Jetzt heißt es Koffer packen: Deutschlands Wirtschaft fährt auf Verschleiß – mit negativer Nettoinvestitionsquote

Brauchte es noch eines konkreten Zahlenwertes, um die dramatische Lage der deutschen Wirtschaft zu belegen, so lieferte ihn das Statistische Bundesamt. Die Nettoinvestitionsquote der deutschen Wirtschaft ist negativ, denn die Abschreibungen überragen die nominellen Investitionen. Langsam, aber sicher gehen die Lichter aus.

IMAGO

Deutschlands öffentliche Diskurse klingen häufig monokausal und wenig komplex. Ganz gleich, welche gesellschaftlichen Konflikte, administrativen Schwierigkeiten und wirtschaftlichen Fragestellungen diskutiert werden: Für die Mehrheit der Deutschen ist der Staat nicht Ursache zahlreicher Probleme, sondern die letztgültige Lösung.

Eine Mehrheit der Deutschen geht den etatistisch argumentierenden Schlangenölverkäufern des großen Parteienkartells jenseits der Brandmauer regelmäßig auf den Leim. Die Lösungen, die Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Junta aus grünen, roten und dunkelroten Sozialisten auf jedes Problem anwenden, das aus der Dauerrezession emporwächst, sind simpel und verfangen beim Wähler – wie wir in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in diesen Tagen erleben durften.

Auf den Punkt gebracht: mehr von der gleichen Medizin, mehr Staat, mehr Regulierung, was helfen soll, den Kontrollverlust in den fundamentalen Bereichen unserer Zeit – bei der Migration, der Definition unseres Sozialwesens und der Organisation des ökonomischen Rahmenwerks – zu übertünchen.

Es klingt so simpel, sozial warm und zugleich ressentimentgeladen: Höhere Steuern für die Reichen, Erben stärker zu Ader lassen. Grundsätzlich tragen Donald Trump und Wladimir Putin die Schuld an der Energiemisere. Sind diese kindlichen Erzählungen einmal etabliert, heißt es Augen zu und durch auf dem Weg der grünen Transformation, die zur Paralysierung der Ökonomie geführt hat. Die deutsche Wirtschaft fährt auf Verschleiß, verzehrt ihre Substanz, um sich noch irgendwie über Wasser zu halten.

Dieser seit der Wendezeit herangezüchtete deutsche Etatismus hat seinen Preis. In der Ökonomie nennt man Crowding-out, was wir überall beobachten können. Privatwirtschaftliches Engagement wird verdrängt vom NGO-Komplex, vom grünen Subventionsunternehmer, von all den Incentive-Jägern, die keine echten Produkte und Dienstleistungen am Markt anbieten, aber sehr findig darin sind, sich an öffentlichen Fördermitteln zu bereichern.

Die echte Ökonomie, die freie Privatwirtschaft, packt derweil ihre Koffer. Die allgemeine Investitionszurückhaltung der privaten Wirtschaft ist sektorübergreifend. Ganz gleich, ob im Maschinenbau, der Automobilindustrie oder der Chemie. Die Firmen ziehen sich zurück und investieren zunehmend im Ausland. Im vergangenen Jahr, im Jahr 2024, wurden über 60 Milliarden Euro an Nettodirektinvestitionen aus Deutschland abgezogen, davor waren es 120 Milliarden Euro.

Der Datenpunkt, den uns das Statistische Bundesamt zum Investitionsgeschehen am Dienstag lieferte, ist mehr als besorgniserregend. Er ist der Beweis dafür, dass die Dinge längst den Point of no return überschritten haben. Diese Krise ist nicht mehr abwendbar. Was die Statistiker in Wiesbaden veröffentlichten, ist die niedrigste Nettoanlageninvestitionsquote seit dem Chaoswendejahr 1990: minus 0,23 Prozent des BIP. Die Zahl belegt: die Abschreibungen der Wirtschaft lagen über den Nettoanlageinvestitionen. Anders gesagt, die Abschreibungen überstiegen die Neubildung des Kapitalstocks.

Deutschlands Infrastruktur, die Bausubstanz und der Kapitalstock der Industrie erodieren im Verlauf der Zeit und werden nicht instand gehalten. Es ist offensichtlich, dass ein Wirtschaftsstandort, dem es nicht gelingt, seinen Kapitalstock marktkonform im freien Wettbewerb zu erneuern, zurückfällt. Die Menschen verarmen, und die Gesellschaft läuft Gefahr, schwere soziale Verwerfungen zu erleben.

Es ist schleierhaft und zeugt von tief verwurzelter kognitiver Dissonanz, den Absturz der deutschen Industrie nicht als das zu erkennen, was er ist: die Abwicklung unseres Wohlstands. Seit 2018 hat die deutsche Industrie rund ein Fünftel ihres Produktionsvolumens verloren. Das ist keine normale Rezession – es ist der Abstieg als Tabellenletzter, dem die unmittelbare Insolvenz des Vereins folgen könnte.

