Ex-BMWi-Abteilungsleiter Industriepolitik schlägt Alarm

Werner Ressing listet die von der Ampel beschlossenen sogenannten „Ausbauziele“ und Kosten der Energiewende auf, die bis zur beabsichtigten "Klimaneutralität" 2045 anfallen: eine Addition des Horrors. Das grüne Transformationsmodell ist kolossal gescheitert.

IMAGO

Mit einem drastischen Blick auf Fakten und die reale wirtschaftliche Lage meldet sich Werner Ressing wieder zu Wort. Er ist nicht irgendjemand, sondern war Ministerialdirektor und leitete die Abteilung „Industriepolitik“, als das Bundeswirtschaftsministerium noch seinen Namen verdiente.

Der Diplom-Ingenieur war intensiv seit den Anfängen in der sogenannten „Klimapolitik“ beteiligt und versuchte, den größtmöglichen Schaden für die Industrie abzuwehren. Weggefährten berichten, er habe sehr mutig so manche Schlacht geschlagen und dabei auch den Rausschmiss als politischer Beamter riskiert.

Heftig kämpfte er auch vor 15, 20 Jahren gegen die selbstmörderische Autopolitik von Grünen und linken NGOs, die über drastisch sinkende Grenzwerte dem Automobil den Garaus bereiten wollten. Damals wurden die Grundlagen für die Zerstörung der Automobilindustrie gelegt, wie sie heute sichtbar sind. Einem sehr gut informierten Mann wie Ressing war das damals schon klar. TE berichtete ausführlich.

Im vergangenen Herbst hatte er in einem Brandbrief dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vorgeworfen, sich zu wenig gegen die Abschaltung der Atomkraft gewehrt zu haben. Der BDI hatte sich mal wieder über die exorbitanten Energiepreise beschwert und von der Politik ein bezahlbares Energiesystem gefordert. Allerdings hatte er kein Ende der Energiewende verlangt, sondern zielte auf mehr Steuergelder, um die Strompreise niedrig zu halten. Dabei ist es eben jene irrsinnige Energiewende, die erst mit der Abschaltung von preisgünstigen Kraftwerken die Strompreise in horrende Höhen treibt. Eine sogenannte „Energiewende“ bleibt ein unbezahlbares Abenteuer.

Wie unbezahlbar – dies hat Werner Ressing gerade wieder in einem Rundschreiben dargelegt.

„Die Fortschrittskoalition hat ein dauerhaft grünes Wachstum versprochen“, führt er darin aus, „aber nach drei Jahren stecken wir in einer der größten Wirtschaftskrisen seit dem Zweiten Weltkrieg. Diese Rezession ist nicht durch eine Ölkrise oder die Lehman Brothers ausgelöst, – sie ist hausgemacht.“

Jeder Student der Betriebswirtschaft lerne in seinen ersten drei Semestern, dass Subventionen grundsätzlich volkswirtschaftlich schädlich sein. Die müssen von Unternehmen erwirtschaftet werden, die schwarze Zahlen schreiben. Dies aber ist nur dann der Fall, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen.

„Die wesentlichen Ursachen sind die höchsten Energiepreise in Europa und die Bürokratiekosten. Weil Investitionen in die grüne Transformation in der Regel nicht wirtschaftlich sind, werden diese aus dem Bundeshaushalt und Schattenhaushalten (Klima- und Transformationsfonds) finanziert, dem noch neue Töpfe auf Schuldenbasis folgen sollen. Damit werden Investitionen subventioniert, ohne dass sie rentabel sind oder werden. Stichwort Klimaschutzverträge, grüner Stahl!“

Ressing führt die von der Ampel beschlossenen sogenannten „Ausbauziele“ an und hat die groben Kosten der Energiewende aufgelistet, die bis zur beabsichtigten „Klimaneutralität“ 2045 anfallen. Es ist eine Addition des Horrors geworden:

