Was die Bundeszentrale für politische Bildung aus der „Farm der Tiere“ macht

Die Bundeszentrale für politische Bildung empfiehlt Lokaljournalisten, Orwells "Farm der Tiere" zu thematisieren. Was sie dazu schreiben sollen, ist aufschlussreich.

Die Bundesregierung meint es in jüngster Zeit ganz besonders gut mit Journalisten. Die haben vom deutschen Staat nicht nur zunehmend finanzielle Hilfen in Aussicht, sondern auch ganz unmittelbare Hilfe bei der alltäglichen Arbeit. Wenn Journalisten mit Themenfindungsschwierigkeiten absolut nichts Berichtenswertes in den Sinn kommt, hilft ihnen „Drehscheibe“, ein Dienst der Bundeszentrale für politische Bildung alltäglich mit Themenideen. 

Wer sich nicht vorstellen kann, dass es so einen staatlichen Journalistenhilfsdienst wirklich gibt, sehe es sich an: https://www.drehscheibe.org. Hoffnung auf die Zukunft des Journalismus macht immerhin die Nichtexistenz von Reaktionen bei Twitter. Aber der bpb kann das wurscht sein. Sie wird ja aus Steuern finanziert.

Einen Eindruck davon, was sich die politischen Bildner unter Journalismus vorstellen, vermittelt ein aktueller Themenvorschlag zum 17. August. „Veröffentlichung von Animal Farm, 75 Jahre. Tipp: Besuch eines selbstverwalteten Bauernhofs: Steht „Farm der Tiere“ im Bücherregal? Welche Tiere sind besonders aufsässig?“

Ist das einfach nur Unbildung, was ausgerechnet die Bundeszentrale für politische Bildung hier demonstriert? Oder ist es eine bewusste Verharmlosung und Entpolitisierung eines der wichtigsten politischen Bücher des 20. Jahrhunderts? 

Aus George Orwells Fabel über die grausigen Abwege des Kommunismus wird also ein Anlass zum Bauernhofbesuch gemacht. Statt die antitotalitäre Botschaft des Buches vorzustellen, die eine eindringliche Warnung vor revolutionärer Ideologie ist, sollen Journalisten und Bürger über „aufsässige“ Tiere tratschen.  „Aufsässig“ im Sinne der Bundeszentrale sind vermutlich jene Tiere, die sich den stalinistischen Schweinen widersetzen. Überhaupt: Welcher Bauernhof ist eigentlich nicht „selbstverwaltet“? Gibt es schon Staatsbauernhöfe, oder LPGs wie in der DDR und nur noch wenige „freie“ Bauern? Es ist bemerkenswert, wie ein Klassiker der politischen Literatur auf das Niveau eines grünen Kinderbuchs reduziert wurde – daseist auch, welche niedrige Meinung die Bundeszentrale von ihren Bürgern hat.

Wer das Büchlein nicht nur „im Bücherregel“ stehen, sondern auch gelesen hat, könnte sich beim Vorschlag der „Drehscheibe“ fast ein wenig an eine der Figuren der Fabel erinnern. Nämlich an das Schwein „Schwatzwutz“. 

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Kommentare ( 49 )

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49 Kommentare auf "Was die Bundeszentrale für politische Bildung aus der „Farm der Tiere“ macht"

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Und wer nicht so gerne liest, darf gerne auch Pink Floyd – Animals aus den siebzigern anhören und sich Bilder dazu ausmalen …. . Ein Meilenstein.

Absolut! Ein Weltmeisterwerk, ein Siebenmeilenstein! Psychedelisch und progressiv, gewaltig, doch ohne Bombast, eingänig, aber zugleich rotzig und roh. Allein „Pigs – Three Different Ones“, was für ein blutiger Batzen rohen Fleisches, freilich voller Gift aus Waters ätzender Galle… Die Lyrik genial, dabei zynisch und gnadenlos!

Waters auf dem Zenit seiner schieren Wortgewalt, am Vorabend von „The Wall“, das endgültig alle Dämme brechen und alles in den Schatten stellen sollte, was man bis dahin an Konzeptalben kannte. Und seien wir ehrlich: Es ist bis heute unangefochten.

Gute Hintergrundinformation. So kann ich den gestrigen Artikel in der Welt zum Thema „Neusprech“ gleich gut bezüglich seiner Herkunft und Motivation einordnen…

Ich habe mein Exemplar vor ein paar Wochen wieder hervorgekramt. Gekauft habe ich es 1995 in Neu Delhi. „It is the history of a revolution that went wrong – and of the excellent excuses that were forthcoming at every step for the perversion of the original doctrine“ wrote Orwell in the original blurb for the first edition of Animal Farm in 1945 steht auf der Rückseite. His simple and tragic fable, telling what happens when the animals drive out Mr Jones and attempt to run their farm themselves, has since become a world-famous classic of English prose. „Almost certainly Orwell… Mehr

So eine Dreistigkeit hätte sich wohl nicht einmal Orwell vorstellen können.

Auch das Buch von Wolfgang Benz „Alltags-Rassismus“, das die Landeszentralen für Politische Bildung vertreiben, ist bemerkenswert. Dort werden alle, die nicht zu den Migrationseuphorikern gehören, in Bausch und Bogen verdammt.

Die so genannte Bundeszentrale für politische Bildung
müsste nach meiner Auffassung eigentlich richtiger Weise
die Bezeichnung
Bundeszentrale für politische Umerziehung / Propaganda tragen

wenn ich so das Ergebnis der deutschen Bildung anschaue, könnten Schulen & Unis weiterhin geschlossen bleiben. Möglicherweise können es sehr viele Eltern besser.

Da erdreistet sich diese „Bundeszentrale für politische Bildung“ doch tatsächlich die Empfehlung -um im Tierjargon zu bleiben-, dass sich Lokaljournalisten einem „Schweine-Journalismus“ verschreiben mögen und für diesen Zweck Orwells „Farm der Tiere“ zu thematisieren.

Nur zur Erinnerung:
– Die bpb unterstützt Bürgerinnen und Bürger dabei, sich mit Politik zu befassen (!)
– Die bpb ist eine „nachgeordnete Behörde“ im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern
– Die bpb ist eine „nicht rechtsfähige Bundesanstalt“
– „Aufsichtsbehörde“ über die bpb ist das „Bundesministerium des Innern“ (!)

Frage: Wann wird die bpb umgewandelt in eine „rot-grüne Stiftung“ oder gleich in ein „NGO“ (?) …wärezumindest ehrlicher !

Tja, das passiert halt wenn man den Sumpf trockenlegen will, und die Verantwortung dafür den Fröschen überlässt.

Dreist, wie hier Steuergelder für linke Meinungsbeeinflussung veruntreut wird.
Alle diese Geldhähne müssen sofort rückwirkend zugedreht werden.
Wenn, dann sollten nur die Bürger selbst, direkt entscheiden, wem sie Geld zukommen lassen.