, verblendet, anmaßend ist, um es nicht in D. durchzuführen – bis „zum bitteren „Ende“!!
D. besitzt auch noch anderes Gas unter Norddeutschl., ganz konventionell gewinnbar, und dies würde für 13-16 Jahre zur Vollversorgung ausreichen. Aber die Grünroten und grünrot gewaschenen CDUler wollen das nicht, denn es wird ja u. a. zu CO2 verbrannt.
Das Weltirrenhaus hat einen Namen: Deutschland. Und die Leitung haben spezielle Insaßen übernommen.
Und jetzt können die Grünroten toben und schreien und von Majestätsbeleidigung, gar Blasphemie in ihrer wiederauferstandenen Hybris und ideologischer Verirrung geifern – s. Habeck: „Der Staat irrt nicht!“!!!! Der Staat besteht natürlich aus ihm und seinen Grünroten – meint er!!
Das Deutschland implodiert, ist keine Laune der Natur, sondern das Ergebnis jahrzehntelangen Handelns der transatlantisch gehorsamen Scheinelite. Es sind seit 1994 beginnend mit Maastrichter Verträgen, EU, Euro und EZB und der Energiewende ins Nichts seit 1998 soviele Teilstrategien der vollständigen Zerstörung gefahren worden, dass Deutschland zusammenbrechen muss. Das ist politisch so gewollt. Die Zweidrittelmehrheit zur Selbstvernichtung hat nach wie vor Bestand. Als Merz schon regierte haben Söder und Aiwanger am 25. Oktober 2025 auch noch Gundremmingen weggesprengt. Zuvor war schon Grafenrheinfeld dran und die Stilllegung von Isar 2. Die eigenen Politiker und Regierungen zerstören Deutschland systematisch und flächendeckend. Sie kommen… Mehr
Ein voller Tanker einen Tag Versorgung und da müßte aber noch schnell viel kommen, bevor bei uns die Heizungen und Lichter ausgehen und wenn sie so durchkommen, hätten sie ja recht und könnten sich ins Fäustchen lachen und die Annahmen und Behauptungen der Gegenseite wären auch nicht überzeugend, wenn sie uns mit dieser Restmenge durch den Winter bringen, wo man sich dann fragen muß, wer sich eigentlich noch Sachverständiger nennen darf, wenn es dem Zufallsprinzip entspricht.
Erinnert sei idZ an den Jubel einer Grünen bei einem ihrer Parteitage „Danke Robert“ und dem Gruß des Herrn Sikorky aus Polen Richtung Washington „Thank you America“ anläßlich der Sprengung von „Nordstream“ als bis dahin verläßlicher deutscher Gasversorgung und dem Ende mit einer der größten Unweltkatastrophen der Neuzeit durch die massive Gasfreisetzung. Und ob derzeit bei der Kälte in den gesamten USA noch deren LPG kommt, dürfte auch fraglich sein, denn das Gas dürfte vorallem dort benötigt werden. Und Trump wird sich hüten, ein halbes Jahr vor den Midterms seine Wahlbürger mit einem verknappten und daher verteuerten Gasangebot zusätzlich zu… Mehr
Na ja, einfach auch mal nachsehen, mit wem dieser Sikorsky verheiratet ist. Da wird vieles klarer an politischen Vorgängen in Polen.
Das man hier alles dem Markt überlässt ist das Grundproblem. Andere Länder haben hier strategische Reserven, die man im Falle des Falles nutzen kann. Deutschland hat … nichts. Man hat aus der Lage 2022/3 nichts gelernt, in dem die große Koalition die Gasspeicher auch hat leerlaufen lassen und in dem wir nur knapp einer Wärmekatastrophe entgangen sind – nur dem (teueren) Eingreifen Habecks und viel (Wetter-)Glück ist zu danken, dass bei uns die Wohnungen nicht kalt blieben. Frau Reiche ist denkbar ungeeignet für den Job. Ihr ist ja geradezu daran gelegen, dass die Gaspreise steigen, da ihre früheren (und vermutlich… Mehr
Ein Grüner leitet die Bundesnetzagentur.Die Grünen sind ganz vorne mit dabei wenn es um die Energieverknappung in Deutschland geht.Hier nur die Gasversorgung zu betrachten macht keinen Sinn.
Sowas passiert, wenn man ein grünes Partei-Urgestein als Chef der Bundesnetzagentur einsetzt, und lange Zeit, auch unter einem CDU-Kanzler dort sein Unwesen treiben lässt.
Das war von Merz schon strategisch gedacht, falls die Koalition mit der SPD zerbricht hat er sofort bei den Grünen den Fuß in der Tür. Da will man die Grünen doch bei Laune halten.
Ein giftig grüne Figur verwaltet unsere Gasvorräte.
Da kommt doch großes Vertrauen zu einem grünen auf, Vertrauen, das der dürre CDU Mann anscheinend hat.
Was für ein Wahnsinn,
Auf den Knick am Anfang hatte ich auch schon einmal hingewiesen und auch den parallelen Abfall wie im Vorjahr, der auch schon ungewöhnlich war. Schön, wenn auch andere Chemiker das jetzt sehen und sogar als Artikel veröffentlicht bekommen. Grüße von einem Chemiker, der ua bei Prof Hebert an der Bergakademie diplomiert hatte an den anderen Chemiker.
Fehlt da ein Stück Text vor dem letzten Absatz?
Ja, es fehlt etwas!