• Offshore Wind 70.000 MW 300 Mrd €
• Onshore Wind 100.000 MW 120 Mrd €
• Photovoltaikausbau 400.000 MW 350 Mrd €
• Netzausbau 650 -720 Mrd€
• Backup Kraftwerke und Speicher 160 Mrd€
• Wasserstoffkernnetz 20 Mrd€
• Wasserstofferzeugung 30 Mrd€
• Summe 1,63 – 1,7 Billionen €

„Zu berücksichtigen sind“, so Ressing weiter, „die bisherigen Kosten der Energiewende von 0,5 -1 Billionen Euro sowie die künftigen Betriebskosten, z.B. bei der Wasserstoffproduktion und den Backupkraftwerken, die wegen der geringen Laufzeiten nicht wirtschaftlich betrieben werden können. Dies bedeutet mindestens eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Strompreise, die die deutsche Volkswirtschaft nicht verkraften wird und die auch nicht durch noch so viele Fonds dauerhaft auf ein wettbewerbsfähiges Niveau heruntersubventioniert werden können.“

„Hinzu kommen technisch-wirtschaftliche Probleme bei der Wärme- und Mobilitätswende, weil eine Umstellung auf Wärmepumpen zusammen mit der Elektromobilität die kommunalen Stromleitungen überlasten wird, weshalb die Netzbetreiber über Smartmeter eingreifen werden, um den Betrieb von Wärmepumpen und Ladevorgänge zu begrenzen. Weiterhin wird zu viel Solar- und Windstrom in größeren Mengen abgeregelt werden müssen, was zu weiteren Kosten in Milliardenhöhe führt.“

Kurzum sei es an der Zeit, Fakten und die reale, wirtschaftliche Lage anzuerkennen, fordert Ressing verzweifelt auf. Das aber widerspricht fundamentalen Lebensprinzipien der grünen Sekte.

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Kommentare ( 18 )

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WandererX1
1 Jahr her

Es ist nicht männlich- links (falls es das überhaupt noch gibt), sondern das religiöse Gefühl der Frauen, das heute im Bereich der „Weltrettung“ und „Ökologie“ dominiert: jeder weiss es , aber niemand getraut es sich zu sagen, weil er Angst vor seiner meist (neu- links ?!) grün wählenden oder die Welt „irgendwie erfühlenden“ und über „Gesundes“ beglückenden Gattin hat. Ist es nicht so? Oder geht die Selbstanlügung weiter?

bfwied
1 Jahr her

Die weit überwiegende Zahl der STudenten in meinem Fachbereich sieht die Sache vernünftig, so, wie sie ist, aber das sind Naturwissenschafts-Studenten. Die anderen sind überwiegend unreflektiert links, einfach, weil man so ist, es sind ja die meisten. Vorgemacht haben das die Wirtschaftsführer, laute CEOs, auch Mittelständler. Wer einem sehr lauten Mädchen, damals noch ohne Bachelor, einen Aufsichtsratsposten anbietet, macht sich mit ihr und ihrer Ideologie gemein. Das wirkte – abstoßend auf die Vernünftigen, euphorisch auf die Links-Unreflektierten. Wer als Wirtschaftler dem grünen Quatsch zustimmte, obwohl er doch hätte wissen müssen, dass die grünen Vorhaben einfach nicht funktionieren können, hat jetzt… Mehr

Ingolf Paercher
1 Jahr her

Ich schlage seit 20 Jahren die Hände über die Politik über dem Kopf zusammen, weil sie die banalsten Zusammenhänge der Physik und der Volkswirtschaft ignoriert, ja, geradezu pervertiert haben.
Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, daß irgendwann energieintensive Industrien den Aufstand anzetteln, aber bis hin zur Autoindustrie ging’s nur um Anbiederung, frei nach „Baby, hit me one more time“. Das geht nur bis zu einem gewissen Grad gut, bis sich die Sicherheit „wir werden schon raussubventioniert“ aufgrund der Masse an Bittstellern aufgelöst hat.
Das Faszinosum liegt darin, daß es noch Leute gibt, denen man jeden offensichtlichen Unfug verklickern kann.

