Himmlers wirtschaftliches Versagen zum Nachteil der Zwangsgebührenzahler

Norbert Himmler verwaltet beim ZDF nicht nur Haltung, sondern auch Milliarden miserabel. Tochterfirmen taumeln, Verluste explodieren, Eigenkapital schmilzt dahin. Solange der Zwangsgebührenzahler als Lückenbüßer hergenommen wird, müssen Zahlen offenbar nicht stimmen. Das ZDF sollte abgewickelt werden.

picture alliance/dpa | Hannes P Albert

Es ist nicht bekannt, dass anlässlich seiner Wahl zum Intendanten Norbert Himmler vom ZDF-Fernsehrat auf das wirtschaftliche Desaster der ZDF Studios GmbH angesprochen wurde. Aber was interessiert den Lobbyrat die Wirtschaftlichkeit des ZDF, zur Not richtet es eine Gebührenerhöhung, Hauptsache die Richtung der Propaganda stimmt.

Mehr als interessant an dem wirtschaftlichen Desaster ist, dass es eigentlich nicht existieren dürfte. Laut Medieninsider habe das Jahr 2024 für die ZDF Studios GmbH, einer Tochter des ZDF, mit einem Verlust von 15,1 Millionen Euro geendet, weil für die Insolvenz der niederländischen Produktionsfirma Off the Fence (OTF), die wiederum eine Tochter der ZDF Studios GmbH ist, „Rückstellungen“ und „Aufwandsbuchungen“ von ca. 21 Millionen Euro notwendig wurden. Es heiß, dass ZDF habe mit einer Gewinnausschüttung von 8,5 Millionen Euro gerechnet, die nun ausbleiben.

Im Jahr 2019 hatte das ZDF die stolze Summe von 13,1 Millionen Euro für den Kauf der Nonfiction Firma ‚Off The Fence‘ hingeblättert. Die ZDF-Bosse und wohl auch Himmler fühlten sich bestätigt, als im Jahr 2021 die Netflix-Dokumentation von OTF My Octopus Teacher (Mein Lehrer, der Krake) den Oscar erhielt. Doch Preise sind kein Umsatz, mit dem ging es nämlich kontinuierlich bergab. Schließlich meldete OTF beim zuständigen Bezirksgericht in den Niederlanden Insolvenz an und der Insolvenzverwalter verkaufte die Produktionsfirma an die niederländische Sendegruppe Insight TV für 2,1 Millionen Euro.

Zur Erinnerung: das ZDF zahlte 2019 noch 13,3 Millionen Euro.

Doch die Baustelle ZDF Studio GmbH ist nach den Recherchen von Medieninsider für das ZDF größer als „nur“ OTF. Immer mehr Firmen, die zur ZDF Studios GmbH gehören, Töchter und Beteiligungen, geraten ins Straucheln, verzeichnen rückläufigen Umsatz und Gewinneinbrüche. Intaglio Films, die die Serien „Der Schwarm“ und „Concordia“ produzierte, und an der die ZDF Studios GmbH mit 49% beteiligt ist, ist laut Medieninsider „bilanziell überschuldet“, und soll nun „stabilisiert“ werden, bevor eine „strukturierte Auflösung“ durchgeführt wird. „Auch Nadcon sei im „handelsrechtlichen Sinne überschuldet“, schreibt Medieninsider und verweist darauf, dass bis Ende des Jahres ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 1,2 Millionen Euro laufe. Allerdings bestehe „eine erhebliche Unsicherheit über die vollständige Rückzahlung des Gesellschafterdarlehens“. Ist sich Himmler eigentlich bewusst, dass wir letztlich von Zwangsgebührengeldern reden? Von öffentlichen Geldern? Aber Himmler weiß zumindest, wo der „Feind“ des Zwangsgebührenzahlers sitzt?

Hielt der ZDF-Konzern ZDF-Studios GmbH im Jahr 2023 noch ein Eigenkapital von 55,1 Millionen Euro vor, so waren es Ende 2024 nur noch 23,8 Millionen. Das Eigenkapital hatte sich binnen eines Jahres halbiert. Die Eigenkapitalquote sank innerhalb eines Jahres von 25,1 % auf 12,9 %.

Um den Gewinneinbruch zu verstehen, muss man einen Blick in die Schattenwelt des öffentlich-rechtlichen Fernsehens werfen. In dieser Schattenwelt wird eine sozialistische Wirtschaftsweise gepflegt, die kartellrechtlich und aus der Sicht des freien Wettbewerbs zumindest anrüchig ist.

Die ZDF Studios GmbH, die zu 100 % eine Tochterfirma des ZDF ist, deckt nach eigenen Aussagen „die komplette Entstehungs- und Verwertungskette im Bewegtbildbereich ab: von der Entwicklung fiktionaler und non-fiktionaler Inhalte über die Produktion bis hin zur Vermarktung in allen wesentlichen Auswertungsformen, u. a. TV- und Streaming-Lizenzen sowie Merchandising- und Online-Rechten.“

Um zu verstehen, warum das Unternehmensprofil der Firma einen Skandal darstellt, hilft stellvertretend für andere Firmen des ZDF-Konzerns einen Blick auf die Tochterfirma Network Movies zu werfen, die Filme und Serien für den Fernsehmarkt produziert, nicht ausschließlich, aber kontinuierlich für das ZDF.

