Hausdurchsuchung als Strafe: Polizei schikaniert Top-Journalisten Lars Winkelsdorf

Die Polizei durchsuchte die Wohnung von Lars Winkelsdorf. Der Journalist mutmaßt: „Man will mich terrorisieren“, für kritische Presseberichte über den Innensenator Andy Grote. Die Zustände seien unhaltbar: protegierte Waffenschmuggler, Drogendealer mit Maschinenpistolen, eine Waffenbehörde, die wegschaut.

 

Morgens um 06.30 Uhr klingelt die Polizei bei dem bekannten Journalisten, Waffenrechtsexperten und forensischen Gutachter Lars Winkelsdorf. Der Vorwurf: Er soll illegal eine Waffe besitzen. Doch die betreffende Waffe befindet sich nachweislich schon seit 18 (!) Jahren bei den Behörden.

„Es ging tatsächlich aus meiner Wahrnehmung eindeutig darum, mich einzuschüchtern, Gewalt gegen mich auszuüben, meine Arbeit als Journalist zu behindern und mir unmittelbar zu verstehen zu geben, dass meine kritische Berichterstattung zur Waffenbehörde der Hamburger Polizei und der katastrophalen Situation hier mit dem Missbrauch illegaler Waffen in Hamburg politisch unerwünscht ist“, kommentiert Winkelsdorf. Der massive Polizeieinsatz sei rechtsstaatlich nicht haltbar, „Man will mich terrorisieren.“

Im Gespräch mit TE schildert er detailliert den Ablauf der Durchsuchung, das aus seiner Sicht unverhältnismäßige Vorgehen der Beamten sowie zahlreiche formale und inhaltliche Fehler im Durchsuchungsbeschluss. Winkelsdorf erhebt schwere Vorwürfe gegen die Hamburger Waffenbehörde: Aktenmanipulation, bewusste Falschinformationen gegenüber Justiz und Polizei sowie systematische „Zersetzungsmethoden“ nach dem Vorbild der Stasi.

Der renommierte Journalist beschreibt ein Klima aus Filz, politischer Patronage und Intransparenz in Hamburger Behörden und auch in den lokalen Medien. Seinen Fall sieht er in einem größeren Zusammenhang: Der Umgang mit kritischen Journalisten werfe Fragen auf, wie belastbar die Demokratie und die Pressefreiheit in Deutschland sind.

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Kommentare ( 2 )

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CasusKnaxus
33 Minuten her

Der Herr hat mein tiefstes Mitgefühl. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie man sich da fühlt. Einfach nur ekelhaft. Es soll sie runterziehen. Diese ohnmächtige Wut und das Gefühl, das nicht weggeht, das jemand in dein intimste Privatsphäre eingedrungen ist. Widerlich. Hoffentlich kann er irgendwas rechtlich erreichen…

Klaus D
38 Minuten her

Journalisten Lars Winkelsdorf….oder wenn journalisten durch schlechten journalismus zum „opfer“ werden?

Auf dem Kieker

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat das Haus des Journalisten Lars Winkelsdorf durchsuchen lassen. Zur Begründung schiebt sie einen taz-Artikel vor.

…..

Als Grund für den Verdacht des illegalen Waffenbesitzes nannte der Durchsuchungsbeschluss einen Artikel in der taz von 2024, in den sich ein Fehler eingeschlichen hatte. Dort stand, Winkelsdorf habe noch einen Waffenschein und besitze Waffen, was aber nicht mehr der Fall war.

https://taz.de/Hausdurchsuchung-zur-Morgenstunde/!6147567/