Robert Tiel
1 Jahr her

War es nicht auch Werner Ressing, der davon sprach, dass die Grenzwerte für Verbrenner nicht wissenschaftlich begründet, sondern erwürfelt wurden?
Ich würde eher sagen, sie sind errechnet.
Und zwar so, dass ein normaler Diesel den Wert unter normalen Umständen gar nicht unterschreiten konnte. Dank eines deutschsprachigen Experten für Verbrennung wurde die Manipulation entdeckt, VW in Verruf gebracht.
Wegen eigentlich – was..?!

Britsch
1 Jahr her

Daß das Ganze Vorhaben wie Geplant unbezahlbar ist, weiß man ja schon lange. Nur dringt diese Tatsache viel zu wenig an die Öffentlichkeit. Erwähnen sollte man auch daß man die tatsächliche höhe der Kosten auch noch gar nicht einschätzen kann , da etlicghes nucgh gar nicht entwuickelt, Stand der Technik ist was man zur geplanten Umsetzung braucht. Man denke nur an Bauprojekte der öffentlichen Hand die nach längst bekannten/üblichen Methoden mit vorhandenen und üblichen Baustoffen gebaut werden, um wie viel teuerer die regelmäßig werden als nach Planung Das wird nie etwasd werden Aber wie sagte z.B. Habeck total überherlich so… Mehr

Last edited 1 Jahr her by Britsch
Britsch
1 Jahr her

man kann es nicht genug in erinnerung rufen Nicht nur die Kosten sind verheerend sondern auch der Schaden, der der Natur zugefügt wird und die unberechenbaren und nicht vorhersehbaren Wetterveränderungen. Was über Windrädern weniger öffentlich bekannt ist, diese Bauen Windstärke erheblich ab und verwirbeln Wind. Dies in Höhen in denen Z.B. Wolkenbildung stattfindet. Die Windstärke ist auch entscheidend wo die Wolken hin getrieben werden und es regnet. Andere wissen das viel besser als ich und sollten öfter diesbezüglich schreiben und sich zu Wort melden, daß die die wahren Tatsachen breiter bekannt werden,. bevor es ganz zu spät ist, Die so… Mehr

Last edited 1 Jahr her by Britsch
H. Hoffmeister
1 Jahr her

Leider einer der wenigen Rufer im Heer der grünwoken Politiker, Manager, Unternehmer und Bürger. Alle sind besoffen von ihrer vermeintlichen „Nachhaltigkeit“ bei gleichzeitig verkümmertem, zuweilen grotesk naiven Technik- und Wirtschaftsverständnis.

MaxVanMoritz
1 Jahr her

Die Drehzahl einer Turbine sind 50 Herz pro Sekunde – schaltet die Dinger doch einfach mal ab!

Felix Dingo
1 Jahr her
Antworten an  MaxVanMoritz

Ich weiß, was Sie meinen, aber die Drehzahl wird immer in Umdrehungen pro Minute angegeben – n/min.

rbayer
1 Jahr her
Antworten an  MaxVanMoritz

mal abgesehen vom sinnfreien plural: 50 hz ist der nennwert der technischen frequenz der harmonischen schwingung von spannung und strom in unseren gefilden (usa: 60 hz). mit „turbine“ ist wohl ein generator gemeint? nun gibt es aus guten gründen getriebe mit übersetzung. ganz allgemein: wie schnell sich ein GENERATOR dreht, hängt von der drehzahl seiner welle ab (mech. zu – elektrisch ab). eine turbine zum antrieb der welle benutzt man z. b., wenn heißdampf / übersätigter dampf (sehr hoher energiegehalt) zur verfügung steht durch hitze ganz allgemein: erzeugt durch kernspaltung, duch kernfusion, durch verbrennung fossiler energieträger, ggf. auch durch bündelung… Mehr