Im Jahr 1998 wurde laut Wikipedia der ZDF-Redakteur Elschot beauftragt, die ZDF-Produktionsgesellschaft zu gründen, die 1999 unter dem Namen Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH ihre Arbeit aufnahm. Laut Wikipedia war Elschot bis 2009 als Geschäftsführer und Produzent tätig. Vor der Pensionierung kehrte Elschot 2009 ins ZDF zurück, wo er von 2009 bis 2017 als stellvertretender Programmdirektor und Fernsehfilm-Chef des ZDF wirkte und natürlich seine Firma nicht vergaß. Es verwundert kaum, dass Elschot 2018 wieder als Produzent tätig wurde und natürlich auch für Network Movie. Zur Zeit soll er für Network Movie an einem großen teuren Film über Willy Brandt arbeiten, den wir alle gern finanzieren helfen.

Der marktwirtschaftliche Skandal, den Firmen wie Network Movie darstellen, besteht darin, dass in einem so überschaubaren Fernsehmarkt wie Deutschland Tochterfirmen von gebührenfinanzierten Sendern mit Auftragskontingenten rechnen können, die man nicht festschreiben muss. Da letztlich die Redakteure über die Inhalte entscheiden, häufig genug in den Entwicklungsprozess so massiv eingreifen, dass es schon gleichgültig wird, wer produziert, ist es doch sehr hilfreich, wenn ein im Sender bestens vernetzter Redakteur Produzent wird. An dieser Stelle wird der Wettbewerb faktisch ausgehebelt. Network Movie, nomen est omen beim Network mit dem ZDF, ist nur ein Beispiel für die vielen Sendertöchter, des es auch bei der ARD gibt.

Pikant allerdings ist, dass auch Network Movie trotz exorbitanter Sendernähe nach dem Bericht von Medieninsider 2024 ein rückläufiges Vorsteuerergebnis auswies und die Gewinnausschüttung an die ZDF Studios GmbH und damit letztlich auch an das ZDF ausblieb. Im ZDF Beteiligungsbericht für das Jahr 2024 heißt es, dass „nicht davon ausgegangen werden“ könne, „dass in den Folgejahren sowohl Umsatzvolumen als auch die Jahresergebnisse auf dem Niveau der Vorjahre gehalten werden können.“ Doch wo ist das Problem? Es gibt ja den Zwangsgebührenzahler. Im Notfall muss man eben, um die Resilienz unsere Demokratie zu stärken, die Zwangsgebühren erhöhen.

Ob man schon von Nepotismus reden kann, sei dahingestellt, eine Wettbewerbsverzerrung dürfte jedoch vorliegen, denn die Auftragsvergabe auf dem Fernsehmarkt ist äußerst subjektiv. Wenn ein Fernsehgerät, ein Auto oder ein Fahrrad angeschafft werden soll, kann man die Angebote verschiedener Firmen einholen und sie nach Preis, Funktionalität und Qualität unterscheiden. Bei einem Film verkauft man jedoch nicht das fertige Produkt, den fertigen Film, sondern die Idee des Films. Hierbei spielen die Idee und natürlich das Renommee der Produktionsfirma eine Rolle, denn man möchte eine Garantie dafür haben, dass die Firma auch in der Lage ist, den Film in der versprochenen Qualität herzustellen. Dass eine Tochter des ZDF dem ZDF die Gewähr dafür bietet, liegt auf der Hand. Sie besitzt hier einen Wettbewerbsvorteil. Doch der entscheidende Vorteil besteht darin, dass zwischen Produzenten und Redaktion eine Nähe besteht, die unter Umständen dazu führen kann, dass ein Film oder eine Reihe aus wirtschaftlichen Gründen unbedingt gemeinsam produziert werden muss, und daher auch gemeinsam entwickelt wird. Das Problem liegt nicht in der Frage, wie viel eine Tochterfirma für den Muttersender produziert, sondern, dass sie überhaupt für den Muttersender arbeitet. Es entsteht nämlich folgender Kreislauf, wenn man ein paar Umwege weglässt: mit Zwangsgebührengeldern wird eine Firma gegründet, die wiederum beauftragt wird, Programm zu produzieren, das vom Sender von Zwangsgebühren finanziert wird.

Diese Verflechtungen tragen ihren Teil dazu bei, dass der Wettbewerb verzerrt wird, und dass nicht nur das Informationsprogramm, sondern auch die Filme und Serien durchideologisiert sind. Der Begriff deutscher Film ist inzwischen nur noch eine contradictio in adjecto, woke Klippschulprodukte, in denen man Schauspielern, die seit Jahren bei Redakteuren beliebt sind, beim Altern zusehen kann, und indem der Betroffenheitsmonolog längst den lebendigen Dialog verdrängt hat, so wie es sich öffentlich-rechtliche Redakteure, deren einzige Verbindung zum realen Leben außerhalb ihrer woken Blase nur im kurzen Gespräch mit ihrer Haushaltshilfe besteht, vorstellen: Merkels Gäste sind keine Täter, sondern Opfer, Gewalt geht von Rechten, nicht von Linken aus, Schuld ist gern der mittelalte oder alte weiße Mann. Sollte es doch humorvoll werden, wünscht man sich, dass die Peinlichkeit schnell vergeht. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Das schlechte Ergebnis von ZDF-Töchtern und ZDF-Beteiligungen mag auch damit zusammenhängen, dass andere Sender und Streamingdienste anders als der Zwangsgebührenzahler nicht verpflichtet sind, für Produkte von ZDF-Töchtern und ZDF-Beteiligungen zu zahlen, sie nicht beauftragen und auch nicht vergüten müssen

Medieninsider schließen die mustergültige Recherche mit der Feststellung: „Darüber hinaus betrifft die Frage nicht nur das operative Management von ZDF-Studios, sondern auch ZDF Intendant Norbert Himmler. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats ist er für die Kontrolle ZDF Studios und dessen Management gesamtverantwortlich.“

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