Deutschland lebt nur noch auf Verschleiß, verzehrt seine Substanz und schweigt darüber, um sich nicht mit den bedrohlichen Fakten auseinanderzusetzen zu müssen. Das Gastgewerbe, bester Ausdruck der Kaufkraftentwicklung der privaten Haushalte, verlor im vergangenen Jahr etwa vier Prozent an realem Umsatz und ist auch im ersten Quartal des laufenden Jahres um mindestens zwei bis drei Prozent schwächer gestartet. Haushalte halten ihr Geld zusammen.

Die selbstverursachte Energiekrise, die nun durch die Straße von Hormuz in ihrer kurzfristigen Beschleunigung ins Bewusstsein tritt, hat einen Schock ausgelöst. Doch hat dieser offensichtlich nicht genügt, um auch an der Wahlurne entsprechende politische Kurskorrekturen zu erzwingen.

Der deutsche Etatismus hat sich über das staatliche Bildungssystem, staatsaffine Medien und das mediale Dauerfeuer des grün-sozialistischen NGO-Komplexes zu tief in das kollektive deutsche Bewusstsein eingegraben. Diese naive Staatsgläubigkeit ist ein metapolitischer Tiefwurzler, den man nicht kurzerhand aus seinem tiefen Nährboden herausreißen wird.

Im Falle der Bundesrepublik ist die Gefahr real, dass sich die Gesellschaft im Laufe der nun beginnenden Krisenjahre zunehmend sozialistischen Rattenfängern folgen wird. Diese stellen eine schmerzlose Therapie simpler Umverteilungsprozesse als Lösung in ihre Auslage. Es ist, als habe sich ein Krebspatient, der noch eine Heilungschance besäße, einer Bachblütentherapie anvertraut und weigere sich strikt, mit der Schwere der Erkrankung, ihren Ursachen und möglichen realistischer Therapiemöglichkeiten auseinanderzusetzen.

Freie Medien und die echte freie Akademie sind nun gefordert, diesen gesellschaftspolitischen Super-GAU – den Rückfall in die vollkommene sozialistische Barbarei, die sich deutlich abzeichnet – abzuwehren. Es sind nur wenige Medien wie Tichys Einblick, die sich gegen diesen Verfall stemmen.

Der etatistische Teil des Kommentariats glorifiziert den Nonsens, den Pseudo-Ökonomen wie Marcel Fratscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in den öffentlichen Diskurs einspeisen. Sie alle hängen auf die eine oder andere Weise wie Marionetten an den Schnüren staatlicher Institutionen und besitzen keinerlei ökonomisches Motiv, sich auf die Seite der freiheitlichen Renegaten zu schlagen.

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Kommentare ( 16 )

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IOMHK
6 Minuten her

Ist die Wertschöpfung erst einmal weg, geht der Abstieg rasant schnell – Politiker, die nie etwas produktives geschafft haben, wissen so etwas natürlich nicht und nehmen die wertschoepfenden Deppen als gegeben hin, ueber die man sich dem noch lustig machen kann. Schliesslich wählen dieselben trotzdem immer noch die Blockparteien. Aber das hat ja auch gute Seiten – man braucht nach der Deindustrialisierung im Stromnetz weniger Grundlast und die böse Industrie mit ihrem CO2 Ausstoss verschwindet, d.h. wir sehen einem gruenen Paradies entgegen, in dem Facharbeiter zu Gender – und Kilmaangstberatern umgeschult werden und niemand mehr fuer seinen Lebensunterhalt arbeiten muss.

Judith Panther
6 Minuten her

Sehr gut. Auch die scheinbar enttäuschenden Wahlergebnisse. Deshalb wiederhole ich hier nochmal meinen Post auf https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/rueckzug-familienunternehmer/ vom 02.12.2025 „Rettet die Brandmauer! Die AfD darf auf keinen Fall an die Macht kommen. auf keinen Fall darf die AfD auf den letzten Metern vor dem Eisberg jetzt noch das Ruder der TITANIC übernehmen. Das Land IST nicht mehr zu retten. Und den 25 Prozent, die an Merz und seinen mental kadaverisierten Mitläufern und -lügnern immer noch nichts Krankhaftes entdecken können, den 10 Prozent Untoten, die immer noch die woken Wiedergänger des Tausendjährigen Reiches und dessen kleine stalinistischen Schwestern im Geiste wählen, all… Mehr

Last edited 6 Minuten her by Judith Panther
8 Minuten her

Klingbeil und sein Vizekanzler bei guter Laune, wenigstens den beiden geht es momentan aufreizend gut

VollbeschaeftigtmitNichtstun
10 Minuten her

Abgesehen von negativer Nettoanlageninvestitionsquote ist auch die private Kapitalflucht nicht von Pappe. Bis zum BB- Rating oder schlechter wird es noch eine Weile dauern. Bis dahin ist der Euro längst geschreddert und es gibt Lebensmittelkarten. Ist doch eine schöne Zukunft für dieses Schrottland.