Michael Palusch
1 Jahr her
Antworten an  MaxVanMoritz

Die Drehzahl ist nicht „50 Herz pro Sekunde“ sondern 50 Umdrehungen pro Sekunde. Was dadurch erzeugt wird, nämlich der Drehstrom, hat dann die Frequenz von 50 Hertz (!). Die Ergänzung „pro Sekunde“ ist in Verbindung mit Hz falsch, denn „Hertz“ ist nur der Einheitsname für die SI-Einheit 1/s, gesprochen „pro Sekunde“.

Last edited 1 Jahr her by Michael Palusch
Barbarossa
1 Jahr her
Antworten an  MaxVanMoritz

Meine Guete! Wissen Sie eigentlich worueber Sie schreiben? In Deutschland und Europa beträgt die Netzfrequenz 50 Hz. Das bedeutet, dass der Strom 50 Mal pro Sekunde seine Richtung ändert. So what?

Biskaborn
1 Jahr her

Hochinteressant. Aber es sind eben nicht nur die Grünen Eiferer sondern fast alle politischen Parteien, die Gewerkschaften, Kirchen und vor allem die Wirtschaft selbst , sind es die diesen energiepolitischen Irrweg eifernd mitgehen und ja nicht davon abweichen wollen, den Abweichung ist Rechts und dagegen muss man kämpfen!

Proffi
1 Jahr her
Antworten an  Biskaborn

Vergessen Sie nicht die Medien, die das Volk verdummen und für die desaströsen Wahlergebnisse verantwortlich sind.

Guzzi_Cali_2
1 Jahr her

Interessant wäre, wenn man die Energiepreise vom Wahlverhalten abhängig machen könnte. Wer Grün wählt, kriegt grüne Preise, wer konservativ wählt, kriegt traditionelle Preise. Ich glaube, da hätten die Grünen morgen schon KEINE Wähler mehr. Denn sobald der eigene Geldbeutel betroffen ist, ist einem das Hemd näher als die Jacke.

norbertb783
1 Jahr her
Antworten an  Guzzi_Cali_2

Herr Dr. Krall hat einmal vorgeschlagen, daß nur die Netto-Steuerzahler wählen dürfen und keinerlei Personen die vom Staat (im weitesten Sinne) bezahlt werden. Das hätte auch was für sich. Die Parlament würden ganz anders aussehen, eine ganz andere Politik wäre die Folge. Schade, daß es nicht so ist.

MalerKoeln2
1 Jahr her
Antworten an  Guzzi_Cali_2

So ist das IMMER mit marxistischem Handeln !

Wie schon Frau Thatcher sagte: Marxismus geht nur so lange, wie man andere Leute aussaugen kann.

Noch ist Deutschland nicht ganz pleite, darauf baut Habeck.

Last edited 1 Jahr her by MalerKoeln2
Edwin
1 Jahr her
Antworten an  Guzzi_Cali_2

Sorry, auch wenn es hier jetzt nicht zum Thema passt, aber grundsätzlich gilt dies auch für das Migrationsthema ( im Grunde für alle Grünen Themen). Wer Immigration will, kann eine Arbeitsstelle ausschreiben (im privaten Bereich zum Beispiel Pflegekraft). Er beantragt dann ein Arbeitsvisum und unterschreibt dafür eine Verpflichtungserklärung. Diese besagt, daß der Verpflichtete sämtliche Kosten für den Immigranten inklusive die einer erzwungen Ausreise übernimmt, also er haftet persönlich. Eine Alternative wäre, dass sämtliche mit der Immigration zusammenhängen Kosten in einen Fond ausgelagert werden, der nicht über den Bundeshaushalt finanziert wird, sondern über freiwillige nicht über Spenden abzugsfähige Zuwendungen. Dann würde… Mehr

Last edited 1 Jahr her by Edwin