Der anhaltende Abstieg der deutschen Wirtschaft scheint für eine Mehrheit der Deutschen nicht länger relevant zu sein. In der späten BRD blühen vor allem ideologischer Eskapismus und – sehr preußisch – der öffentliche Dienst. Doch die Blase des dekadenten Degrowth ist bereits geborsten.
picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde
Auch mit einigem zeitlichen Abstand und aus größerer Distanz betrachtet ergibt das Wahlergebnis in Baden-Württemberg keinen Sinn. Dass ausgerechnet die beiden zu einer Art politischem Zwillingsplaneten verschmolzenen ökosozialistischen Parteien – Bündnis 90/Die Grünen und die CDU – beinahe zwei Drittel der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen konnten, macht angesichts der wirtschaftlichen Lage im Land fassungslos. Es wirft eine grundlegende Frage auf: Können oder wollen die Deutschen den wirtschaftlichen Niedergang nicht mehr mit den politisch Verantwortlichen in einen sinnvollen Zusammenhang bringen?
Baden-Württembergs Landeshauptstadt Stuttgart befindet sich dabei markanterweise im Epizentrum dieses Niedergangs. Die Stadt ist gewissermaßen eine Blaupause für jene Zukunft, die Anhänger der grünen Transformation propagieren.
Dabei ist es einerlei, ob es sich um grüne Ideologen und Hardliner vom Schlage eines Jürgen Trittin handelt, die den kultivierten deutschen Schuldkomplex gezielt für ihre politischen Degrowth-Fantasien nutzen, oder ob es CDU-Politiker der Merkel-Merz-Linie sind, die dem Volk medienwirksam eine Placebo-Reformpolitik vorgaukeln. Beide Strategien verweisen letztlich auf dasselbe Ziel: Die traditionelle deutsche Industrie soll durch eine von der Politik kontrollierte Kommandowirtschaft ersetzt werden.
Dass Mittelstand und Großindustrie unter dem wachsenden fiskalischen Druck und der Energiewende-Katastrophe in die Knie gehen, lässt sich längst nicht mehr bestreiten. Hinzu kommt ein regelrechter Staubsauger-Effekt am Kapitalmarkt. Jede Subvention, besonders die vom Staat garantierten hohen Renditen der Grünen im Gefüge der grünen Kunstwirtschaft, entzieht dem freien Kapitalmarkt wertvolle Ressourcen. So werden Unternehmensgründungen, Wachstumsfinanzierung und Risikokapital systematisch zerrieben oder ins Ausland verdrängt.
Möglicherweise entscheiden sich auch Unternehmer, den simplen Weg der Subventionsextraktion mitzumarschieren auf dem Weg hin in das grüne Paradies. Das Problem dabei ist: Die Staatswirtschaft, ganz gleich, ob sie von privaten Unternehmen als ausführende Organe oder unmittelbar vom Staat betrieben wird, fügt der Ökonomie keine Werte hinzu. Sie ist ein Zerstörungsmechanismus, den auch die Stadtkämmerer in der neuen Hauptstadt der ideologischen Eskapisten in Stuttgart zu spüren bekommen.
Im vergangenen Jahr kollabierte das Gewerbesteueraufkommen um rund fünfzig Prozent – ein untrügliches Zeichen für massiven ökonomischen Schaden. Das Defizit der Stadtkasse riss auf 800 Millionen Euro auf. Nur ein Notkredit von 2,4 Milliarden Euro hält die Stadt in den kommenden drei Jahren überhaupt noch über Wasser.
Im realen Leben würden die Verantwortlichen für dieses Desaster womöglich wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht landen. Doch für die Politik in Deutschland – und in weiten Teilen der Europäischen Union – gelten offenkundig andere Maßstäbe. Kaum noch jemand scheint zu bemerken, dass die technologischen und emotionalen Flaggschiffe, mit denen sich die Region über Generationen identifizierte, unter dem grünen Regime in die Knie gehen. Allein Daimler strich in der Region Stuttgart 7.000 Stellen, Bosch weitere 4.000. Das Ländle droht so zu einem gigantischen Sozialpark zu werden, partiell entwaldet für monströse Windräder, seine Landschaften mit Solarparks überzogen.
Es ist interessant zu beobachten, wie sich im Laufe der Zeit konservativer Erwerbsfleiß als markante regionale Tugend in einen grün-sozialistischen militanten Moralismus übersetzen konnten.
Dass der Laden überhaupt noch rudimentär weiterläuft, verdankt der Südwesten der Republik derzeit ausgerechnet dem Atomstrom aus Frankreich. Auch das zeigt: Dieses universelle Gesetz ist bisweilen von bitterem Zynismus geprägt. Doch ganz gleich, wie hoch Württemberger und Badener ihre Mauer der Illusionen hochgezogen haben, die Wellenschläge der realen Ökonomie werden auch diese Illusion politischer Reformverweigerung zerhämmern. Schon kursieren Gerüchte, dass auch Porsche bis zu 5.000 seiner Angestellten in der Region kündigen muss. Industrieproduktion in der Region ist längst nicht mehr konkurrenzfähig.
Es wird ein schmerzhafter Lernprozess. Aber auch süddeutsche grüne Schwärmer werden sich nicht dauerhaft den Axiomen der Ökonomie entziehen können. Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht in den Seminaren des blühenden NGO-Wesens oder den zahlreichen ökologischen Interessengruppen, die im Eiferer-Sound (wie radikale Aktivisten predigen) predigend durch die Medien ziehen. Nein, die Unternehmen werden es auf die harte Tour erfahren: Ihr eigentlicher Wohlstand, auf dem nun die Sumpfpflanze des Moralismus blüht, war ein Produkt beinharter Disziplin, marktwirtschaftlicher Ordnung und einer rationalen bürgerlichen Ethik. Die weltweit gefragten Ingenieursleistungen trugen maßgeblich dazu bei.
Noch immer entstehen etwa zwölf Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung der Region im Maschinenbau – genau in jenem Bereich, der unter dem grünen sozialistischen Regime stärker geschwächt ist als jeder andere, ausgenommen das zweite Standbein der Region, der Automobilbau.
Wie bei Shakespeare nehmen sich die beiden Romeo und Julia der deutschen Ökonomie nun das Leben. In den letzten Jahren, seit 2018, hat sich das Produktionsvolumen der deutschen Industrie allgemein um über zwanzig Prozent reduziert, besagter Maschinenbau verlor im vergangenen Jahr fünf Prozent seiner Produktion.
Dies ist keine Rezession mehr, es ist ein bewusster ökonomischer Niedergang im Namen des grünen Gottes, den sie in Baden-Württemberg inniger verehren als irgendwo in der Republik. Schade um diese wunderschöne Region mit ihrer bewegten und großartigen Geschichte.


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