Sohn
11 Minuten her

Bildung und Wissen wurde durch Haltung und Emotionen ersetzt, der christliche Glaube durch Ideologie und Egoismus, Fleiß und Diziplin durch Work Life Balance und Smartphone-Abhängigkeit. Ein tödlicher Mix für jede kulturell hochstehende Industrienation. Wir erleben den Anfang vom Ende von 80 Jahren Frieden, Freiheit und Wohlstand.

wegmitdenaltparteien
21 Minuten her

„Im Falle der Bundesrepublik ist die Gefahr real, dass sich die Gesellschaft im Laufe der nun beginnenden Krisenjahre zunehmend sozialistischen Rattenfängern folgen wird.“ Sorry Herr Kolbe, aber die Bundesregierungen der vergangenen 30 Jahre waren durch die Bank weg besetzt mit sozialistischen Rattenfängern und nichts sonst. Die Krone war freilich die Abrissbirne aus der Uckermark, andere Bezeichnungen wären zutreffender, entsprächen aber nicht der Netiquette. Würde das Kabinett Pinocchio durch eine Horde Affen ersetzt, wäre dass für das Land die bessere Wahl. Die Fahrt zurück in den Sozialismus ist doch schon seit “ IM-Erika – beschlossene Sache. Die Wurzel allen Übels sind… Mehr

Last edited 15 Minuten her by wegmitdenaltparteien
Guzzi_Cali_2
29 Minuten her

Es ist ja nicht nur das, was als „Kernsektoren“ der Deutschen Industrie gilt: Mit dem Wegzug der ganz großen, ziehen die „Mittleren“ (wenn sie denn können) mit und die auf Deutschland abonnierten „Kleinen“ (Familienunternehmen etc.), die zumeist an den „Mittleren“ hängen, machen entweder zu, gehen pleite oder hören ohne Nachfolge einfach auf. Die Auswirkungen sind für den Sehenden zwar schon längst sichtbar, aber für die Mehrheit der Leute eben noch nicht – sonst würden sie anders wählen. Ich habe aber erst neulich mit meinem Steuerberater gesprochen und der sagte mir: „Was wir derzeit an Rückforderungen von Umsatz-Steuer-Vorauszahlungen an die Finanzämter… Mehr

Klaus D
31 Minuten her

Immer schneller dem Abgrund entgegen…..wir sollten und eingestehen das WIR kollektiv total versagt haben als gesellschaft. Der aufprall läßt sich nicht mehr vermeiden und das bedeutet das extrem harte zeiten auf UNS zukommen. Alles was bis jetzt so passiert ist ist nichts gegen das was da kommen wird. Also liebe leute zieht euch warm an es werden eisige zeiten kommem!

ceterum censeo
35 Minuten her

Merz und seine realitätsferne Entourage verfährt nach dem Motto, dem alkoholkranken Patienten zur Heilung seiner Krankheit erst mal eine Palette Bier zu liefern. Ich frage mich, da die Einschläge nicht nur näher kommen sondern schon den Dachstuhl zerlegt haben, wen der Sauerländer am Ende für das Desaster verantwortlich macht? Die AFD, die nirgends in Regierungsverantwortung ist, aber „Bad Vibrations“ verursacht? Trump? Putin, Orban? Die Sonnenstrahlen oder doch das Erdmagnetfeld?…

baval
37 Minuten her

Nö. Lasst die Sch… zusammen krachen. Und jeder strunzdumme Vollidiot der 40 Jahre wie ein nützlicher Idiot in irgendwelche Ponzi Schema einbezahlt hat, sein Leben malochend zum erhalt der Legitimität verschwendet hat und jetzt über 50 ist – fahrt zur Hölle. Pech gehabt. Keine Kooperation, Kein Wiederaufbau, Keine Alternative zum selbstverschuldeten Kollektiven Selbstmord

Guzzi_Cali_2
7 Minuten her
Antworten an  baval

So sehe ich das auch. Es gilt die alte Wahrheit: „Erst ganz am Ende wird zusammengezählt.“
Was wurde ich verächtlich gemacht, verlacht, geschnitten, wenn ich gesagt habe, daß das nicht gut gehen wird. Ich habe selbst in der Familie nur Kopfschütteln geerntet, als ich gesagt habe, man müsse sich auf ziemlich einschneidene Ereignisse (sowohl wirtschaftlich, energietechnisch, gesellschaftlich und währungstechnisch) vorbereiten. Auch hier: Nur große Kuh-Augen.
Der Tag der Abrechnung rückt näher. Ich komme ganz sicher auch nicht ungeschoren davon, aber ich kenne einige, die werden nicht nur geschoren, sondern die werden ganzkörperrasiert.